Frank Bick ist gebürtiger Niederrheiner aus einer Bergmannsfamilie, Baujahr 1962. Nach Realschule und Schlosserlehre kamen Bundeswehr und sieben Jahre Untertagearbeit. Der Regelarbeit müde, wurde zu Studienjahren und Anstellung auf der Universität Duisburg-Essen gewechselt. Psychologie, Geographie und Medienpädagogik. Finanziert wurde das Studium mit Verkaufstätigkeiten in der Motorradbranche. Es folgten zehn Jahre Zoopädagogik und Tierschutzarbeit. Seit zehn Jahren wieder freiberuflich als Texter und Fotograf unterwegs. Größte Leidenschaft war zeitlebens die Beschäftigung mit Kunst, Fotografie, Musik, Natur und Motorradfahren.

Motorradreisen mit Zelt und Ausrüstung sind voll im Trend. Im Jahr 2021 gab es erneut mehr Zulassungen als in den Jahren zuvor. Jugendliche und (Wieder-) Einsteiger begeistern sich vermehrt für die abenteuerliche Reise auf zwei Rädern. Gleichzeitig ist auch das Thema Campingurlaub angesagter denn je. Das vorliegende Buch wird dabei helfen, Vorbereitung und Reise mit Leichtigkeit zu bewältigen und unnötige Fehler zu vermeiden. Ein kompakter, leicht verständlicher Ratgeber für Einsteiger. Von der Wahl des richtigen Motorrads, über die Fahrerausstattung, Reisevorbereitung und Navigation, bis hin zum geeigneten Zelt mit Ausrüstung sind alle wichtigen Themen dabei. Mit ausführlicher Packliste und einer unterhaltsamen Tourenbeschreibung.

Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im
Internet über www.dnb.de abrufbar.

1. Auflage 2021

Copyright © 2021

buch@motorradphilosophen.de

Satz, Herstellung und Verlag:

BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt

Print on Demand

ISBN 9783753400624

Inhaltsverzeichnis

  1. Achtsamkeit als Weg
  2. Die Wahl des geeigneten Motorrads
  3. Das Gepäck unterbringen
  4. Fahrerbekleidung
  5. Zelte, Schlafsäcke und Isomatten
  6. Kocher, Töpfe und Geschirr
  7. Reiseplanung und Navigation
  8. Reiseführer
  9. Fotografie
  10. Reisefreiheit
  11. (M)eine Packliste
  12. Tour nach Kroatien

1. Achtsamkeit als Weg

Das Einzige, was ein Mensch im Leben erreichen kann, ist Lebenszufriedenheit. In der Jugend scheint ein Leben ein langer Weg zu sein, im Alter stellt sich heraus, die Strecke war kurz. Wir müssen Entscheidungen darüber treffen, welchen Weg wir gehen. Etwa alle zehn Jahre kommt es durch körperliche und geistige Entwicklungen zu privaten, schulischen und beruflichen Umorientierungen. Einen einzig richtigen Weg gibt es nicht. Aber es gibt jederzeit die Möglichkeit, aus einem gewählten Weg das Beste herauszuholen. Der Schlüssel dafür liegt in dem mittlerweile überstrapazierten Verfahren der Achtsamkeit. Dass ein achtsamer Weg vielfältig begangen werden kann, zeigt das facettenreiche Konzept des Zen-Buddhismus. Vom Weg des Gartens, des Tees, des Bogens oder des Schwerts wird dort gesprochen. Die größte Gemeinsamkeit dieser unterschiedlichen Konzepte ist die stetige Achtsamkeit im Moment des Tuns, und genau darum soll es auch in diesem Buch gehen, um achtsames Motorradfahren und Reisen, jedoch ohne Meditation, Gong und Räucherstäbchen.

Etwas zu planen, es selbst zu machen, zu üben und mit der Erfahrung im Kleinen oder Großen zu verändern, ist nicht nur kreativ, sondern fördert obendrein Lebensqualität und Lebensfreude. Das erklärt, warum ausgewachsene Männer mit Mofas auf Tour in den Alpen genauso viel oder womöglich mehr Freude haben, als ein zügig angereister BMW Fahrer mit 125 PS zwischen den Knien. Die Mofafahrer müssen technische Kenntnisse mitbringen, die Strecke planen, das Gepäck reduzieren und sich reichlich Zeit für eine vergleichsweise kurze Strecke nehmen. Ihre Achtsamkeit wird gezwungenermaßen für Technik, die Strecke, die Natur, die Begegnungen mit Menschen, die Dichte des Tankstellennetzes, die Gastronomie und vieles mehr, weitaus größer ausfallen als die Achtsamkeit des schnell reisenden, scheckheftgepflegten, vom Bordcomputer ferngesteuerten Piloten. Ein Fahrer, der die meiste Zeit mit der Konzentration auf digitale Informationen zubringt, von der Fahrzeugtechnik im gleichen Maß wie von der umgebenden Kultur entfremdet, wird am Ende des Tages vor allem mit der Länge der gefahrenen Strecke aufwarten. Es ist kaum verwunderlich, dass die gebräuchliche, maskuline Berichterstattung nach vollbrachter Tat sich mit der fortschreitenden Technisierung zunehmend auf die Summe der gefahrenen Kilometer konzentriert. Denn das ist die wesentliche Leistung, die der Fahrer sich noch selbst auf die Fahne schreiben darf. Aber die mechanische Kilometerfresserei oder die immer gleiche üppige Sonntagsrunde auf technischen Meisterwerken ist ein Stück vom achtsamen Weg des Motorradfahrens abgekommen. Das führte zu der unerwarteten Wiedergeburt des Mofas, der Mopeds oder der Youngtimer, die wegen zugänglicher Technik und individueller Eigenart zumindest Ausschnitte einer in dieser Form verloren gegangenen Motorradkultur zu bieten haben. Schon der Vorgang des Anwerfens variierte noch in den 80er Jahren von Fahrzeug zu Fahrzeug und nötigte dem Piloten Kenntnis von Vergaser und Zündung ab.

