Jacob Winter

VON DEN ALPEN IN DIE NORDSEE

EIGENHEITEN

EINES SAGENHAFTEN

STROMS

 

RHEIN - STROM

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Der Rhein mit Abschnittsbezeichnungen und Nebenflüssen

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Rheinquelle Schweiz Bildmitte bei Andermatt

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Niederlande Rhein - Maas - Delta bei Rotterdam

INHALTSVERZEICHNIS

IMPRESSUM

EINLEITUNG

AVORDERRHEIN

BHINTERRHEIN

CALPENRHEIN

DOBERSEE VOM BODENSEE ZUM RHEIN

EKONSTANZER TRICHTER / SEERHEIN VOM BODENSEE ZUM RHEIN

FUNTERSEE / RHEINSEE RHEIN IN SICHT

GHOCHRHEIN / VOM RHEINSEE ZUM GRENZRHEIN

ABSCHNITT STEIN AM RHEIN – SCHAFFHAUSEN

ABSCHNITT SCHAFFHAUSEN – KOBLENZ (CH)

ABSCHNITT KOBLENZ (CH) - BASEL

HOBERRHEIN / RHIN / GRAND CANAL D’ALSACE GRENZRHEIN

IMITTELRHEIN / OBERES MITTELRHEINTAL WELTERBE

JNIEDERRHEIN NORDSEE IN SICHT

KBOVENRIJN / RHEIN - BIJLANDS KANAAL / RHEIN

GABELUNG PANNERDEN

LWAAL

S PANNERDENSCH KANAAL

MBOVEN MERWEDE

T NEDERRIJN

GABELUNG WESTERVOORT

NBENEDEN MERWEDE

U LEK GABELUNG

GABELUNG WIJK BIJ DUURSTEDE

NNIEUWE MERWEDE

X NIEUWE MAAS / MAAS

ONOORD

Y NIEUWE WATERWEG

NOORDZEE (HOEK VAN HOLLAND)

POUDE MAAS / DORDTSE KIL

NOORDZEE ,(HARINGVLIET/OOSTERSCHELDE)

QRHEIN-MAAS-DELTA

NOORDZEE (HARINGVLIET OOSTERSCHELDE)

RNACHWORT AUTOR

TIJGELDERSCHE IJSSEL

NOORDZEE (AFSLUITDIJK)

GABELUNG WESTERVOORT

VKROMME RIJN

GABELUNG WIJK BIJ DUURSTEDE

WOUDE RIJN / RIJNMOND

NOORDZEE (KATWIJK)

ZNACHSCHAU HOLLAND AN DER NORDSEE / GEFAHRENLAGE

Die BUCH - KAPITEL A - Z richten sich vielfach nach den Bezeichnungen der jeweiligen Rheinabschnitten von den Alpen bis zur ersten Gabelung in Pannerden (mit Endpunkt Nordsee in Hoek van Holland) bzw. bis zur zweiten Gabelung in Westervoort (mit Endpunkt Nordsee am Afsluitdijk) bzw. bis zur dritten Gabelung in Wijk bij Duurstede (mit Endpunkt Nordsee in Katwijk aan Zee): Mit übrigens bis zu 25 unterschiedlichen NL - Namen. Die örtlichen Besonderheiten bzw.Eigenheiten der Stromabschnitte finden sich im Text in den dazugehörigen, jeweiligen Unterkapiteln. Vom Nederrijn geht an der Gabelung Westervoort südöstllich von Arnhem noch der Rhein - Nebenfluss (Geldersche Ijssel) nach Kampen ab, der einst in die frühere, (salzige) Zuiderzee mündete und heute in das (süsse) IJsselmeer. Dieser relativ eigenständige Rhein-Nebenfluss IJssel wird im Kapitel TIJ am Ende des Buchs behandelt. Dies gilt auch für den an der Gabelung Wijk bij Duurstede abzweigende, einstige Rijnlauf nach Katwijk aan Zee (Kapiteln V und W).

IMPRESSUM

narratives Sachbuch

ISBN 978-3-8450-1703-7

Satzweiss.com

€ 8,99

Printbook: 274 S.

Copyright © 2021: Jacob Winter

Kontakt: jacobwinter38@t-online.de

Jacob Winter wurde Ende der Dreissigerjahre im niederländischen Hafenstädtchen Vlissingen geboren. Er hat viele Jahre in den Niederlanden, in der Schweiz und in Deutschland gelebt, ist seit 2018 am Bodensee wohnhaft und vielfach publizistisch tätig. Weitere Bodenseeraum –Bücher von Jacob Winter sind:

OEHNINGEN-AN-DER-GRENZE NACHBARORT DER SCHWEIZ (2020)

STEINE MACHEN GRENZE LANDVERSTEINERUNG 1839 (2020)

BODENSEE - REMINISZENZEN RELIKTE VERGANGENER GESCHEHNISSE (2021)

EINLEITUNG

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Einzugsgebiet Flusssystem Rhein

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Rheinquellen Vorderrhein / Hinterrhein

Dieses eBook behandelt vielerlei interessante Eigenheiten bzw. Eigentümlichkeiten des mitteleuropäischen Flusses Rhein als solcher – doch eigentlich ist über diesen Strom im Laufe der Zeiten schon alles gesagt worden. Aber wohl noch nicht von allen - sonst wäre Jacob Winter nicht auf die Idee gekommen nach seinem letzten Buch BODENSEE – REMINISZENZEN den Fokus auch noch auf eben diesen Rhein zu richten. Immerhin hat er bis heute in den Niederlanden, in der Schweiz und in Deutschland insgesamt gut 23 Jahre an den Ufern des Rheins gewohnt und gearbeitet - davon die längste Zeit in der Schweiz (Chur und Basel).

Zuerst erfolgt bezüglich des Begriffes „Rhein“ hier nachstehend noch die nachfolgende Klarstellung:

Mit der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) von 2000 hat endlich auch eine ganzheitliche Sichtweise auf Flüsse Einzug gehalten. Der Fluss wird nicht mehr isoliert von seiner Umgebung betrachtet, sondern als sogenannte "Flussgebietseinheit" (FGE), als Ökosystem, gesehen. In einem Bericht gemäß der WRRL an die EU-Kommission zur Flussgebietseinheit Rhein heisst es u.a.: "Der Rhein ist einer der am intensivsten genutzten Flüsse der Erde. In seinem Einzugsgebiet leben mehr als 70 Mio. Menschen.

Das Abwasser aus Kommunen und Industriebetrieben wird über Kläranlagen punktuell und Niederschlagsentwässerungen überwiegend diffus in die Gewässer des Rheineinzugsgebietes geleitet. Im Rheineinzugsgebiet findet mehr als die Hälfte der Weltchemieproduktion statt. Auf dem Rhein und seinen teilweise schiffbaren Nebenflüssen Mosel, Saar, Main und Neckar werden ca. 160 Mio. t Güter pro Jahr transportiert. Der Rhein versorgt insgesamt 20 Millionen Menschen mit Trinkwasser.

Aus dieser ganzheitlichen Sichtweise resultiert auch, dass die Gewässerbewirtschaftung übergreifend sein muss. Es findet zudem eine Bewertung von Gewässerstrukturen und Wassergüte statt. Während sechs Staaten direkt an der Rhein grenzen, also "Uferstaaten"sind, verteilt sich das Einzugsgebiet des Rheins auf insgesamt neun Staaten mit recht unterschiedlichem Flächenanteil: Schweiz: 28.000 km², Italien: 70 km², Liechtenstein: 160 km², Österreich: 2.400 km², Deutschland: 106.000: km², Frankreich: 23.300 km², Belgien: 767 km², Luxemburg: 2.520 km², Niederlande: 22.700 km². Die Flussgebietseinheit Rhein grenzt im Nordosten an die Flussgebietseinheiten Ems, Weser und Elbe, im Südosten an die FGE Donau, im Westen an die FGE Maas und im Südwesten an die FGE Rhone.

