Mustafer Nr.17

 

 

Mustafer Nr.17

 

Von Hans Mackenrodt

 

 

 

Buchbeschreibung:
Das Paradies ist manchmal die Hölle.

 

Eigentlich leben wir alle, um zu sterben, die Einen sterben früher, die Anderen sterben später. Manch einer muss ein Leben lang auf seinen Tod warten, ein Anderer forciert seinen Tod mit bester Absicht. Eine solche Entscheidung zum Freitod kann aus purer Verzweiflung oder mit einer gezielten Aktion erfolgen. Neuzeitlich werden Selbstmordattentate auf andere Menschen oder Objekte aus Gründen der Religion, meist von gläubigen Menschen im Zeichen eines Kampfes gegen „Ungläubige“, ausgeführt. Wohl wissend, dass solch ein Suizid streng verboten ist und damit den Menschen, die sich selbst töten, die Aufnahme ins Paradies verweigert wird und ihnen damit ein „ewiges Höllenfeuer“ droht.
Diese Widersprüche können durch religiöse Führer aufgehoben werden, um einen Märtyrertod zu legitimieren.
Als Lohn für den Entschluss eines Selbstmordattentäters, winkt dann das Paradies. Hier fließen Bäche voll Wasser, Milch, Wein und Honig. Der Gläubige kann hier, im Gegensatz zur diesseitigen Welt sexuellen Verkehr mit „Frauen mit großen, strahlenden Augen“ haben, wird kein Leid, sondern nur grenzenlosen Frieden erfahren.


Wir müssen uns bei dieser Darstellung vom Paradies auf das geschriebene Wort verlassen, denn bisher konnte uns kein Mensch nachweisen, wie es wirklich aussieht und wie es sich dort „lebt“.

 

Der folgende Phantasie-Thriller versetzt den Leser in die Lage, einen Selbstmordattentäter auf seinem Weg zu begleiten, so als ob es die Wirklichkeit wäre.

Mit Ironie und ein wenig Sarkasmus haben ich versucht, ein wenig weiter zu denken. Vielleicht führen meine Gedankengänge dazu, das der Eine oder Andere sein Handeln überdenkt und es einfach lässt.

Eine fiktionale Kurzgeschichte, die zum Nachdenken anregen sollte.

 

 

Über den Autor:

Hans Mackenrodt wuchs in Brandenburg im Dorf Tiefensee mit seiner Schwester bei seiner Mutter auf. Er wurde Soldat und studierte nach dem Krieg Druckwissenschaften in den USA. Nach seiner Rückkehr aus den USA heiratete er und arbeitete als Geschäftsführer in einer Druckerei. Das Schreiben von Geschichten wurde eine Passion, die aus dem Verständnis für Gerechtigkeit entsprang.

 

Mustafer Nr.17

 

 

 

Von Hans Mackenrodt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Auflage, 2020

© 2020 Alle Rechte vorbehalten.

 

Hans Mackenrodt, Berlin

ISBN 9783751905060

 

 

Kapitel 1

 

Ich blinzele durch meine Augen, grelles Licht scheint mir ins Gesicht, alles um mich herum dreht sich in meinem Kopf und ich fühle mich wie zerrissen. Es dauert eine gewisse Zeit, bis ich mich halbwegs orientieren kann. Ich liege scheinbar auf etwas, was sich wie kühles Metall anfühlt, bin nackt und praktisch bewegungsunfähig. Was ist nur los mit mir? Was ist passiert?

