Lockdown - Quickies. 4 x erotische Romane, 4 x Verführung

Erotik

Bärbel Muschiol


ISBN: 978-3-96586-328-6
1. Auflage 2021, Bremen (Germany)
Klarant Verlag. © 2021 Klarant GmbH, 28355 Bremen, www.klarant.de

Titelbild: Umschlagsgestaltung Klarant Verlag unter Verwendung von shutterstock Bildern.

Sämtliche Figuren, Firmen und Ereignisse dieses Romans sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit echten Personen, lebend oder tot, ist rein zufällig und von der Autorin nicht beabsichtigt.

Inhalt

Ihr dekadentes Angebot

Prolog

Die Häppchen, die von livrierten Dienern auf glänzenden silbernen Tabletts durch die Gäste getragen werden, schmecken unglaublich lecker. Genüsslich saugen meine Geschmacksnerven jedes Gewürz auf. Dank meines Berufs als Dessous-Model gestatte ich mir nur selten solche Köstlichkeiten. Nachdem ich auch den letzten Krümel vernascht habe, suche ich mit meinen Augen die Gästemenge nach dem Diener ab. Ich brauche unbedingt noch eines dieser köstlichen Häppchen, ich habe seit Langem nicht mehr so etwas Leckeres gegessen. Noch immer damit beschäftigt, das Tablett mit den Häppchen ausfindig zu machen, bemerke ich zu spät, dass ich Gesellschaft bekommen habe. Falk Moreland steht neben mir, und sein Blick ist derselbe, wie der Meinige, wenn ich eines dieser unglaublich guten Häppchen ansehe, kurz bevor ich es mit einem Bissen verschlinge. Dank meines mehr als knappen Cocktailkleids spüre ich die unheimliche Wärme, die sein Körper ausstrahlt.

Falk ist groß, er misst bestimmt zwei Meter. Seine Schultern sind breit und sein Körper trainiert. Das weiße Hemd, das redlich versucht aus dem Löwen einen Gentleman zu machen, scheitert kläglich. Selbst der teuerste Anzug könnte nicht verbergen, wie gefährlich Falk ist. Und dabei macht es keinen Unterschied ob privat oder geschäftlich. Falk Moreland gehört zu der Sorte Mann, von denen es nur eine Handvoll auf der Welt gibt. Seine natürliche Autorität, seine mitternachtsblauen Augen und sein markantes Gesicht tragen dazu bei, dass sich jede Frau, die sich in seinem Dunstkreis aufhält, zu ihm hingezogen fühlt. Männer hassen oder beneiden ihn, wenn nicht sogar beides.

Und ich? Tja, das ist eine gute Frage, ich begehre ihn. In seiner Nähe erhöht sich mein Puls, meine Sinne reagieren auf seinen Körper und meine Brustspitzen schwellen sehnsüchtig an. So schwer es mir auch fällt, meistens versuche ich ihn stoisch zu ignorieren, doch das misslingt mir jedes Mal kläglich. Der Diener, mit seinem Tablett voller Köstlichkeiten, kommt direkt auf uns zu. Endlich!

„Mariella“ seine volltönende dunkle Stimme, schickt einen angenehmen Schauer über meinen Rücken.

Ich liebe es, wie er meinen Namen ausspricht. Noch immer versuche ich mit meinem Blick, die Häppchen in meine Richtung zu locken. Gerade als der Kellner in die gegensätzliche Richtung abbiegen will, gibt ihm Falk mit einer stummen Geste zu verstehen, dass er zu uns kommen soll.

Stellen sie das Tablett hier ab, und bringen sie uns zwei Gläser Champagner.“

Höfflich verneigend befolgt er Falks Befehl und verschwindet Richtung Bar.

„Nachdem Du jetzt endlich bekommen hast, was du anscheinend so dringend wolltest, wird es Zeit etwas zu klären.“

Oh mein Gott, was hat Falk Moreland mit mir zu klären? Bevor ich mich auch nur annähernd imstande fühle meine Aufmerksamkeit ihm zu widmen, schnappe ich mir noch eines dieser kleinen Trüffelhäppchen, quasi als Stärkung... Oder sollte ich es eher Henkersmahlzeit nennen? Mit der Zungenspitze über meine Unterlippe leckend, genieße ich die erneute Geschmacksexplosion in meinem Gaumen. Falks Blick bleibt an meiner Zunge hängen, gierig beobachtet er meine Lippen. „Was gibt es denn so Dringendes?“

Wie üblich, wenn er in meiner Nähe ist, berührt er mich, zwar nur leicht und an unschuldigen Stellen und doch spüre ich seine Finger jedes Mal, bis in mein tiefstes Inneres. Gerade als er ansetzen will, unterbricht uns der Kellner, mit den zwei bestellten Champagnergläsern.

