Inhalt

  1. Cover
  2. Über dieses Buch
  3. Über den Autor
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Ein Fest der Liebe
  7. Das schönste Fest
  8. Leseprobe – DER JESUS-DEAL

Über dieses Buch

Ein Fest der Liebe

Nach dem Tod ihrer Eltern verbringt Lena ihr erstes Weihnachtsfest alleine in dem großen, leeren Haus der Familie. Die verlassenen Räume wecken nicht nur viele Erinnerungen, sondern auch ein gespenstisches Unbehagen in ihr. Als sie eines Nachts Geräusche im Haus zu hören glaubt und Lebensmittel aus den Schränken verschwinden, beginnt Lena an ihrem Verstand zu zweifeln.

Das schönste Fest

Weihnachten! Das war schon immer das schönste aller Feste, an dem er lieb gewonnene Rituale pflegte. Umso enttäuschter ist er, als er in der Metzgerei keinen Rehbraten bekommt. Zu einem richtigen Weihnachtsfest gehörte einfach ein Rehbraten! Aber von diesem und anderen Zwischenfällen wird er sich nicht sein Weihnachtsfest verderben lassen …

Über den Autor

Andreas Eschbach, 1959 in Ulm geboren, studierte Luft- und Raumfahrttechnik und arbeitete als Softwareentwickler. Sein erster Roman Die Haarteppichknüpfer wurde in sechs Sprachen übersetzt. Bekannt wurde er durch Das Jesus Video. Mit Eine Billion Dollar (2001), Der Letzte seiner Art (2003), Der Nobelpreis (2005) und Ausgebrannt (2007) stieg er endgültig in die Riege der deutschen Top-Autoren auf.

Andreas Eschbach

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Andreas Eschbach

Ein Fest der Liebe

Man hat mich schon oft gefragt, ob ich nicht mal eine Weihnachtsgeschichte schreiben wolle. Es muss trotz der zahllosen Erzählungen rund um dieses Thema einen schier unstillbaren Bedarf an weiteren Erzählungen rund um dieses Thema geben.

Aber leider ist Weihnachten ein Feiertag, der bei mir irgendwie keine kreativen Funken schlägt. Deshalb blieb es immer dabei, dass ich – durchaus ehrlichen Herzens – versprach, darüber nachzudenken, mir weiter aber nichts dazu einfiel.

Bis Carsten Polzin vom Piper-Verlag mich das fragte. Der Unterschied war, dass er hinzufügte: »Aber es sollte etwas Schräges sein.«

Schräg.

Nun – damit kann ich etwas anfangen …

Sie hieß Helena, ließ sich von allen Leuten aber nur Lena nennen, war siebenunddreißig Jahre alt und würde zum ersten Mal Weihnachten allein verbringen.

Das Wetter war so traurig wie diese Aussicht. Nasskalte Tage reihten sich auf das Fest zu. Der Himmel blieb grau und inkontinent, kein Schnee sank, nur die Temperaturen draußen. Hässliche Dinge geschahen. Zweimal fand Lena ein totes Tier am Straßenrand, erst einen überfahrenen Fuchs und am Tag darauf eine zerquetschte Katze. Sie sah eine Amsel, die an dem Kadaver herumpickte, und eine andere Katze, die sich mit glitzerndem Jägerblick näherte, ganz offensichtlich nur an der möglichen Beute interessiert, nicht am Schicksal ihrer Artgenossin.

Fressen oder gefressen werden, das war die Devise in der Welt der Tiere. Von einem Fest der Liebe, erkannte Lena, wussten Tiere nichts.

Um so trostloser zu erleben, dass auch Menschen dieses Fest auf den bloßen Anlass reduzierten, Geld auszugeben und Geschäfte zu machen, obwohl sie es besser hätten wissen können.