Soweit diese Rhein – Begriffserweiterung. Für die zugehörigen Rhein-Eckdaten beabsichtigt Jacob Winter jedoch keine Eulen nach Athen zu tragen und sind die einschlägigen Texte mehrfach direkt aus Wikipedia zitiert oder entlehnt worden:

Der Rhein (lateinisch Rhenus; französisch Rhin, italienisch Reno, rätoromanisch Rain oder Rein, niederländisch Rijn, alemannisch Ry) ist ein 1.232,7 km langer Strom in West- und Mitteleuropa und eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt. Das Quellgebiet des Rheins liegt überwiegend im Schweizer Kanton Graubünden, seine diversen Mündungsarme erreichen in den Niederlanden die Nordsee, deren wasserreichster Zufluss er ist. Ab dem Zusammenfluss der beiden Hauptquelläste Vorderrhein und Hinterrhein wird der Fluss meist in folgende Hauptabschnitte gegliedert: Alpenrhein, Bodensee (einschließlich Seerhein), Hochrhein, Oberrhein, Mittelrhein und Niederrhein, einschließlich der drei Mündungsarme des Deltarheins.

Die grössten Nebenflüsse des Rheins, gemessen an Länge, Einzugsgebiet und Mittlerem Abfluss (MQ), sind, von der Quelle bis zur Mündung :Thur, Aare, Neckar, Main, Mosel und Maas. Mit ihnen hat sein Einzugsgebiet Anteil an neun Staaten. Der flächenmäßig grösste Teil davon liegt in Deutschland, gefolgt von der Schweiz, Frankreich, Österreich und den Niederlanden. Der Rhein ist der zehntlängste Fluss Europas und der siebtlängste, der direkt ins Meer mündet.. Unter den Flüssen des deutschen Sprachraums ist er der zweitlängste nach der Donau und vor der Elbe. Der Rhein hat eine Gesamtlänge von 1.232,7 km (und nicht 1320 km wie am Tomasee vermerkt), Davon liegen in der Schweiz 376 km (davon ein Großteil des inkl. Untersee 170 km langen Hochrheins an der Grenze zu Deutschland), 695,5 km in Deutschland (davon 182 km an der Grenze zu Frankreich). Insgesamt 883 km sind für die Rhein - Grossschifffahrt nutzbar.

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MAAS – RHEIN - DELTA NIEDERLANDE

mittlere Jahres-Wasserabfuhr von Rhein und Maas in de Jahren 2000 – 2011. Eine der EIGENHEITEN des Rheins dürfte in diesem Zusammenhang noch sein, dass ein kleiner Teil der in Richtung Nordsee fliessende Wassermenge über den Rain da Medel aus dem schweizerischen Kanton Tessin, südlich der Nord-Süd-Wasserscheide,stammt...... Und dieser kleine Teil somit eigentlich in Richtung Mittelmeer fliessen sollte !

Die mittlere Abflussmenge kurz vor der Verzweigung der Mündungsarme beträgt rund 2300 m³/s. Die höchste dort je gemessene Abflussmenge betrug 12.000 m³/s (1926), die niedrigste 600 m³/s (1947). Das Flusssystem insgesamt führt der Nordsee im Mittel rund 2900 m³/s zu. Das Einzugsgebiet des Rheins umfasst 218.300 km², ohne die Maas: 185.300 km².

Die administrativ definierte “Flussgebietseinheit Rhein”, die auch angrenzende Teile der Küste und der küstennahen Nordsee umfasst, wird mit 198.735 km² angegeben (das Maasgebiet ist eine eigene Flussgebietseinheit).Zum Vergleich: Wolga 1.360.000 km², Donau 795.686 km², Dnepr 531.817 km², Don 425.600 km², Weichsel 194.424 km², Elbe 148.268 km². Die Gewässerkennzahl des Rheins in Deutschland ist 2. Der Rhein ist – mit der Maas – der größte Fluss nordwestlich der europäischen Hauptwasserscheide.

Der Name „Rhein“ geht möglicherweise auf das indogermanische “erei”- zurück, was „fliessen“ bedeutet. Aus dieser Wurzel entstanden u. a. auch das deutsche Verb “rinnen”, das Verb altgriechisch ῥέω rhéō, deutsch ‚fliessen‘, das lateinische rivus (Fluss) – daraus dann spanisch rio und englisch river. Die Kelten nannten den Fluss Rhenos, die Römer Rhenus. In der Antike wurde der Fluss zudem als Rhenus Pater („Vater Rhein“) verehrt. Möglicherweise wurde der Name zuerst von der vorrömischen Bevölkerung im Quellgebiet des Rheins benutzt und dann von Kelten und Römern übernommen. Der Name könnte aber auch von den Kelten selbst eingeführt worden sein. Der Name des Rheins in den romanischen und germanischen Sprachformen seines Einzugsgebiets lautet: Rein (rätoromanisch), Reno(italienisch), Rhy (alemannisch), Rhin (französisch), Rhoi (vorderpfälzisch), Rhei (südpfälzisch), Rhäin (luxemburgisch) , Rhing (ripuarisch), Rijn (niederländisch), Ryn (friesisch).

Im Quellgebiet enthalten zahlreiche größere und kleinere Quellflüsse den Namensteil Rhein oder Entsprechungen in verschiedenen bündnerromanischen Idiomen wie Rein oder Ragn. Beispiele sind:

- Vorderrheingebiet: Vorderrhein/Rein Anteriur, Rein da Medel (ital. Froda/Reno di Medel), Rein da Tuma, Rein da Curnera, Rein da Maighels, Rein da Cristallina, Rein da Nalps, Rein da Plattas, Rein da Sumvitg, Rein da Vigliuts, Valser Rhein

- Hinterrheingebiet: Hinterrhein/Rein Posteriur, Reno di Lei (ital.), Madrischer Rhein, Averser Rhein, Jufer Rhein. Im Dischma bei Davos finden sich Namen wie Am Rin (Ort), Riner Tälli oder Rinerhorn. Dialektausdrücke sind Rhy (Alemannisch: Schweizerdeutsch), Rhie (Alemannisch: Vorarlbergisch) und Rhing (Ripuarisch)

Der Rhein selbst ist auch Namensgeber für das 1925 entdeckte chemische Element Rhenium. Und die Redewendungen “Jemandem die Wacht am Rhein singen“ oder „die Wacht ansagen” bedeuten jemandem eine eindringliche Warnung auszusprechen bzw. ein Ultimatum zu setzen (Text aus dem Kriegslied "Die Wacht am Rhein" 1840 von Max Schneckenburger)

Und weiter kann man sich fragen, weshalb es “die Donau”, die Maas und “die Rhône” heisst aber “der Rhein” (“Vater Rhein”). Eine interessante Erklärung für die gleichfalls weibliche Donau könnte auch sein, dass in ihrem Namen die gleiche Wurzel steckt wie im russischen Fluss Don, nämlich das indogermanische Wort „Duna“ = „Fluss“. Die Don-Aue wäre somit die Flussaue - und da die Aue weiblich ist, heisst es auch die Donau.

In Europa haben bekannterweise sowohl Kelten wie Römer aber auch Germanen alle ihre Namensspuren hinterlassen - und wer einem Fluss einen Namen gab, dessen Spuren haben sich meistens auch gehalten. Die Germanen haben den Flüssen dabei meist weibliche Namen gegeben, die Römer eher männliche, da zumindest die grossen Flüsse gern mit Göttern in Verbindung gebracht wurden.

