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Stephanie Laurens

Ein unmoralischer Handel

Roman

Aus dem Amerikanischen
von Sigrun Zülke

Buch
Seit elf Jahren verwaltet Alathea Morwellon das Familienvermögen für ihren gutmütigen Vater, der ein wenig erfolgreicher Geschäftsmann ist. Nun hat sie den Verdacht, dass ihr Vater betrogen wird, aber sie weiß nicht, wer hinter der Sache steckt. Und es gibt nur eine Person, die ihr bei der Entdeckung des Täters helfen kann: Gabriel Cynster, ihr Freund aus Kindertagen. Aber er soll nicht wissen, dass sie es ist, die ihn um Hilfe bittet. Mit einem Schleier verhüllt, trifft sie ihn deshalb im Geheimen. Als er zusagt, ihr beizustehen, ist sie entzückt, doch als er als Lohn für jede Information, die er ihr bietet, einen Kuss fordert – ist sie verloren. Alathea braucht Gabriels Unterstützung, aber sie möchte sich niemals mit dem stadtbekannten Schürzenjäger einlassen. Doch schließlich kann sie sich seiner männlichen Anziehungskraft nicht mehr entziehen …

Autorin
Stephanie Laurens begann zu schreiben, um etwas Farbe in ihren trockenen wissenschaftlichen Alltag zu bringen. Ihre Bücher wurden bald so beliebt, dass sie aus ihrem Hobby den Beruf machte. Sie gehört zu den meistgelesenen und populärsten Liebesroman-Autorinnen der Welt. Stephanie Laurens lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern in einem Vorort von Melbourne/Australien.

Prolog
17. April 1820, Morwellan Park, Somerset
Die Katastrophe starrte ihr ins Gesicht.
Schon wieder.
Alathea Morwellan saß an ihrem Schreibtisch in der Bibliothek von Morwellan Park und betrachtete den Brief in ihren Händen; die saubere Schrift ihres Finanzagenten verschwamm ihr vor den Augen. Doch die Kernaussage des Schreibens hatte sich tief in ihr Gedächtnis eingebrannt. Der letzte Absatz lautete:
»Leider muss ich Ihre Befürchtungen teilen, meine Liebe. Ich kann keinerlei Anhaltspunkte finden, dass wir uns irren könnten.«
Kein Irrtum. Sie hatte es vermutet, ja, im Grunde sogar erwartet, und dennoch …
Seufzend ließ Alathea den Brief sinken. Ihre Hand zitterte. Kinderlachen drang von draußen herein, getragen von der sanften Brise, die durch die hohen Fenster heranwehte. Sie hielt kurz inne, erhob sich und trat an die offenen Terrassentüren, die auf den Garten hinausgingen.
Auf der sanft abfallenden Rasenfläche, die sich zwischen der Terrasse und dem kleinen Zierteich erstreckte, tummelten sich ihre Stiefbrüder und Stiefschwestern bei einem übermütigen Spiel. Sonnenlicht fiel auf einen blonden Schopf – Alatheas ältester Stiefbruder Charlie sprang hoch und schnappte sich den Ball aus der Luft, bevor Jeremy – erst zehn, aber immer mittendrin – ihn erreichen konnte. Trotz seiner allmählich zutage tretenden Eleganz beteiligte sich der neunzehnjährige Charles gutmütig an dem Spiel, um seinen Geschwistern, seinem Bruder Jeremy und der gerade erst sechs gewordenen Augusta, einen Gefallen zu tun. Die beiden älteren Schwestern, Mary, achtzehn, und Alice, siebzehn, hatten sich ihnen ebenfalls angeschlossen.
Der ganze Haushalt war mitten in den Vorbereitungen zur Abreise nach London, wo Mary und Alice in die Gesellschaft eingeführt werden sollten. Dessen ungeachtet stürzten sich die beiden Mädchen in das Spiel, dass ihnen die Ringellöckchen nur so um die unschuldigen Gesichter hüpften; auch eine ernste Angelegenheit wie ihr Debüt vermochte ihre Freude an solch schlichten Vergnügungen nicht zu trüben.
Mit einem Triumphschrei warf Charlie den Ball weit nach oben – er flog über die Köpfe der drei Mädchen hinweg, prallte an der Hauswand ab, kam auf den Platten des Gehwegs auf, sprang sogar noch höher und flog die flachen Stufen hinauf, um schließlich auf der Terrasse zu landen. Nach zwei matten Hüpfern purzelte der Ball über die Schwelle der Bibliothek und rollte nun langsam über das glänzende Parkett. Alathea raffte ihren Rock und hielt den Ball mit der Fußspitze an. Sie betrachtete ihn kurz und sah dann auf, denn da rannten Mary und Alice schon atemlos vor Lachen auf die Terrasse zu. Alathea bückte sich, hob den Ball auf, balancierte ihn auf der Handfläche und schlenderte hinaus auf die Terrasse.
Mary und Alice kamen schlitternd am Fuß der Treppe zum Stehen; sie lachten und strahlten über das ganze Gesicht.
»Zu mir, Allie, zu mir.«
»Nein! A-la-the-a! Liebste Allie – zu mir!«
Alathea wartete, als wöge sie ihre Entscheidung noch ab, während die kleine Augusta, weit abgeschlagen, japsend herankam. Sie blieb einige Schritte hinter den älteren Mädchen stehen und wandte Alathea dann ihr Engelsgesichtchen zu.
Mit einem breiten Grinsen warf Alathea den Ball in hohem Bogen über die Köpfe der Mädchen hinweg – sie verfolgten seine Flugbahn mit offenem Mund. Glucksend vor Freude stürzte sich Augusta auf den Ball, riss ihn an sich und rannte mit ihrer Beute den Hang hinunter.
Mary bedachte Alathea mit einem verschwörerischen Lächeln und rief etwas hinter Augusta her, Alice stimmte fröhlich ein, und dann machten sich beide an die Verfolgung.
Alathea blieb auf der Terrasse stehen und genoss die Wärme des strahlenden Sonnenlichts. Eine Bewegung unter der großen Eiche erregte ihre Aufmerksamkeit. Ihre Stiefmutter Serena und ihr Vater, der Graf, winkten ihr von der Bank zu, von der aus sie nachsichtig dem Spiel ihrer Kinder zuschauten.
