Angelika Friedemann

Titel

Der Sumpf des Todes

Der Erste Hauptkommissar und Leiter der Abteilung 41, Kapitalverbrechen im Landeskriminalamt Hamburg, betrat sein Büro. Ein nicht zu kleiner, heller Raum. In einer Nische, die er pastell-lindgrün gestrichen hatte, waren zwei Regalbretter eingebaut, darunter stand ein Kühlschrank. Auf dem ersten Regalbrett thronten zwei Kaffeemaschinen. Die eine setzte er in Gang, welche gleich laut die Bohnen mahlte. Jetzt begrüßte er den Polizeibären, ein Geschenk seiner Kollegen, der auf einem der Sessel thronte. „Moin Pieter!“

Er goss Kaffee in seinen Pott, setzte sich an den Schreibtisch aus hellem Holz und betrachtete Kaffee trinkend das Bild: Schwäne auf der Alster von Arthur Illies. Es vermittelte wie jeden Morgen, Frieden, Ruhe und Schönheit.

Nun begann sein Arbeitstag, mit Schreiben unterzeichnen. Jedes kam in einen Korb. Die drei Farben kennzeichneten, wohin es danach wanderte. Die Schreibkraft würde die später leerräumen und weiterleiten. Derzeit erledigte das Katja, da eine neue Schreibkraft erst zum 1. August kam.

Nun neuen Kaffee brühen, die Tasse mit rüber nehmen.

Er betrat den Besprechungsraum, musterte seine Truppe. Oberkommissar Benjamin Wurt, Hauptkommissar Sven Hauser, Oberkommissar Uwe Siegel, Kriminalkommissarin Katja Hempel, Oberkommissar Bircan Weimann, Hauptkommissar und sein Stellvertreter Gerd Reinicke und der junge Neuzugang, Kriminalkommissar Ralf Bergmann. Nachher würde noch Frode Löbert zu ihnen stoßen. Die Kriminalkommissarin Thekla Hennig fehlte derzeit aus Krankheitsgründen.

„Moin, allerseits“, nahm er Platz. „Bereits heute kommt der neue Kollege, Oberkommissar Frode Löbert.“

„Woher kommt er?“

„Vom LKA 24, SK aus dem Turm, Katja. Aus privaten Gründen musste er dort aufhören. Thema beendet! Es werden auch keine Fragen an den Neuen gestellt. Gerd und Bircan ihr nehmt euch seiner an, integriert ihn. Um 13.30 Uhr geht es für alle zum Schießstand. Wir fahren zusammen mit zwei Autos. Gerd und ich nehmen euch mit. Wie weit seid ihr mit der Erpressung?“

„Nichts! Ich habe bestimmt dreißig Stunden aus allen Märkten Videomaterial angesehen. Keinem der Angestellten ist etwas aufgefallen. Die Angestellten selbst, alles unbeschriebene Blätter, auch in deren Umfeld, den Familien niemand Kriminelles dabei. Bei den Ausgeschiedenen ebenfalls niemand Verdächtiges. Die Stimme des Erpressers wird noch bearbeitet, da total verzehrt, wie Klaas sagte. Er tippt bisher auf einen Mann über 40. Wir warten auf das fertige Band. Danach geben wir das für die Öffentlichkeit frei“, erläuterte Uwe.

„Keine Unbekannten mehr auf der Liste?“

Bircan schüttelte nur mit dem Kopf. „Wir machten sogar fast alle Kunden von den Tagen ausfindig, befragten, durchleuchteten sie. Negativ, wie Uwe eben sagte. Alle, die mit Karte bezahlten, ebenfalls durch.“

„Reinigungspersonal?“

„Auch da sah ich alle Aufnahmen an, genau wie die Frauen und deren Umfeld überprüft wurden. Nichts!“

„Trotzdem hat der Erpresser es geschafft, in sieben Märkten Lebensmittel zu vergiften und eine ältere Dame daran verstarb.“

„Martin, guck die Aufnahmen an. Nicht ein Kunde ist in einem anderen Markt gewesen. Wir sind drei Tage zurückgegangen. Erfolglos“, Uwe sofort.

„Bringt mir die Kassetten jeweils vom Vortag aus allen sieben Märkten rüber. Danke! Katja, was ist mit dieser Betrugsmasche?“

„Wir verfügen lediglich über ein Phantombild der Frau und Ende.“

„Internet?“

„War ich“, meldete sich Bircan. „Alles falsch! Foto, Name, Adresse und so weiter. Sie soll nun vom Provider entfernt werden. Sie hatte über hundert Männerkontakte, wenn sie den Rest da noch abkassiert, bravo.“

„Habt ihr die Männer gewarnt?“

„Einige, da man erst einmal herausfinden muss, wie die Kerle wirklich heißen, wo sie wohnen. Einer meinte zu mir, ich wäre wohl eifersüchtig, wolle die Dame deswegen schlecht machen.“

„Dusseliger Dösbaddel! Sucht weiter, da wir keinen Toten oder leer geräumte Villen mehr wollen. Nur man sollte diese Frau noch dort gelistet lassen, da eventuell so eine bessere Hilfe. Gerd, kümmerst du dich darum. Sven, du widmest dich weiter Dürr. Der Junge muss gefunden werden. Ich gehe nach wie vor davon aus, dass er lebt. Ralf, du machst Lehmann fertig und bringst mir alles. Das war es.“

„Martin, der ist tot und den hat er irgendwohin geworfen.“

„Katja, da du alles weißt, führst du uns hin.“

„Logik eben“, antwortete sie pikiert.

„Du bist mit dem Mund stets vorneweg, weißt und kannst alles. Dabei bist du faul, bringst nicht das Einfachste zustande. ER ermordet drei Menschen und einen Leichnam nimmt er mit. Logik!“

In seinem Büro stellte er den zweiten Monitor auf, schloss ihn an, da brachte ihm Uwe schon die Kiste mit den Überwachungsbändern. „Danke!“

Er schob zwei Bänder ein und guckte hin. Frauen!

Er unterbrach erst, als der neue Kollege erschien. Er kannte den Beamten, wenn auch nur flüchtig.

„Martin, muss ich es erzählen?“

„Nein! Wenn irgendwann Gras darüber gewachsen ist, du davon sprechen magst, dann mach, wie du denkst. Katja und Uwe werden dich gewiss fragen. Überhöre es oder sage ihnen ganz klar, ist meine Privatsache. Wie geht es deinem Knirps?“

„Er ist zu klein, als dass er es mitbekommt. Er weiß schon, dass die Mama fehlt, aber allmählich gewöhnt er sich daran. Meine Eltern lenken ihn ab. Kleine Kinder vergessen sehr schnell und darüber bin ich froh. Er soll nicht auch deswegen leiden. Mich erinnerte noch alles an sie. Ich wache morgens auf, taste nach ihr. Ich gehe einkaufen, packe ihren Lieblingssaft ein. So geht es ständig. Vorerst wurden auch alle Fotos von Britta bei uns entfernt.“

„Frode, sollte etwas sein, dass du frei oder so außer der Reihe benötigst, sage mir oder Gerd Bescheid. Er weiß es als Einziger übrigens. Du hast für die nächsten drei Monate weder Nacht- noch Wochenenddienst.“

Martin erhob sich und sie gingen nach vorn, wo er den neuen Kollegen vorstellte.

Nun setzte er seine Arbeit fort.