Beim Rhein ist es allerdings nicht ganz klar, ob der Name - und somit auch das männliche Geschlecht - von den Römern eingeführt wurde – eben als Rhenus – oder schon zuvor von den Kelten. Interessant dürfte hierbei sein, dass im Rhein vermutlich die gleiche Wortwurzel steckt wie in der französischen Rhône, nämlich „rhei“ = fliessen.

Was wiederum an den Satz des Heraklit erinnert: “Panta rhei” (alles fliesst). Das ist offenbar das gleiche „rhei“ wie im Rhein und steckt wohl auch im deutschen Wort „rinnen“: “Rinnsal Rhein” passt allerdings nicht so ganz.........

Es kann somit sinngemäss gesagt werden, dass im deutschen Sprachraum die meisten Flüsse weiblich sind (besonders im süddeutschen Raum auch alle Flussendungen auf “ach”) und nur wenige männlich.

Aber es gibt keine unwiderlegbare Regel und vieles hängt vor allem auch an den historischen Umständen der Namensgebung. Und manchmal hinkt die Theorie auch: Denn der Rhône-Fluss heisst im französischen „le Rhône“ – also männlich - und in der deutschen Sprache eben “die Rhône” d.h. weiblich. Die in diesem eBook gemachten Zitate sind übrigens alle in der jeweilige Uferstaaten - Landessprache übernommen worden und nicht übersetzt: Dann muss halt eben der Google -Translator einspringen. Dies ist allerdings nicht erforderlich für das nachfolgende Zitat (aus Wikipedia – Artikel „Rhenus (Personifikation) - wobei Allegorien mit dem griechischen Stier - Gott Zeus (samt Europa-Beute) offensichtlich sind:

Rhenus ist als Flussgott die Personifikation des gleichnamigen Flusses, des heutigen Rheins (lateinisch Rhenus, keltisch Rênos, von indogermanisch. HreiH,(„rinnen, fliessen“)). In Inschriften wird er auch Rhenus Pater („Vater Rhein“) genannt und mit dem römischen Wassergott Neptun in Verbindung gebracht. Neben der ebenfalls behornten Gottheit der Donau (Danuvius) wird Rhenus als stiergestaltiger „Vater aller Nymphen und Flüsse“ (Nympharum pater amniumque, martial) beschrieben.

Wegen seiner Hörner wurde er von den Römern „zwiegehörnter Rhenus“ (Rhenus bicornis, (Vergil)) oder – als Allegorie auf die römische Unterwerfung der „Barbarenvölker“ am Rhein – „Rhenus mit den gebrochenen Hörnern“ (Rhenus cornibus fractis, (Ovid) genannt.

Frühe Darstellungen der griechischen Kunst zeigen den Flussgott meist als Mischwesen, als Stier mit menschlichem Oberkörper, das Gesicht von wallendem Haupthaar und Bart gerahmt. Seit dem 5. Jahrhundert vor Christus verdrängte in den Darstellungen die Menschengestalt den Tierkörper, nur noch die Hörner an der Stirn erinnerten an die ursprüngliche Stiergestalt.

Bicornis, zweihörnig, wurde der Fluss genannt, und bicornis hieß auch ein Fluss, dessen Mündung ins Meer sich gabelte, also wie der Rhein ein Ästuar oder Flussdelta bildet. Die hellenistische Kunst zeigte den Flussgott in menschlicher Gestalt mit Stierprotomen, auf dem Grund des Flusses liegend, von Wellen umgeben. Oft lehnte er sich auf eine Urne, der Wasser entquillt. Andere Attribute waren Schilfrohr, Ähren oder Füllhorn, eine Anspielung auf seine Funktion als Fruchtbarkeitsgottheit. Mehrmals berichten auch spätantike und byzantinische Autoren, dass die Kelten und Germanen Neugeborene ins kalte Wasser des Rheins tauchten, um zu schauen, ob sie ehelich sind, oder auch nur, um sie abzuhärten. Berichtet wird ferner, dass Römer, Kelten und Germanen Neugeborene auch ihren Flussgöttern opferten.

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„Rhein Fluss“- Relief am Rathaus von Duisburg (Friedrich Ratzel, Ende 19. Jhd)

Vom WDR stammt der hochinteressante Dokufilm “Der Rhein von oben “ (in der Mediathek und bei Amazon) von Peter Bardehle. Der Film präsentiert in 5 Teilen (insgesamt 233 Min) spektakuläre Aufnahmen von "Vater Rhein" auf ungewöhnliche Weise – ausschliesslich von oben. Auf der Website https://www1.wdr.de heisst es:

Mittels der Cineflex-Kameratechnik wurde auf diese Weise das vielleicht ausführlichste Bild einer der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt erstellt, von der Quelle bis zur Mündung. Kein Fluss in Europa hat mehr Mythen und Geschichten über die Jahrhunderte gesammelt, kein Fluss wurde häufiger besungen oder bedichtet: der Rhein – ein Strom der Sehnsüchte. Alle Folgen der WDR – Reihe:

Der Rhein von oben (1) - Von der Quelle zum Deutschen Eck

Der Rhein von oben (2) - Der grüne Rhein

Der Rhein von oben (3) - Der romantische Rhein

Der Rhein von oben (4) - Der fleißige Rhein

Der Rhein von oben (5) - Der Niederrhein

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Sehr empfehlenswert ist auch der Helicopter-Film “Weltwunder Rheintal” – von Düsseldorf nach Mainz” von Werner Schäfke / 86 Min / bei Amazon / mit Begleittext:

So haben Sie den Rhein noch nie gesehen! Staunen Sie über die sensationellen Aufnahmen einer 360°-Helikopter-Kamera in Full-HD, spektakuläre Einstellungen, fantastische Farben, gestochen scharfe Bilder, selbst aus höchster Höhe. Das Rheintal, seit 2002 Weltkulturerbe, liegt Ihnen zu Füßen: Ein Flusstal wie gedichtet, trutzige Burgen, hohe Felsen, steile Weinberge und Städtchen wie aus dem Bilderbuch. Lehnen Sie sich zurück und lauschen Sie dem Kommentar Ihres Flugleiters Dr. Werner Schäfke.

Genießen Sie einen vollständigen Flug von der Hauptstadt Nordrhein-Westfalens bis zu den Hauptstädten von Rheinland-Pfalz und Hessen und lassen Sie sich anstecken vom paradiesischen Anblick des Weltnaturwunders Rheintal mit Düsseldorf, Köln, Bonn, Siebengebirge, Koblenz, Welterbe Mittelrheintal, Loreley, Kaub, Wiesbaden, Mainz.

IMPRESSUM ZUSATZ

Trotz intensiver Recherche war es nicht in allen Fällen möglich, die Rechtsinhaber der Bilder und Videos ausfindig zu machen. Berechtigte Ansprüche werden selbstverständlich im Rahmen der üblichen Vereinbarungen abgegolten.

KAPITEL A

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VORDERRHEIN

EIN FLUSS NIMMT FAHRT AUF

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Lukmanierpass mit Leuchtturm und Wanderweg zum Tomasee

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kleinere Kopie vom ehemaligen Leuchtturm aus Hoek van Holland

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Tomasee (Lai da Tuma)

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Schild mit falscher Längenangabe 1320 km

TOMASEE

Ab dem Oberalpass beim “Infocenter RHEINQUELLE” beginnt der Aufstieg zum Tomasee, der in etwa 1,5 bis 2 Stunden zu schaffen ist. Hier steht beim Infocenter auch ein roter Leuchtturm als kleinere Kopie des früheren Nordsee-Leuchtturms in Hoek van Holland. Eine solche steht auch im Zentrum Rotterdams.