Im grellen Lampenschein erkenne ich zwei blau schimmernde Gestalten, die irgendwie an mir rum fummeln. Zwischendurch höre ich ein metallisches Klicken in gleichmäßigen Abständen. Schmerzen? Hatte ich Schmerzen? Eigentlich nicht. Mal zwickte es hier und da, wenn das Geräusch eines Klammeraffen ertönt, aber ansonsten tut mir nichts weh. Sehr merkwürdig. Während ich noch so über meine Situation nachdenke, juckt es an meiner Nase und ich will mich dort mit der rechten Hand kratzen. Aber was war das? An meinem rechten Arm fehlt die Hand samt Unterarm. Stattdessen gab mein rechter Ellenbogen nur den blanken Knochen frei. Halluziniere ich jetzt, oder ist das ein schlechter Traum, aus dem ich gleich wieder erwachen werde. Nur keine Panik denke ich und stellte fest, dass ich gar keinen schnelleren Herzschlag verspürte wie eigentlich sonst üblich, wenn mich etwas beunruhigt.

Sicherlich wird es so sein. Gleich werde ich wach und alles ist so wie früher. Wie sollte es auch möglich sein, ohne Hand und Unterarm zu liegen, ohne zu verbluten, und dann noch ohne Schmerzen. Lächerlich und total unlogisch. So etwas geht doch gar nicht. Nun denn, es juckt aber nun weiter an meiner Nase, also konnte es doch kein Traum sein, denn hat schon mal ein schlafender Mensch solch eine realistische Empfindung im Schlaf gehabt? Nein. Egal, diese Gedanken verwirren mich nur immer mehr und ich erinnere mich an meinen linken Arm, mit dem ich mich ja ebenso kratzen könnte. Aber was war das? Nun wurde ich aber ziemlich nervös. Es gibt gar keinen linken Arm. Nun geriet ich aber wirklich in Panik. Das gibt es doch gar nicht. In meinem Gehirn geht es drunter und drüber. Ich versuche zu begreifen, was hier gerade geschieht oder geschehen ist. Zwischenzeitlich hat sich mein linkes Auge an die grelle Beleuchtung gewöhnt, wieso eigentlich nur mein linkes Auge und ich erkenne eine komplett blau gekleidete Gestalt mit Mundschutz, so wie sie im Fernsehen bei Arztserien im Operationssaal zu sehen sind.

Über mein rechtes Auge mache ich mir erst einmal keine Gedanken. Da wird sicherlich eine Augenklappe drüber sein, denn rechts ist alles schwarz. Nun zweifelte ich langsam wirklich an meinem Verstand. Ich liege auf einer Art Metallbahre wie aus der Pathologie, werde gerade operiert und kann dabei zusehen. Das erscheint mir langsam zu verrückt. So etwas gibt es doch gar nicht. So ein Quatsch, rede ich mir ein und werfe noch einmal einen Blick auf meinen rechten Arm. Immer noch fehlt der rechte Unterarm samt Hand. Ich schließe mein linkes Auge und warte. Innerlich hoffe ich ja immer noch, dass diese Situation ein schlechter Traum ist.
„Hey, Mustafa, mach doch mal dein linkes Auge auf“, tönt eine sonore Stimme in meinem Ohr. Wie elektrisiert gehorche ich sofort und wundere mich über das blau verhüllte Gesicht mit Mundschutz, aus dem mich zwei ernste Augen ansehen.
„So, Mustafa Nr.17, nun ist aber langsam Schluss mit lustig, du hast gut geschlafen während wir hier versuchen deinen zerfetzten Körper wieder zusammen zu tackern. Ein bißchen Mitarbeit von Dir können wir doch wohl erwarten“, meinte Ali.
Was ist denn das für ein frecher Ton, denke ich mir noch und antworte prompt:
„Wzs so dun ih ah“, würg, gurgel, waaaaas? Ich höre wohl nicht richtig, was habe ich da gerade gesagt, was ist da gerade aus meinem Mund zu hören? Habe ich nun auch noch kaputte Ohren oder ist vielleicht sogar mein Mund defekt?
„Hey, Tahir , der Typ hört sich ja echt witzig an, der gurgelt ja wie unter Wasser“ meint Ali, der mich gerade mit heiterer Stimme angesprochen hatte. Tahir, ein meist etwas ernsterer Typ meint nur lakonisch: