IMMANUEL KANT, GEORG WILHELM FRIEDRICH HEGEL, KARL MARX, ARTHUR SCHOPENHAUER, SIGMUND FREUD, MARTIN HEIDEGGER, MARXISMUS, WILHELM REICH, ERICH FROMM, THEODOR W. ADORNO, MAX HORKHEIMER. HERBERT MARCUSE, EVOLUTION,



DAS LEBEN IST EIN LEIDENSWEG DER UNLUST, EINE VIA DOLOROSA.


Das Theater, die Maske, die Eleganz, die Liebenswürdigkeit, die Institutionen und alles, womit man um der Schonung des anderen willen seine eigenen Impulse in Regie nimmt.

Von da aus entwickelt Rousseau in seinen Schriften Emil und La Novell Louise auch ein neues Erziehung Konzept, bei dem die natürliche Entwicklung des Kindes im Mittelpunkt steht, um für sein Schreiben Ruhe zu haben.

Steckt er allerdings seine eigenen Kinder ins Waisenhaus. In seiner Gesellschaftstheorie startet er wie Hobbs und Lock mit dem Szenario des Gesellschaftsvertrages. In ihm verzichtet der Einzelne auf seine Rechte zugunsten der Gemeinschaft.

DAS LEBEN IST EIN LEIDENSWEG DER UNLUST, EINE VIA DOLOROSA

ZWAR MURMELT ROUSSEAU EIN PAAR POSITIVE BEMERKUNGEN ZUR GEWALTENTEILUNG.

Aber sein höchstes Gut ist die Volkssouveränität, die sich in der volonté general, einer Art objektivem Gesamtinteresse, nicht etwa Mehrheitsmeinung ausdrückt.

DAS LEBEN IST EIN LEIDENSWEG DER UNLUST, EINE VIA DOLOROSA

IN DER REVOLUTION DIENT DIESE BETONUNG DER GEMEINSCHAFT ZUR RECHTFERTIGUNG DES TERRORS.

Die Wirkung Rousseaus war anhaltend, umfassend und gründlich. Seine ständigen Querelen, die er als Verfolgung einer einsamen Seele und eines aufrechten Rebellen stilisierte, erregten das Mitgefühl halb Europas.

Er beeinflusste den Sturm und Drang, die Geschichtsphilosophie Herders, die Ethnologie der Naturvölker, die Pädagogik Pestalozzi, die Nationalökonomie der Physios, Kroaten, die die Landwirtschaft betonten und die gesamte Literatur der Romantik mit ihrem Kult des Gefühls.

IMMANUEL KANT 1724 BIS 1804.

Kant ist der Copernicus der Philosophie.

Er drehte die Blickrichtung um und siehe da, der Verstand hörte auf, sich um die Realität zu drehen, und die Erde der Erfahrungswelt drehte sich um die Sonne des Verstandes.

Oder weniger poetisch. Kant schaute nicht mehr auf die Realität und fragte sich dann, wie der Verstand sie richtig abbilden könne.

Stattdessen blickte er auf den Verstand und fragte sich dann, wie die Erkenntnis apriori, also vor aller Erfahrung aussehen müsse.

Von da aus gelangt er zu einer ganz neuen Staffelung logischer Ebenen.

Der Verstand gehört nicht zur Erfahrungswelt, die er dann erkennt. Vielmehr bringt er die Welt erst hervor durch die Art, wie er sie konstruiert. Er ist nicht Teil der Welt, sondern ihr Ursprung. Er ist nicht empirisch, sondern transzendental. Er schreibt der empirischen Welt vor, wie sie zu sein habe.

Die Kategorien, mit denen er sie beobachtet, etwa Kausalität, sind nicht Teil der Welt, sondern Bestandteil unserer Erkenntnis Matrix. Mit dieser konstruktivistischen Wende beantwortet Kant die Frage, wie der Verstand die Mannigfaltigkeit der Erfahrung zur Einheit bringt.

Er findet die Einheit nicht in der Welt, sondern bringt sie mit. Wie die Welt an sich ist Kant nennt das das Ding an sich können wir nicht wissen. Aber was wir erkennen, erkennen wir mit Notwendigkeit, und zwar nur über die Einheit stiftende Kraft unseres Verstandes. Mit dem Begriff transzendental, den er als Gegenbegriff zu empirisch, also Erfahrung bezogen gebraucht, bezeichnet Kant alles, was sich nicht auf die Realität, sondern auf die Bedingungen der Möglichkeit der Erkenntnis bezieht.

Seine Philosophie ist also Transzendentalphilosophie. Sie ist kritisch, weil sie die Erkennbarkeit der Welt an die Bedingungen des Verstandes bindet und dadurch begrenzt. Deshalb nennt Kant seine drei Haupt Schriften Kritik der reinen Vernunft. Darin geht es um die Bedingungen der Erkenntnis, Kritik der praktischen Vernunft. Darin geht es um die Moral und Kritik der Urteilskraft.

