Dark Football Player. End-Around

Roman

Alica H. White


ISBN: 978-3-96586-075-9
1. Auflage 2019, Bremen (Germany)
Klarant Verlag. © 2019 Klarant GmbH, 28355 Bremen, www.klarant.de

Titelbild: Umschlagsgestaltung Klarant Verlag unter Verwendung eines Bildes von shutterstock.

Sämtliche Figuren, Firmen und Ereignisse dieses Romans sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit echten Personen, lebend oder tot, ist rein zufällig und von der Autorin nicht beabsichtigt.

Inhalt

Kapitel 1 Logan

 

Nur mühsam registriere ich, dass es meine Haustürklingel ist, die mich da aus dem Nickerchen holt. Konfus stolpere ich los. Meine neue Wohnung fühlt sich immer noch nicht wie mein Zuhause an. Ich bin wahnsinnig müde, weil ich die letzte Nacht kein Auge zugetan habe. Madisons Geständnis hat mich vollkommen aus der Fassung gebracht. Ich hatte zwar so etwas in der Art erwartet, aber ich hätte nicht gedacht, dass mir ihr Schicksal so nahegehen würde.

Langsam werde ich wach und die Klingel tönt eindringlicher. »Moment, ich komme ja schon«, rufe ich, während ich den Kopf schüttle.

Als Antwort ertönt ein aufgeregtes Klopfen. Welcher Idiot von Pförtner lässt hier jemanden ins Haus, damit er direkt an der Wohnung schellen kann?

»Raker, mach auf!«, tönt es leise durch die massive Tür. Ich erkenne Ethans ungeduldige Stimme. Was will der von mir, so früh am Nachmittag? Ethan Wyatt wohnt im selben Haus, dem Wyatt Tower. Während ich in Melissa Wyatts alte Wohnung gezogen bin, lebt er mit Frau und Kind im Penthouse. Zwar muss er nicht am Pförtner vorbei, aber das ist noch lange kein Grund, sich so zu benehmen.

Ein Blick auf den Bildschirm bestätigt mir meine Vermutung, es ist mein alter Freund Ethan. »Was machst du für einen Alarm, Mann?«, murre ich, während ich die Tür öffne.

»Fuck, Alter. Du hast ein Problem«, grummelt Ethan, während er ungebeten in die Wohnung tritt.

»Freut mich auch, dich zu sehen«, antworte ich im selben Ton. »Verrätst du mir auch, worum es geht, Kumpel?«

»Du bist ein Idiot! Habe ich dir nicht gesagt, lass die Finger von ihr?«, ereifert er sich.

»Wovon redest du?«, frage ich und schließe die Tür. »Setz dich. Willst du etwas trinken?«

Ethan entlässt einen tiefen Seufzer und rauft sich die Haare, bevor er meiner Aufforderung nachkommt. »Danke, nein, nichts zu trinken. Ich rede von Melissa, sie hat mich fertiggemacht.«

»Warum? Was hat das mit mir zu tun?«

»Bist du eigentlich schwer von Begriff? Was glaubst du wohl?«, schnauzt er und schlägt sich aufgeregt vor die Stirn.

»Rede endlich!«, fordere ich ihn ungeduldig auf.

Ethan stutzt. »Du weißt es noch gar nicht? Alle Welt weiß es!«

»Nein. Komm auf den Punkt!«

»Das Sex-Video mit Madison.«

»Waaas?!«

»Irgendjemand hat so ein grau in graues Video ins Netz gestellt und behauptet, das wärst du mit Madison. Da ich ja weiß, wie es auf meiner Insel aussieht, könnte ich mir sogar vorstellen, dass da was dran ist, an dem Video. Also, was war da los?«

Gestresst massiere ich meine Nasenwurzel. »Fuck! Ich brauche einen Drink. Willst du auch einen?«

»Nein, ist mir noch zu früh.« Ethan schüttelt den Kopf. »Hätte ich mir denken können, dass da was gelaufen ist. Warum hast du das gemacht, trotz meiner ausdrücklichen Warnung im Tigers? Warum, Mann?! Warum konntest du nicht einfach die Finger von ihr lassen? Ich dachte, wir sind Freunde. Da respektiert man so was doch!«, schimpft er, während ich mir den Whiskey eingieße.