90% aller Motorradstrecken werden in einem Umkreis von 100 Kilometern um die Garage herum gefahren. Dass nur wenige Motorradfahrer sich weiter von zu Hause entfernen, hat seine Ursache zum einen in der wahrgenommenen Anstrengung und Gefährlichkeit einer langen und fernen Reise. Zum anderen ist das Motiv von Motorradfahrten in den meisten Fällen die Fahrt an sich, das anvisierte Ziel ist für viele Motorradfahrer weitaus weniger bedeutsam denn die schönen Strecken dorthin. Und schöne Strecken gibt es halt ebenso im Umkreis der Garage. Laut Peter Fahrenholz, dem Ressortleiter Reise und Mobilität der Süddeutschen Zeitung, besteht „der einzige Grund mit dem Motorrad irgendwohin zu fahren meist darin, irgendwohin zu fahren. Es geht um Genuss, Spaß, Entspannung, Flucht aus dem Alltag, das Gefühl von Freiheit.“ (Aus dem Artikel „Pures Vergnügen“ von 2015). Die Freizeitsoziologie ordnet Motorradreisen den Freiluft-Wagnis-Freizeittätigkeiten zu. Menschen mit ausgeprägtem Sicherheitsbedürfnis oder reinem Interesse am Erreichen eines Ziels fahren deshalb selten Motorrad. Nur 35% der männlichen und 5% der weiblichen Bewohner Deutschlands haben derzeit die entsprechende Fahrerlaubnis. Es bleibt damit rechnerisch eine vergleichsweise geringe Menge von unter 4% Prozent der Bevölkerung, die zu Reisen mit dem Motorrad bereit ist, bei langen Fernreisen landet der Wert unter 1%. Die wenigen waghalsigen Weltenbummler mit einem völlig von der Masse abweichenden Zeitmanagement werden dementsprechend medial gewürdigt und in den sozialen Medien gefeiert. Nicht zuletzt deshalb, weil sie sich die Zeit nehmen, die Welt auf zwei Rädern zu erkunden. Die Entwicklung der Technik können wir kaum mehr beeinflussen. Die Pflege der Motorradfahrkultur hingegen, steht uns mehr denn je offen. Eine achtsame Motorradfahrt oder -reise mit ausreichend Zeit für Strecke und Umgebung ist ein wertvoller Baustein für die Lebenszufriedenheit. Und das Schöne ist, dass die Möglichkeit ihn einzubauen, den meisten von uns offen steht. Nur wenige Bürger der Erde haben eine derart großzügige Voraussetzung, die Welt zu erkunden, wie wir Deutschen sie haben. Und nur wenige Bürger der Welt sind so willkommen wie Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit. Der deutsche Pass öffnet so gut wie alle politischen Grenzen weltweit.

2. Die Wahl des geeigneten Motorrads

Ein passendes Motorrad zu finden, ist bei dem riesigen Angebot auf dem hart umkämpften Markt eine Herausforderung. Hilfe bietet uns wieder das Konzept der Achtsamkeit und Vernunft. Wenn ein Zen-Buddhist den Weg des Bogens wählt, macht er die Wahl des geeigneten Bogens neben der Fertigungsqualität des Geräts von zwei wichtigen Faktoren abhängig. Zum einen von der Strecke, die der Pfeil zurücklegen soll, zum anderen von der eigenen Anatomie. Und genauso könnten wir bei der Wahl des Motorrads verfahren und zwei wichtige Fragen stellen. Welche Strecke soll zurückgelegt werden und welches Zweirad passt zu meiner Anatomie? Mit dem richtigen Motorrad ausgestattet, kommt es zu einer Verschmelzung von Fahrer*in und Fahrzeug. Eins mit dem Bogen werden, gilt es beim Bogenschießen. Und das ist auch mit einem Motorrad möglich. Als Reisemotorräder kommen bevorzugt Reiseenduros in Frage, aber tourentaugliche Roadster oder Sporttourer sind genauso gut geeignet. Die Wahl hängt vor allem von der Dauer der Reise und der Beschaffenheit der Strecke ab.

