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Wolf Rebelow

Der Appelzappel und andere Geschichten

Kinderbuch





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Der Appelzappel

Die Abenteuer einer kleinen Apfelmade

 

 

1. Woher der Name kommt

 

Ein Apfel, der im Wipfel thront,
ist vom Apfelwurm bewohnt.
Drei der Würmer sah man schon:
Vater, Mutter und ein Sohn.

 

Ganz früh schon sind die Eltern munter
und klettern flugs zur Arbeit runter.
Der Sohn erhält noch einen Kuss
und hört, was er nicht soll und muss:

 

"Geh nicht nach außen, bleibe drinnen,
sonst fressen dich die bösen Spinnen.
Zwischen ihren dünnen Strängen
bleibt ein Wurm wie du schnell hängen."

 

Jedoch der Sohn hielt es nicht aus
und ging klammheimlich aus dem Haus.
Die Spinnen mussten sich nicht eilen,
schon hing er fest in ihren Seilen.

 

Er zappelte nach allen Seiten,
bis ihn die Eltern spät befreiten.
Man nannte ihn seit dieser Zeit,
nur "Appelzappel" weit und breit.

 

2. Auf der Zitterpappel

 

Der kleine grüne Appelzappel
kroch auf eine Zitterpappel.
Er suchte lange und vergebens,
zur Erhaltung seines Lebens,
einen schönen, reifen Appel
in eben dieser Zitterpappel.

 

Der kleine grüne Appelwicht
glaubte seinen Eltern nicht,
dass es Äppel dort nicht gibt,
sie meinten, dass es bei ihm piept.
Nach Tagen lebte er noch kaum
und kroch zurück zum Appelbaum.

 

3. Auf dem Turm

 

Der Appelzappel, dieser Wurm,
bestieg am Morgen einen Turm.
Er kroch sehr lange, das ist klar,
bis er abends oben war.

 

Eine Aussicht bot sich nicht,
es fehlte schon das Tageslicht.
Enttäuscht und nicht mehr munter,
schaute er am Turm hinunter.

 

Der Appelzappel hatte Glück,
auf dem Wege dann zurück.
Ein Uhu griff ihn mit den Krallen
und ließ ihn unten wieder fallen.

 

Und er sprach mit tiefem Ton:
"So höre denn, mein lieber Sohn,
mühe dich, nur wenn es lohnt,
sonst schaust du immer in den Mond!"

 

4. Im Regen

 

Am nächsten Tag die Sonne fehlt,
dunkel blieb's am Himmelszelt.
Die Mutter zog die Stirne kraus
und sah zum Apfelloch hinaus.

 

Sie sprach: "Es sieht nach Regen aus,
drum bleibst Du heute brav im Haus.
Die Tropfen, groß und fürchterlich,
sie fallen und erschlagen dich."

 

Der kleine Wurm bekam ein Schreck,
denn die Eltern mussten weg.
Die Neugier überwog dann mehr,
wie groß denn so ein Tropfen wär'.

 

Der Appelzappel kroch zum Loch,
fasste Mut, verharrte noch,
dann steckt er mutig und verwegen,
seinen Kopf dann in den Regen.

 

Die Tropfengröße war enorm,
viel grösser als der größte Wurm.
Die meisten fielen vor ihm runter
und er blieb trocken, welch ein Wunder.

 

Plötzlich tönt ein lautes Knallen,
weil Tropfen auf den Apfel fallen.
Und ein riesengroßer Tropf
rammt den kahlen Madenkopf.

 

Tagelang lag er benommen.
"Nun hast du doch was abbekommen",
sprach die Mutter zu dem Wicht,
"ich warnte dich, Du hörst ja nicht!"

 

5. Im Glockenstuhl

 

Der Appelzappel, ohne Mütze,
bestieg einmal die Kirchturmspitze.
Fast oben, so am Glockenstuhl,
fand er dann die Glocken cool.

 

Drum blieb er dort, begann zu raten,
wann denn die Glocken bimmeln taten.
Und siehe da, nach kurzer Zeit,
macht sich ein Getöse breit.

 

Der Wurm erschrak, und sagte: "Huh!",
und hielt sich beide Ohren zu.
Dann stürzte er vom Glockenstuhl
und fand die Glocken nicht mehr cool.

 

6. Der große Appelzappel

 

Er wollte zeigen voller List,
dass er ganz viel gewachsen ist.
Mit dem Rücken an der Wand
und einem Bleistift in der Hand,
streckte er sich fürchterlich
und zog dann oben einen Strich.

 

Dieser war auf jeden Falle
höher als die anderen alle.
Er streckte sich dabei so sehr,
dass ihm dabei am Bauche quer,
beim Strecken an der Strichewand,
ein ziemlich großer Riss entstand.

 

Der Appelzappel schrie ganz laut,
es schmerzte tüchtig seine Haut.
Dann wurde er zum Arzt gebracht,
der hat den Riss dann zu gemacht.
Er sagte noch, er muss sich schonen
und grösser scheinen, sich nicht lohnen.

 

Das hat der Wurm nun auch begriffen
und auf die Großmannssucht gepfiffen.

 

7. Im Sturm

 

Einmal wehte starker Wind.
Das machte Angst dem Madenkind.
Es schaukelten die Äppel sehr
am Appelbaume hin und her.

 

Ab Mittag brauste es recht lange,
da wurde es den Eltern bange.
Die Suppenteller schwappten,
die Fensterläden klappten,
der Sturm warf eine Türe zu
und heulte ohne Rast und Ruh´.

 

Dann gab es einen lauten Knall,
ihr Appelhaus, im freien Fall,
plumpste auf die Wiese runter.
Die Maden lebten, welch ein Wunder!

 

Am Abend legte sich der Sturm
und es sprach der alte Wurm:



Gesagt, getan, es wurde so,
am Ende waren alle froh.
Fix und fertig, satt und fett,
kroch dann jeder in sein Bett.

8. Ende und Anfang

Der Appelzappel wurde dann
zu einem hübschen jungen Mann.
Und als die ersten Blätter fielen,
tat er auch nach Mädchen schielen.

Eines war besonders schön,
er fragte: "Willst Du mit mir geh'n?"
Sie sagte daraufhin nicht "Nein"
und beide puppten sich nun ein.

Als ein Herz und eine Seele,
schliefen sie in einer Höhle.
Die befand sich unter'm Baum,
den Eingang aber sah man kaum.

Sie schliefen lange und auch tief,
bis sie die Sommersonne rief.
Als kleine Falter flogen beide,
auf die andere Wiesenseite.

Sie landeten am Waldessaum
in einem neuen Appelbaum,
suchten sich den schönsten Appel
und bekamen einen Zappel.