Lächelnd winkte Alathea zurück. Sie warf noch einen Blick auf ihre Stiefgeschwister, die in einer wilden Jagd zum Teich hinunterliefen, stieß einen tiefen Seufzer aus und kehrte mit zusammengepressten Lippen in die Bibliothek zurück.
Während sie das Zimmer durchschritt, ließ sie den Blick über die prächtigen Stofftapeten schweifen, über die Gemälde in den vergoldeten Rahmen, über die Reihen der ledergebundenen, reich mit Gold verzierten Buchrücken in den Regalen. Morwellan Park, Hauptsitz der Grafen von Meredith, war bekannt für seine umfangreiche Bibliothek. Seit Jahrhunderten lebten Morwellans auf diesem Land, lange vor der Gründung der Grafschaft im 15. Jahrhundert. Das derzeitige elegante Haus hatte ihr Großvater erbaut, die Gärten waren unter seinem gestrengen Auge fachkundig angelegt worden.
Als sie den mit Schnitzereien verzierten Schreibtisch erreichte, der in den letzten elf Jahren der ihre geworden war, betrachtete Alathea den in der Mappe liegenden Brief. Sie würde nicht zusammenbrechen angesichts des drohenden Unheils, das der Brief ankündigte. Nichts – und niemand – würde den schlichten Frieden ihrer Familie stören, dessen Sicherung sie die vergangenen elf Jahre ihres Lebens gewidmet hatte.
Während sie erneut Wiggs’ Brief überflog, wurde ihr die Ungeheuerlichkeit dessen bewusst, was ihr bevorstand. Sie war zu praktisch veranlagt, um die Schwierigkeiten und Gefahren zu verkennen. Außerdem war es nicht das erste Mal, dass sie am Rande eines Abgrundes stand, den finanziellen und gesellschaftlichen Ruin vor Augen.
Sie nahm den Brief, setzte sich und las ihn noch einmal durch. Er war die Antwort auf ihr dringliches Schreiben, das sie vor drei Tagen per Eilpost nach London gesandt hatte. Vor drei Tagen, als ihre Welt zum zweiten Mal in ihrem Leben in ihren Grundfesten erschüttert worden war.
Beim Staubwischen im Schlafzimmer ihres Vaters hatte ein Dienstmädchen das Dokument in einer Vase entdeckt. Zum Glück war das Mädchen so klug gewesen, das Papier Mrs Figgs, der Haushälterin und Köchin, auszuhändigen, die damit unverzüglich in die Bibliothek geeilt war, um es ihr vorzulegen.
Nachdem sie sich vergewissert hatte, nichts in Wiggs’ Schreiben übersehen zu haben, legte Alathea den Brief beiseite. Ihr Blick wanderte zur linken Schreibtischschublade, in der sich das unheilvolle Dokument befand. Ein Schuldschein. Sie musste ihn nicht noch einmal lesen – jedes noch so kleine Detail hatte sich ihr ins Gedächtnis eingebrannt. Der Wechsel verpflichtete den Grafen von Meredith, auf Abruf eine Summe zu bezahlen, die den gegenwärtigen Wert der Grafschaft bei weitem überstieg. Im Gegenzug sollte der Earl einen hübschen Anteil an den von der Central East Africa Gold Company erzielten Gewinnen erhalten.
Selbstverständlich wurde keinerlei Garantie gewährt, dass die Gesellschaft jemals solche Gewinne erzielen würde, und weder sie noch Wiggs noch irgendeiner seiner Kollegen hatte je von der Existenz einer Central East Africa Gold Company gehört.
Hätte es etwas genutzt, die Note zu verbrennen, sie hätte mit Freuden ein Feuer auf dem kostbaren Aubusson-Teppich entzündet, doch es war nur eine Kopie. Ihr gutmütiger, weichherziger, hoffnungslos lebensuntüchtiger Vater hatte, ohne auch nur zu ahnen, was er da tat, mit seiner Unterschrift die Zukunft seiner Familie aufs Spiel gesetzt. Wiggs hatte bestätigt, dass der Wechsel geltendem Recht entsprach und jederzeit eingelöst werden konnte, was den Bankrott der Familie bedeutete, sobald die festgesetzte Summe eingefordert wurde. Sie würden nicht nur die kleineren Ländereien und Morwellan House in London verlieren – es war ohnehin noch bis unters Dach mit Hypotheken belastet -, sondern auch Morwellan Park und alles, was dazugehörte.
Wenn sie dafür sorgen wollte, dass die Morwellans in Morwellan Park blieben, dass Charlie und seine Söhne das Heim ihrer Vorfahren unangetastet erbten, dass ihre Stiefschwestern ihre Einführung in die feine Gesellschaft feierten und Gelegenheit zu einer standesgemäßen Heirat bekämen, dann musste sie irgendeinen Ausweg aus dieser Katastrophe finden.
Wie sie es ja schon einmal getan hatte.
Während sie geistesabwesend den Stift immer wieder auf die Schreibunterlage tippte, starrte Alathea mit leerem Blick zum Porträt ihres Großvaters hinauf, der von der anderen Seite des Raumes auf sie herabsah.
Es war nicht das erste Mal, dass ihr Vater die Grafschaft an den Rand des Ruins gebracht hatte; schon einmal hatte sie sich von bitterster Armut bedroht gesehen. Für eine Dame von Stand, die sich zeit ihres Lebens nur in den feinsten Kreisen bewegt hatte, war diese Aussicht einfach grauenvoll gewesen – und hatte auch heute nichts von ihrem Schrecken verloren, schließlich lag dergleichen für sie eigentlich jenseits aller Vorstellungskraft. Bittere Armut war etwas, wovon sie nicht die leiseste Ahnung hatte – und sie verspürte auch nicht das geringste Bedürfnis, sich oder – was noch viel wichtiger war – ihre Stiefgeschwister in irgendeiner Weise mit diesem Thema näher vertraut zu machen.