Es klopfte und der Kriminaldirektor kam herein. „Moin, Herr Kuhlmann. Sie bekommen gleich Arbeit.“

Martin stand auf, reichte seinem Chef die Hand. „Nehmen Sie Platz. Möchten Sie einen Kaffee, Doktor Jahn?“

„Starken, bitte.“ Er setzte sich, nahm den Bären herunter. „Na, Pünni, alles in Ordnung?“

„Pünni nennen Sie ihn?“, schmunzelte Martin.

„Meine Enkelsöhne. Jeder hat einen und das sind Pünni eins und zwei.“

„Bei mir heißt er Pieter. Nur er ist faul, überlässt mir den ganzen Bürokram.“

Sie lächelten beide. Martin reichte ihm den Kaffee, setzte sich. „Was liegt an?“

„Acht Vergewaltigungen. Seit zwei Monaten ist zwar nichts mehr vorgekommen, so viel wir wissen, aber der Täter ist meiner Meinung nach, eine tickende Zeitbombe. Er trat im Oktober letzten Jahres das erste Mal bei einer Krankenschwester in Erscheinung. Wie gesagt seitdem gab es sieben weitere Fälle, bei denen er stetig brutaler vorging. Das letzte Opfer kam nur mit Glück mit dem Leben davon, da er ihr mehrere Stichwunden zufügte. DNA vorhanden, nur damit können wir nichts wirklich anfangen, da er ein unbeschriebenes Blatt ist.“

Ein Polizeibeamter kam herein und Martin deutete an die Seite, wo er die drei Kartons abstellen sollte.

„Lesen Sie die Akten, dann sprechen wir nochmals darüber. Der Mann muss gestoppt werden.“

Erst mittags holte er die Akten heraus, sortierte sie nach Datum. Nun hieß es lesen und nebenbei Filmchen gucken. Er schob den Schreibtischstuhl bequemer hin, kippte geringfügig die Lehne und begann den ersten Fall zu lesen. Lief ein Mann durchs Bild, blickte er genauer hin, genauso wenn eine Person länger an einem Regal stehen blieb.

Titel

Martin drehte sich leicht knurrend im Bett, als er die Hand von Kristin an seinem nackten Rücken fühlte.

„Telefon“, hörte er sie sagen.

„Ich bin nicht da“, murmelte er verschlafen, streckte aber gleichzeitig die Hand aus und sie reichte es ihm. „Kuhlmann!“ „Warum immer ich? Ben hat Dienst.“ „Schiet, ich bin gerade erst ins Bett gegangen“, streckte er die Beine raus. „Ja, ich komme.“ „In einer halben Stunde.“

„Soll ich dir einen Kaffee kochen?“

„Doppelten Espresso. Danke!“, stand er auf. Er schlüpfte in die Jeans, holte ein Shirt aus dem Schrank. Erst jetzt blickte er auf den Wecker. 3.55 Uhr. Konnte man Leichen nicht erst nach 7.00 Uhr finden, dachte er auf dem Weg ins Bad.

Unten roch es nach Kaffee.

„Danke! Leg dich hin und schlaf du wenigstens noch ein paar Stunden“, nahm er sie in den Arm, gab ihr einen Kuss.

„Jetzt bin ich wach. Ich fahre in meine Wohnung.“

„Kristin, zieh endlich her, dann sparst du die Fahrerei.“ Er nahm den Kaffeebecher, trank. „Ich komme heute Abend früher. Versprochen.“

„Diese zwei Berufe passen nicht zusammen.“

„Ich weiß, dafür wir beide“, versuchte er zu scherzen. „Reden wir am Abend“, ging er in sein Büro, holte die Waffe aus dem Schubfach. Er war schlecht gelaunt, da er mitten in der Nacht dröge Diskussionen über Beziehungskram hasste. Solche Dinge besprach man ruhig zu normalen Zeiten. Er trank den restlichen Kaffee, gab ihr einen flüchtigen Kuss und fuhr zu der angegebenen Adresse nach Einsbüttel.

Vor dem Wohnhaus standen drei Polizeiwagen und zahlreiche Schaulustige. Das mitten in der Nacht. Ich würde lieber schlafen. Martin stellte den Wagen dazu.

„Dritte Etage!“, sagte ein junger Polizeibeamter.

„Martin, warte“, hörte er im Rücken Bens Stimme.

„Moin, du bist ja fix hier.“

„Weißt du mehr?“

„Eine Prostituierte, die von einer anderen Kollegin tot aufgefunden wurde. Warum sie uns nun verständigten, keine Ahnung. Ich bin müde, da ich bis Mitternacht über den Akten saß.“

Ein Polizeibeamter hielt sie auf. Oberkommissar Benjamin Wurt zeigte seinen Ausweis. „LKA!“

„Sie hat keiner angefordert, nicht angemeldet.“

„Fein! Nun sind wir da und gehen hoch“, schob er den Mann beiseite, der ihn jedoch festhielt. „Sie warten, da ich nachfrage. Wieso tauchen solche hohe Herren hier auf?“

„Weil wir testen wollten, wie gut Sie Ihren Job machen. Jetzt gehen wir hinauf und Sie telefonieren, melden uns an. Roter Teppich muss nicht sein. Danke!“, befreite sich Martin mit einem Ruck und sprang die Treppe immer zwei Stufen auf einmal nehmend, hoch. „Sehr pflichtbewusst!“, murmelte er dabei. „Das nächste Mal lässt du dir den Namen geben. Solche Leute benötigen wir zuweilen in unserem Gebäude.“

„Habe ja seine Dienstnummer.“

„Moin, was gibt es zu sehen?“, fragte Martin einige Leute im Schlafanzug, Nachthemd, Bade- oder Morgenmantel. „Sie wohnen alle in dem Haus?“

„Da wurde jemand ermordet. Eine Frau schrie uns wach“, erklärte eine ältere Dame.

„Nun wollen Sie die Tote sehen. Eventuell nimmt der Gerichtsmediziner sie zur Obduktion mit“, schüttelte Martin den Kopf. „Verlassen sie umgehend das Treppenhaus, gehen in die Wohnungen. Sie werden alle später befragt.“

Vor der Wohnungstür trafen sie auf zwei Männer der Spurensicherung. „Moin! Wurde aufgebrochen, Klaas?“

„Moin! Nichts zu sehen. Was macht ihr hier?“

„Der Doc hat Sehnsucht nach uns.“

Sie gingen in die Wohnung. Es roch irgendwie süßlich und die Luft stickig.

„Moin! LKA, Kuhlmann, mein Kollege Wurt. Moin Frank!“

„Da seid ihr ja endlich. Komm her und guck sie dir an, Martin.“

Die zwei Beamten traten etwas zur Seite, da das Schlafzimmer sehr eng war.

„Tot, angemalt, 10 Stunden, und?“, stellte er kurz fest. „Muss hübsch ausgesehen haben.“ Er zog einen Handschuh an, nahm den linken Arm hoch. „Sieht nach Suizid aus.“ Er blickte sich um. „Lag sie so?“

„Ja!“

„Snaksch! Wo ist dann das Blut?“

„Siehst du, ich wusste es. Ist hier keinem Dösbaddel aufgefallen.“

Ben drängelte an ihm vorbei, schaute sie an. „Sie sieht wie aus diesem Film aus. Irgendetwas mit mörderisch. Die Frauen waren ähnlich geschminkt. Grelle Lippen, die Augen so angemalt.“

„Fehlte denen auch Blut?“

„Ja! Deswegen fiel es mir ein, Frank. Spiel! Mörderisches Spiel.“

„Wissen Sie ja, wer der Täter ist“, äußerte der eine Beamte belustigt.