So überrumpelte sie ein Makler, indem er es verstand, den Eindruck zu erwecken, er käme von einer Behörde. Ehe Lena recht begriffen hatte, was los war, stand der Mann schon in ihrer Eingangshalle, sah sich um und sagte, sie solle das Haus verkaufen, es sei viel zu groß für sie. »Die vielen Räume! Da sind Sie ja nur am Putzen. Von den anstehenden Reparaturen ganz zu schweigen. An denen zahlen Sie sich tot, und wofür?«

Lena erklärte ihm kühl, das Haus sei seit über hundert Jahren im Besitz ihrer Familie und nichts käme weniger in Frage, als es zu veräußern.

Der Mann hob die Schultern. »Ich kann Ihnen nur sagen, dass solche alten Herrenhäuser heutzutage sehr gesucht sind. Organisationen und Firmen, die einen repräsentativen Sitz wünschen, sind bereit, dafür viel Geld zu zahlen. Sie hätten ausgesorgt, um es plastisch auszudrücken. Überlegen Sie es sich. Sie bekämen leicht anderswo ein schönes kleines Haus oder eine komfortable Wohnung und hätten genug Vermögen übrig, um den Rest Ihres Lebens finanziell unabhängig zu sein.«

»Ich bin noch jung«, sagte Lena.

»Gerade deshalb sage ich es«, erwiderte der Makler und reichte ihr seine Karte. »Hier, für alle Fälle. Sie erreichen mich jederzeit, auch an den Feiertagen.«

Lena nahm die Karte und legte sie, nachdem der Mann gegangen war, auf den großen, staubigen Stapel Werbepost im Flur neben dem Telefon, den zu entsorgen es wirklich höchste Zeit wurde. Gleich nach Weihnachten und noch vor Silvester, schwor sie sich.

Ihr Haus zu verkaufen, was für eine Idee! Ihr Urgroßvater, ein Fabrikant, hatte es erbaut und mit zwei Ehefrauen insgesamt elf Kinder darin großgezogen. Ihr Großvater hatte es noch auf vier Kinder gebracht, wozu fünf Ehen notwendig gewesen waren, und ihr Vater und ihre Mutter schließlich hatten nur ein einziges Kind bekommen: Lena, die ihrerseits kinderlos war und es, wie es aussah, auch bleiben würde.

Doch war das wichtig? Dies war ihr Zuhause, war es immer gewesen. Ihr Schloss. Ihre Burg. Wenn sie die eichene Haustür hinter sich zuzog, kam es ihr immer noch so vor, als zöge sie eine Fallbrücke hoch. Die Zinnen um das Dach herum erschienen ihr seit Kindertagen wie Wehrgänge, die Erker an den Hausecken wie Wachtürme.

Groß war es, ja. Drei Etagen, das Erdgeschoss mit herrschaftlich hohen Decken und einer imposanten Treppe hinauf in die oberen Stockwerke …

Was hatte es nur auf sich mit diesem verdammten Weihnachten, diesem so raumgreifenden Kalendereintrag, dass es ihr vorkam, als sei das Haus größer und stiller und leerer als sonst? Eine Halluzination, weiter nichts. Vaters Tod hatte schließlich an den tatsächlichen Verhältnissen nichts geändert; dass ihr nach seinem Schlaganfall vor dreieinhalb Jahren keine andere Wahl geblieben war, als ihn in ein Pflegeheim zu geben, war doch die weitaus dramatischere Veränderung der Situation gewesen!

Alle zwei Wochen mindestens hatte Lena ihn besucht. Zwei Stunden mit dem Auto waren das immer gewesen, über schmale Straßen zwischen Kuhweiden und Feldern, vorbei an Höfen, in denen Hühner frei herumliefen. Das Heim selber lag am Rand eines ehrfurchteinflößenden Waldes, aus dem manchmal Rehe traten und mit furchtsamer Neugier die Bauwerke der Menschen musterten. Über die Weihnachtsfeiertage hatte Lena sich dann jeweils in einem Gasthof im Dorf ein Zimmer genommen, immer dasselbe, mit einem Blick auf den Bach hinter dem Haus, an dessen Ufer sich stets ein paar Enten und Gänse zu schaffen machten, selbst im Winter.