Zumindest war sie dieses Mal erwachsener, erfahrener und somit besser gerüstet, der Herausforderung zu begegnen. Beim ersten Mal …
Ihre Gedanken wanderten zurück zu jenem Nachmittag vor elf Jahren, als das Schicksal sie unmittelbar vor ihrem Gesellschaftsdebüt gezwungen hatte, innezuhalten, tief Luft zu holen und ihrem Leben eine komplett andere Wende zu geben. Seit jenem Tag hatte sie die Bürde, welche die Verwaltung der finanziellen Angelegenheiten der Familie bedeutete, getragen, hatte unablässig dafür gearbeitet, das Vermögen der Familie wieder zu mehren und nach außen hin stets den Anschein von Wohlstand aufrechtzuerhalten. Sie hatte darauf bestanden, dass die Jungen nach Eton gingen und später nach Oxford; Charlie würde zum Wintersemester im September dort eintreten. Sie hatte geknausert und gespart, um Mary und Alice ihr Debüt in London zu ermöglichen und ausreichend Mittel zur Verfügung zu haben, um sie auch standesgemäß einzukleiden.
Der ganze Haushalt sah dem in wenigen Tagen bevorstehenden Umzug in die Stadt freudig entgegen. Sie selbst hatte sich bereits darauf gefreut, die Früchte ihres Erfolgs zu ernten, dem Schicksal ein Schnippchen geschlagen zu haben, wenn ihre Stiefschwestern dem ton, der feinen Gesellschaft, ihre Aufwartung machten.
Immer wieder hatte Alathea lange in diesem Raum gesessen, vor sich hin gestarrt, nachgedacht, Pläne geschmiedet – und sie wieder verworfen. Dieses Mal jedoch würde Sparsamkeit allein nicht ausreichen – eine solche Summe, wie in der Schuldverschreibung festgelegt, war selbst unter den allergrößten Einschränkungen nicht aufzubringen. Sie drehte sich um und zog die linke Schreibtischschublade auf, nahm das Dokument erneut zur Hand, überflog es ein weiteres Mal und durchdachte alles noch einmal sorgfältig. Sie erwog die überaus nahe liegende Möglichkeit, dass hinter der Central East Africa Gold Company ein groß angelegter Betrug stand.
Die Gesellschaft machte durchaus den Eindruck – kein seriöses Unternehmen hätte ihren offenkundig in geschäftlichen Angelegenheiten vollkommen ahnungslosen Vater dazu verleitet, eine derart gewaltige Summe für ein so unsicheres Geschäft zur Verfügung zu stellen – jedenfalls ganz sicher nicht, ohne vorher diskret zu überprüfen, ob er seinen Verpflichtungen überhaupt würde nachkommen können. Je länger sie darüber nachdachte, umso mehr war sie davon überzeugt, dass weder sie noch Wiggs irgendeinen Fehler gemacht hatten – die Central East Africa Gold Company musste ein Schwindel sein.
Sie war nicht im Mindesten geneigt, all das, wofür sie gekämpft hatte, all die Opfer, die sie in den letzten elf Jahren gebracht hatte – das gesamte Vermögen ihrer Familie -, kampflos preiszugeben und es einer Bande heimtückischer Schurken zu überlassen.
Es musste einen Ausweg geben – und es war an ihr, ihn zu finden.

1
London, 6. Mai 1820
Nebelschwaden umwehten Gabriel Cynsters Schultern, als er durch den Säulengang vor der St.-Georges-Kirche am Hanover Square schritt. Die Luft war kühl, die Dunkelheit unter den Säulen wurde nur hier und da vom schwachen Schein der Straßenlaternen durchbrochen.
Es war drei Uhr; das elegante London schlief. Die Kutschen, welche die letzten Nachtschwärmer noch nach Hause gebracht hatten, rumpelten längst nicht mehr durch die Straßen – eine tiefe, aber wachsame Stille hatte sich über die Stadt gelegt.
Als er das Ende des Säulengangs erreicht hatte, drehte Gabriel sich um. Mit zusammengekniffenen Augen suchte er den steinernen Tunnel ab, den die Kirche und die schmalen Säulen, die ihre Fassade stützten, bildeten. Der hin- und herwabernde Nebel beeinträchtigte die Sicht. Genau an demselben Platz hatte er vor einer Woche gestanden und Demon, einem seiner Cousins, nachgesehen, als dieser mit seiner frisch angetrauten Braut davonfuhr. Plötzlich war ihm ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen – eine Vorahnung, ein Vorgefühl, irgendetwas in der Art.
Um drei Uhr früh im Portikus von St. George – so hatte es auf dem Billett gestanden. Fast hätte er es schon weggeworfen, ein schlechter Scherz, ganz gewiss, doch etwas an den Zeilen hatte ihn gereizt, hatte etwas in ihm geweckt, das mehr war als reine Neugierde. Die Nachricht war aus purer Verzweiflung an ihn gesandt worden, auch wenn er bei Licht betrachtet nicht hätte sagen können, weshalb er sich dessen so sicher war. Die mysteriöse Gräfin, wer auch immer sie sein mochte, hatte in einfachen Worten unumwunden um dieses Treffen gebeten, damit sie ihm ihr Hilfegesuch persönlich darlegen konnte.
Also er war jetzt hier – doch wo war sie?
Gerade als ihm das durch den Kopf ging, begannen die Glocken der Stadt zu läuten, durchdrang der vielstimmige Widerhall die nächtliche Stille. Nicht alle Glockentürme schlugen auch zur Nachtzeit, doch es waren genug, um aus den unterschiedlichen Rhythmen von Hall und Widerhall ein seltsames Konzert in verschiedenen Tonlagen erstehen zu lassen. Dann wurden die gedämpften Laute allmählich leiser und verstummten. Stille senkte sich erneut herab.
Gabriel setzte sich wieder in Bewegung. Ungeduldig ging er leichten Schrittes langsam den Säulengang hinunter.
Und da trat sie aus den tiefen Schatten des Kirchenportals. Feuchter Nebel umwehte ihre Röcke, als sie sich langsam und majestätisch zu ihm umwandte. Sie trug Mantel und Schleier – so undurchdringlich, so verschwiegen und geheimnisvoll wie die Nacht.
Gabriel kniff die Augen etwas zusammen. War sie schon die ganze Zeit hier gewesen? War er an ihr vorübergegangen, ohne sie zu sehen oder ihre Gegenwart zu spüren? Er ging auf sie zu, wobei er seine Schritte nicht verlangsamte. Sie hob den Kopf, als er näher kam, wenn auch nur leicht.