In den Urlaubszeiten wimmelt es hier von Besuchern doch ein Besuch des Tomasees abseits jener Zeiten bleibt auch deshalb immer ein besonderes Erlebnis, da hier vor allem zur Zeit des Bergfrühlings zahlreiche seltene Blumenarten zu finden sind. Im Hochsommer kann man sogar im Tomasee baden und im August verwandeln sich die grünen Matten am westlichen Ende des Sees in einen weissen Teppich aus Wollgras.

Der Tomasee befindet sich als Rest des einstigen Vorderrheingletschers in einer Senke am Fusse des Piz Baduz (2928 m), in der Nähe des Oberalppasses. In der dort gesprochenen, romanischen Sprache heisst der See “Lai da Tuma” oder auch “Tgina dir Rein (Wiege des Rheins) Der See wird von zwölf Bergbächen gespeist und sammelt das kristallklare Bergwasser in eben diesem kleinen See, welcher umgeben ist von über zweitausend Meter hohen Berggipfeln.

Hier befindet sich die offizielle Quelle des Rheins als Ursprung einer der wichtigsten Flüsse Europas. Das vom See in die Tiefe platschernde Wasser markiert den Beginn eines nicht abreissenden Stromes durch halb Europa von insgesamt 1230 km Länge. Auf einem Kupferschild am Tomasee ist allerdings eine Länge von 1320 km angegeben. Diese 1320 Kilometer beruhen schlicht auf einem Zahlendreher im Brockhaus-Lexikon Mitte des letzten Jahrhunderts. Der hat sich Jahrzehnte lang hartnäckig gehalten - heute sind 1230 Kilometer offiziell . Aber eben noch nicht am Tomasee.......!

In Disentis ist in der Ferne das “platschernde Wasser” manchmal als kleiner Wasserfall zu sehen. Und auch von der unweit entfernten Oberalp-Passhöhe (2044 m ü. M.) gibt es noch einen weiteren, etwas längeren Wanderweg zum Toma-See (2343 m ü. M). Ein Vorteil dieser Route ist die Möglichkeit diese Passhöhe auf der Bahnstrecke Chur – Disentis –Andermatt mit der Bahn zu erreichen.

Ein kurzer zusätzlicher Aufstieg zur Badushütte von etwa 20 minuten beschert ein atemberaubendes Panorama vom Oberalppass bis nach Disentis und noch weiter – meistens ohne viel Besucherbetrieb. Wanderweg Nr. 49 führt ab dem Seeabfluss durch eine kleine Schlucht zu einem Höhenweg in Richtung Maighelshütte. Diese SAC-Hütte (Schweizer Alpen-Club SAC) verfügt über rund 90 Schlafplätze und die Küche ist bekannt für ihre deftige Mahlzeiten und wohlschmeckende, hausgemachte Kuchen.- was will man noch mehr mitten in den Alpen......! Und auch diese gastronomische Bequemlichkeit gehört deshalb zu den EIGENHEITEN EINES SAGENHAFTEN STROMS

Das in die Tiefe platschernde Wasser aus dem Tomasee markiert so den Beginn eines unentwegt fliessenden Wasserstroms VON DEN ALPEN IN DIE NORDSEE. Es gibt übrigens ein sehr schönes Video vom Tomasee - auf Schwiizerdütsch....! - mit Code https://youtu.be/-CobS7vfl4Q (Tourismus Sedrun www.graubuenden.ch).

LUKMANIERPASS

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Der Lukmanierpass (italienisch Passo del Lucomagno, rätoromanisch Cuolm Lucmagn oder Pass dil Lucmagn) mit Passhöhe 1916 m ü. M., ist ein Alpenpass an der Grenze zwischen den Kantonen Graubünden (Gemeinde Medel) und Tessin (Ortschaft Olivone in der Gemeinde Blenio). Der Name Lukmanier leitet sich ab vom lateinischen “lucus magnus” (grosser Wald). Der Aufstieg führt von Disentis am Vorderrhein durch das Val Medel zur Passhöhe. Im Zusammenhang mit dem Bau des Stausees “Lai da Sontga Maria” der “Kraftwerke Vorderrhein” auf der Bündner Seite mussten die alten Passwege jedoch erheblich verlegt werden.

Wanderer können den See jetzt westseitig umgehen und steigen bei der Durchquerung des Val Rondadura mit 1942 m ü. M. gar höher als der Pass selbst . Die neue Fahrstrasse musste teilweise in eine Galerie nördlich der Passhöhe verlegt werden und steigt dort sogar auf eine neue Passhöhe von 1972 m ü.M. an.

Südwärts gelangt man dann durch das Bleniotal nach Biasca im Kanton Tessin: Der Lukmanierpass trennt dabei die Gotthard-Gruppe im Westen von den Adula-Alpen im Osten. Über den Lukmanierpass verläuft nebenbei gesagt auch die Europäische Wasserscheide. Ein interessanter Aspekt in diesem Zusammenhang dürfte noch sein, dass das Wasser des südlich des Alpenhauptkamms gelegenen Val Cadlimo in Sichtweite des Passes als “Medelser Rhein” in Richtung Nordsee fliesst.

Der Lukmanierpass bietet übrigens die einzige Möglichkeit im Sinne einer winterfesten Nord-Süd-Querung die Schweizer Alpen ganzjährig mit dem Auto zu überqueren, ohne dabei eine Meereshöhe von mehr als 2000 Metern zu überschreiten. Der Fund eines römischen Münzschatzes bei Malvaglia deutet übrigens darauf hin, dass der Pass bereits zu jener Zeit begangen wurde. Seine erste Blüte erlebte der Lukmanier-Alpenübergang im Fränkischen Reich, als Anfang des 8. Jahrhunderts das Kloster Disentis gegründet wurde. Im Hoch- und Spätmittelalter, vor allem zur Zeit der Staufer, galt der Lukmanier als wichtigste Nord-Süd-Verbindung der Schweiz, sollte diese Rolle schliesslich jedoch an den Gotthard- und den Splügenpass verlieren. Denn diese beiden Pässe verfügen über eine wesentlich direktere Linienführung und konnten auf diese Weise den Nachtteil einer rund 200 m höheren Kulmination wieder ausgleichen .

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1374 sollte das Kloster Disentis unterhalb der Passhöhe ein der heiligen Maria geweihtes Hospiz errichten doch 1964 mussten auch Hospiz und Kapelle dem Stausee weichen: Beide wurden an der Passstrasse wiederaufgebaut: Das neue Hospiz wurde am 1. August 1965 und die vom NOK finanzierten Kapelle 1967 eingeweiht. Oberhalb des Hospiz steht eine mehrere Meter hohe Marienstatue.

Mitte des 19. Jahrhunderts hat man bei der Linienwahl für eine Alpenbahn zwischen der Deutschschweiz und dem Tessin zeitweise die Lukmanierroute auch deswegen bevorzugt, da die ohne einen teuren Scheiteltunnel ausgekommen wäre. Doch 1869 wurde zugunsten der Gotthardbahn durch das Reusstal zur Leventina entschieden. Und obwohl 1872 (Graubünden) bzw. 1877 (Tessin) eine moderne Fahrstrasse über den Lukmanier eröffnet wurde, sollte die Bedeutung des Passes als Nord-Süd-verbindung immer mehr sinken. Um nach dem Bau der Gotthardautobahn mit dem 1980 eröffneten Gotthard-Strassentunnel dann endgültig ausgedient zu haben.

Dies galt jedoch nicht für die 1949 fertiggestellten “Lukmanierleitung” der “Aare-Tessin AG für Elektrizität ”, die einst die niedrige Passhöhe zum Bau einer 380-kV-Hochspannungsleitung über die Alpen (als zweite Nord-Süd-Transversale) genutzt hatten. Da die überirdische Hochspannungsleitung mit einem ihrer Strommasten jedoch dem neuen Stausee im Wege stand sollte ausser der Fahrstrasse auch dieser wichtige Strommast verlegt werden. Doch guter Rat war hier nicht teuer und so wurde der jetzt neue fast 60 m hohe Mast kurzerhand auf 28 Meter hohe Betonstelzen mitten im See gestellt. – auf eine kostspielige, bewilligungspflichtige Verlegung der Leitung konnte auf diese (schlaue) Weise verzichtet werden.