„Ich würde lieber die Klappe halten, wenn ich nicht bemerke, dass hier kein Blut zu sehen ist“, kanzelte Martin den Mann ab. „Wer ist sie?“

„Susanne Binter, 23 Jahre alt, Prostituierte, ledig, wohnte hier anscheinend allein.“

Martin schaute den Gerichtsmediziner Frank Mahlow an. „Was sollen wir nun hier? Da stehen zwei anscheinend sehr kompetente Ermittler.“

„Du scherzt heute. Genau vor knapp sechs Wochen hatten wir schon so eine Frau bei uns liegen. Lukas hat mir Bilder für dich geschickt“, hielt er ihm das Handy hin. Der nahm es entgegen, guckte die Bilder an. „Wo lag sie?“

„Bergedorf! Hannah Scheffler, 22 Jahre alt, Kunststudentin, ledig, wohnte ebenfalls allein. Vor etwa drei Wochen gab es ein weiteres Opfer. Dorothea Stadler, 39, Galeristin aus München. Sie war für einige Tage in Hamburg. Die Pensionswirtin fand sie morgens tot auf.“

„Das bedeutet, drei verschiedene Dezernate?“, erkundigte sich Ben.

„So ist es. Damit das aufhört, werdet ihr das jetzt übernehmen müssen.“

„Wieso hat das Fabian nicht viel früher entdeckt und gemeldet?“

„Martin, nicht bei mir. Da ab es nichts zu entdecken.“

„War ein Staatsanwalt hier?“, wandte sich Martin an die beiden Kollegen.

„Ich habe den Oberstaatsanwalt persönlich aus dem Bett geklingelt. Warum soll ich bloß auf Schlaf verzichten?“, antwortete Frank Mahlow.

Martin griff zum Handy, verließ den Raum.

Er kam nach fünf Minuten zurück. „Sie können schlafen gehen. Der Oberstaatsanwalt trifft gleich ein. Das LKA übernimmt alles Weitere. Danke und gute Nacht. Ben, das Treppenhaus wird geräumt, bis die Spusi damit fertig ist. Zwei Polizisten sollen draußen aufpassen, dass niemand rein- oder rausgeht. Nimm diesen eifrigen Kollegen. Du schreibst von den Gaffern die Namen auf und lässt dir die Schuhe geben. Die werden alle auf Spuren untersucht. Bernd begleitet dich dabei. Wo ist die Frau, die sie fand?“

„Im Wohnzimmer. Kollegin und Nachbarin“, erklärte Klaas.

„Muss sie noch einen Moment warten. Erst die Tote. Frank, wann und wie lange?“

„Tot schätzungsweise zwischen 15.00 und 18.00 Uhr. Wie lange? Um zwei Stunden.“

„Warum so lange?“

„Laie. Erst nur eine Vene, wenn auch tief, infolge der Aorta. Dauerte ihm zu lange und er schnippelte nach, da er nach Hause wollte. Exitus.“

„Da war der Mörder solange in der Wohnung?“

„Ja, rechne von drei bis fünf Stunden. Gehe davon aus, es gab vorher Sex“, schlug er die Decke weg.

Er betrachte die Oberschenkel, die Beine. „Da musste sie lange leiden, bis sie den hämorrhagischen Schock durchlebt hatte, endlich das Bewusstsein verlor. War sie gefesselt?“

„Ja. Also er kommt her. Laut der Kollegin hat sie hier nie angeschafft. Sie öffnete, er rein. Er fesselte ihr die Beine sehr fest, sieht man an den Striemen, die ins Fleisch schnitten. Er kniff, biss, wenn man die Oberschenkel und das Schambein betrachtet. Kann nicht viel länger wie drei Stunden vor ihrem Tod gewesen sein, nach der Ausbildung aller Merkmale. Er kommt irgendwann in Stimmung, schneidet das Seil durch und hat mit ihr Sex. Danach der stümperhafte Schnitt. Bei dem Volumen eines gesunden, erwachsenen Menschen von fünf bis sechs Litern Blut, dauert das. Der Verlust von 1,5 Litern führt zu Durst- und Schwächegefühl, die Atmung beschleunigt sich, der Betroffene verspürt Angst. Vermutlich befriedigte er sich in der Zeit nochmals selbst und sie musste zusehen. Danach der richtige Schnitt und nun ging alles fix. Ihr wird schwindelig, sie verliert das Bewusstsein, dadurch die massive Reduzierung des Herzzeitvolumens, der Kreislauf bricht zusammen. So im Groben.“

„War das bei den anderen Frauen auch so?“

„Ja. Nur da hat er gleich die richtige Stelle getroffen. Es gibt keine DNA von ihm.“

„Wie nichts?“

„Nichts! Lukas meinte, er war mit einem Tauchanzug bekleidet. Da war nur vorn ein Schlitz, damit sein bestes Stück raus konnte.“

„Nur der würde auf der Straße auffallen“, schmunzelte Martin. „Hatte er geputzt? Scherz beiseite. Es gibt Sperma?“

„Laut den Kollegen der Spusi - nein. Also das Putzen. Trotzdem kein Fingerabdruck, kein Haar, kein Sperma, nicht einmal feststellbar, wo er das Blut auffing, es entsorgte.“

„Frank, wie geht das, außer mit Tauchanzug? War da Fabian an den anderen …“ Er schwieg, als er die verzogene Miene des Doktors sah. „Das habe ich mich auch gefragt. Diese Galeristin war sehr stark im Schambereich behaart. Viele Haare, lange Haare, struppige, harte Haare. Nun geht es zur Sache. Da müsste sich theoretisch mindestens ein Haar von ihm bei ihr verfangen haben. Nichts.“

„War er gut rasiert“, kam Klaas herein. „Hier sind keine Fingerabdrücke von einem Mann. Wohnzimmer, Küche. Nichts an der Tür, auch keine verwischten. Klingel nichts, weder unten noch oben. Er benutzte also Kondome?“

„Bisher nichts davon feststellbar, aber sie muss noch untersucht werden.“

„Geht nicht, außer er hat außerhalb oder in seinem Tauchanzug einen Orgasmus bekommen. Warum dann vergewaltigen?“

„Martin, warte die Ergebnisse ab.“

„Moin, die Herren“, betrat Reinhard Strake den Raum.

„Moin, Herr Oberstaatsanwalt.“

Der guckte kurz auf die nackte Frau. „Wo ist ihr Blut?“

„Hat er mitgenommen oder gut entsorgt.“

„Sie sind ein Scherzkeks, Doktor Mahlow. War das bei den anderen Fällen, von denen Sie sprachen, auch so?“

„Ja, keinen Tropfen hat er zurückgelassen.“

„Diese Malerei im Gesicht?“

„Nein, das unterscheidet die Opfer. Hat sie eventuell so gemalt. Gleich ist die Art vor der Vergewaltigung, die Bisse, Kniffe. Unterschiedlich ist, dass es dieses Mal zwei Schnitte gibt. Die Aorta erst später durchtrennt wurde. Vermutlich wieder ein Taschenmesser.“

„Sie meinen, es könnte sein, er geht mehr dazu über, die Frauen danach zu quälen?“

„Er war entweder nicht bei der Sache oder wie Sie es bezeichneten, er geht dazu über, den Tod hinauszuzögern. Kriegt er vielleicht noch einen Orgasmus. Martin, was ist los? Du guckst so nachdenklich.“

„Ich erhielt gestern von Doktor Jahn acht Akten über vergewaltigte Frauen. Auch da ein Taschenmesser die Waffe und er wurde mit jeder Tat brutaler.“

„Ohne DNA nicht beweisbar. Hast du da welche?“

„Ja. Nur das nützt uns nichts, wenn er hier nichts hinterlässt.“

„Doktor Mahlow, selbst mit Kondom müsste man doch etwas finden.“

„Bisher nichts, Herr Oberstaatsanwalt. Deswegen unsere Theorie von einem Tauchanzug.“ Er schlug die Decke über die Tote.

