DJ History

 

Von der Untergrund-Kultur zum Massenphänomen

 

 

 

Christian Haase

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DJ History

Christian Haase

 

© 2019 Christian Haase

Alle Rechte vorbehalten.

 

Autor: Christian Haase

christian@ch-kommunikation.de

 

ISBN: 978-3-96799-036-2

 

Foto Titelseite: Deklofenak (Fotolia)

Gestaltung Titelseite: Sarah Haase

Einleitung

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

Das DJing ist die Kunst, Musik aufzulegen. Was so banal klingen mag, einfach Musik abzuspielen, ist eigentlich ein hochkomplexes Thema. Dass es dabei nicht nur um die technische Finesse geht, mit verschiedenen Mix-Techniken einen Abend lang Musik aufzulegen oder die Voraussetzung über ein entsprechend großes Repertoire an Musik zu verfügen, ist den meisten Menschen, die sich nicht damit beschäftigen gar nicht bewusst. Vielmehr ist die Kunst, Musik aufzulegen, das Gefühl dafür zu entwickeln, was die Menschen auf der Tanzfläche eigentlich brauchen. Wo führt der Abend musikalisch hin? Wie baue ich diesen mit Verwendung eines guten Spannungsbogens auf? Wie gehe ich mit Musikwünschen um? Und wie finde ich den passenden Titel im richtigen Moment. Das Können, sein Publikum lesen zu lernen und deren Wünsche an die Musik zu erkennen, bevor sie es selbst tun – darin liegt die wahre Kunst des DJs.

 

Ob im Club, in der Disco, im Radio, auf Festivals, auf Hochzeiten oder Geburtstagen, auf Sommerfesten und Weihnachtsfeiern, bei Motto-Partys, bei Tagen der offenen Tür oder bei sämtlichen anderen Anlässen, die einem einfallen können, kommen DJs ins Spiel, um für gute Stimmung zu sorgen, die dem Anlass entsprechend und dem Publikum angemessen ist. DJs waren einmal ein Mittel zum Zweck, um überhaupt eine musikalische Begleitung auf einer Veranstaltung bieten zu können, in den letzten Jahrzehnten sind sie zu wahren Popstars aufgestiegen, deren Gagen sich zum Teil im sechsstelligen Bereich bewegen. Für viele ist das DJing ein Hobby, für andere ist es ein knallhartes Geschäft, das neben dem Künstler selbst eine ganze Armee an extra erfundenen Positionen und Stellen wie Manager, Reise-Agenten oder Booker bietet. Tausende von Arbeitsplätzen entstehen nur durch das bloße Existieren von DJs, deren Anzahl von Jahr zu Jahr ebenfalls potentiell steigt.

 

Die technischen Errungenschaften des 21. Jahrhunderts machen es möglich, dass ein jeder DJ sein kann. Gerade in den letzten 10 Jahren hat sich hier viel getan. Im Zuge der Digitalisierung sind nicht nur die Verfügbarkeiten von Musik nahezu ins Unendliche gestiegen, auch die Preise für DJ-Equipment wie Mischpulte, Turntables oder CD-Player sind Anfängern sehr schmeichelnd entgegenkommen.

 

Der Beruf des DJs ist in den vergangenen Jahren beliebter geworden, als kaum ein zweiter. Und es bleibt abzuwarten, wohin sich all dies noch entwickeln wird…

 

1 Die Entstehung des DJings

 

Die frühen Anfänge des DJings gehen zurück bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts - als wir alle noch nicht geboren waren und auch noch nicht wussten, dass sich daraus für manche ein geliebtes Hobby und für andere ein ernstzunehmender Beruf entwickeln würde. Heutzutage ist es aufgrund der technischen Möglichkeiten einfach - doch die Anfänge des DJings sahen ganz anders aus.

 

Musik wurde früher ausschließlich live gespielt, und wenn Restaurant-Besitzer oder Veranstaltungs-Planer Musik in ihre Events einbinden wollten, mussten sie eine Band oder ein Orchester bestellen. Der erste Schritt Richtung DJing war demnach die Erfindung des ersten Tonträgers: der Schallplatte. Diese wurde von Emil Berliner, einem Erfinder aus Hannover im Jahre 1887 erfunden und hat sich bis heute gehalten. Tonbänder, Kassetten oder CDs waren Neuerungen auf dem Markt, doch verdrängt haben sie die Schallplatte nie. Im Gegenteil: Die Schallplatte existiert heute noch, Kassetten fielen der CD zum Opfer, die CD ist gerade dabei, aufgrund von MP3 und Musik-Streaming auszusterben. Da die Schallplatte meistens aus dem Material Polyvinylchlorid hergestellt wurde, hat sich bis heute der Begriff „Vinyl“ gehalten. Der Schallplattenspieler und sein dazugehöriger schwarz glänzender Vinyl-Tonträger machten es erstmalig möglich, Musik privat zuhause und auch auswärts in der Gastronomie abspielen zu können, ganz ohne Musiker.

 

 

Gleichzeitig entwickelten sich Anfang der 1920er Jahre mit der fortschreitenden Funk-Technik die ersten Radio-Stationen, welche die Menschen mit Musik unterhalten wollten. Es wäre jedoch kein Radio gewesen, wenn es nicht einen Ansager gegeben hätte, der die Zeit zwischen den Liedern mit interessanten Anekdoten und spannender Anmoderation gefüllt hätte. So entstand der Begriff „Discjockey“ (quasi der Jongleur der Platten) und mit ihm gab es die ersten Radio-DJs. Sendungen mit Hitparaden zogen wöchentlich unzählige Musikbegeisterte vor das Radio, um sich die neuste Musik anhören zu können und dabei spannende Hintergrund-Informationen zu Künstlern und deren Musik zu erfahren.

 

Auch in den Clubs und Discos, die in der Nachkriegszeit salonfähig wurden, war es zunächst üblich, dass der DJ moderierte und nicht einfach nur kommentarlos seine Musik herunterspielte. Veranstaltern war klar, dass sie jemanden brauchten, der für Stimmung sorgte und die Gäste zum Tanzen brachte. Schließlich wurde durch die „Musik aus der Konserve“ die Blaskapelle, das Orchester oder der Live-Sänger ersetzt, den man seinen Gästen sonst bot. Die ersten Discos mit DJs waren letztendlich ein Experiment, welches gelang, weil das Publikum es gut annahm und die Veranstalter sahen, dass sich damit Geld verdienen lies. Bis heute gibt es verschiedene Blickwinkel und Geschichten, die den angeblich ersten DJ belegen sollen, doch so ganz lässt es sich nicht rekapitulieren. Allerdings wird man bei Recherchen immer wieder über die Geschichte von Klaus Quirini stolpern, der in den 50er Jahren in einer Aachener Disco durch Zufall als erster moderierender DJ Karriere gemacht hat. Er übernahm den Plattenteller, weil der Abend langweilig schien und er gebeten wurde, es besser zu machen. Sein Erfolgsgeheimnis waren eine clevere Anmoderation (vor allem ein flotter Spruch zu Beginn, der bei den Gästen gut ankam) und ein Gespür für tanzbare Musik. Später gründete er verschiedene DJ-Organisationen und ihm ist es zu verdanken, dass die Tätigkeit des DJs auch als Beruf und ebenso von der Künstlersozialkasse anerkannt wird.