„Trink den erst, wahrscheinlich bekomme ich so schneller deine Zustimmung.“

Meine Zustimmung? Genüsslich nippe ich an der kühlen, herben Flüssigkeit, die sich prickelnd mit dem Geschmack des Trüffels verbindet. Meine Nervosität steigert sich. Was will er nur von mir? Seine Nähe und die Tatsache, dass ich seine ungeteilte Aufmerksamkeit habe, lässt meine Aufregung ins Unermessliche steigen. „Wozu brauchst du meine Zustimmung?“

Mit einem Nicken gibt er mir zu verstehen, dass ich erst einen weiteren Schluck des Champagner zu mir nehmen soll.

Kokett lächle ich ihn an, während ich verneinend den Kopf schüttle. „Ich denke es ist besser, wenn ich all meine Sinne beisammen habe.“

Seine Finger legen sich um meinen Ellenbogen. „Lass uns auf die Terrasse gehen, dort können wir uns ungestört unterhalten.“

Möglichst gelassen begleite ich ihn auf die beinahe leere Terrasse. Langsam wächst meine Neugierde ins Unerträgliche. Was zum Teufel will er nur von mir? Die Nacht ist sternenklar und die Luft angenehm lau. Die letzten Augusttage zeigen sich von ihrer besten Seite... „Warum sind wir hier?“

Unsere Blicke treffen sich, und ich genieße seine männliche Ausstrahlung.

„Ich habe dich hier rausgebracht, damit ich dir ein Angebot unterbreiten kann.“

Okay, jetzt verstehe ich gar nichts mehr. „Was für ein Angebot?“

Falk sieht mich noch immer durchdringend an, während er mit seiner Hand mein Kinn umfasst und sich zu mir herunterbeugt.

Mit meinen 1,70 Metern reiche ich ihm gerade einmal bis knapp unter seine Schulter. Der Abstand zwischen uns minimalisiert sich, ich atme seinen herben Geruch ein. Auch wenn ich weiß, was jetzt gleich passieren wird, kann ich nicht ausweichen. Seine Stärke und sein Blick hypnotisieren mich, warm und fest treffen seine Lippen auf die meinen. Fordernd und sanft zugleich streichelt seine raue Zunge über meine Unterlippe. Seufzend öffne ich mich ihm, versinke in dem Sog aus Leidenschaft, der mich zu verschlingen droht. Sein Kuss ist dominant und zart, seine Nähe lässt mich erschaudern und seine Kraft hüllt mich schützend ein. Nach wenigen, köstlichen Augenblicken löst er sich wieder von mir. Selbst nach einigen Sekunden ist es mir nicht gelungen, meinen Verstand wieder zum Laufen zu bringen. „Mariella, weswegen ich mit dir sprechen möchte, ist einfach. In nächster Zeit werde ich viel unterwegs sein. Empfänge, Geschäftsabschlüsse und ähnliche trockene Veranstaltung erfordern meine Anwesenheit. Womit wir zu dir kommen. Du bist attraktiv, sexy und charmant. Ganz zu schweigen von deiner Intelligenz und der Anziehung, die zwischen uns herrscht.“

Gerade als ich ihn fragen will, welche Anziehungskraft er denn wohl meint, zieht er frech eine Augenbraue in die Höhe. Deswegen der Kuss, er wusste, dass ich es abstreiten würde. Dieser aufgeblasene Arsch... immer ist er mir einen Schritt voraus. Nach einem entrüsteten Seufzer meinerseits beginnt er erneut mit seiner Rede.

„Wenn ich all diese Fakten zusammenzähle, komme ich zu einem Vorschlag, der uns beiden zugutekommt. Ich will dich buchen, für ein halbes Jahr. In diesen sechs Monaten wirst du meine Begleitung, meine Verabredung und meine Befriedigung sein.“

Dröhnend und rauschend spüre ich, wie sich mein Blut in meiner rechten Handfläche sammelt. Gerade als ich für eine mehr als nur gerechtfertigte Ohrfeige ausholen will, spüre ich seine Finger, die sich hart um mein Handgelenk schlingen.

„Wage es auch nur einmal, und du wirst es bereuen!“

„Oh nein, du wirst es bereuen Falk. Ich bin keine Prostituierte, die du dir wie chinesisches Essen bestellen kannst. Was bildest du dir eigentlich ein?“

Falk nutzt meine kurze Pause, in der ich meinen so dringend benötigten Atem schöpfe.