„Spinne ich. Er war mit den Frauen verabredet. Man trinkt etwas, snakt. Er geht ins Bad, zieht den Tauchanzug an. Bevor sie etwas deswegen sagen, schreien kann, hält er ihr das Messer an den Hals. Vergewaltigung. Er sagt, du bleibst liegen. Nun holt er einen Eimer, Schnitt. Er kippt das Blut in die Toilette, beseitigt eventuelle Spuren, so wie ein Glas, zieht sich um und geht.“

„Martin, gut kombiniert. Nur der Putzeimer steht in der Küche unter der Spüle, ist trocken. Eingesackt wurde er trotzdem. Bei der Umzieherei verliert der Mensch normalerweise Haare.“

„Hat er eine Glatze? Legte er eine Folie, ein Handtuch darunter, was er mitnimmt? Klaas, ich spekuliere, versuche, das in die Reihe zu bringen. Überlege ich lange, fällt mir gewiss noch etwas anderes ein.“

„Na gut. Warten wir die Auswertung von den Kollegen ab. Herr Kuhlmann, ich lasse Ihnen nachher die Akten zukommen. Sprechen Sie bitte mit den Nachbarn, ob denen etwas aufgefallen ist.“

„Nebenan sitzt noch die Freundin, die sie fand.“

„Mit ihr auch.“

Die Tote wurde abgeholt, der Oberstaatsanwalt und Frank verabschiedeten sich. Er ging zu der Frau, stellte sich vor, nahm ihr gegenüber Platz. „Sie sind eine Freundin, fanden die Tote. Kann ich bitte Ihren Ausweis sehen.“

„Wer macht so was? Sie sieht ganz komisch aus. Ich habe noch nie einen Toten gesehen“, kramte sie in der Tasche, zog aus dem Portemonnaie den Ausweis.

Silke Weber, 23 Jahre alt, wohnte zwei Hausnummern von hier entfernt, notierte er deren Daten.

„Frau Weber, berichten Sie mir bitte, wann Sie kamen, was Sie vorfanden.“

„Sie erschien heute nicht, ging nicht ans Telefon. Deswegen bin ich hergegangen. Die Tür war nur angelehnt. Ich rief leise, bin rein. Erst machte ich Licht im Flur, dann guckte ich ins Schlafzimmer, sah sie liegen. Ich dachte zuerst - sie schläft. Ich mache da Licht an, da sah ich, wie komisch sie aussah. Ich schrie. Ein Mann kam, rief die Polizei. Eine Frau gab mir einen Schnaps.“

„Wann begann der Dienst von Frau Binter?“

„Um sechs. Sie kam nicht und ich rief an, aber sie meldete sich nicht. Ich versuchte, den ganzen Abend immer wieder sie zu erreichen.“

Er schaute sich in dem Raum um, aber da lag kein Handy.

„Geben Sie mir bitte die Nummer“, zog er sein Handy aus der Tasche, tippte die Zahlen ein und im Flur erklang eine Musik. „Das ist es.“

„Frau Weber, wann waren Sie in etwa hier?“

„Gegangen bin ich so gegen Viertel vor drei. Muss so gegen drei gewesen sein. Ich weiß es nicht.“

„Die Tür unten war offen?“

„Ist sie immer. Die hier war nur angelehnt. Das fand ich schon komisch.“

„Empfing Frau Binter auch hier Kundschaft?“

„Nein, nie. Hier weiß auch niemand, was sie beruflich machte.“

„Sie war stark geschminkt. Ging sie so zum Dienst?“

„Nein, das hat mich gewundert. Wir schminken uns dort, ziehen uns da um. Nur so komisch malen wir uns nie an. Sana nahm Wimperntusche und Lippenstift. Fertig.“

„Hat Frau Binder erwähnt, dass ihr ein Mann gefolgt ist, sie privat deswegen belästigt wurde?“

„Nein, nichts.“

„Hatte sie einen Freund oder Ex-Freund?“

„Nein.“

Ben kam herein, grüßte.

„Mein Kollege, Herr Wurt“, stellte Martin vor. „Frau Weber. Sie fand die Tote. Frau Weber, haben Sie eine Ahnung, wer das getan haben könnte?“

„Nein. Das muss doch ein Kranker sein.“

„Geben Sie meinem Kollegen bitte die Adresse, wo Sie und Frau Binder arbeiten. Gab es da mal Ärger mit Männern?“

„Das Übliche. Betrunkene, die uns dumm anlaberten, aber sonst nichts. Da achtet man darauf.“

„Sehr schön“, stand er auf. „Ist Ihnen hier aufgefallen, ob etwas fehlt?“

„Nein! Sie sehen ja, da stehen keine Wertgegenstände, außer der Fernseher, den sie neulich erst kaufte.“

„Danke! Fällt Ihnen noch etwas ein, rufen Sie uns bitte an. Sie können gehen.“

Er verließ den Raum, zog Handschuhe an und holte das Handy aus der Handtasche. Er kontrollierte die eingegangenen Anrufe. Frau Weber hatte neunmal angerufen, sonst niemand. Nun kontrollierte er die Handtasche. Geld, Bankkarte waren da. Diebstahl konnte man ausschließen. Er schaute in die Küche, das Bad, wo Bernd gerade zugange war.

„Etwas entdeckt?“

„Nichts. Haare von ihr; Waschbecken sieht nicht geputzt aus; Handtücher vorhanden; nicht übermäßig feucht; Klobürste trocken; Klo sauber; Dusche alles trocken. Nirgends Blut - nicht ein Tropfen.“

„Er nimmt das doch nicht mit?“

„Vielleicht doch. Wir sind ja noch nicht fertig.“

„Na gut. Wir gehen jetzt die Mieter befragen.“

„Die freuen sich, wenn ihr sie nicht schlafen lasst.“

„Klaas, da sie alle gaffen konnten, sind sie eh wach.“

Nein, niemand wusste, ob ein Fremder im Haus war. Nein, niemand war die nur angelehnte Wohnungstür aufgefallen, gehört hatte keiner etwas. Nein, keiner hatte einen Mann das Haus verlassen gesehen.

Die Tote schilderten alle gleich: nette Frau, freundlich, höflich, hilfsbereit. Eine ruhige Mieterin ohne Partys, Männerbekanntschaften und so. Was und so hieß, wusste niemand. Die Frau, die vorhin schrie, war öfter bei ihr, sonst eigentlich niemand. Sie arbeitete ja auch immer in der Nacht in einem Krankenhaus. Nein, gesagt hatte sie das nie, aber nur da gab es ja diese Nachtkrankenschwestern. Das nannte man Logik, amüsierte sich Martin.

Im Treppenhaus beleuchtete Martin jede Stufe, aber nirgend ein Tropfen Blut. Auch draußen - nichts.