Am 25. Februar 1999 wurde die Leitung im unteren Teil des Val Medel auf einer Länge von rund 500 Metern übrigens durch eine Schneelawine schwer beschädigt, wobei ein Mast umgerissen wurde und am 28. September 2003 sollte sich im Gebiet Schränggigen in der Gemeinde Ingenbohl noch ein weiterer folgenschwerer Zwischenfall ereignen. Ein Lichtbogen hatte sich zwischen der Leitung und einer Tanne gespannt und der damit verbundene Ausfall der Lukmanierleitung führte zu mehreren Kettenreaktionen, welche einen totalen Stromausfall in ganz Italien zur Folge hatte. In der Schweiz waren die Stadt Genf, das Tessin, das Misox und das Oberengadin betroffen.

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VORDERRHEIN

teils aus Wikipedia entnommen

Als solcher durchfliesst der Vorderrhein in vorwiegend nordöstlicher Richtung ein grosses Alpenlängstal, die Surselva. Dessen Nordseite ist steil mit kurzen Tälern, die Südseite hingegen durch teils längere Seitentäler gegliedert (ähnlich der Situation im westlich anschliessenden Wallis). Daher münden die wichtigsten Nebenflüsse Rein da Sumvitg, Glogn/Glenner und Rabiusa alle von Süden. Bei Reichenau vereinigt der Fluss sich mit dem Hinterrhein zum Alpenrhein. Der Ort Reichenau hatte schon früher eine grosse Bedeutung: Im 14. Jahrhundert, als der Fernverkehr über die Bündner Alpenpässe zunahm, wurden zwei Brücken und ein Zollhaus erbaut. Reichenau galt als Verkehrsknotenpunkt: Hier trennen sich die Wege der Nord-Süd Achse. In erhöhter Lage liegt das Schloss Reichenau.

Der Vorderrhein (Rein Anteriur (surselvisch), Ragn Anteriur (sutselvisch) ist wie gesagt einer der beiden Quellflüsse des Rheins. Sein Einzugsgebiet von 1512 km² liegt überwiegend im Kanton Graubünden. Der Vorderrhein ist mit etwa 77 Kilometern gut 5 Prozent länger als der Hinterrhein (jeweils gemessen über den längsten Quellast). Jedoch ist der Vorderrhein mit einer mittleren Wasserführung von 53,8 m³/s] etwas kleiner.

Von den Nebenflüssen des Vorderrheins können einige als durchaus ebenbürtige Rhein-Quellarme gelten. Flussabwärts sind dies (jeweils mit Fliessstrecke von den Quellen zum Zusammenfluss von Vorder- und Hinterrhein in Kilometer):

zwei von den Gebieten Puozas und Milez in der Nähe des Oberalppasses herabkommende Bäche (beide etwa 70 km lang)

Rein da Tuma, einschliesslich des Lai da Tuma/Tomasee und des wichtigsten Seezuflusses (etwa 72 km)

Quellarm Aua da Val aus dem Val Val (etwa 70 km lang)

Rein da Maighels (Nebenfluss des Rein da Curnera und etwa 76 km lang)

Rein da Curnera (etwa 75 km lang)

Rein da Nalps (etwa 72 km lang)

Diese längeren Quellarme liegen somit nicht am Oberalppass, sondern südöstlich davon.

Rein da Medel (im Tessiner Oberlauf Reno di Medel und etwa 77 km lang)

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Rein da Medel vor dem Stausee “Lai da Sontga Maria” - und Froda nach dem Stausee

Zu diesem Rhein - Quellfluss gibt es eine bemerkenswerte Eigenheit. Denn dieser längste Quellarm des Vorderrheins entspringt zwar auf der Gemarkung der Tessiner Gemeinde Quinto (und müsste damit eigentlich in Richtung MITTELMEER entwässern), verläuft jedoch in seinem obersten Talabschnitt (dem Val Cadlimo) südlich des Alpenhauptkamms. Der Rein da Medel entwässert auf dieser Weise somit als einziger Fluss den Kanton Tessin über den Rhein in die NORDSEE.

Allerdings werden wesentliche Wasseranteile des Oberlaufs bei Stabbio Nuovo gefasst und über einen Stollen beim Passo dell’Uomo der Murinascia Grande, einem Zufluss des Lago Ritóm, zugeführt. Damit wird die Val Cadlimo, obschon orographisch dem Rhein zuzuordnen, letztlich grossenteils doch wie fast alle anderen Täler des Tessins ins MITTELMEER entwässert. Dieser Rein da Medel wird auch Medelser Rhein genannt und in früheren Schriften gar Mittelrhein.

Speziell zwischen Ilanz und Versam ist der Vorderrhein ein beliebtes Ziel für Paddelsport und Riverrafting, auch wegen der guten Erreichbarkeit. Nichtzuletzt da der Vorderrhein-Fluss auf seiner gesamten Länge von der meterspurige Schmalspur- Eisenbahnlinie Chur-Disentis/Mustér der Rhätischen Bahn begleitet wird . Ab Disentis führt die gleichfalls meterspurige Schmalspur-Eisenbahnlinie der heutigen “Matterhorn-Gotthard-Bahn” zum Oberalppass und von dort weiter nach Andermatt.

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Zusammenfluss von Hinterrhein (oben rechts) und Vorderrrhein (Mitte unten) zum Alpenrhein (Mitte links)

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Panorama Hinterrhein, Vorderrhein und Alpenrhein

REICHENAU

In der bündnerischen Ortschaft Reichenau treffen sich Vorder- und Hinterrhein und fliessen vereint als Alpenrhein links aus dem Bild. Im Vordergrund der Vorderrhein, dessen Quelle am Lai da Tuma zwischen Lukmanierpass und Oberalpass wie gesagt als offizielle Rheinquelle gilt. Hier findet sich beim Zusammenfluss beider Flüsse zudem noch das bekannte Schloss Reichenau mit Weinanbau, Führungen und eigener Rheinbrücke. Der Vorderrhein fliesst auf seinem Weg nach Reichenau durch die Surselva und ist oft braun gefärbt. Unter der Eisenbahnbrücke fliesst der Hinterrhein ein, der am San Bernardino Pass entspringt bzw. vom Domleschg her kommt. In Reichenau trennen sich auch die Wege der Rhätischen Bahn: Während eine Trasse durch das imposante Albulatal ins Engadin Richtung St. Moritz verläuft, strebt eine andere Strecke auf Disentis zu. Die Bahnstrecke verläuft dabei Seite an Seite mit dem noch jugendlichen (Alpen-)Rhein durch die wahrlich atemberaubende Ruinaulta-Schluchtenlandschaft

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RUINAULTA / NATURSPEKTAKEL DER ALPEN

An seinem Unterlauf durchfliesst der Vorderrhein die vom „Flimser Bergsturz“ herrührende Schluchtlandschaft der Ruinaulta. Die Hauptverkehrsstrasse weicht im Bereich der Ruinaulta nordwärts aus und verläuft an der höchsten Stelle bei Flims rund 480 Meter über dem Rhein. Die Ruinaulta oder Rheinschlucht ist eine bis zu 400 Meter tiefe und rund 13 Kilometer lange Schlucht des Vorderrheins zwischen Ilanz und der Mündung des Hinterrheins bei Reichenau im Kanton Graubünden.