„Mariella, du missverstehst mich. Wenn ich es wollte, könnte ich mir alle Schlampen dieser Welt kaufen, mehrmals. Doch daran habe ich kein Interesse, ich will dich. Du bist die einzige Frau, die ich nicht mit meinem Charme ins Bett bekommen habe. Alle meine Einladungen hast du ausgeschlagen, was mir zeigt, dass du definitiv nicht hinter meinem Vermögen her bist. Bei dir muss ich keine Angst haben, dass du mir in der ersten Woche ein Loch in das Kondom stichst. Nach Ablauf der Zeit überweise ich dir eine Millionen Euro als Ausgleich für deine Zeit. Ich erwarte nicht, dass du mir jetzt sofort zustimmst, allerdings werde ich jetzt auch kein Nein gelten lassen. Überlege es dir gut. Mein Angebot ist einmalig.“

Völlig sprachlos, verwirrt, gekränkt und vor allem wütend lässt er mich im Dunkeln auf der Terrasse stehen. Geheimnisvoll und funkelnd sehen die Sterne zu mir herunter, die Geräusche der Party dringen langsam wieder zu mir durch, während ich noch immer nicht weiß, ob ich das alles nur geträumt habe.

1. Kapitel

Seit gefühlten einhundert Stunden sitze ich jetzt schon in der Maske. Die Kosmetikerin, ist noch immer damit beschäftigt, das perfekte Make-Up zu kreieren, während die Friseuse verbissen meine Haare bearbeitet. Der Lipgloss, der meinen Mund so wunderbar zur Geltung bringt, schmeckt nach Erdbeeren und ich bin kurz davor ihn abzulecken. Mein Bauch rumort vor Hunger, und mein Zuckerspiegel ist mittlerweile im Keller. Leider bin ich nicht mit guten Genen geboren worden. Meine Figur und mein Aussehen sind das Ergebnis tausender Diäten und stundenlangem Schinden im Fitnessstudio.

Es wird endlich Zeit aufzuhören, es wird Zeit mich endlich auszuruhen. Der Job als Model sollte eigentlich nur dazu dienen, mir das Geld für mein Studium zu erarbeiten, doch es hat nicht lange gedauert und ich habe es mit Hilfe meiner Agentin Sonja geschafft, immer lukrativere Aufträge an Land zu ziehen. Jung und dumm, und vom Erfolg geblendet, habe ich mit 23 auf stur geschalten, mich mit meiner Familie zerstritten und das Jura Studium geschmissen.

Meine Gedanken wandern zu Falk Moreland, dieser verdammt heiße Kerl ist vielleicht die Lösung all meiner Probleme. Sein dekadentes Angebot spukt in einer unangenehmen Dauerschleife durch meinen Kopf. Wenn es nach seinen Wünschen geht, soll ich ihm sechs Monate lang zur Verfügung stehen, mit ihm schlafen und die Welt bereisen. Und nach Ablauf dieser Frist, bekomme ich für meine Zeit eine Millionen Euro Aufwandsentschädigung. Ein undamenhaftes Schnauben kommt mir unbeabsichtigt über die Lippen. Als ob das nötig wäre, ich kann mir nicht vorstellen, dass es auch nur eine Frau auf diesem Planeten gibt, die sich nicht freiwillig von ihm vernaschen lassen würde. Er zählt zu den zehn begehrtesten Junggesellen, und das nicht nur hier in Deutschland, nein, international. Also warum um Gottes Willen, will er sich dann meine Nähe kaufen? Ist er vielleicht ein Perverser, der darauf steht Frauen zu quälen? Nein, das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen... Himmel, wie soll ich ihm und seinem Angebot nur widerstehen? Irgendwie erinnert mich das an einen Film aus den 90ern, ich glaube er hieß ‚Ein unmoralisches Angebot’. Aber bin ich wirklich bereit mich zu verkaufen? Ohne genauer überlegen zu müssen, kristallisiert sich in meinem Unterbewusstsein ein überdeutliches Ja heraus. Wenn der Preis und das Angebot stimmen bin ich es definitiv. Mit Sicherheit werden mir die meisten Menschen nicht zustimmen, aber jeder hat seinen Preis, die meisten sind nur zu feige sich das einzugestehen. Falk Moreland, alleine sein Name, lässt meine Sinne erbeben.