Im Büro brühte er zwei Kaffee, reichte eine Tasse Ben, der bereits den Kuchen auf die Teller gelegt hatte. Nun wollten sie frühstücken.

„Der Kuchen ist immer noch warm und das um 6.00 Uhr morgens.“

„Schmeckt er besser.“ Nun war der Fall für zehn Minuten ad acta gelegt.

„Du wirst nachher die Leute von gegenüber und den anderen Häusern befragen, dazu in den drei Läden nachfragen. Mit wem?“

„Dem Neuen! Martin, was mache ich mit Blut?“

„Du denkst, er hat es mitgenommen?“

„Ja!“

„Ich denke das nicht. Stell dir dieses Szenario mal vor. Der Mann klingelte bei seinem Opfer. Sie öffnet, sieht ihn mit Rucksack und Eimer dort stehen. Nach der Tat verlässt er die Wohnung mit einem Eimer voller Blut, das am helllichten Tag. Was, wenn ihn jemand sieht? Alles Spinnerei von mir, weil ich mir nicht erklären kann, was er damit macht. Wegkippen? Nur warum dann nicht in der Wohnung? Aufheben? Für was? Blut stinkt.“

„Ein Kranker, der Vampir spielt, siehe die Bisse.“

„Vampire trinken kein altes, abgestandenes, übel riechendes Blut. War das in dem Thriller so?“

„Nein, der hat das Zeug ins Klo gekippt. Ihn erregte es, wenn es langsam rauslief. Dabei machte er sich mehrmals über sie her. Der Kerl hat die Frauen erst, nachdem sie tot waren, angemalt. Also keine Parallelen.“

„Schade. Wäre einfacher gewesen. Wann lief der Film?“

„Vor ein paar Monaten.“

„Besorg uns den trotzdem.“

Die Kollegen saßen bereits im Besprechungszimmer, als er mit einigen Akten den Raum betrat.

„Es gibt viel Arbeit. Beginne ich mit den Unterlagen, die uns gestern Doktor Jahn übergab. Vergewaltigungen. Es sind acht seit Oktober“, schob er den Stapel bis auf drei Hefter in die Mitte.

„Das erste Opfer Sophia Helmer, 32, Krankenschwester. Sie wurde nicht vergewaltigt, sondern nur betatscht. Der Täter besorgte es sich dabei selbst, danach sollte sie es ihm oral besorgen. Sie konnte sich befreien, rannte, ihn als perverses Schwein bezeichnend, weg, stellte Anzeige.

Knapp vier Wochen später, November. Carla Sieger, 22, Studentin, wurde vergewaltigt. Er war ihr eine Weile gefolgt, nur da überall Leute waren, konnte er nicht zuschlagen. Sie geht in das Haus, wo eine Freundin wohnte. Er hinterher, hält sie von hinten umfasst, die Hand auf dem Mund, drängt sie in den Keller und vergewaltigte sie oral.

Januar - Petra Globe, 29, Verkäuferin. Sie erwischt es auf dem Parkplatz des Supermarktes, wo sie arbeitet. Die Kollegen fuhren weg. Den Mann sah vorher niemand. Der riss die Tür auf, da hatte sie den Wagen bereits angelassen. Er vergewaltigte sie oral und vaginal.

Februar. Monika Wagner, 38, Sachbearbeiterin. Sie kam vom Kinobesuch nach Hause, trennte sich von zwei Freundinnen, wenige Meter vor der Haustür. Der Mann wartete hinter Sträuchern, welche die Wohnblocks umsäumen, behauptete sie. Vergewaltigung vaginal und oral.

Nur eine Woche später. Katrin Allert, 19, Schülerin. Sie geht am Freitagabend von der Disco die letzten paar Meter durch eine kleine Grünanlage. Dabei benutzte der Täter das erste Mal ein Taschenmesser, hielt ihr das an den Hals. Es folgte Oralverkehr. Da sie in der Handballmannschaft spielt, wehrte sie sich, schrie, haute ihm das Knie zwischen die Beine, als er sie noch mal vaginal vergewaltigen wollte. Sie konnte schreiend fliehen. Es gibt ein älteres Ehepaar, die das hörten, den Mann weglaufen sahen, während sie dem Mädchen zurief, sie solle reinkommen. Der Mann rief die Polizei, die Dame kochte ihr heißen Kakao.

März. Anke Schulz, 28, Floristin, kam von einem Theaterbesuch nach Hause. Die Freundin setzte sie fast vor dem Haus ab, wendete, fuhr davon. Der Ehemann schaute oben aus dem Fenster, winkte. Der Kerl kriegt sie, an der Haustür zu fassen. Messer an den Hals zerrte er sie nach hinten, vergewaltigte sie oral. Der Ehemann findet sie zwei, drei Minuten später, da er sie suchte, weil sie nicht hochkam. Er dachte erst, sie snakt wieder mit Frau Mewer, die Parterre wohnt. Nach Zeugenaussagen dauerte der Spuk maximal acht bis zehn Minuten.

Zwei Wochen darauf. Barbara Schmitt, 25, Studentin. Dieses Mal der Park. Sie wurde erst von einer Streife, die da gegen Mitternacht patrouillierten, völlig apathisch entdeckt. Sie ist wohl heute noch in psychiatrischer Behandlung, hat das Studium unterbrochen. Vergewaltigung zweimal oral und dazwischen einmal vaginal.

Der letzte Fall im April. Mia Seefeld, 17, Schülerin. Sie telefonierte mit der Freundin, von der sie sich kurz vorher getrennt hatte. Die saß in der U-Bahn, hörte sie schreien, rief die Polizei. Die ist schätzungsweise sieben, acht Minuten später vor Ort, findet sie im Gebüsch. Sie ist schwer verletzt, da er nach der Vergewaltigung mehrmals auf sie einstach, so unter anderen in den Hals. Mutmaßung, dass sie ihn vielleicht biss. Sie weiß es nicht mehr. Alle Frauen sagten übereinstimmend, nein, er benutzte keine Kondome beim Oralverkehr, auch nicht beim Vaginal-Sex. Sie haben bei allen Opfern seine DNA festgestellt, daher bekannt, es ist der gleiche Täter. Nein, ihn gibt es nicht in der Datenbank.

Es gibt von allen Täterbeschreibungen. Sie unterscheiden sich nur in zwei Punkten. Bei zwei Frauen ist er Ausländer mit dunklen Haaren. Bei den restlichen Frauen heißt es deutscher mit dunkelblonden Haaren. Er ist zwischen 175 bis 180, schlank, kurze Haare, große Nase. Die ist allen aufgefallen, auch bei den Ausländern. Er ist Raucher, da er nach Qualm stank. Linkshänder, trägt auf der Handrücken oder falls es jemand nicht versteht, Uwe, Handoberfläche eine Tätowierung. Was, weiß niemand. Die Krankenschwester sagte aus, es sah aus, als wenn es das Ende einer Schlange oder eines Reptils wäre. Kleidung: Jeans, weiße Turnschuhe mit drei Streifen in einem Neongrün. Dunkle Jacke aus glattem Material. Auch da die Aussage von Frau Helmer: Kennen Sie diese Bomberjacken, die früher immer die Spinner trugen? So sah die aus. Frau Helmer und das ältere Ehepaar sagten aus, er trug einen dunklen Rucksack mit etwas Weißem darauf. Die Krankenschwester hat kurz darauf einen Wagen wegfahren hören, zuvor jedoch einen Ton, als er den öffnete. Das Ehepaar sagte etwas Ähnliches. Erst machte es zweimal so ein komisches Geräusch, dann startete ein Diesel. Davon war er fest überzeugt. Gesehen hat das Fahrzeug niemand. Er sprach deutsch ohne Dialekt; bei den Ausländern türkisch oder russisch.“

„Sehen die Frauen gleich aus? Da liegen ja über zwanzig Jahre dazwischen.“

„Sven aussehen nicht, aber alle sind etwas füllig, selbst die Handballerin. Ich vermute, ist ihm egal, Hauptsache Frau, da er es benötigt.“

„Typ ohne Frau. Wie soll man den Irren finden?“, fragte Bircan.

„Indem man Tätowierungsstudios aufsucht. Katja und Uwe, das sind eure Fälle. Ihr redet nochmals mit allen Opfern, den Freunden und so weiter. Herr Schulze zum Beispiel stand in der dritten Etage am Fenster. Eine sehr ruhige Wohngegend, mit ein, Zwei-Familien-Häusern. Es ist das einzige Haus, das drei Etagen hat. Ein fremder Wagen fällt auf, den hört man nachts. Uns interessiert besonders dieses Tattoo. Frau Helmer soll hier erscheinen, da wir ein Phantombild von dem Tattoo benötigen. Das gebt ihr Bircan, da er in den Studios nachfragt. Bircan, du koordinierst das. Lies die Akten nochmals durch, falls ich etwas übersehen habe. In drei Fällen haben die Kollegen sehr umfangreich, gezielt und gründlich ermittelt und recherchiert. Ich habe die Akten gekennzeichnet, da ihr die zum Schluss durcharbeitet. Daran liegen bereits Phantombilder. Arbeite zur Abwechslung einmal ordentlich, zügig ohne langes dusseliges Palaver, Tratschen im ganzen Haus. Ich erwarte Ergebnisse. Sven – Dürr. Bircan, der Staatsanwalt wartet auf die restliche Akte Hervold.“

„Passierten die Taten alle in einem Umkreis?“

„Katja, nein. Quer durch Hamburg. Wie weit bist du mit den Einbrüchen? Wir wollen endlich Ergebnisse und keinen weiteren Toten.“

„Eigentlich nichts Neues.“

„Nein? Bring mir nachher alles, was du in den letzten Tagen zusammengetragen habt. Du warst ja permanent auf Achse.“

„Martin, zu diesem Autogeräusch. Mein Schwager fährt einen Cherokee. Drückt er auf den Schlüssel, da macht der zweimal so ein komisches Plop-Plop. Tonlage nicht hoch, nicht tief. Mittelmäßig.“

„Sven, machen wir Folgendes, du nimmst das einige Male auf. Ist es ein Diesel?“

„Ja.“

„Dazu noch wie er startet, losfährt. Bircan, du mit deinem Passat und ich ebenso. Wer hat sonst noch einen Diesel?“

„Meine Eltern, einen neuen BMW3, also den SUV.“

„Katja, dann du bitte auch. Falls noch jemand einen kennt, bitte weitere Autos. Spielen wir Frau Helmer und dem Ehepaar Ziller das vor. Eventuell ergibt sich daraus etwas.“

„Frode, was hast für ein Auto?“, fragte Katja, grinste dabei Uwe an.

„Einen Hybrid Volvo“, antwortete Uwe sofort. „Der sieht ganz neu aus und hat innen allen Schnickschnack.“

Martin guckte den Kollegen scharf an. „Hat dir Frode alles gezeigt?“

„Ich schaute mir das Auto an. Was kostet so etwas?“

„Sollen wir direkt danebenstehen?“, erkundigte sich Gerd fix, da er den Gesichtsausdruck von Martin richtig interpretierte. Er würde gleich ein Donnerwetter loslassen. Uwe war teilweise dusselig.

„Nein. Einige Meter weg oder erste Etage. Öffnen mit dem Schlüssel, starten, kurz anfahren. Zwei-dreimal hintereinander aufnehmen. Sie können uns das in der KT mischen und auf ein Band überspielen. Doktor Sprengler fährt ebenfalls einen Diesel. Sebastian auch. Spreche ich an. Gebt die Aufnahmen Uwe und Katja. Uwe, deine Dreistigkeit – infam. Du bist wirklich das Letzte. Nun zu unserem neuen Fall. Ben, du darfst erzählen.“

„Uwe, sag diesen Heuchlern, Lügnern, dass er direkt neben deinem Auto parkte und du dir den anschautest, obwohl du nichts wusstest, dass es Frodes ist. Das sagte dir erst Lukas einen Tag darauf, da der Wagen dir gefällt. Gut das die netten Kollegen alles vorher wissen, dich auf die liebe Art beleidigen, verleumden. Er berichtete nun, was sie vorgefunden hatten.

„Wie, der nimmt das Blut mit? Ein Vampir“, lästerte Ralf, der Neuzugang und der Jüngste im Team.

„Genau den Mann suchen wir. Es gab vorher zwei weitere Fälle, die vermutlich von dem gleichen Täter verübt wurden. Die Akten bekommen wir nachher. Ben und Frode übernehmen das von heute. Gerd und Ralf, das Ältere. Ihr lest das durch, befragt nochmals die Leute, dazu kommen eventuell neue Denkanstöße. Wie immer müssen wir ergründen, ob die Opfer eine Gemeinsamkeit verband.“

„Martin, kann es sein, dass es bei dem Typen mit den Vergewaltigungen begonnen hat?“

„Gerd, auf den Trichter bin ich vorhin gekommen. Bei mir war der Auslöser das Taschenmessen. Bei dir?“

Er strich sich über seine Glatze, blickte nachdenklich. „Dito und weil du sagtest, der Vergewaltiger wurde mit jeder Tat brutaler.“

„Momentan können wir das nicht beweisen, da der Vampir nie Spuren hinterlässt.“

„Wie vögelt der denn?“

„Bitte, Ralf. Ohne jegliche Spuren zu hinterlassen. Ein Gegensatz zu dem Vergewaltiger. Der Vergewaltigungstäter hinterließ jedes Mal viele Spuren, DNA-Material und Fingerabdrücke.“

„Martin, dabei gibt es doch nicht nur Sperma, sondern andere Dinge. Hautpartikel, Schamhaare.“

„Wurde nichts entdeckt. Fand ich dito merkwürdig. Vielleicht hat er anders Sex, als wir Normalos oder er hat keine Schamhaare, cremt die Haut im Genitalienbereich vorher ein.“

„Leistungsschwimmer oder dergleichen, da sie jegliche Haare abrasieren, beziehungsweise entfernen, da sie so eine hundertstel Sekunde noch herausholen. Gut gecremt sind sie generell.“

„Jemand, der mordet, um Blut zubekommen, kann das auch mitnehmen, da er generell nicht normal ist“, stellte Bircan fest. „Wir trinken abends ein Bier oder ein Glas Wein, der Typ ein Glas Blut.“

„Würde deine Verena vermutlich weglaufen.“

„Bestimmt. Mit Blut hat sie ja tagsüber zu tun, davon will sie abends gewiss nichts hören. Aber sie hat ja mich und ich lenke sie immer brav ab“, grinste er. „Wir suchen jetzt eine 4-Zimmer-Wohnung. Hat wer eine?“