Die Ruinaulta entstand nach dem „Flimser Bergsturz“ vor fast 10'000 Jahren. Damals brachen zwischen dem Flimserstein und dem Piz Grisch über 10 Milliarden Kubikmeter Fels ab und begruben das Vorderrheintal zwischen den heutigen Dörfern Castrisch und Reichenau unter einer mehrere hundert Meter mächtigen Schuttmasse. Dabei wurde über eine Zeitspanne von fast 10’000 Jahren ein 25 km langer See aufgestaut. Mit der Zeit sollte sich der Fluss jedoch immer tiefer in die Schuttmassen einschneiden und konnte der Ilanzer See abfliessen – die Rheinschlucht entstand. Der rätoromanische Name ‚Ruinaulta’ ist zusammengesetzt aus den beiden Wörtern Ruina (Geröllhalde, Steinbruch) und aulta (hoch).

Zurückgebieben ist die Ruinaulta mit ihren steilen Kalkstein-Schuttklippen in imposanten Erosionsformationen. Bis zu 350 Meter ragen diese in die Höhe: Die Weissen Steilwände der Rheinschlucht (www.rheinschlucht.de) . Ein feines, weissliches Pulver verbindet die Bergsturzmassen und lässt den Komplex wie eine feste Felswand aussehen. Neben der Rheinschlucht entstanden durch den Flimser Bergsturz noch drei berühmte Badessen: Der Laaxersee (mitten im Dorf), der Crestasee bei Trin Mulin und der Caumasee in Flims.

Als einziger durchgehender Verkehrsweg durch die Schlucht dient die Strecke der Rhätischen Bahn: Auf einem Abschnitt von ungefähr 18 Kilometern Länge präsentiert sich den Reisenden in den Zügen dieser Rhätischen Bahn (RhB) – und speziell im weltberühmten Glacier Express von Sankt Moritz nach Zermatt – ein unentwegt vorbeigleitendes Panorama von zerklüfteten Kalksteinformationen, bizarren Felstürmen mit Felsbäumen, steilen Geröllhalden aber auch von allerhand Vögeln (wie Flussuferläufern) und seltenen Grüngewächsen sowie Blumen (auch Orchideen). Eine wahre Pracht an alpinen Sinneseindrücke – inklusive Paddelsport und Riverrafting – vom bequemen Bahnsessel aus.

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Allerdings waren seitens der RhB in der Rainaulta-Schlucht auch umfangreiche Schutzmaßnahmen gegen Steinschlag und Überschwemmungen notwendig um einen dauerhaften und sicheren Bahnbetrieb zu gewährleisten: Eine der größten Schutzgalerien befindet sich bei Valendas-Sagogn und unweit des Bahnhofs Versam-Safien (Ausgangspunkt für Raftingtouren), musste der Vorderrhein zudem mit einer Bahngitterbrücke (“Isla Bella Brücke”) überquert werden.

Direkt in der Schlucht liegen die Bahnhöfe von Trin, Versam-Safien und Valendas-Sagogn, die von den jeweiligen, beachtlich höher gelegenen Dörfern per Strasse erreichbar sind. Es gibt aber auch etliche Wanderwege in der Schlucht selbst - so verbindet ein Wanderweg entlang der Bahnstrecke das Dorf Reichenau mit dem Bahnhof Trin. Beim Bahnhof von Trin überspannt zudem noch eine Fussgängerbrücke (“Punt Ruinaulta”) den Vorderrhein. Die südliche Strasse von Ilanz über Versam nach Bonaduz verläuft 400 m oberhalb der Schlucht, die Hauptstrasse 19 nördlich über den Talpass von Flims mit Kulmination auf 1108 metern. Beim Bahnhof Valendas - Sagogn führt noch eine Strassenbrücke über die Schlucht, die von Sagogn her den Zugang zum Bahnhof ermöglicht. Diese Brücke stellt die einzige Strassenverbindung den beiden Vorderrheinufern zwischen Ilanz und Reichenau dar.

Dieses so unmittelbar vom bequemen Zugsessel aus zu erlebende Rheinschlucht - Phänomen - manchmal auch “Swiss Grand Canyon” genannt - darf mit gutem Recht zu einem der grossartigsten Landschaftsgebiete der Alpen überhaupt gerechnet werden. Und was auch nicht vergessen werden darf: Hier war der Rhein das erste und einzigste Mal während fast 10’000 Jahren komplett gesperrt: Sicherlich auch eine der EIGENHEITEN des Rheins. Es gibt übrigens von der Rheinschlucht auch recht schöne VIDEOS

mit Code https://youtu.be/W1nQqIIu2xM (4.31 Min) von Marco Fuchs und

mit Code https://youtu.be/71UEBUS_NIA (0.46 Min) von der RhB.

RABIUSA

Ein interessanter Nebenfluss des Vorderrheins ist auch die Rabiusa (“die Tobende”), die auf 2‘920 m.ü.M. am Nordhang des Bärenhorns entspringt. Der Fluss ist 32 Kilometer lang, fliesst durch das Safiental und mündet auf 620 mü.M. in der Rheinschlucht unterhalb von Versam in den Rhein. Der Zugang zur Mündung ist weder via Versamer Tobel noch Vorderrheinschlucht möglich, weil Tobel wie Schlucht zu tief eingeschnitten sind. Die Rabiusa hat wegen ihres grossen Höhenunterschieds zwischen Quelle und Mündung ein Sohlgefälle von etwa 59 ‰.

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alte Tobelbrücke 1901

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erhalten gebliebene 1897 - Tobelbrücke

Die Versamer Tobelbrücke liegt einen halben Kilometer Luftlinie nordöstlich des Dorfkerns von Versam in der Bündner Surselva vor dem Eingang zum Safiental. Als Teil der Versamerstrasse überspannt sie die Rabiusa, die das Versamertobel (auch Versamer Schlucht) durchfliesst und bei der Ruinaulta in den Vorderrhein mündet.

Zwischen 1828 und und 1896 bestand eine Holzbrücke, die jedoch 1896 eingestürzt ist. 1897 wurde eine neuartige Dreigelenkbogen-Eisenbrücke errichtet, die auch jetzt nach der Fertigstellung einer neuen Brücke im Jahre 2012 für den Langsamverkehr erhalten geblieben ist - und als Zeitzeuge des Stahlbrückenbaus des 19. Jahrhunderts fungieren soll.

Die heutige neue Brücke ist aus Stahlbeton und etwas weiter talaufwärts angesiedelt. Sie ist 112 m lang und 8,8 m breit. Die bisherige Gewichtsbeschränkung von 13 Tonnen für Lastwagen auf der Strecke zwischen Bonaduz und Versam konnte damit aufgehoben werden.

Das Einzugsgebiet der Rabiusa grenzt im Osten und Süden an das Einzugsgebiet des Hinterrheins, wobei das waldreiche Safiental – nur wenige Kilometer entfernt - in etwa parallel zum Hinterrheintal verläuft. Auf ihrem 32 km langen Weg wird die Rabiusa von insgesamt 16 Brücken gekreuzt: Neun Strassenbrücken, sechs Fussgängerbrücken und die befahr- und begehbare Egschi-Staumauerkrone.