Falk ist Ende Dreißig, und einer der erfolgreichsten Geschäftsmänner dieser Zeit. Seiner Firma gehören diverse anderer Firmen, die sich über die ganze Erdkugel verteilen. Regelmäßig grinst mir sein charmantes Draufgänger-Lächeln von den Titelblättern der Regenbogenpresse entgegen. Wenn er nicht ausgerechnet alles verkörpern würde, was in meinen Augen ein Mann verkörpern muss, würde ich ja gar nicht so in Versuchung geraten. Aber er ist einfach zu perfekt. Seine selbstsichere hedonistische Ausstrahlung, sein sexy Body und die Tatsache, dass er ganz genau weiß was er will, lassen mein dummes romantisches Herz schneller schlagen. Ich rufe mir in Erinnerung, dass an seinem Angebot nichts, aber auch wirklich überhaupt nichts romantisch ist und schließe genervt die Augen.

Das heutige Fotoshooting ist anstrengend und meine Nerven zum Zerreißen gespannt. Jeder einzelne meiner Muskeln schmerzt und brennt unangenehm, denn der heutige Fotograf, kommandiert mich unerbittlich in die ungemütlichsten Posen. Nach endlosen Stunden habe ich es überstanden und kann mich abschminken gehen. Ein kleiner Kobold, der sich ungefragt zu meinem Unterbewusstsein gesellt hat, flüstert mir leise ins Ohr, dass ich nie wieder ein Shooting über mich ergehen lassen müsste, wenn ich Falks Angebot annehmen würde.

Heute ist Freitag, was für ein Glück! Ich brauche dringend einen sehr alkoholhaltigen Cocktail, am besten gleich einen Zombie, der würde mit Sicherheit dafür sorgen, dass ich mich entspanne. Schnell schicke ich meinen Ladys Nahrichten und in einer der Whatsapp Gruppen und rufe zu einer heißen, wilden Nacht auf. Es wäre ja gelacht, wenn ich diesen Falk nicht aus meinem Kopf tanzen kann.

 

Gut ist an meinem Job, dass ich mir ein sehr knappes Partyoutfit aussuchen kann. Neunzig Prozent der Menschen, die mir heute Nacht begegnen werden, haben mich sowieso schon in Übergröße auf irgendeinem Plakat in heißen und sehr erotischen Dessous gesehen. Mein knapper mohnblumenroter Stretchmini und das schwarze Top, fällt in die Kategorie ‚Jetzt oder nie’ und spiegelt meine derzeitige Verfassung perfekt wider. Mit einem schnellen Blick auf die Uhr, stelle ich entsetzt fest, dass mir noch winzige zehn Minuten bleiben um mich um mein Make-Up zu kümmern. Spontan entscheide ich mich für einen grünen Lidschatten, schwarzen Kajal und sehr viel Wimperntusche. Locker und doch elegant stecke ich meine langen schwarzen Haare zu einer sexy Hochsteckfrisur zusammen. Mit einem rabenschwarzen Samtkropfband runde ich meinen Smokey-Look ab. Zu guter Letzt betone ich meine Lippen mit einem leicht glitzernden Lipgloss. Mit den wichtigsten Dingen bestückt, schnappe ich mir meine kleine Lederhandtasche und schlüpfe in die roten Heels, die meine Beine so wunderbar betonen. Es wird Zeit, ein paar kostbare Stunden abzuschalten, zu tanzen und das Leben in vollen Zügen zu genießen.

 

Heiße Gogos, schnelle Beets und scharfe Drinks, eine sehr dekadente Kombination. In der VIP Lounge sitzend, lassen es meine Mädels und ich so richtig krachen. Die Wodka Flasche, die auf dem kleinen Glastisch steht, ist mittlerweile halb leer, während meine Freundin Tanja versucht mir möglichst fehlerfrei lallend zu erzählen, welche Unverschämtheiten sich ihr Chef heute schon wieder hat einfallen lassen. Meiner Meinung nach sollte sie möglichst schnell kündigen, denn ihr Chef ist ein cholerisches Arschloch. Lisa und Sophie hingegen, scheinen ganz andere Probleme zu haben, denn sie werden von ihren Verehrern umzingelt. Im P9 ist die Hölle los, der gestrige Tag ist längst Vergangenheit. Und trotz der guten Stimmung, den wummernden Beets und dem Alkohol, der durch meinen Körper rauscht, schaffe ich es einfach nicht Falk Moreland zu vergessen. Natürlich sind sechs Monate eine ziemlich lange Zeit, allerdings ist der Betrag von einer Millionen Euro auch eine beachtlich große Zahl, die sehr viele Nullen beinhaltet. Wenn ich mich auf sein Angebot einlasse, sind all meine finanziellen Sorgen geklärt, meine Zukunft wäre gesichert und mein Bankkonto prall gefüllt. Und von diesen ganzen Tatsachen einmal abgesehen, wäre es der pure Wahnsinn, sechs Monate lang an seiner Seite zu sein. Wie sich wohl seine Lippen auf meiner Haut anfühlen, seine Zähne in meinem Fleisch und seine Finger zwischen meinen Schenkeln... Sehnsucht breitet sich in mir aus, süß wie frisches Caramel und scharf wie Chili, würzt sie meine eh schon köstliche Fantasie.

Verzweifelt, weil es mir einfach nicht gelingen will ihn aus meinem Kopf zu bekommen, greife ich zu meinem Glas, kippe den durchsichtigen Inhalt in meine Kehle und begebe mich auf die Tanzfläche. Lorde rockt mit ihrem Song Team die Disco... ich schließe meine Augen, lasse meinen Kopf in den Nacken fallen und freue mich darüber, dass der DJ noch ein paar Beets hinzu mischt. Ihre Stimme, geht mir unter die Haut... Lisa und Sophie gesellen sich zu mir und zusammen vergessen wir den Alltag. Rhythmisch, lachend und gelöst lassen wir uns fallen, Gott wie sehr hatte ich so eine Nacht nötig.

 

*

 

Der heiße Wasserstrahl der Dusche hilft zwar meinem müden Kopf, jedoch brennt es wie pures Feuer an meinen Füßen. Meine stylischen Heels sehen zwar hammermäßig aus, verursachen jedoch fast immer unschöne Blasen an den Fersen, die beinahe so groß sind wie China und schmerzen, als hätt ich eine Nadel unter der Haut.

Das Klingeln meiner Haustür unterbricht mein stilles Selbstmitleid. Genervt steige ich aus der Dusche, wickle mir ein Handtuch um, und tapse pitschnass und mit tropfenden Haaren, durch meine 2-Zimmer-Wohnung. Eine nasse Spur, aus noch immer leicht seifigem Wasser zeugt von meinem desolaten Zustand. Bereit jeden zu töten, der mich wegen einer unbedeutenden Kleinigkeit aus der Dusche reißt, öffne ich meine Tür. Doch anstatt meine Tirade an Schimpfwörtern loszuwerden, bin ich einfach nur sprachlos. Der Grund für meinen etwas überzogenen Alkoholgenuss steht persönlich vor meiner Tür. Fuck!

Und während ich nackt, nass und wie eine triefende Katze vor der Tür stehe, sieht er, Falk Moreland, wie immer perfekt aus. Seine Jeans und sein weißes Polohemd, schmiegen sich an seinen sexy Körper. Langsam sauge ich seinen Anblick in mich auf, während mein verräterischer Körper wie immer auf ihn reagiert. Scheiß Anziehung! Nachdem ich meine visuelle Reise beendet habe, sehe ich ihm ins Gesicht. Amüsiert schürzt er seine Lippen, was mir erneut einen Schauer der Erregung über den Nacken jagt.

„Störe ich?“

Was für eine idiotische Frage, natürlich stört er, es ist Samstagmorgen, in Herrgotts Früh. Ich habe einen scheiß Kater, meine Füße brennen höllisch und meine Haare sehen entsetzlich aus. „Woher weißt du wo ich wohne?“

„Darf ich rein kommen?“ Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich Menschen hasse, die eine Frage mit einer Gegenfrage beantworten?

„Nein! Wie du siehst komme ich gerade aus der Dusche.“

Falk besitzt nicht einmal den Anstand sich zu schämen. „Gut dann lasse ich dir jetzt deine Ruhe, ich hole dich heute Abend um 20:00 Uhr ab. Zieh dich hübsch an.“

Ohne mir die Möglichkeit zu geben, ihm zu Antworten, beugt er sich zu mir, drückt mir einen leidenschaftlichen Kuss auf die Lippen und verschwindet im Hausgang.

Oh Mann, was war das denn? Perplex und wie vor den Kopf gestoßen, dauert es noch einen Moment, bis ich in der Lage bin, die Türe hinter ihm zuschließen. Dieser Mann ist verdammt gefährlich...

 

*

 

Je resoluter ich versuche nicht auf die Uhr zu sehen und an heute Abend zu denken, desto langsamer scheint die Zeit zu vergehen... Was fällt diesem unmöglichen Mann eigentlich ein? Wie kommt er dazu, mich quasi zu einem Date abzukommandieren?