„Bei uns im Haus wird eine frei, aber ist Parterre.“

„Kein Parterre. Kannst du die nicht aus der vierten Etage runterschicken?“

„Witzbold.“

„Gerd, deine Wohnung ist echt cool, mit der offenen Küche und so. Genau, was wir suchen.“

„Willst du heiraten?“

„Ralf, nie, nur zusammenwohnen. Endlich kocht jemand abends. Wer heiratet heute noch? Da sind wir uns einig, da Verena das auch nicht möchte. Ihre Eltern ließen sich vor 17 Jahren scheiden. Nun leben sie seit 16 Jahren so zusammen und es funktioniert. Egal. Warum nimmt er das Blut mit? Das beschäftigt mich viel mehr. Kann man das an den Mann bringen?“

„Bircan, was kriegst du für einen Liter Blut? Peanuts. Aber recht hast du, was kann man damit anstellen?“

„Vielleicht kriegt er einen Orgasmus dabei, wenn er das sieht?“

„Martin, du scherzt, oder?“

„Ralf, wenn du so viele Jahre wie wir auf den Buckel hast, hörst du von den abartigsten Gelüsten bei irgendwelchen Tätern, Opfern, Zeugen. In einem Bordell hatten sie einen Mann, der nur konnte, wenn eine der Frauen ihre Periode hatte. Ein anderer Mann nur, wenn sie etwas streng nach Schweiß roch. Die Kollegen hatten zwei Schülerinnen, die verschickten gegen viel Geld billige getragene Unterwäsche. Ein Mann stellte Anzeige, weil drei Slips fast gleich rochen. Er empfand das als Betrug. Die Mädels haben damit richtig viel Geld verdient, konnten deswegen später ohne BAföG studieren. Warum sich also nicht am Blut aufgeilen? Wird das alt, stinkt, muss eben Frisches her.“

„Gerd hat recht. Genug spekuliert. Wir arbeiten die Akten durch, befragen Leute und reden danach. Bircan und ich forschen vorher, was man darüber im Internet findet. Bircan, du nimmst dir das Blut vor, ich alte Kriminalfälle. Frode, wir wollen von allen Sportlern, hier aus den Leistungszentren, die komplett rasiert sind, DNA-Material und Fingerabdrücke. Ben, du begleitest ihn. Danach durchleuchtet, wo das Opfer anschaffte, fragt nach Abartigen, Fetischisten, SM, Stalkern und so. Ben, vorher beschaff uns so schnell wie möglich die Akten. Danke!“

„Martin, so etwas gibt es doch nicht, oder?“

„Doch - gibt es. Für manche Menschen hat Blut eine ganz besondere Anziehungskraft. Der Reiz besteht unter anderem darin, zu wissen, dass es Blut ist, kein Ketchup oder was weiß ich. Nur selten bezieht sich der Fetisch auf Menstrualblut, denn meist zelebrieren Blutfetischisten mit Genuss auch das Schneiden oder wenn sie geschnitten werden, habe ich mal gehört. Die mitunter zurückbleibenden Narben werden von den meisten nicht als störend, sondern eher als erotisch empfunden. Die Nähe und das Vertrauen, welche dafür nötig sind, machen den benötigten Kick aus, soll angeblich auch die Partnerschaft binden. Das wird häufig als tiefe Verbindung empfunden. Viele reizt schon der pure Anblick von Blut, das aus einer Wunde und über die Haut läuft.“

„Das würde zu dem Mörder passen.“

„Es gibt da noch Unterschiede zwischen Vampirismus, also die Gier nach Blut und Blutsucht. Das muss nicht zwangsläufig etwas mit Sex zu tun haben.“ Martin stand auf. „Finden wir ihn schnellstens, da Mord für seine Gelüste zu weit geht.“

„Wie haben wir gestern geschossen?“

„Ach, habe ich vergessen. Der Beste mit Abstand – Frode. Die Schlechtesten - Katja. Uwe und Ralf. Die anderen normal gut. Katja, Uwe, Ralf, ich vereinbare für euch Termine, da ihr schon sträflich miserabel seid. Bei Uwe wird das trotzdem nicht helfen, da zu dusselig. Eben in allem eine Niete. Bei euch läuft jeder Täter weg, obwohl ihr ein Magazin leer geballert habt. Nun geht es an die Arbeit.“

„Wie war es denn bei dir?“

Alle lachten.

„Ralf, er schießt so gut wie Frode. 100 Prozent. Sie können das sogar mit verbundenen Augen. Er war mal spaßeshalber im Turm, durfte dort eine Woche mitmachen.“

„Cool! Kann das jeder?“

„Nein! Du generell nicht, weil du zu unsportlich bist“, Martin beim Hinausgehen. „Weniger Hamburger helfen da.“

„Martin hat recht. Dazu musst du mehr als topfit sein. Ich kenne nur zwei Männer, die das jemals durften und souverän bewältigten.“

„Was macht der andere heute?“

„Ralf, Kai wurde ermordet. Leider! Ein ganz feiner Kerl. Ehrlich gesagt, ich vermisse ihn bisweilen.“

„Ja, Herr Razioni war wie Martin auch genau so fit wie wir. Es war auch bei uns ein riesiger Schock, da wir ihn ausnahmslos sehr mochten. Es trifft leider immer die Falschen.“

„Genug! Arbeit wartet“, Martin von der Tür her, dachte dabei an Kai. Wie hatte er sich seinerzeit über diese Woche im Turm gefreut. Endlich kann ich mal feststellen, wo meine Grenzen wirklich sind und wie mies ich abschneiden werde. Das Gegenteil war der Fall gewesen. Sie hatten beide alles mit Bravour durchgehalten, auch wenn sie dabei Grenzen überschreiten mussten, der Körper abends streikte, da er nur seine Ruhe wollte. Er seufzte leise, schloss die Tür, dachte, er fehlt auch mir.

Katja kam herein und er guckte sie fragend an. „Wo sind die Unterlagen?“

„Da war nichts weiter. Keiner wusste etwas oder so.“

„Aha! Die Protokolle darüber und Bänder sind wo?“

„Habe ich nichts. Was soll ich da aufnehmen.“

„Belüg mich nicht noch. Du hast also nichts erledigt. Wo warst du da immer?“

„Martin, so war das nicht, nur ich muss auch mal abschalten. Ich hatte vorige Woche Spätdienst, war müde.“

„Das hat ein Nachspiel. Die Fehlstunden melde ich. Gibt es noch einen Toten, weil du lieber pennst, hast du ein ganz großes Problem. Du solltest dir gründlich deine Berufswahl überlegen, obwohl zwanzig Jahre zu spät. Versuche, deine Faulheit zu besiegen, bevor du auf der Straße sitzt.“

Mittags bekam er die Akten der Todesopfer des sogenannten Vampirs, wie er den Täter taufte. Gleich las er.

Hannah Scheffler, 22 Jahre alt, Kunststudentin, ledig. Sie galt als zurückhaltend. Freunde hatten sich gewundert, dass sie einen Fremden die Tür geöffnet haben sollte. Aber so war es, da es keinerlei Einbruchspuren gab. Sie hatten nichts in der Wohnung von dem Täter festgestellt. Wirklich nichts! Es fehlte auch nichts.

Dorothea Stadler, 39, Galeristin aus München. Sie war für einige Tage in Hamburg, wohnte in einer kleinen Pension. Ein völlig anderer Typ wie Hannah, nicht nur vom Aussehen her. Münchner Freunde hatte ausgesagt, nach ihrer Scheidung vor 12 Jahren, nahm sie überwiegend jüngere Männer mit. Oftmals nur für eine Nacht. Zuweilen kannte sie nicht einmal die Namen. Wie der Täter in die Pension kam, da man dort klingeln musste, unbekannt. Ob sie ihn mitbrachte – unbekannt. Da man einiges an Spurenmaterial fand, ungewiss ob etwas vom Täter dabei war. Wenn ja, dann war der ein unbeschriebenes Blatt. Wie hatte er das Blut aus der Pension geschafft? Der Täter spazierte jedes Mal mit einem Eimer Blut durchs Treppenhaus, am helllichten Tag aus dem Haus, eventuell ein Stück die Straße entlang.

Und nun also Susanne Binter, 23 Jahre alt, Prostituierte, ledig. Er legte die Akten Gerd auf den Schreibtisch.

„Gerd erkunde, wer alles vorher in dem Zimmer dieser Pension war, und lass dir DNA-Material geben.“

„Das wäre ja der Hammer, wenn es da etwas gebe.“

„Abwarten! Ich denke eher – negativ.“

„Martin, du bist zeitweilig ein nerviger Pessimist.“

„Werde ich weniger enttäuscht“, schmunzelte er.

Er kam abends erst nach 20.00 Uhr nach Hause. Kristin sprengte gerade den Garten. Er gab ihr einen flüchtigen Kuss, nahm ihr den Schlauch weg. „Ruhe dich aus.“

„Wir können gleich essen.“

„Fünfzehn Minuten, da ich erst Duschen möchte. Keine Hetze, da ich die tagsüber habe. Setz dich, ich decke den Tisch und so weiter. Du wirst ja nicht verhungern.“

„Wir müssen reden.“

„Nach dem Essen. Kristin, keinen Stress noch am Abend. Alles peu á peu. Wir reden ja, aber nach dem Essen, ganz entspannt.“

Er blickte ihr nach. Als sie die schräg einfallende Sonne genau hinter sich hatte, war sie für einen Moment eine strahlende Silhouette. Wie Honig umfloss die späte Abendsonne ihre Gestalt. Er fand es faszinierend. Begierde durchströmte seinen Körper. Sie drehte sich um, musterte ihn und sie spürte seine ungeheure Aura, seine Anziehungskraft heute besonders. Sie sahen sich an und beide wollten das Gleiche. Er drehte das Wasser ab, folgte ihr ins Haus und dann war jeder kleine Disput, das Essen, der Alltagsstress vergessen. Sie wurden einfach von der Woge der Leidenschaft fortgerissen.

Als sie viel später über ihren Alltag sprachen, verlief das Gespräch völlig entspannt und Martin siegte einmal mehr, da er wie meistens die besseren Argumente aufzählte. Sie würde zu ihm ziehen. Auch das besiegelten sie mit einigen leidenschaftlichen Stunden.

Titel

Bircan berichtete morgens, dass man über das Thema eigentlich nicht viel im Internet fand.

„Die besondere Nähe und das Vertrauen, das dafür nötig ist, machen den besonderen Reiz dieser Abartigkeit aus. Eine Gefahr besteht jedoch nicht, da es den Blutfetischisten nicht um die Menge des Blutes geht. Das gesamte Prozedere wird häufig als besondere Verbindung oder Zuneigung unter den Spinnern angesehen. Sie vertrauen da dem Partner, dass der sie nicht ausbluten lässt. Blödsinn, da ich ja merke, wenn ich allmählich abbauen, mir schwindelig und so wird. Viele reizt schon der pure Anblick von Blut. Sie schnippeln da an sich herum oder bei anderen, nur damit es blutet. Völlig irre! Einen Blutregen, wie er in manchen blutfetischistischen Bildern zu sehen ist, gibt es nicht. Alles nur Spinnerei. In Kunst und Kultur findet sich diese Perversität sowohl in der Fotografie wie auch in Büchern und Filmen. Hier wirkt die pure Vorstellung echten Blutes als Reiz. Hauptsache Blut. Wahrscheinlich doch Ketchup, aber die Dösbaddel glauben es. Über Blutfetischismus findet man nur wenig, aber die Dunkelziffer soll groß sein, schreiben sie. In verschiedenen Foren sind nur Spinner von beiden Seiten vertreten. Kann man alles vergessen. Ich habe gestern die Studios abgeklappert. Erfolglos! Sie zeigten mir zig Viecher, auf welche das Schwanzende zutreffen könnten und direkt an eine Person, die das so tätowiert hatte, konnte sich niemand erinnern. Die meisten lassen sich Art Viecher eher auf die Oberarme stechen.“

„Es gab in Deutschland ansonsten in den letzten zehn Jahren keine vergleichbaren Fälle, außer die wir kennen. Eine Frau, welche Suizid beging, hatte eine Schüssel hingestellt, damit das Blut dort hineinlaufen konnte, weil sie anscheinend Sorge um den Teppich hatte. Also müssen wir alles allein herausfinden“, fügte Martin hinzu.

Ben und Frode berichteten von den vielen Befragungen, aber etwas Sachdienliches war nicht dabei herausgekommen. In der Bar, wo sie anschaffte, sprach man nur positiv über sie. Da es ein etwas teurerer Schuppen war, passte man wirklich auf die Mädchen auf, warf Freier, die betrunken waren, pöbelten, sich danebenbenahmen, raus. Nein, sie wussten nichts von einem Stalker, Verehrer oder dergleichen. Alle Männer gaben sofort eine DNA-Probe ab, auch vier Gäste, die bereits anwesend waren.

Frode nun über die Leistungssportler. Es gab nur Ärger, da sich alle beschweren wollten, bis auf wenige Ausnahmen. Die Trainer erzählten, sie kämpften für Deutschland und keiner müssten sich so ein Vorgehen seitens der Polizei gefallen lassen. DNA-Proben gaben trotzdem alle ab, damit man sie nicht weiter belästige und verunglimpfe.

„Sind das teilweise Mimosen. Die musst du mit Samthandschuhen anfassen“, schüttelte Ben den Kopf.

Gerd las vor, was sie über Hannah Scheffler herausgefunden hatten.

„Sie war 22 Jahre alt, Kunststudentin, ledig. Alle beschreiben sie als introvertiert. Sie ging auf Fremde selten zu, sprach eigentlich nie eine oder einen Fremden an. Alle sagten felsenfest davon überzeugt, sie muss den Täter gekannt haben, sonst hätte sie nie die Tür geöffnet.

Ralf berichtete von der Münchnerin: „Dorothea Stadler, 39, Galeristin aus München. Sie war für einige Tage in Hamburg. Sie war das genaue Gegenteil von Opfer eins, da sie gern junge Männer abschleppte. Die Münchner haben alle ehemaligen Lover, Freunde und so überprüft, aber keiner war in Hamburg.“

Nichts Neues also. Hatte er auch nicht wirklich erwartet.

Ben brachte ihm am Nachmittag den Film. „Wie sind sie dem Mörder eigentlich auf die Spur gekommen?“

„Seine Freundin hat ihn verpfiffen, weil sie wiederholt seine blutigen Klamotten waschen sollte. Erst glaubte sie noch seinen Ausreden, dann tickte es durch, zumal er immer öfter Erektionsprobleme hatte.“

„Wie lange ging das denn?“, fragte Martin entsetzt.

„Zwei Jahre oder so. Ich glaube, es waren achtzehn Frauen, die er ermordete.“

„Na toll!“