Sie war sehr groß. Als er nur einen Schritt vor ihr stehen blieb, stellte Gabriel fest, dass er nicht über ihren Kopf hinwegsehen konnte, was ziemlich außergewöhnlich war. Er maß deutlich über eins achtzig, folglich musste die Gräfin ihrerseits diese Größe erreichen. Trotz ihres schweren Umhangs hatte ein Blick genügt, um sich zu versichern, dass diese eins achtzig perfekt proportioniert waren.
»Guten Morgen, Mr Cynster. Danke, dass Sie gekommen sind.«
Während er leicht den Kopf neigte, verwarf er jeglichen Gedanken, es könne sich hier um einen verrückten Streich oder um einen jungen Mann in Frauenkleidern handeln. Die wenigen Schritte, die sie vor seinen Augen gemacht, die Art und Weise, wie sie sich zu ihm umgewandt hatte – all das vermittelte seinen geübten Sinnen, dass sie eine Frau sein musste. Und ihre Stimme, sanft und tief, war Weiblichkeit in ihrer reinsten Form.
Eine reife Frau – sie war mit Sicherheit nicht mehr jung.
»In Ihrer Nachricht stand, dass Sie meiner Hilfe bedürfen.«
»Ja, so ist es.« Einen Augenblick später fügte sie hinzu: »Besser gesagt: meine Familie.«
»Ihre Familie?« In der Dämmerung war ihr Schleier undurchdringlich, nicht einmal eine Andeutung ihres Kinns oder ihrer Lippen konnte er erkennen.
»Meine Stieffamilie, sollte ich wohl sagen.«
Ihr Parfüm drang an seine Nase, exotisch, verlockend. »Vielleicht sollten wir erst einmal klären, worin Ihre Schwierigkeiten bestehen und weshalb Sie der Meinung sind, ich könnte Ihnen helfen.«
»Sie können helfen. Ich hätte Sie niemals gebeten, sich mit mir zu treffen – würde niemals aussprechen, was ich Ihnen gleich entdecken werde -, wenn ich nicht wüsste, dass Sie uns helfen können.« Sie machte eine Pause und holte tief Luft. »Meine Schwierigkeiten beruhen auf einer Schuldverschreibung, unterzeichnet von meinem seligen Ehemann.«
»Ihrem seligen Ehemann?«
Sie nickte leicht. »Ich bin Witwe.«
»Wann ist Ihr Ehemann verstorben?«
»Vor über einem Jahr.«
»Also ist sein Testament bereits eröffnet worden.«
»Ja. Der Titel und das gesamte Erbe wurden auf meinen Stiefsohn Charles übertragen.«
»Stiefsohn?«
»Ich war die zweite Frau meines Mannes. Wir waren nur wenige Jahre verheiratet – für ihn war es eine sehr späte zweite Ehe. Er war schon einige Zeit vor seinem Tod leidend. Alle seine Kinder stammen aus erster Ehe.«
Er zögerte, fragte dann aber doch: »Verstehe ich es richtig, dass Sie die Kinder Ihres verstorbenen Ehemannes unter Ihre Fittiche genommen haben?«
»Ja. Ich fühle mich für ihr Wohlergehen verantwortlich. Sie sind auch der Grund, weshalb ich mich an Sie gewandt habe.«
Gabriel musterte ihre verschleierte Silhouette und war sich sehr wohl bewusst, dass sie dasselbe mit ihm tat. »Sie erwähnten eine Schuldverschreibung?«
»Ich sollte vielleicht erklären, dass mein Mann eine Schwäche für Spekulationsgeschäfte hatte. Während der letzten Jahre haben der Buchhalter unserer Familie und ich uns nach Kräften bemüht, seine Investitionen in solche Geschäfte auf ein Minimum zu beschränken; Bemühungen, mit denen wir ziemlich erfolgreich waren. Wie dem auch sei, vor drei Wochen stolperte ein Dienstmädchen über einen Vertrag, der beiseite gelegt und schlichtweg vergessen worden sein muss. Es ist eine Schuldverschreibung.«
»Von welcher Gesellschaft?«
»Von der Central East Africa Gold Company. Haben Sie schon einmal von diesem Unternehmen gehört?«
Er schüttelte den Kopf: »Kein einziges Wort.«
»Unser Buchhalter oder einer seiner Kollegen genauso wenig.«
»Die Adresse der Gesellschaft müsste doch auf dem Wechsel stehen.«
»Leider nicht – nur der Name der Kanzlei, die den Vertrag aufgesetzt hat.«
Gabriel überdachte alle Teile des Puzzles, die sie ihm in die Hand gegeben hatte, wobei ihm bewusst war, dass jedes einzelne zuvor mit Bedacht geprüft worden war. »Diesen Wechsel, haben Sie ihn dabei?«
Sie holte eine zusammengerollte Urkunde unter ihrem Mantel hervor.
Während er sie entgegennahm, zog Gabriel im Geiste die Augenbrauen hoch – die Gräfin war jedenfalls gut vorbereitet. So sehr er sich auch bemühte, er konnte nicht einmal einen flüchtigen Blick auf ihr Kleid unter dem formlosen Umhang erhaschen. Ihre Hände waren ebenfalls bedeckt, umhüllt von Lederhandschuhen, lang genug, um bis zu den Manschetten ihrer Ärmel zu reichen. Während er die Urkunde entrollte, drehte er sich so, dass das Licht der Straßenlaternen auf das Blatt fiel.
Die Unterschrift des Schuldners, das Erste, wonach er schaute, wurde von einem dicken Stück Papier, das mit Siegelwachs befestigt war, verdeckt. Er blickte die Gräfin fragend an.
»Sie brauchen den Namen der Familie nicht zu kennen«, erwiderte sie ruhig.