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Rabiusa und Versam vor dem hier unsichtbaren Rhein in der Ruinaulta, dahinter Flims und Flimserstein, ganz rechts Trin

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Trin mit Burg Canaschal

CARRERABACH

Der Carrerabach ist wie die Rabiusa ein Bündnerschieferbach, welcher von Süden her in die Rheinschlucht mündet. Beide Bäche sind zum grössten Teil vor dem Bergsturz entstanden. Wie im Wort „Rabiusa“ bereits enthalten, handelt es sich um „wilde“ und unberechenbare Bäche mit starken Murgängen

entlehnt aus https://faszinatur.ch

Jedes Bauwerk an und über diese Bäche stellt eine besondere Herausforderung dar. Insbesondere die Eisenbahnbrücke über den Carrerabach unten am Rhein stellte und stellt die RhB - Ingenieure vor grosse Herausforderungen. Der Carrerabach ist in der Lage in kurzer Zeit Unmengen von Schutt und Geröll zu befördern, die jeder Brücke an seiner Mündung zum Verhängnis werden. Am 11. September 2011 entgleiste ein Regionalzug auf der Carrerabachbrücke aufgrund eines Murenabgangs nach einem Unwetter. Drei Menschen wurden dabei verletzt. Alle Wagen sprangen aus dem Gleis, blieben jedoch stehen, der Steuerwagen prallte auf den Schuttkegel.

Seit der Inbetriebnahme der Bahnlinie Reichenau – Ilanz musste die Carrerabachbrücke bereits zweimal ersetzt werden. 1981 war die ursprüngliche Steinbogenbrücke durch einen Neubau ersetzt worden und amm 17. November 2011 wurde die neue Carrerabachbrücke in Betrieb genommen. Dieses Mal wurde nicht nur die Brücke erneuert, sondern auf einem rund ein Kilometer langen Stücke das gesamte Gleisbett neu trassiert, um im Bereich der Brücke das Niveau um rund drei Meter erhöhen und die Strecke im Brückenbereich seitlich verschieben zu können. Damit soll Problemen mit Murenabgängen und Steinschlag vorgebeugt und der Hochwasserschutz nachhaltig verbessert werden. Seither musste der Flusslauf bereits wieder ausgebaggert werden: der Carrerabach lässt sich auch von dieser Brücke nicht zähmen.

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Zugunfall am 11.09.2011 nach Murenabgang

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Carrerabach - Brücke nach starkem Murenabgang

KAPITEL B

HINTERRHEIN

EIN FLUSS KOMMT HINZU

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Zusammenfluss von Hinterrhein (oben rechts) mit Vorderrhein (Mitte unten) zum Alpenrhein (oben links) in Reichenau

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Quellgebiet Hinterrhein

Der Hinterrhein, ((rätoromanisch: Sutsilvan Rein Posteriur), ist einer der Quellflüsse des Alpenrheins im Schweizer Kanton Graubünden. Er entspringt an den Hängen von Rheinwaldhorn, Güferhorn und Rheinquellhorn und vereinigt sich bei Reichenau mit dem Vorderrhein zum nunmehr nur noch Alpenrhein genannten Fluss. Der Hinterrhein entspringt am Rheinwaldhorn (3402 Meter ü.M.) und am Rheinquellhorn (3200 Meter ü.M.) ganz zuhinterst im Tal. Dort, wo man zuweilen immer noch den übriggebliebenen Paradies-Gletscher in der Sonne glitzern sehen kann

Die Quellregion des Hinterrheins ist nur zu Fuss erreichbar. Da der Weg dorthin vom Dorf Hinterrhein über einen Panzerschiessplatz (!) führt, ist es erforderlich sich über den Schiessbetrieb und mögliche Passierzeiten rechtzeitig zu informieren. An den Wochenenden findet meist kein Schiessbetrieb statt und ist je nach Betrieb auch ein kostenpflichtiger Transport bis zum Ende des Schiessplatzes möglich. Von der dortigen Zapporthütte gelangt man in ca. 1 Wanderstunde ins Quellgebiet des Hinterrheins. In der Zapporthütte kann auch übernachtet werden (www.zapporthuette.ch).

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Blick vom Rheinwaldhorn 3402 m nach Osten mit jungem Hinterrhein in Richtung Hinterrheintal

Wem der Weg zur Zapporthütte und dem Rheinquellgebiet zu weit ist, kann die Geheimnisse des Rheins und seines Wassers auf dem 4,5 Kilometer langen Rheinquellweg zwischen den Dörfern Hinterrhein und Nufenen erleben. Auf zwei weiteren jeweils 4,5 Kilometer langen Abschnitten des Rheinquellwegs wird die spannende Transitgeschichte des Tales aufgezeigt. Es gibt kostenlose Broschüren (Mini - Guides) die spannende Informationen zu den Wegabschnitten enthalten Die jeweiligen Mini-Guides sind zu downloaden via https://viamala.graubuenden.ch:

Rheinquellweg Wasser/Dorfbrunnen

Rheinquellweg Transit

Rheinquellweg Landwirtschaft

DORF HINTERRHEIN

Auch über die jeweiligen Dörfer gibt es viel zu erfahren wie beispielsweise über das Mini-Dorf Hinterrhein. In einem handlichen Dorfführer heisst es u.a.:

Das Dorf liegt auf 1624m über Meer und hat zur Zeit 62 ständige Einwohner, die vorwiegend in der Biolandwirtschaft ihr Auskommen finden.Von allen Dörfern des Tals liegt Hinterrhein der Rheinquelle am nächsten. Der gleichnamige Fluss entspringt am Rheinquellgletscher in der Nähe des höchsten Gipfels der Adulakette, dem 3402 Meter hohen Rheinwaldhorn (Erstbesteigung 1789 durch Placidus a Spescha)

Hinterrhein ist ein typisches Passdorf mit „Fenstern“ nach Norden und nach Süden. Von hier gelangt man über den Valserberg nach Vals und weiter ins Lugnez oder über den San Bernardinopass, einer typischen Moränenlandschaft, in die benachbarte Mesolcina. Wer es schnell mag, nimmt den San Bernardino-Tunnel auf der A13 unter die Räder und ist im Nu in Locarno oder in Lugano.

Der 6,6 km lange San-Bernardino-Tunnel zwischen den Dörfern Hinterrhein und San Bernardino wurde 1967 eröffnet. Der Tunnel bildete die erste ganzjährige Verbindung von den Bündner Südtälern Misox und Calancatal in die Hauptstadt Chur. Als Teil der Nationalstrasse N13 (heute A13) führt er von der Ostschweiz ins Tessin. Er ist nach dem Gotthard der zweitwichtigste Straßen-Alpenübergang der Schweiz. Der Hinterrhein hat es mit Grenzen zu tun. Der San Bernardinopass, genauer der liebliche Moesolasee auf der Passhöhe, wo man im Sommer im altehrwürdigen Berghaus auch einen Kaffeehalt einlegen kann, ist europäische Wasserscheide. Nach Norden fliesst das Wasser in den Rhein, nach Süden in die Moësa, den Ticino und mittels des Po-Flusses bis ins Adriatische Meer. Hier verläuft auch die Sprachgrenze zwischen Deutsch und Italienisch. In Hinterrhein spricht man Deutsch – den urtümlichen Walserdialekt – auf der anderen Seite des Passes ist italienisches Sprachgebiet. Zwei Sprachen, zwei Mentalitäten, parallel neben einander!

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Dorf Hinterrhein mit Marschol-, Rheinquell- und Höhberghorn Im linken oberen Teil ist der San Bernardino-Pass zu erkennen

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Dorf Hinterrhein

VIAMALA / ROFLA

Auf seiner weiten Reise zur Nordsee passiert der junge Hinterrhein in der Talschaft Rheinwald die wildromantische Rofla- Schlucht und die legendäre Viamala-Schlucht mit ausführlichen Informationen auf den Websites:

www.viamala-schlucht.ch

www.rofflaschlucht.ch

www.rheinquellweg.ch

Presseberichte aus der Serie „Bündner Dörfer“:

7a: Hinterrhein, das letzte Dorf vor dem Süden (Bündner Tagblatt, 06.01 2016)

7b: Hinterrhein, Walsergeschichten (Bündner Tagblatt, 06.01. 2016)

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Via Mala-Schlucht

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Postkarte 1901

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Rofla – Schlucht

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Via-Mala-Schlucht hls-dhs-dss.ch

Via Mala heisst ein von John Knittel im Jahre 1934 veröffentlichter Roman. Die Vorlage wurde für das Kino bisher zweimal verfilmt. Die ältere Fassung unter der Regie von Josef von Báky mit Carl Wery, Karin Hardt, Hilde Körber und Malte Jaeger entstand 1944 (!), wurde aber erst 1948 uraufgeführt. Die neuere Fassung entstand 1961 mit Gert Fröbe, Edith Schultze-Westrum, Joachim Hansen, Christine Kaufmann und Christian Wolff (Regie: Paul May). 1985 entstand ein Fernseh-Mehrteiler mit Mario Adorf, Maruschka Detmers und Sissy Höfferer (Regie: Tom Toelle). Die Roflaschlucht ist eine Hinterrhein - Schlucht zwischen Andeer - Bärenburg und Sufers mit erstem Gasthaus seit 1639 und heutigem Hotel “Roflaschlucht” am Eingang der Schlucht. In der Schlucht selbst gibt es einen grösseren Wasserfall (siehe Foto).

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Hinterrhein bei Rhäzüns

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Karte Hinterrhein mit Nebenflüssen und Splügenpass

ALBULA

zitiert aus Wikipedia

Die etwa 41 Kilometer lange Albula (rätoromanisch Alvra) im Kanton Graubünden ist der grösste Nebenfluss des Hinterrheins. Die Albula entspringt bei Igls Plans unterhalb des Albulapasses auf einer Höhe von 2037 m nordwestlich des Dschimels (2037 m) und fliesst in Richtung Nordwesten an Sils im Domleschg vorbei. Schliesslich mündet sie auf einer Höhe von 652 m ü. M. bei Fürstenaubruck von rechts in den aus dem Süden kommenden Hinterrhein. Ihr rund 41 km langer Lauf endet etwa 1385 Höhenmeter unterhalb ihrer Quelle sodass sich ein mittleres Sohlgefälle von etwa 34 ‰ ergbit.

Die Wasserkraft der Albula wird in mehreren Kraftwerksanlagen genutzt. Der oberste und älteste Stausee ist der Palpuognasee (Lai da Palpuogna), der, um Strom für den Bau des Albulatunnels zu gewinnen, im Jahr 1898 gestaut wurde. Er wird gerne als einer der schönsten Flecken der Schweiz beworben. Bei Bergün Islas wird erneut ein Teil der Albula gestaut und über einen Druckstollen zum ca. 10 km entfernten Kraftwerk Filisur (64 MW Leistung) der Albula-Landwasser Kraftwerke (ALK) geführt. Die Wasserrückgabe erfolgt über ein Ausgleichsbecken in Filisur.

Unterhalb Tiefencastel nimmt die Albula linkerhand die Julia auf und fliesst durch die Schinschlucht. In der Schlucht wird die Albula seit 1986 durch eine Bogenstaumauer zum Stausee Solis aufgestaut, ehe sie vom Soliser Viadukt der Rhätischen Bahn und der daneben verlaufenden Autostrasse überspannt wird. Das Wasser wird über Druckstollen den Kraftwerken Sils und Rothenbrunnen der EWZ zugeleitet, wo das Wasser zurückfliesst – in Sils noch in die Albula, in Rothenbrunnen bereits in den Hinterrhein. Das Restwasser der Albula mündet nach 40 Kilometern bei Fürstenau in den Hinterrhein. Bei natürlichem Abfluss, der durch die Wasserkraftnutzung bei beiden Flüssen derzeit nicht gegeben ist, ist die Albula mit 29,1 m³/s grösser als der Hinterrhein, der dort 27,3 m³/s Wasser führt.

Dem Fluss folgt ab Thusis auf seiner ganzen Länge die Albulabahn der Rhätischen Bahn ab Chur nach St. Moritz, mit denen das Engadin an die übrige Schweiz angebunden ist – auch die weltberühmte Berninabahn via Sankt Moritz nach Tirano (Italien) fährt über diese Strecke. Die 61,67 km lange Albulabahn ist ausgestattet mit 144 Brücken sowie 42 Tunnels und Galerien. Damit verfügt die RhB im Albulatal über eine ihrer spektakulärsten Streckenführungen: Sie ist auf diesem Abschnitt als UNESCO WELTKULTURERBE klassifiziert. Auf ihrem Weg wird die Albula zudem von 5 imposanten Steinbogenviadukten (alle 1902/03 gebaut) überspannt.

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Albulabahn und links Hinterrhein

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Hinterrhein - Quelle am Rheinwaldgletscher

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Dorf Hinterrhein mit Quellgebiet

1829 Johann Heinrich Luttringhausen (1783 - 1875)

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Schloss Rhäzüns mit Hinterrhein (Johann Jakob Meyer 1835)

KAPITEL C

ALPENRHEIN

EIN ALPENFLUSS WIRD ZUM RHEIN

Als Alpenrhein wird der Rhein - Abschnitt bezeichnet, der vom Zusammenfluss des Vorderrheins mit dem Hinterrhein bei Reichenau GR-Tamins im Kanton Graubünden zur Einmündung in den Bodensee reicht. Obwohl sein Einzugsgebiet mit 6119 km² nur 3,3 % am Einzugsgebiet des Rheins oberhalb der Mündungsverzweigungen in die Nordsee (185'300 km²) ausmacht,speist er den Bodensee doch mit einer mittleren Abflussmenge von 235 m³/s; das sind gut 10,2 % der Abflussmenge an den NL - Mündungsverzweigungen des Rheins (2300 m³/s). Seine Länge von 90 km macht 7,26 % an der Gesamtlänge des Rheins (1238,8 km) aus. Das Tal, das der Alpenrhein durchfliesst, nennt sich Alpenrheintal.

teils aus Wikipedia entlehnt

Auf über 90 Kilometern Länge fällt der Alpenrhein von 592 m ü. M. auf 396 m ü. M. Er fliesst zunächst nach Osten bis Chur, der Hauptstadt des Kantons Graubündens, wo er in einem Bogen von gut 130° seine Richtung nach Nordwesten ändert. Bei Sargans knickt er nach Norden ab und strebt leicht kurvig in nördlicher Richtung zum Bodensee. Bei Sargans verhindert eine nur wenige Meter hohe Landstufe, dass der Rhein durch das Seeztal via Walensee und Zürichsee zur Aare fliessen würde.

Der Alpenrhein mit seinem durch den hohen Schwebfrachtgehalt oft fast milchig-trübem Wasser hat den anfangs weit in die Alpenregion reichenden Bodensee bereits großenteils mit Sedimenten aufgefüllt: Der Fluss transportiert pro Jahr bis zu 3 Millionen Kubikmeter Feststoffe dorthin. Das in den Bodensee hineinwachsende Rheindelta ist zwischen dem Alten Rhein im Westen und dem unteren Rheindurchstich im Osten grossenteils Natur- und Vogelschutzgebiet.

Der Rhein verzweigte sich am Bodensee einst in (mindestens) zwei Hauptarmen, ähnlich wie im niederländischen Mündungsdelta. Durch sich ablagerndes Geschiebe entstanden viele kleine Inseln (in bodenseealemannischer Mundart “Isel” (auch Flurname “Esel”) und im Mündungsbereich ist deshalb heutzutage ein permanenter Kiesabbau mit Schwimmbaggern nötig, um die Sedimentation zu steuern. Diese grossen Sedimentfrachten gelten nichtzuletzt als Folge umfangreicher, flussaufwärtiger Meliorationen (Bodenkulturmassnahmen) und tiefeingeschliffener, schnellfliessender Gewässer durch Schluchten und Canyons Dennoch wird der Alpenrhein gelegentlich noch immer als “grösster Wildbach Europas” bezeichnet.