Ob er heute eine Antwort für sein unmoralisches Angebot will? Eine Mischung aus nervösen Magenschmerzen und prickelnder Vorfreude breitet sich in meinem Bauch aus. Ich sitze verzweifelt bemüht, mich zu entspannen, auf meiner uralten lila Couch und lese ein leicht versautes Buch. Samantha Young, schafft es eigentlich immer mich mit ihren Storys zu fesseln, doch heute will es ihr einfach nicht gelingen. Frustriert seufzend, klappe ich das Buch zu, schlage meine weiche Kuscheldecke zurück und schnappe mir die Schachtel Not-Zigaretten, die ich für genau solche Tage, auf meinem Küchenschrank aufbewahre. Genüsslich schließe ich meine Augen, inhaliere den ersten, jungfräulichen Zug des Nikotins, und spüre wie sich meine Nerven endlich beruhigen. Im Laufe der letzten Jahre, und in Anbetracht meines Berufes, habe ich schon so manche eindeutig zweideutigen Angebote erhalten, und nie ist es mir schwergefallen sie sofort abzulehnen. Doch Falks verlockendes Angebot, hat meine Welt auf den Kopf gestellt, selbst wenn er mir das Geld nicht angeboten hätte, würde ich die Möglichkeit an seiner Seite zu sein, in Betracht ziehen. Bisher bin ich nicht auf seine vielen Flirtversuche eingegangen, weil ich sehr gut darauf verzichten kann, eine weitere Kerbe in seinem Luxusbett zu werden. Doch die Aussicht auf ganze sechs Monate? Die Anziehung, die er auf mich ausübt, ist mehr als nur intensiv, der Sex mit ihm ist bestimmt phänomenal. Und das Risiko mein Herz zu verlieren, wäre ja nicht allzu groß, immerhin wissen beide Parteien, dass es ein Geschäft ist, eine zeitlich begrenzte Vereinbarung. Meine kleine innere Göttin, weiß ganz genau das ich zustimmen werde, während sich mein Unterbewusstsein noch immer an seinem letzten bisschen Stolz festklammert.

Mit jedem Zug, den ich mir gönne, spüre ich wie ich mich endlich beruhige. Es ist achtzehn Uhr, die perfekte Zeit um mich zu rüsten. Tief und lange inhaliere ich ein letztes Mal die tödlich beruhigende Dosis der Zigarette in meine Lungenflügel, bevor ich sie von meinem Balkon schnippe. Wahrscheinlich werde ich mir den restlichen Abend Vorwürfe machen, dass ich schon wieder schwach geworden bin, und geraucht habe. Aber der heutige Tag, war geradezu prädestiniert für eine Not-Zigarette.

 

Scheiße! Scheiße! Scheiße! Ich habe einfach nichts zum Anziehen, zumindest nichts passendes. Was zieht Frau an, wenn sie kurz davor ist, ihre Seele für sechs Monate an den Teufel zu verschachern? Eine Jeans und ihre besten Laufschuhe? Oder ihre beste und aufreizenste Unterwäsche, oder am Ende vielleicht gar keine Unterwäsche? Der Inhalt des Kleiderschranks liegt auf meinem Bett verteilt. Während ich noch immer nackt in meinem Schlafzimmer stehe. Wie heißt es so schön: Wenn dir das Leben Zitronen gibt, frag nach Salz und Tequila!

Beherzt greife ich in meine Dessous-Schublade und suche mir die heißesten Strapshalter aus. Dazu eine Korsage, und den passenden Spitzentanga. Zufrieden, das zumindest die Frage über die erste Kleidungsschicht geklärt ist, schließe ich meine Augen und greife auf das Bett. Das Schicksal hat entschieden, es soll das kleine Schwarze sein.

Da ich nicht weiß, wohin mich Falk bringt und was die Nacht für mich bereithält, entscheide ich mich für die klassische Smokey-Eyes Variante. Meine wild abstehende Haarmähne binde ich zu einem eleganten Chignonknoten zusammen, der zum totalen Kontrast zu meiner dekadenten Unterwäsche steht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Männer auf Frauen stehen, die anständig und elegant wirken, die sich aber in wilde Furien und ungezähmte Wildkatzen verwandeln, sobald die Hüllen fallen. Und ich kann mir mehr als gut vorstellen, dass Falk ebenfalls zu dieser Sorte Mann gehört.

In Anbetracht dessen, das ich heute schon einmal zu meinen Not-Zigaretten gegriffen habe, erscheint es mir als eine eher kleine Sünde, noch eine weitere Zigarette zu rauchen. Wenn ich diesen Abend auch nur annähernd souverän überstehen will, muss ich meine Nerven und meine Aufregung dringend in den Griff bekommen.

 

Falk ist pünktlich, gerade als mein Minutenzeiger die Acht trifft, klingelt es an meiner Tür. Schnell drücke ich die Kippe aus, stecke mir ein Minzbonbon in den Mund und werfe einen finalen Blick in den Spiegel. Ich bin bereit... zumindest dachte ich das, bis ich ihm die Türe geöffnet habe. Er sieht zu scharf aus. Ich habe eigentlich damit gerechnet, ihn in einem seiner obligatorischen Anzüge zu sehen, doch er steht ganz lässig vor mir. Seine Jeans sitzt perfekt, und sein weinrotes Hemd, betont seine braunen Haare.

