Das Bild auf der Umschlagseite zeigt ein auf das Bild des Gehirns geschriebenes Formel-Wort, das im Zentrum des in diesem Buch beschriebenen Verfahrens steht. Es enthält von verschiedenen Buchstaben dieser lateinischen Formulierung aus gelesen jeweils andere Bedeutungen, eine Struktur, die genau der des Unbewussten entspricht. Übt man meditativ-wiederholend ein derartiges Formel-Wort, muss das Unbewusste seine eigene Bedeutung freigeben. Damit ist in ein paar Zeilen schon fast alles Wissenswerte zu diesem Buch gesagt, was nicht davon abhalten soll, es dennoch zu lesen.

Herstellung und Verlag: Books on Demand GmbH Norderstedt
ISBN 9783752800067

Inhaltsverzeichnis

  1. Einführung in die Thematik
  2. Analytische Psychokatharsis
  3. Erste Übung der Analytischen Psychokatharsis
  4. Zweite Übung der Analytischen Psycho-Katharsis
  5. Schlussfolgerungen

I. Einführung in die Thematik

Psychoanalyse und Meditation sind kein Widerspruch. Wie in einer der üblichen Meditationen muss auch der Psychoanalytiker in seiner Arbeit bei sich selbst nach innen gehen und sich dem anfänglich unbekannten Dunkel überlassen wie es der Meditierende tut. Freud nannte dies eine „gleichschwebende Aufmerksamkeit“, mit der und aus der heraus der Therapeut seinem Klienten zuhören sollte. Die Aufforderung zu einer derartigen Passivität bedeutete, dass der Therapeut in diesem Moment nicht (oder vorwiegend nicht) rational-logisch denken kann und soll. Er ist aber wach, auf die Aussagen des Patienten hin orientiert, befindet sich aber dennoch fast wie in leichter Meditation. Denn es kommt darauf an, die Zwischentöne in der Rede seiner Patienten herauszuhören und nicht die absichtlich geäußerten Argumente.

Der Therapeut hört also dem völlig freien, spontanen Redefluss („freie Assoziation“ genannt) seines Patienten zu und muss dabei auf die kleinen Schwankungen, Stockungen, Versprecher, aber auch auf Besonderheiten aus erzählten Träumen und Phantasien achten. So kann er versteckte und verdrängte Bedeutungen herausfiltern, in Bezug zum therapeutischen Verfahren bringen und interpretieren. Freud selbst drückte sich hinsichtlich der „gleichschwebenden Aufmerksamkeit“ auch so aus, dass der Analytiker dem Patienten „sein Unbewusstes als empfangendes Organ zuwenden sollte“.1 Das klingt ein bisschen seltsam. Denn wie diese Art jungfräulicher Empfängnis vor sich gehen sollte, konnte Freud nicht ganz klar definieren, dennoch werden aus dem Zusammenhang Deutungen und Interpretationen gegeben.

Mit Hilfe der Meditation ist dies alles leichter zu verstehen. In einer Meditation lässt man die spontanen Einfälle, die „freien Assoziationen“ der Psychoanalyse, mehr bildhaft an sich vorbeigleiten. Man muss sich „gleichschwebend aufmerksam“ treiben lassen, also so wie es in der Psychoanalyse der Therapeut ebenfalls handhabt. Aber man wartet nun darauf (mit Hilfe einer Übung), bis sich von selber, also direkt aus dem Unbewussten, eine Bedeutung unabweisbar aufdrängt, weil sie eine – wenn auch noch nicht vollständige – Interpretation, Deutung aufweist. Es liegt ganz am Aufbau der Übung, wie es dazu kommt, dass in meditativen Verfahren derartige Interpretationen aus dem Unbewussten zustande kommen. Die Gemeinsamkeiten zwischen Psychoanalyse und Meditation sind jedoch in Form dieser beiden Vorgänge (gleichschwebende Aufmerksamkeit und freie Assoziation) sichtbar. In meditativen Verfahren wird man ihnen meist andere Namen geben.

Vereinfacht könnte man also sagen, dass in der Psychoanalyse Therapeut und Klient gemeinsam meditieren und das Meditierte dann zusammen interpretieren, während der Adept, der ein reine Meditation erlernt, mit dem puren Etwas vor seinem inneren Auge, mit dem Geheiß seines Lehrers, eventuell mit einer Formel, dem Vorgang seines Atems oder etwas Ähnlichem das Gleiche tut. Er unterhält sich direkter, dafür aber auch spartanischer mit dem eigenen Unbewussten, indem er alle persönlichen Gefühle und Gedanken zurückstellen muss und in der Trance nur hochkommt, was in ihm stark zur Bewusstheit drängt und er nicht aufhalten kann. Auch hier unterbrechen also dazwischen tretende Gedanken, Abfalls-Einsichten, das kontemplative Vorgehen, so wie die übermäßig freien Einfälle in der Psychoanalyse auch einen Redeabfall erzeugen. Denn nur weniges kann verwertet werden. Aber auch der in der Psychoanalyse so wichtige Begriff der ‚Übertragung‘ spielt in der Meditation eine vergleichbare Rolle.

Man ‚überträgt‘ in der analytischen Psychotherapie Gefühle und Bedeutungen aus früheren oder aktuell anderen Beziehungen auf den Therapeuten. Diese ‚Übertragung‘ ist unbewusst und meist positiv, und der Therapeut kann nunmehr aus den auf ihn ‚übertragenen‘ Aspekten eine Interpretation der verschiedenen Beziehungsgeschehnisse geben. Er ist somit der Angelpunkt, das Scharnier, des therapeutischen Dialogs, kurz: das eigentliche Objekt, das ‚Übertragungs‘-Objekt, während sonst subjektbezogene Vorgänge stattfinden. In der Meditation findet diese ‚Übertragung‘ in das Dunkel, in das Nichts vor einem, im Inneren statt, und die Interpretationen müssen nun direkt aus dem Unbewussten kommen, und zwar ebenfalls aus einer ähnlichen Art des ‚Übertragungs‘-Objekts, wozu ich später ausführlich Stellung nehmen will.

Natürlich gibt es auch Unterschiede zwischen Psychoanalyse und Meditation, in der methodischen Verarbeitung, im weiteren inneren Vorgehen, in der Bedeutung des Intellekts und anderer Aspekte. So sehr – wie erwähnt – das Verfahren der Analytischen Psychokatharsis in der Praxis leicht zu erlernen ist (es sind nur zwei konzentrative Übungen zu machen), so sehr ist es doch auch notwendig, dass man den wissenschaftlichen Hintergrund verstanden und akzeptiert hat. Ein Lehrer, dessen Persönlichkeit man glaubt vertrauen zu können und der suggestive Anweisungen gibt, genügt heutzutage nicht mehr. Deswegen ein kurzer theoretischer Überblick.

Bereits im frühesten menschlichen Zeitalter, als noch wilde, animistische Vorstellungen vorherrschten, man also annahm, alles sei gleichermaßen belebt, hat es diese ‚Dinge‘ außen gegeben, die mit ‚Dingen‘ innen verbunden und wechselwirkend und durch Beziehungsmuster gestaltet waren. Dieses Innen-Außen Wechselwirkende war also früher von einem universalen Lebensprinzip beherrscht und hat die Menschheit seit jeher und auch noch bis heute bewegt, auch wenn es nie ganz klar definiert werden konnte. Die Sache ist durch die modernen Wissenschaften, auch z. B. durch so etwas wie die Zeichenwissenschaft, die Semiotik, in der man die Zeichen von innen und außen durch gleiche Strukturen verbinden kann, nicht besser geworden. Immer noch haftet ihm etwas Unbestimmtes, Unscharfes an.

Selbst in den Naturwissenschaften gibt es die bekannte Unschärferelation, nämlich dass wir über die kleinsten Materieeinheiten nichts Genaues sagen können. Laut der bekannten amerikanischen Physikerin L. Randall leben wir in einem Multiversum, wobei die anderen Teile dieses Multiversums von unserem Teil nur 10-31 cm getrennt sind.2 Sie nutzt diese enge Verbundenheit von Makro- zu Mikrogrößen um den Zusammenhang zwischen Quantenmechanik (Physik des ganz Kleinen) und Relativitätstheorie (Physik des ganz Großen) im Rahmen der sogenannten Quantengravitation zu beschreiben. Doch gelöst ist dies nicht und Randall liefert damit auch Wasser für die Mühlen all der Esoteriker, die nunmehr glauben, alle Kräfte, die im Menschen und außer ihm zugänglich sind – wie etwa Psychokinese oder Hellsicht – damit erklären zu können. Schließlich scheint ja eine Parallelwelt, die – weil irrsinnig nah – fast mit uns identisch zu sein und erklärt so jedes paranormale Phänomen. Quanten verschränken sich innen und außen, und die Seele ist eben nichts anderes als ein quantengravitatorischer Gemeinschaftszustand im Inneren des Menschen mit dem Universum außen. Dies ist wissenschaftlich nicht tragbar und bleibt somit ungenau.

Ähnlich ergeht es einem in den Geisteswissenschaften auch mit dem Begriff eines universalen Geistes, mit der Vorstellung einer allesdurchdringenden algorithmischen Information34