Wer nicht beabsichtigt, in Länder zu fahren, deren Straßennetz schlecht oder gar nicht ausgebildet ist, kann getrost auf eine Reiseenduro verzichten. Von Deutschland aus ist es ohne eine einzige Geländefahrt gut möglich bis Griechenland, Südmarokko oder bis zum Nordkap zu fahren. Sollte dennoch eine Piste als Umfahrung einer Baustelle oder Umleitung zu befahren sein, ist es mit einer Straßenmaschine ebenso möglich wie mit einer Enduro. Einziger Unterschied ist die Fahrgeschwindigkeit. Nachteile des Roadsters mit Straßenreifen im Gelände gegenüber der Reiseenduro mit Geländebereifung sind geringere Haftung und Bodenfreiheit sowie ein kürzerer Federweg. Die Haftung auf losem, unebenem Untergrund ist eingeschränkt und die Fahrt wird weitaus rappeliger, die Reisenden und das Gepäck werden ordentlich durchgeschüttelt. Für ungeübte Geländefahrende ist es in vielen Fällen dennoch einfacher, mit einem niedrigen Straßenmotorrad langsam eine Piste zu bewältigen, als zügig mit einer Enduro. Der tiefe Schwerpunkt und die geringe Sitzhöhe haben weitere Vorteile bei der Fahrt auf Straßen und mit höheren Geschwindigkeiten. Das Fahrzeug wackelt weniger als eine emporragende Enduro, auch bei widrigen Wetterverhältnissen. Straßenreifen haften bei Regen besser, sind zudem beträchtlich langlebiger, umweltfreundlicher und spritsparend. Vor dem Kauf eines Roadsters sollte geklärt werden, welches Reisezubehör es gibt. Tankrucksack und Seitenkoffer sowie eine Gepäckbrücke oder Topase hinten sind für eine richtige Reisemaschine im Grunde genommen unentbehrlich. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Anatomie der Fahrenden im Verhältnis zu den Abmessungen des Fahrzeugs. Die Größe der Fahrenden gibt nur grobe Anhaltspunkte, denn die Beinlänge kann bei gleicher Größe dennoch einige Zentimeter kürzer oder länger ausfallen. Zudem spielt der Umfang von Gesäß und Beinen eine erhebliche Rolle bei der Sitzposition. Am sinnvollsten ist es, relativ aufrecht zu sitzen und mit beiden Füßen im Stand festen Kontakt zum Boden zu haben. Vorteilhaft ist es außerdem, wenn das Fahrzeug frei von fremder Hilfe vor- und zurückgeschoben werden kann. Das alles ist für die meisten Männer und Frauen bei einer Straßenmaschine mit oder ohne Verkleidung, also einem Tourer oder Naked Bike, in vielen Fällen gegeben. Nachteil kann bei größeren Fahrenden aber der zu enge Kniewinkel im Sitzen sein. Das führt vor allem bei älteren Reisenden auf langen Strecken zu Krämpfen oder Schmerzen. Nicht zuletzt deshalb sind die Cruiser aus dem Hause Harley-Davidson in den letzten Jahren so beliebt. Sie haben einen niedrigen Schwerpunkt und ermöglichen häufig eine entspannte Sitzposition. Die Modelle Softail und Dyna sind sicher langstreckentauglich. Lediglich das hohe Gewicht und die unpraktische Unterbringung von viel Gepäck für eine lange Reise mit Zelt, Kocher und Schlafsack schränken die Verwendungsmöglichkeit ein. Im Prinzip ist es aber mit beinahe jedem Motorrad möglich, zu reisen, solange die Anatomie des Körpers mit dem Fahrzeug übereinstimmt.

Den gleichen Motorradtyp, vielleicht sogar das gleiche Modell über einen langen Zeitraum zu fahren, ist die beste Entscheidung bezüglich der Motorradwahl. Denn genau wie beim intuitiven Bogenschießen kommt die Perfektion erst mit der Praxis. Das Zauberwort für alle Lernvorgänge heißt Wiederholung. Ich besaß drei BMW R 100 GS. Nach jeweils 50.000 gefahrenen Kilometern kannte ich dieses Motorrad im wahrsten Sinne in- und auswendig. Mit der Zeit und auf der Strecke erfährt man vieles über die Stärken und Schwächen des Motorrads und seine eigenen Möglichkeiten. Die Verschmelzung von Mensch und Maschine nimmt ihren Lauf. Derart geschult auf Reisen unterwegs, fällt die Menge an unvermeidbarem Stress beträchtlich geringer aus und man bekommt weitaus mehr vom Drumherum mit. Motorradreisen sind eine Herausforderung für Körper und Geist. Ein geübter Fahrer, der sein Motorrad kennt, mit der Fahrzeug- und Fahrtechnik ausreichend vertraut ist, wird beträchtlich mehr Freude an einer Reise haben, als ein Fahrer der gerade mal 2.000 Kilometer auf dem Sitz zugebracht hat. Auch die Frage, wie die bisherigen Strecken zurückgelegt wurden, spielt eine erhebliche Rolle. 5.000 Kilometer im Ruhrgebiet auf der Autobahn sind etwas völlig andeDas beste Motorrad ist jenes, welches oftmals, gern und gut gefahren wird