„Guten Abend Mariella, du siehst bezaubernd aus.“ Sein anerkennender Blick schweift über meinen Körper, er fühlt sich an wie ein visueller Kuss.

Wie immer, wenn Falk in meiner Nähe ist, beginnt mein Körper ein sehr sinnliches Eigenleben zu führen. „Guten Abend Falk.“ Während sich jedes Fleckchen meiner Haut auf seine Berührungen freut, läuft mein Verstand schreiend davon. Leicht altmodisch, jedoch mit seinem ganz persönlichen Charme, reicht er mir seinen Arm, in den ich mich nur zu gerne einhänge. Das Gefühl, ihm so nahe zu sein, seinen Geruch einzuatmen und seine Finger auf meiner Haut zu spüren, lässt mein Herz höher schlagen. Ich will ihn. Sein Angebot anzunehmen, erscheint mir im Moment als das einzig Richtige.

Die Sitze seines Audis, sind sehr tief, ganz egal wie elegant ich mich auch hinsetze. Mein Kleid, rutscht nach oben und mein Oberschenkel ist nicht mehr ganz so anständig bedeckt. Falls Falk genauer hinsieht, kann er ohne Probleme meine schwarz-roten Strapshalter erkennen.

„Ich hoffe du magst italienisches Essen?“ Seine dunkle Stimme erfüllt das Auto, und erneut beginnt mein verräterischer Körper, sich auf seine Invasion vorzubereiten.

„Italienisch ist perfekt.“ Gierig beobachte ich das verführerische Spiel seiner Muskeln, die sich beim Schalten unter seinem Hemd anspannen.

„Ich habe uns einen Tisch, in einem kleinen sehr gemütlichen Restaurant reserviert. Dort können wir uns in aller Ruhe unterhalten.“

Bedeutet gemütlich romantisch? Falls ja, stecke ich in der Falle...

Die Fahrt dauert nicht lange, Falk steigt aus und öffnet mir ganz gentlemanlike die Tür. Während wir die Straße überqueren, die uns noch von dem kleinen Restaurant trennt, spüre ich seine Hand, warm und besitzergreifend auf meinem Rücken.

„Entspann dich, ich werde dich nicht fressen, zumindest nicht gleich.“

Durch seine geraunten Worte, seine besitzergreifenden Berührungen und seine Nähe, haben meine Knie in der letzten Sekunde die Beschaffenheit von Wackelpudding angenommen. Falk hat nicht übertrieben, das Restaurant ist gemütlich. Die rustikale Einrichtung und die so typische Dekoration, helfen mir, mich etwas zu entspannen. Froh, mich endlich setzen zu können, reicht mir ein sehr freundlicher kleiner italienischer Mann, die Speisekarte.

„Buonasera, Signor Moreland, bello che ci sono.“

So wie der Mann Falk begrüßt, scheint er hier öfter zu essen. Das hätte ich nicht gedacht, in meiner Vorstellung, ist für ihn nur das Beste gut genug. Insgeheim bin ich ihm dankbar, dass wir in keinen Nobelschuppen gegangen sind. Die entspannte Atmosphäre des Italieners, ist mir um einiges lieber. „Falk, kann ich dich etwas fragen?“

„Natürlich, schieß los.“ Entspannt und selbstsicher lehnt er sich in seinem Stuhl zurück und schenkt mir seine Aufmerksamkeit.

Je mehr Zeit ich mit ihm verbringe, je mehr verfalle ich ihm. „Warum ich? Warum willst du, naja... mich kaufen?“ Oh Mann, ich spüre wie ich rot anlaufe, warum um Gottes willen bin ich in seiner Nähe nur so schüchtern?

Unsere Blicke treffen sich, es dauert ein paar Sekunden, bis er mir antwortet.

„Weil ich dich will.“

Na super, insgeheim habe ich mit einer ausführlichen Antwort gerechnet. Und jetzt versucht er mich mit vier Wörtern abzuspeisen. „Falk, was soll das? Jetzt bin ich genauso schlau wie vorher.“

„Mariella, was willst du hören? Ich brauche für die nächsten sechs Monate eine Begleitung. Und die einzige Frau, die ich dafür will, bist du.“ Angespannt lehnt er sich nach vorne, ergreift meine Hand und hält sie fest. „Die Frage ist nur, bist du bereit mein Angebot anzunehmen?“

Na phantastisch, das habe ich ja mal wieder super gemacht. Mit meiner dummen Neugierde habe ich es geschafft, mich in genau die Situation zu manövrieren, die ich eigentlich möglichst lange hinauszögern wollte.