Betroffen lasse auch ich mich in einen Sessel sinken. »Ich weiß es nicht. Ich kann’s dir nicht erklären. Bei dieser Frau habe ich mich nicht unter Kontrolle«, murmle ich, während ich die goldbraune Flüssigkeit im Glas schwenke.

»Moment mal … du bist verliebt?«, fragt Ethan erstaunt. Fassungslos schüttelt er den Kopf. »Echt jetzt? Das ist kaum zu glauben.«

»Quatsch!«, antworte ich entrüstet. Unwirsch schütte ich den ganzen Whiskey auf einmal in meinen Schädel und knalle das Glas auf den Tisch.

Ethan grinst. »Ich kenne dich, Mann. So aufgebracht hast du noch nie reagiert. Nicht, wenn du von einer Frau geredet hast. Was ist das mit euch?«

»Nichts.«

»Nichts?« Ethans Grinsen wird breiter. »Hat dir zur Abwechslung mal eine Frau nach dem Vögeln den Laufpass gegeben? Hätte ich ihr nicht zugetraut. Oder steht sie nicht auf deine Bad-Boy-Nummer?«

Mein Herz schlägt schneller, baut Druck in meinem Kopf auf. »Was soll das, Mann? Nein! Kannst du mir das Video vielleicht mal zeigen?«, antworte ich gereizt.

»Du hast es wirklich nicht gesehen?« Ethan schüttelt den Kopf. »Ja, warte«, antwortet er, während er auf seinem Handy scrollt.

»Ich bin heute Morgen geflogen. Und gleich, als ich hier ankam, habe ich mich hingelegt, weil ich so schlecht geschlafen hatte - bis du mich eben geweckt hast«, erkläre ich, während ich ihn aufmerksam dabei beobachte.

»Es hat großes Aufsehen erregt und ist wie ein Lauffeuer durchs Netz«, sagt Ethan. Mit ernster Miene hält er mir das Handy unter die Nase.

Es ist tatsächlich die Szene an der Hütte, die jemand heimlich gefilmt haben muss. Trotz des Alkohols krampft mein Magen, mir ist übel. »Das wollte ich nicht«, stottere ich. Blut weicht aus meinem Kopf und macht mich schwindelig.

Auf Ethans Stirn bildet sich eine tiefe Furche. »Also bist du es. Was hast du dir nur dabei gedacht?«

»Es ist nicht so einfach, es war eine Ausnahmesituation«, verteidige ich mich nervös.

»Ausnahmesituation?«

»Ja, es ist kompliziert.«

»Es ist kompliziert ist ein Running Gag, Mann.«

»Glaubst du, ich habe gerade einen Sinn für Witze? Es ist wirklich kompliziert. Mir ist so was ja egal, ich bin diese Presse gewohnt, aber Madison tut mir leid. Wer macht so was?«

»Jemand, der euch auf diese Art und Weise kompromittieren will? Oder rächen? Oder es kommt noch eine Erpressung hinterher. Oder beides. Hast du dich mit jemandem angelegt?«, fragt Ethan.

»Keine Ahnung. Vielleicht die Dumpfbacken, die Maddie fast vergewaltigt haben. Die waren sauer, weil sie vom Fotografen entlassen wurden und haben geglaubt, Madison hat etwas damit zu tun.«

Ethan hebt die Augenbrauen. »Holy Shit! Das ist natürlich ein starkes Motiv.«

»Exakt. Sie sind dann der Polizei übergeben worden.« Wut steigt bei dem Verdacht auf, lässt meinen Kopf fast platzen. »Aber es ist armselig, sich so für eine misslungene Vergewaltigung zu rächen. Obwohl … die müssten es vorher ins Netz gestellt haben, denn als sie vom Sicherheitsdienst festgenommen wurden, hat man ihnen natürlich auch die Handys abgenommen«, überlege ich, während ich meine Nasenwurzel massiere.

»Vielleicht waren die es ja gar nicht«, gibt Ethan zu bedenken.

»Hm, denen würde ich es aber am ehesten zutrauen.«

»Na ja, Aufmerksamkeit hat es geschaffen. Der Designer ist entzückt«, sagt Ethan.

»Ist nicht wahr, oder? So ein Arschloch! Das Ding muss aus dem Netz! Ich erstatte Anzeige«, verlange ich aufgebracht.