»Warum nicht?«
»Das erklärt sich von selbst, wenn Sie das Dokument lesen.«
Mit zusammengekniffenen Augen wegen des spärlichen Lichts begann er zu lesen. »Das scheint alles rechtmäßig zu sein.« Er las es noch einmal, dann blickte er auf. »Die Investition ist ohne Zweifel beträchtlich, und angesichts der Tatsache, dass sie spekulativ ist, bedeutet sie ein sehr hohes Risiko. Wenn die Gesellschaft nicht genau unter die Lupe genommen wurde und entsprechende Bürgschaften sichergestellt worden sind, dann war die Investition zweifellos ziemlich töricht. Dennoch erkenne ich nicht, worin das Problem besteht.«
»Das Problem besteht in der Tatsache, dass die genannte Summe erheblich über dem gegenwärtigen Gesamtwert der Grafschaft liegt.«
Gabriel warf erneut einen Blick auf die Ziffer, die auf dem Dokument stand, und rechnete kurz nach, doch er hatte sich nicht verlesen. »Wenn diese Summe die finanziellen Möglichkeiten der Grafschaft übersteigt, dann …«
»Ganz genau.« Die Gräfin sprach mit einer Entschiedenheit, die typisch für sie zu sein schien. »Ich erwähnte ja bereits, dass mein Mann gern spekuliert hat. Die Familie stand mehr als ein Jahrzehnt am Rande des finanziellen Ruins, schon bevor ich eingeheiratet habe. Nach unserer Hochzeit fand ich die Wahrheit heraus. Danach habe ich mich um alle finanziellen Angelegenheiten gekümmert. Nur mit vereinten Kräften ist es dem Buchhalter meines Mannes und mir gelungen, die Dinge im Lot und die Familie über Wasser zu halten.«
In dem vergeblichen Bemühen, ihre Verletzlichkeit zu verbergen, wurde ihre Stimme hart: »Dieser Vertrag würde das Ende bedeuten, so oder so. Im Kern besteht unser Problem darin, dass der Vertrag in der Tat rechtmäßig zu sein scheint, was bedeutet, dass in dem Moment, wenn er vollstreckt und das Geld abgerufen wird, die Familie bankrott ist.«
»Weshalb Sie nicht möchten, dass ich Ihren Namen erfahre.«
»Sie kennen den haut ton, wir bewegen uns in denselben Kreisen. Wenn auch nur der leiseste Verdacht aufkommt, wir könnten in finanziellen Schwierigkeiten stecken, sogar ungeachtet der Bedrohung durch diesen Vertrag, wäre die Familie gesellschaftlich geächtet. Die Kinder würden niemals den ihnen zustehenden Rang in unserer Welt einnehmen können.«
Der Ruf zu den Waffen war fast körperlich spürbar.
»Kinder. Sie erwähnten Charles, den jungen Grafen. Welche gibt es sonst noch?«
Sie zögerte, dann erklärte sie: »Die beiden Mädchen, Maria und Alicia – wir sind derzeit in der Stadt, um sie in die Gesellschaft einzuführen. Ich habe jahrelang für ihr Debüt gespart …« Ihr versagte die Stimme. Einen Augenblick später fuhr sie fort: »Darüber hinaus gibt es zwei weitere, die noch die Schulbank drücken, und eine ältere Cousine, Seraphina; sie gehört ebenfalls zur Familie.«
Gabriel hörte mehr auf ihre Stimmlage als auf ihre Worte. Ihre Zuneigung klang aufrichtig, ihre Anteilnahme, ihr Verantwortungsgefühl. Ihre Besorgnis. Was immer auch die Gräfin verheimlichte, das vermochte sie nicht zu verbergen.
Er hielt das Schriftstück erneut ins Licht und studierte die Unterschrift des Präsidenten der Gesellschaft. Die wilden, eckigen Federstriche ließen sich kaum entziffern, dennoch war er sich sicher, dass es kein Name war, den er kannte. »Sie haben nicht gesagt, warum Sie annehmen, ich könne Ihnen helfen.«
Sein Ton war gleichmütig, er hatte die Antwort schon erraten.
Sie straffte die Schultern. »Wir – unser Agent und ich – glauben, dass sich hinter dieser Gesellschaft ein Schwindel verbirgt, ein Unternehmen, das einzig und allein gegründet wurde, um ahnungslosen Investoren Geld abzupressen. An der Schuldverschreibung an sich ist schon verdächtig, dass weder die Adresse der Gesellschaft noch ihre Geschäftsführer aufgeführt werden. Außerdem würde jede seriöse Aktiengesellschaft, die einen solchen Betrag akzeptiert, sich in irgendeiner Form versichern, dass die erforderliche Summe auch tatsächlich aufgebracht werden kann.«
»Ist das denn nicht überprüft worden?«
»Man hätte sich an unseren Buchhalter gewandt. Wie Sie sich bestimmt vorstellen können, steht unsere Bank seit Jahren in engem Kontakt zu ihm. Wir haben alles überprüft, soweit uns das möglich war, ohne Verdacht zu erregen, und nichts gefunden, was unsere Meinung hätte ändern können. Die Central East Africa Gold Company riecht nach Betrug.« Sie seufzte tief. »Und wenn dem so ist und es uns gelänge, ausreichend Beweise dafür zu erbringen und diese vor Gericht vorzulegen, dann könnte die Schuldverschreibung für ungültig erklärt werden. Aber das müssen wir erreichen, bevor das Geld abgerufen wird, und der Vertrag wurde bereits vor über einem Jahr unterzeichnet.«
Während er die Urkunde wieder zusammenrollte, musterte Gabriel sie erneut; trotz des Schleiers und des Umhangs hatte er das Gefühl, sie erstaunlich gut zu kennen. »Warum ich?«
Er reichte ihr die Rolle; sie nahm sie entgegen und verstaute sie wieder unter ihrem Mantel. »Sie haben sich einen gewissen Ruf erworben, wenn es um die Aufdeckung betrügerischer Geschäfte geht«, erwiderte sie, hob den Kopf und sah ihn eindringlich an: »Sie sind ein Cynster.«
Beinahe hätte er laut aufgelacht. »Wieso spielt das eine Rolle?«
»Weil die Cynsters alle Herausforderungen lieben.«
Er blickte in ihr verschleiertes Gesicht. »Stimmt«, schnurrte er.
Ihr Kinn hob sich noch ein wenig. »Und weil ich weiß, dass ich einem Cynster unser Familiengeheimnis anvertrauen kann.«
Er zog fragend eine Augenbraue hoch.