Eindringlich fixiert er mich mit seinem Blick, sein Daumen streichelt zart meinen Handrücken. Es ist so weit, Augen zu und durch... „Ja, ich nehme es an. Unter einer Bedingung.“

Ich sehe, wie sich stiller Triumph auf seiner Mimik ausbreitet, „Welche Bedingung?“

Unsicher beiße ich mir auf die Unterlippe, das was jetzt kommt, fällt mir unheimlich schwer, aber in erster Linie muss ich mich selbst schützen. Und wenn ich diese Bedingung nicht stelle, es jetzt nicht laut aussprechen, bin ich nach Ablauf der sechs Monate verloren. Tief durchatmend nehme ich all meinen Mut zusammen.

„Diese sechs Monate sind ein Arrangement, eine Vereinbarung zwischen dir und mir. Es gibt keine Gefühle, keine Versprechungen und keine Hoffnungen. Nach diesen sechs Monaten trennen sich unsere Wege.“ Den Stich, der sich gerade unangenehm brennend durch mein Herz zieht, ignorierend halte ich seinem Blick stand.

Seine Mimik ist undurchdringlich, er gibt nichts von seinen Gedanken preis. „Abgemacht Mariella, sechs Monate lang gehörst du mir, danach bist du frei.“

Frei? Das klingt irgendwie komisch, das Wissen das ich diejenige war, die diese Bedingung gestellt hat, vereinfacht mir die Situation nicht unbedingt.

 

Unser restliches Dinner lief entspannt ab, vielleicht war es doch ganz gut, dass wir das Wichtigste zuerst geklärt haben. So konnte eine wirklich entspannte Stimmung zwischen uns entstehen. Falk hat mir erzählt, dass er unheimlich gerne boxt. Wie hat er es genannt? Als Ausgleich zu seinem Geschäftsleben, wäre Boxen eine sehr ehrliche Sportart. Mann gegen Mann, ohne Technik und Hilfsmittel, in dieser Zeit geht es nur um Ausdauer, Menschenkenntnis und Geschick.

Auch wenn ich ihn mir nicht wirklich in einem Boxkampf vorstellen kann. In diesen sexy Shorts, würde ich ihn allerdings schon ganz gerne einmal sehen. Je länger wir uns unterhalten, je stärker wird die Anziehung zwischen uns. Verstohlene Blicke, leichte Berührungen und heiße Flirts. Gerade als ich dachte, es nicht länger aushalten zu können, fordert Falk die Rechnung. Zuvorkommend öffnet er mir die Tür. Meine Heels bleiben an irgendeiner Unebenheit auf dem Boden hängen, und ich spüre wie ich das Gleichgewicht verliere. Kurz bevor ich stürze, spüre ich Falks Arm, der sich stark um meine Taille legt. Kraftvoll zieht er mich an seinen Körper. „Verdammt Süße, hast du dich verletzt?“

Grob dreht er mich um, so dass wir uns Auge in Auge gegenüber stehen, und in diesem Moment wird mir alles klar. Hart und warm spüre ich seinen Körper, der sich an den meinen presst. Sein Arm hat nicht vor, mich freizugeben. Sehnsuchtsvoll schließe ich meine Augen, lehne mich noch näher zu ihm, schlinge meine Hand um seinen Nacken und küsse ihn leidenschaftlich.

Falk reagiert sofort, seine Muskeln spannen sich an und ein animalisches Knurren löst sich aus seiner Kehle. Sehnsuchtsvoll umschlingen sich unsere Zungen, saugen und fordern immer mehr. Sein Arm lockert sich etwas, er streichelt sanft meinen Rücken, ehe sie sich fordernd auf meinen Po legt. Aus unserem Kuss wird ein sinnliches Vorspiel, das die Glut unserer Leidenschaft noch weiter anfacht.

Sanft streichelt seine Zungenspitze meine Unterlippe, ehe er unseren Kuss beendet. Keuchend und höchst erregt stehen wir uns gegenüber, ein Blick in seine Augen zeigt mir, wie sehr er mich will. Ohne zu zögern beantworte ich ihm seine unausgesprochene Frage. „Ja!“ Falk ergreift meine Hand, hart und fest, schlingen sich seine Finger um meine. Ohne auf den Verkehr der Straße zu achten, zieht er mich Richtung Auto. Falk öffnet mir die Tür und beißt mir leicht in den Nacken.

„Jetzt gibt es kein Zurück mehr Süße...“