»Klar. Aber bleib ruhig. Man kann ja immer noch behaupten, dass das alles gelogen ist. Wirklich erkennen kann man ja nichts. Deshalb würde ich es mir mit der Anzeige noch einmal überlegen.«

»Das stimmt, aber deswegen muss man es sich trotzdem nicht gefallen lassen.«

»Natürlich nicht. Ich habe schon veranlasst, dass es entfernt wird. Aber du weißt ja, es dauert und wird nie ganz verschwinden. Das Netz vergisst nichts. Deswegen solltest du am besten so tun, als ob nichts gewesen wäre. Alles Fake. Und du musst mit Madison darüber reden.«

Mir wird mulmig. »Das muss ich wohl«, brumme ich nachdenklich und nicke.

»Willst du über die Sache reden? Ich höre dir zu.«

»Ist dein Leben so langweilig, dass du dich jetzt für das der anderen interessierst?«, knurre ich.

»Nein, nur das meiner Freunde. Ich sehe doch, dass dir das Geschehene unter die Haut geht. Liebst du sie? Sonst bist du doch immer so abgebrüht.«

Ist das so offensichtlich? Auf einmal sehe ich gar keinen Grund mehr, meine Gefühle zu leugnen. »Kann sein, vielleicht ... aber wir hätten keine Zukunft. Ich bin kein Mann für sie.«

Ethan hebt die Augenbrauen. »Warum nicht?«

»Du kennst mich doch und hast mich nicht umsonst gewarnt, etwas mit ihr anzufangen. Ich bin es nicht wert. Ich werde so einer Frau niemals gerecht.«

Ethan sieht mich erstaunt an. »Jetzt möchte ich auch einen Drink. Logan zeigt Emotionen«, murmelt er kopfschüttelnd. »Also, wenn das so ist ... so war das jetzt auch nicht gemeint. Ich war natürlich nicht davon ausgegangen, dass deine Gefühle aufrichtig sind. Und ich wusste nicht, dass du Probleme mit dem Selbstbewusstsein hast.«

»Quatsch«, sage ich, stehe auf und schenke auch mir noch ein Glas ein.

»Warum dann?«, fragt er erstaunt, während ich ihm den Drink hinstelle.

»Weil ich selber so viel Ballast mit mir herumtrage, deshalb kann ich mit ihrem nicht umgehen«, erkläre ich seufzend. »Du kennst mich doch. Du weißt, wie kaputt ich bin.«

»Du weißt gar nicht, wie stark die Liebe macht«, schwärmt Ethan mit einem seligen Lächeln.

Irritiert krause ich die Stirn. »Wer bist du und was hast du mit meinem Freund gemacht?«, frage ich theatralisch.

»Die Dinge ändern sich nun mal. Wie du selbst weißt, habe ich auch nie jemanden an mich herangelassen - bis ich Ella sah. Es traf mich wie ein Blitz. Im Grunde weiß man es doch von der ersten Sekunde an, dass ein besonderer Mensch vor einem steht. Jemand, der ehrliche Gefühle hat. Eine Schicksalsbegegnung, wie man so schön sagt.«

»Kneif mich mal. Träume ich? Glaubst du tatsächlich dein Geschwafel?«, spotte ich.

»Du brauchst nicht so zu tun, als ob du keine Empfindungen hättest. Es gibt einen Punkt im Leben, da ist es besser, man gibt es zu, dass es einen erwischt hat.«

»Okay, mag ja alles sein. Aber dann sag mir doch mal, warum sie gegangen ist? Sie war diejenige, die gesagt hat, dass das Projekt gescheitert ist«, fauche ich ungnädig.

Ethan hebt die Augenbrauen. »Das Projekt? Was war das für ein Projekt? Eine Beziehung?«

»Nein, aber ist egal, lange Geschichte.«, brumme ich mit einer abfälligen Handbewegung und frage mich, ob ich nicht schon zu viel verraten habe.

Mein Freund reibt sich nachdenklich das Kinn. »Es ist doch nicht immer alles so einfach, für niemanden. Möglicherweise musst du zur Abwechslung mal für eine Frau kämpfen. Wenn es die richtige ist, lohnt es sich.«

»Aber wenn ich damit nur noch mehr kaputtmache?«

»Was willst du denn kaputtmachen? Seid ihr als Freunde auseinandergegangen? Du bist doch derjenige, der sie in zweifelhafte Schlagzeilen gebracht hat … und sie jetzt alleinlässt. So benimmt sich ein Schwein«, ereifert sich Ethan und nimmt anschließend einen großen Schluck Whiskey. »Mhmmm, gutes Zeug«, murmelt er anerkennend, während er in sein leeres Glas sieht.