Sie zögerte. »Wenn Sie sich bereit erklären, uns zu helfen, muss ich Sie bitten zu versprechen, dass Sie zu keiner Zeit versuchen werden, meine Identität oder die meiner Familie herauszufinden«, verlangte sie. Nach einer kurzen Pause fuhr sie fort: »Und wenn Sie uns nicht helfen möchten, dann kann ich doch sicher darauf vertrauen, dass Sie weder dieses Treffen noch irgendetwas anderes, das Sie daraus schließen können, je einem Menschen gegenüber erwähnen.«
Jetzt zog Gabriel beide Augenbrauen hoch und schaute sie mit kaum verhohlenem Amüsement und einem gewissen Respekt an. Für eine Frau war sie außergewöhnlich mutig – nur so war diese gut geplante und konsequent durchgeführte Scharade zu erklären. Die Gräfin verfügte über einen wachen Verstand, sie hatte sich ihre Beute gut ausgesucht und ihren Köder wohl überlegt ausgelegt.
Sie bot ihm ganz bewusst eine Herausforderung an.
Glaubte sie etwa, er würde sich ausschließlich auf die geschäftliche Seite konzentrieren? War die andere Herausforderung, die sie ihm da vor die Nase hielt, ebenso bedacht, oder …?
Aber spielte das überhaupt eine Rolle?
»Wo sollten wir Ihrer Meinung nach beginnen, falls ich mich bereit erkläre, Ihnen zu helfen?« Die Frage war heraus, noch ehe er darüber nachgedacht hatte – als er das dann tat, zog er angesichts des »wir« innerlich gleich noch einmal die Augenbrauen hoch.
»Bei den Anwälten der Gesellschaft. Oder zumindest bei denjenigen, die den Vertrag aufgesetzt haben – Thurlow & Brown. Ihr Name steht auf dem Vertrag.«
»Aber nicht ihre Adresse.«
»Nein, doch wenn sie eine legitimierte Kanzlei sind – und das müssen sie ja eigentlich sein, meinen Sie nicht? -, dann dürften sie nicht allzu schwer ausfindig zu machen sein. Ich hätte es auch selbst versuchen können, aber …«
»Aber Sie glaubten, Ihr Buchhalter würde nicht gutheißen, was Sie vorhaben, sobald Sie die Adresse herausfinden, also wollten Sie ihn auch darum nicht bitten?«
Trotz des Schleiers konnte er den Blick erahnen, den sie ihm zuwarf, wie sie die Augen ein wenig zusammenkniff, die Lippen aufeinander presste. Sie nickte, wieder jene entschlossene Bestätigung: »Genau. Ich kann mir vorstellen, dass gewisse Nachforschungen nötig sein werden, denn es steht zu bezweifeln, dass eine anständige Anwaltskanzlei freiwillig Informationen über einen ihrer Klienten herausgibt.«
Gabriel war sich da nicht so sicher, doch das würde er wissen, sobald er Thurlow & Brown ausfindig gemacht hatte.
»Wir müssen in Erfahrung bringen, wer die Geschäftsführer der Gesellschaft sind, und dann weitere Einzelheiten über die Geschäfte des Unternehmens herausfinden.«
»Künftige Geschäfte.« Er warf ihr einen raschen Blick zu, wünschte sich, durch den Schleier hindurchsehen zu können. »Sind Sie sich bewusst, dass jedwede Nachforschung die Aufmerksamkeit der Geschäftsführer erregen könnte? Wenn die Gesellschaft, wie Sie denken, nur zum Schein besteht, dann wird der geringste Verdacht, dass jemand sich zu sehr für sie interessiert – und erst recht, wenn ich es bin -, dazu führen, dass die Schuldverschreibungen eingefordert werden. So reagieren Betrüger nun einmal – sie raffen alles an sich, dessen sie habhaft werden können, und verschwinden, bevor einer zu viel in Erfahrung bringen kann.«
Sie standen jetzt schon länger als eine halbe Stunde in dem museumsartigen Vorbau. Die Temperatur sank, je näher die Morgendämmerung rückte, die Nebelschwaden wurden kälter. Gabriel bemerkte es, doch in seinem Mantel fror er nicht. Die Gräfin schien unter ihrem dicken Umhang angespannt, ja, sie zitterte beinah.
Er presste die Lippen aufeinander, unterdrückte das Verlangen, sie näher an sich zu ziehen, und verkündete schonungslos und unbarmherzig: »Wenn Sie Nachforschungen über das Unternehmen anstellen, riskieren Sie, dass der Wechsel eingefordert wird und Ihre Familie Bankrott geht.« Wenn sie das Feuer schüren wollte, musste sie auch wissen, dass sie sich dabei verbrennen konnte.
Ihr Kopf fuhr hoch, ihr Rückgrat straffte sich. »Wenn ich keine Nachforschungen über die Gesellschaft anstelle und beweise, dass das Ganze ein Betrug ist, wird meine Familie auf jeden Fall Bankrott gehen!«
Aufmerksam lauschte er ihren Worten, konnte jedoch keine Spur von Unsicherheit entdecken, nur wissende, aber unerschütterliche Entschlossenheit. Er nickte. »In Ordnung. Wenn Sie entschlossen sind, diese Gesellschaft unter die Lupe zu nehmen, dann … ja, dann helfe ich Ihnen.«
Wenn er überschwängliche Dankbarkeit erwartet hatte, so wurde er enttäuscht – zum Glück hatte er sich in dieser Hinsicht aber keinerlei Hoffnungen gemacht. Sie stand reglos vor ihm und musterte ihn. »Und schwören Sie …?«
Mit einem leisen Seufzer hob er die rechte Hand: »Ich schwöre vor Gott …«
»So wahr Sie ein Cynster sind.«
Er blinzelte sie an, fuhr dann jedoch fort: »… so wahr ich ein Cynster bin, dass ich nicht versuchen werde, Ihren Namen oder den Ihrer Familie herauszufinden. Genügt Ihnen das?«
Ihr Seufzer sank wie Seide in die Nacht. »Ja.« Sie entspannte sich, der größte Teil ihrer verkrampften Anspannung fiel sichtlich von ihr ab.
Seine hingegen wuchs in gleichem Maße. »Eine Vereinbarung unter Gentlemen wird normalerweise mit einem Händedruck besiegelt.«
Sie zögerte zuerst, dann streckte sie eine Hand aus.
