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Wolf Rebelow

Zum Konfiefchen

Gedichte für die lockere Tischrunde





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Vorwort

 

 

Man erzählt sich, dass das Wort „Konfiefchen“ von „Convivium“ abgeleitet ist. So bezeichneten die alten Römer ein Bankett, dass sich durch Prasserei auszeichnete. Auch heute kommen die Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen zusammen. Ob diese Zusammenkünfte dem Anspruch eines „Conviviums“ gerecht werden, wird man ggf. an der Rechnung des Wirtes bzw. am Gesicht des Gastgebers sehen. Wichtiger ist allerdings eine gute Unterhaltung am Tisch, an die man sich später noch gern erinnert. Für den Fall, dass es dabei zu einer Verlegenheitspause kommt, kann man zu diesem Büchlein greifen und die Flaute überbrücken. Es enthält eine Sammlung unterhaltsamer Gedichte zum Schmunzeln.

 

Gute Unterhaltung wünscht der Autor

 

 

Unterhaltsames

 

 

 

Man soll nie vergessen, dass die Gesellschaft
lieber unterhalten als unterrichtet sein will.

 

Adolph Knigge

 

 

Im Restaurant

 

"In dieser Woche bieten wir
Ihnen nur das Beste hier.
Es duften schon die Wohlgerüche,
die da ziehen aus unserer Küche.
Wir kochen gerne nur für Sie",
sagt der Ober, "gut wie nie!"

 

"Ich empfehle Ihnen heute,
Speisen für verwöhnte Leute:
Trüffelchen auf Pfefferschaum,
Mousse-Langusten vom Affenbrotbaum,
Kalbsbries mit Lavendeleis,
Taube an Satsuma und buntem Reis,
Muskatmilchkäse raffiniert
mit Portweinbeeren frisch serviert,
Variationen von der Marone,
Eierlikör in Südseebohne,
Artischocken und Kokosnuss-Brandade,
Bachatmiesmuscheln in Rochenmarinade."

 

Der Gastmensch daraufhin erschrocken,
sagt zum Oberkellner trocken:
„Ich habe Hunger und auch Durst,
ich möcht' ein Bier und eine Wurst."

 

Der Ober sagt darauf nichts mehr,
sondern nur noch: „Bitte sehr!"

 

Der Besuch

 

Ein Glockenton drang an mein Ohr,
ein Mensch stand draußen vor dem Tor.
Ich machte auf, schon tat´s mir leid,
es war der Paul aus alter Zeit.

 

Der Paul hat immer viel gesagt
und andere damit geplagt.
Ich sagte ihm: „Das ist ja fein,
dass du mal kommst, komm kurz herein.“

 

Fünf Stunden lang hat er geschwafelt.
Ich habe tüchtig aufgetafelt.
Er sprach davon, wie´s um ihn steht,
wie oft er krank zu Ärzten geht.

 

Jedes „Weh“ und jedes „Au“,
erklärte er mir ganz genau
in allen ihren Einzelheiten.
Es schien ihm Freude zu bereiten.

 

Besonders reizend sei sein Magen,
er könne kaum etwas vertragen.
Und auch, dass er sich übelst schinde;
ob der Krämpfe und der Winde.

 

Dann hatte er genug gesessen,
getrunken auch und viel gegessen.
Er leerte Flaschen und auch Pfannen
und machte sich danach von dannen.

 

Ich sah ihm nach und war verdrossen
und nahm mir dann entschlossen vor:
in Zukunft bleibt mein Tor verschlossen;
dringt auch die Glocke an mein Ohr.