»Ja, viel zu schade, um es so hinunterzukippen«, bestätige ich mürrisch.

»Das ändert aber nichts an meiner Aussage. Du benimmst dich wie ein Schwein«, beharrt er.

»Moment mal. Wie war das denn damals bei dir und Ella?«, frage ich mit abwehrend erhobenen Händen.

»Du musst ja nicht dieselben Fehler machen wie ich. Bei mir war es ja ganz genauso. Ich hatte mich auch zurückgezogen, weil ich dachte, es ist das Beste. Aber ich habe meinen Fehler wiedergutgemacht und bin verdammt glücklich darüber.«

»Du bist ganz schön nervig, Mann«, brumme ich.

»Keine Ursache, Mann. Dafür sind Freunde doch da«, antwortet er grinsend. »Ich gehe jetzt besser. Ella wartet.«

Ich nicke nachdenklich, als die Wohnungstür wieder ins Schloss fällt. Noch vor ein paar Tagen hätte ich bei dieser Gelegenheit gespottet, dass er unter dem Pantoffel steht. Aber man merkt ihm an, er freut sich wirklich auf seine Familie. Nach Hause zu kommen, in ein gemütliches Nest, wo eine Familie mich schätzt und erwartet, das ist eine Erfahrung, die ich so nie machen durfte. Ich kann mir so etwas überhaupt nicht vorstellen und zum ersten Mal in meinem Leben beneide ich meinen Freund.

Vielleicht sollte ich Madison mehr von mir erzählen, damit sie mein Verhalten besser verstehen kann. Wer weiß, was sich daraus entwickelt. Vielleicht muss man den Dingen einfach nur eine Chance geben. Aber in einem hat Ethan auf alle Fälle recht, ich sollte mich entschuldigen und mit ihr darüber reden, wie wir damit in der Öffentlichkeit umgehen.

Das Handy reißt mich aus meinen Gedanken. Es ist Elijah. Ein ganz besonderes Kind aus dem Peter-Pan-Projekt, an dem ich heimlich einen Narren gefressen habe.

»Hallo Großer, was gibt’s?«, frage ich in einen Tonfall, der hoffentlich nicht verrät, wie aufgewühlt ich gerade bin.

»Hallo Logan. Ich wollte mal fragen, ob es bei deinem Versprechen bleibt und du am Wochenende zu uns kommst«, erklingt die helle Kinderstimme durchs Telefon.

»Klar mache ich das. Hast du schon mal erlebt, dass ich ein Versprechen nicht halte?«, erwidere ich munter.

»Und Madison? Kommt sie auch mit?«

»Ach ja, die wollte mich ja eventuell auch begleiten. Ich werde sie gleich mal fragen, aber ich kann dir nicht versprechen, dass es klappt«, erkläre ich so beiläufig wie möglich.

»Aber ihr seid doch verliebt. Ihr habt doch zusammen gefickt«, kommt es ungeduldig durch die Leitung.

Mein Magen wird zu Stein. »Wie kommst du darauf?«

»Das Video«, antwortet er knapp.

Wie soll ich jetzt reagieren? Der Kleine hatte gleich bei unserem ersten Besuch erkannt, dass etwas zwischen Madison und mir ist. »Ach, du glaubst anscheinend alles, was du so im Internet siehst, ja?«, versuche ich, vom Thema abzulenken.

»Seid ihr das nicht?«, fragt er.

Ich lüge nur ungern und versuche daher, weiter vom Thema abzulenken. »Weißt du, Sex ist etwas Schönes, Intimes. Etwas zwischen Menschen, die sich sehr lieb haben und nichts, das man ins Internet stellt und es allen Leuten zeigt. Das hat ein böser Mensch gemacht. Wahrscheinlich, weil er damit Geld verdienen will.«

Elijah entlässt einen enttäuschten Seufzer. »Okay …«

»Aber vielleicht kommt sie ja doch mit. Noch ist nichts entschieden. Ich werde auf jeden Fall da sein, ja?«, versuche ich ihn zu trösten. »Und wenn sie das tut, verraten wir ihr am besten gar nichts vom Video, okay?«

»Na gut. Wenn du sie fragst, erinnerst du sie dann auch an das Bild, was ich für sie gemalt habe?«

»Natürlich, das Bild bekommt sie auf jeden Fall. Versprochen.«