Er nahm sie, dann änderte er seinen Griff und ließ seine Finger über die ihren gleiten, sodass sein Daumen in ihrer Handfläche zu liegen kam. Schließlich zog er sie an sich.
»Ich dachte, wir wollten einander die Hände schütteln«, flüsterte sie atemlos.
»Sie sind kein Gentleman.« Er musterte ihr Gesicht; das Schimmern ihrer Augen war alles, was er durch den dünnen schwarzen Schleier ausmachen konnte, doch jetzt, wo ihr Kopf zu ihm emporgewandt war, vermochte er die Umrisse ihrer Lippen zu erkennen. »Wenn ein Gentleman und eine Lady eine Vereinbarung besiegeln, dann tun sie das so.« Er neigte den Kopf und senkte seine Lippen auf die ihren herab.
Unter der Seide waren sie weich und voll – die reinste Verführung. Sie bewegten sich kaum unter den seinen, doch das darin liegende Versprechen war leicht zu erspüren und für ihn ebenso leicht zu entschlüsseln. Dieser Kuss hätte als der keuscheste aller Küsse in die Annalen seines Lebens eingehen sollen – stattdessen war er der Funken für eine Zündschnur, das Vorspiel zu einer Feuersbrunst. Diese klare, unabänderliche Erkenntnis erschütterte ihn. Er hob den Kopf, blickte auf ihr verschleiertes Gesicht hinab und fragte sich, ob sie es wusste.
Ihre Finger, noch immer in den seinen gefangen, zitterten. Durch seine Fingerspitzen an ihrem Kinn spürte er die fragile Spannung, die sie ergriffen hatte. Ohne den Blick von ihrem Gesicht abzuwenden, führte er ihre Hand an seinen Mund und hauchte einen Kuss auf ihre behandschuhten Finger, dann gab er sie, wenngleich widerstrebend, frei. »Ich werde herausfinden, wo Thurlow & Brown ihr Firmenschild aufgehängt haben, und sehen, was ich in Erfahrung bringen kann. Ich gehe davon aus, dass Sie informiert werden möchten. Wie kann ich mit Ihnen Kontakt aufnehmen?«
Sie trat einen Schritt zurück. »Ich werde Sie kontaktieren.«
Er fühlte, wie ihr Blick über sein Gesicht glitt, dann gewann sie, noch etwas zittrig, ihre Fassung zurück und neigte den Kopf: »Ich danke Ihnen. Gute Nacht.«
Die Nebelschwaden teilten sich und flossen hinter ihr wieder zusammen, als sie die Stufen des Portikus hinunterschritt. Und dann war sie fort, ließ ihn allein in den Schatten zurück.
Gabriel holte tief Atem. Der Nebel trug die letzten Geräusche ihres Weggehens zu ihm herüber. Ihre Absätze klapperten auf dem Pflaster, dann klirrten die Beschläge eines Pferdegeschirrs. Schwerere Füße sprangen auf den Boden, und ein Türriegel klickte, dann, nach einer kleinen Pause, klickte er erneut. Sekunden später folgte das Klatschen von Zügeln auf einem Pferderücken, das Rattern von Rädern einer Kutsche, bis sich das Geräusch dann allmählich in der Nacht verlor.
Es war halb vier Uhr morgens, und er war hellwach.
Mit einem verächtlichen Lächeln über sich selbst auf den Lippen verließ Gabriel den Portikus. Dann zog er seinen Mantel enger um sich und machte sich auf den kurzen Weg zu seinem Haus.
Er fühlte sich jetzt energiegeladen, bereit, es mit der ganzen Welt aufzunehmen. Noch am Morgen, bevor der Brief der Gräfin eingetroffen war, hatte er verdrießlich über seinem Kaffee gesessen und darüber nachgegrübelt, wie er sich aus diesem Sumpf gleichgültiger Langeweile herausziehen könnte, in dem er nach und nach versunken war. Er hatte jede nur denkbare Unternehmung, jedes mögliche Wagnis, jede Form der Unterhaltung in Erwägung gezogen – nichts davon hatte auch nur sein geringstes Interesse wecken können.
Das Billett der Gräfin hingegen hatte nicht nur sein Interesse geweckt, sondern seine Neugier erregt und Erwartungen geschürt. Seine Neugier war weitgehend befriedigt worden, seine Erwartungen, nun ja …
Hier war eine mutige, fordernde Witwe, fest entschlossen ihre Familie – ihre Stieffamilie – vor der bittersten Armut zu verteidigen, vor dem sicheren Verlust jeglichen gesellschaftlichen Ansehens, wenn nicht gar der völligen gesellschaftlichen Ächtung. Ihre Feinde waren irgendwelche nebulösen Hintermänner eines vermutlich betrügerischen Unternehmens. Diese Situation verlangte nach entschiedenem, jedoch umsichtigem Handeln, wobei die Ermittlungen und Erkundigungen mit größtmöglicher Diskretion im Verborgenen eingeholt werden mussten. So viel hatte sie ihm mitgeteilt. Also, was wusste er?
Sie war Engländerin, ohne Zweifel aus gutem Hause – ihr Akzent, ihr Verhalten und ihre ruhige Erklärung, dass sie in denselben Kreisen verkehrten, sprachen eindeutig dafür. Und sie kannte die Cynsters sehr gut. Das bewiesen nicht allein ihre Worte, sondern vor allem die Art und Weise, wie raffiniert sie ihre gesamte Darstellung darauf ausgerichtet hatte, an seine Cynster-Instinkte zu appellieren.
Gabriel bog in die Brook Street ein. Eines hatte die Gräfin allerdings nicht gewusst, dass er nämlich mittlerweile nur noch selten impulsiv handelte. Er hatte gelernt, seine Instinkte zu beherrschen, denn seine Geschäfte verlangten das. Und außerdem hegte er eine entschiedene Abneigung gegen jegliche Art der Manipulation, egal in welchem Bereich. Doch wie dem auch sein mochte, in diesem Fall hatte er sich entschieden, das Spiel mitzuspielen.
Alles in allem stellte die Gräfin selbst eine faszinierende Herausforderung dar. Die gesamten eins achtzig. Und eine ganze Menge dieser einhundertachtzig Zentimeter bestand aus Beinen, eine Beobachtung, die zwangsläufig an seine eher unzüchtigen Instinkte appellieren musste. Und was ihre Lippen betraf und die Freuden, die sie versprachen … Nun, er hatte längst entschieden, dass sie ihm gehören würden.