Darin geht es um Ästhetik und höhere Zwecke. Er beantwortet damit die drei großen Fragen Was kann ich wissen? Was soll ich tun und was kann ich hoffen?

Zugleich ist Kants Kritik schon so etwas wie Ideologiekritik des menschlichen Geistes. Wenn ich die Bedingungen der Möglichkeit meiner Erfahrungen nicht kenne, neige ich dazu, sie in die Realität zu projizieren, weil das Wort Gott so ähnlich klingt wie das Wort Brot. Und auch grammatikalisch genauso gebraucht wird, denke ich, dass Gott genauso real ist wie Schwarzbrot, obwohl ihm keine sinnliche Erfahrung entspricht.

Ganz so sagt es Kant zwar nicht, sondern der Sprachphilosophie Ludwig Wittgenstein.

Aber so etwas Ähnliches meint er, wenn er sagt Regulative Ideen, das sind Dienstanweisungen zum Gebrauch des Verstandes, dürfen nicht mit konstitutiven Ideen das sind äußere Verwaltungsakte zwecks Feststellung von Tatsachen verwechselt werden.

Sonst halten wir Phantome für real.

Und wie später Wittgenstein versteht Kant seine Kritik als Therapie eines Verstandes, der sich noch nicht als transzendental durchschaut hat und sich deshalb nicht selbst von der Welt, die er konstruiert, unterscheidet. Kannst drei Kritiken enthielten die Fragen, an die die Philosophie der nächsten 100 Jahre anknüpft. Vor allem das Ding an sich, das Unverkennbare, übte den Reiz eines ungelösten Rätsels aus. Kant hat unser Verständnis von Erkenntnis grundlegend verändert. Fast niemand glaubt heute mehr, der Geist bilde die Welt ab.

Praktisch alle seriösen Theorien sind konstruktivistisch. Wir konstruieren unsere Realität. Nur das wird erfasst, was in diese Konstruktion passt. So wie wir nur eine bestimmte Bandbreite von Tönen hören können und nicht noch wie ein Hund den Ultraschall dazu. Zugleich konnte man sich ab Kant vorstellen, dass die Erkenntnis Matrix zwar transzendental war, aber von veränderlichen Faktoren abhing.

Diese Faktoren konnten historisch, sozial, geschlechtsspezifisch, Milieu, spezifisch oder kulturell konditioniert sein, oder sie konnten sich nach unbewussten Interessen richten.

Auf jeden Fall sind sie uns nicht bewusst, weil sie ja vor aller Erkenntnis liegen. Das eröffnete die olympische Disziplin der allgemeinen Verdächtigung. Jeder entdeckte nun beim anderen die Gründe für seine Borniertheit.

Er ist ein Kapitalist. Er kann nicht anders als in Begriffen der Profitmaximierung denken.

Er ist ein WASP White anglo Saxon Protestant. Er kann nicht anders als in den rationalen Kategorien der europäischen Kultur denken und denkt sich gar nichts dabei. Auf diese Weise konnte man unschuldig schuldig werden.

Man sah die Welt falsch, aber wusste es nicht.

Die nächsten zwei Jahrhunderte nach Kant wurde die Zeit der Ideologieverdacht, bevor sie begann, musste zuvor noch Hegel Kant durch die historische Mangel drehen.

GEORG WILHELM FRIEDRICH HEGEL 1770 1831.

Hegel schleppt Kant zu den Ufern des Jordan und tauft ihn mit den Wassern der Geschichte. Oder anders ausgedrückt Hegel erzählt die Weltgeschichte als Bildungsroman. Die Parallele zwischen Geschichte und Literatur war zunächst im Roman ausgenutzt worden.

So wie Robinson Crusoe die ganze Zivilisationsgeschichte auf seiner Insel noch einmal wiederholt. So durchläuft jeder Mensch die ganze Geschichte der Kultur noch einmal. Dabei macht Hegel Kants kopernikanische Wende zum Prinzip des geschichtlichen Fortschritts.

Worin bestand diese Wende?

Sagen wir es noch einmal Der Geist betrachtet zunächst selbstvergessen die Welt und denkt nicht an sich. Das bezeichnen wir als den for kritischen Standpunkt oder die These. Dann verwandelt Hegel sich in Immanuel Kant und wendet den Blick zurück auf sich selbst, um seine eigene Beteiligung am Ergebnis der Erkenntnis herauszufiltern. Das ist dann der kritische Standpunkt oder die Antithese. Und schließlich mutiert Kant als Statthalter des Weltgeistes zum Philosophen Hegel selbst und erkennt, dass dieser Gegensatz nur eine vorübergehende Durchgangs Stufe der Entwicklung ist, die in Hegel zur höheren Einheit gebracht wird, womit die geschichtsphilosophische Einsicht erlangt ist oder die Synthese. Anders gesagt Zuerst erscheint der Geist als Ding an sich, dann entdeckt sich das Bewusstsein selbst und der Geist erscheint in der Form des für sich. Und schließlich erscheint der Geist in der geschichtsphilosophischen Synthese des An und für sich ein von Hegel geprägter und noch heute geläufiger Ausdruck.

Die Synthese bedeutet, dass beide Seiten des Widerspruchs im dreifachen Sinne aufgehoben sind. Sie sind zugleich negiert, bewahrt und auf eine höhere Ebene gehoben. Mit anderen Worten, sie sind zu Momenten eines neuen Zusammenhangs geworden.

Sie wurden relativiert, kontextualisiert, entschärft und dadurch in Erfahrung verwandelt. Die neue Synthese wird dann wieder zum Ausgangspunkt eines neuen Durchlas. Es ist so, als ob nach jeder Runde ein Boxkampf.

Beide Gegner ausscheiden, dafür aber der Schiedsrichter gegen einen neuen Gegner die nächste Runde bestreiten muss. Dieses Prinzip nennt Hegel Dialektik. Er erhebt es zum Entwicklungs Gesetz der Weltgeschichte.

Die Bewegung verläuft immer vom naiven vor kritisches Bewusstsein zum kritischen Selbstbewusstsein und dann zum absoluten Wissen. Wie sieht das nun aus, wenn es in historischer Form konkret wird? Das naive Bewusstsein z.B. projiziert Inneres für Äußeres haltend, seine eigene Zerrissenheit in die Welt und unterscheidet in ihr zwischen Diesseits und Jenseits.

Das mittelalterlich religiöse Bewusstsein. Dann nimmt es als Selbstbewusstsein die historische Gestalt der Aufklärung an. Das ist die rationale Antithese zur mittelalterlich religiösen Einstellung. Aber die Synthese ist erst gefunden, wenn sich die Vernunft in der äußeren Welt selbst die Gesetze gibt und sich realisiert.

Das ist in der Sittlichkeit der Fall. Diese Synthese wird zur neuen These Wenn die Sittlichkeit als Wahnsinn des Eigendünkel nur nach dem Gefühl die Welt verbessern will, dann nimmt der Weltgeist den Namen Rousseau an, setzt sich die Jakobiner Mütze auf und beginnt die Revolution.

Wie in einem Bildungsroman steigt der Weltgeist über die Stufen seiner Irrtümer die Treppe zunehmender Einsicht hinauf, bis er bei Hegel selbst den ultimativen Treppenabsatz erreicht hat.

Das ist der Zustand der absoluten Selbst Transparenz oder selbst Einsicht.

Hier wird der absolute Geist seine eigene Erinnerung. Die Geschichte der Identität und die Identität der Geschichte fallen in liebender Versöhnung zusammen.

Mit diesem Entwurf verklammert Hegel Geschichte und Philosophie in der Form des Romans. Denn auch der Roman macht eine kopernikanische Wende à la Kant durch. So wie das transzendentale Ich nicht mehr Teil der empirischen Welt ist, sondern ihr Ursprung, zieht sich auch der Erzähler aus der Romanwelt zurück, um das Geschehen aus der Perspektive des Helden erzählen zu können.

Dieser erweitert über eine Serie von Krisen seinen Horizont zunehmend, bis er am Ende seine eigene Geschichte durchschaut und den Wissensstand des Erzählers erreicht hat. In derselben Weise stellt Hegel seine Erzählperspektive auf den Horizont einer jeden Epoche ein, fasst die Differenz zwischen dem beschränkten Zeitgeist und dem, was ihm entgeht, als dialektischen Widerspruch und führt den Weltgeist über eine Serie von dialektischen Krisen zur Einsicht in seine eigene Geschichte, bis diese schließlich mit dem allwissenden Hegel gleich zieht.

Damit machte Hegel die Menschen zu Romanfiguren. Sie hatten nun eine Rolle in der Weltgeschichte und konnten sich als Geburtshelfer des Geistes bewähren. Wehe aber den, der sich dem Gang der Geschichte entgegenstellt.

Der wurde gnadenlos zermalmt. Mit Hegel zieht also ein neues Szenario ins Denken Europas ein und wird gleich zum alles beherrschenden Realität Modell.

Die Geschichte.

Von diesem Zeitpunkt an wurde um die Interpretation der Geschichte gekämpft, wer die Deutungshoheit erobert hatte, hatte gewonnen. Denn damit hatte er das Recht erworben, die Macht zu übernehmen, um die Geschichte in seinem Sinne voranzutreiben.

Die Deutungen mit exklusivem Anspruch wurden Ideologien genannt.