Manchmal gab es solche Liaisons – ein Blick, eine Berührung, und alles war klar. Dennoch konnte er sich nicht erinnern, sich je mit solcher Macht angezogen gefühlt und sich so entschieden und bar jeden Zweifels auf eine Jagd eingelassen zu haben. Und auf ihr Ergebnis.
Wieder durchpulste ihn pure Energie. Dies – die Gräfin und ihr Problem – war genau, was er brauchte, um die Leere in seinem Leben zu füllen: eine geschäftliche Herausforderung kombiniert mit einer Eroberung.
Als er sein Haus erreichte, ging er die Stufen hinauf und sperrte die Tür auf. Dann schloss und verriegelte er sie wieder hinter sich. Er blickte zum Salon hinüber. In dem Bücherregal am Kamin stand ein Exemplar von Burke’s Peerage, das eine Auflistung sämtlicher Adeliger enthielt.
Er verzog die Lippen und lenkte seine Schritte entschieden zur Treppe. Hätte er nicht versprochen, keine Nachforschungen über ihre Identität anzustellen, wäre er direkt zum Bücherregal gegangen und hätte, ungeachtet der späten Stunde, nachgesehen, welcher Graf kürzlich verstorben und von einem Sohn namens Charles beerbt worden war. So viele konnten es ja wohl nicht sein. Stattdessen machte er sich auf den Weg zu seinem Bett, den Kopf voll mit allen möglichen Plänen, wobei er sich überaus tugendhaft vorkam, was nicht allzu oft der Fall war.
Ihr Name. Ihr Gesicht. Diese langen Beine. Und mehr.
 
»Also, wie war es?«
Alathea schlug ihren Schleier hoch und starrte in die gespannten Gesichter, die sich am Fuß der Treppe versammelt hatten. Sie war kaum über die Schwelle von Morwellan House in der Mount Street getreten; hinter ihr schob Crisp, der Butler, eilig die Riegel wieder vor und schloss ab, um nur ja nichts von ihrem Bericht zu versäumen.
Die Frage hatte Nellie gestellt, Alatheas Zofe, in einen abgetragenen Morgenmantel gehüllt. Alatheas treueste Helfer – sämtliche höhergestellten Dienstboten – umringten sie in den verschiedensten Nachtgewändern.
»Kommen Sie schon, Mylady, spannen Sie uns nicht auf die Folter.«
Das kam von Mrs Figgs, der Köchin und Haushälterin. Die anderen nickten zustimmend – Folwell, ihr Stallmeister, dessen Stirnlocke auf und ab tanzte, Crisp, der jetzt auch hinzutrat, die zusammengerollte Schuldverschreibung in der Hand, die sie ihm zur sicheren Verwahrung übergeben hatte.
Alathea seufzte innerlich. In welchem anderen adeligen Haushalt würde der Dame des Hauses bei ihrer Heimkehr von einem geheimen Rendezvous wohl ein solcher Empfang bereitet? Sie zwang ihre immer noch gereizten Nerven zur Ruhe, indem sie sich sagte, dass die Tatsache, dass er sie geküsst hatte, nicht bedeutete, dass sie ihren Schleier gelüftet hatte. »Er hat eingewilligt.«
»Na bitte!« Miss Helm, dünn wie eine Bohnenstange, fingerte nervös an ihrem rosa Morgenrock herum. »Bestimmt wird sich Mr Cynster um alles kümmern und diese grässlichen Männer entlarven.«
»Gepriesen sei er«, ergänzte Serenas würdige Zofe, »in der Tat.« Alathea machte einen Schritt nach vorn ins Licht, das von den Kerzen ausging, die Nellie, Mrs Figgs und Miss Helm in der Hand hielten. »Aber ihr solltet alle im Bett sein. Er hat eingewilligt, uns zu helfen – mehr gibt es nicht zu sagen.« Sie fing Nellies Blick auf.
Nellie schnaubte leise, ließ jedoch nichts verlauten.
Alathea scheuchte die anderen davon und begann dann, dicht gefolgt von Nellie, die ihr leuchtete, die Treppen hinaufzusteigen.
»Also, was ist passiert?«, schnaufte Nellie, als sie die Galerie erreicht hatten.
»Pst!« Alathea deutete den Gang hinunter. Nellie grummelte etwas in sich hinein, hielt jedoch den Mund, während sie erst das Schlafzimmer von Alatheas Eltern, dann das von Mary und Alice passierten, bis sie schließlich Alatheas Schlafraum am Ende des Flurs erreichten.
Nellie schloss die Tür hinter ihnen. Alathea löste ihren Umhang und ließ ihn zu Boden gleiten – Nellie hob ihn auf, nachdem sie einen Schritt beiseite getreten war.
»So, meine Gute – Sie werden mir doch jetzt nicht weismachen wollen, dass es ihm nicht gelungen ist, hinter Ihre Maskerade zu kommen?«
»Natürlich ist es ihm nicht gelungen! Ich habe dir doch gesagt, dass daraus nichts würde.« Er hätte sie nicht geküsst, wenn er sie erkannt hätte. Sie sank auf den Stuhl vor ihrem Frisiertisch und zog sich die Nadeln aus dem Haar, befreite die dichte Mähne aus dem straffen Chignon. Normalerweise trug sie ihr Haar zwar auch hochgesteckt, jedoch eher zu einem lockeren Knoten am Oberkopf, wobei stets einige Strähnen herausgezupft wurden, um das Gesicht malerisch zu umrahmen. Die Frisur war zwar etwas altmodisch, doch sie stand ihr gut. Der Chignon hatte sie auch gut gekleidet, ihre Haare jedoch in eine ganz ungewohnte Form gezogen, wovon ihr jetzt die Kopfhaut schmerzte.
Nellie kam ihr zu Hilfe und suchte mit unverhohlener Missbilligung die Nadeln aus der weichen, seidenen Mähne heraus. »Ich kann nicht glauben, dass er nach all den Jahren, die ihr miteinander über die Felder getollt seid, nicht nur einen einzigen Blick auf Sie werfen musste, Schleier und Mantel hin oder her, um Sie zu erkennen.«
»Du vergisst, dass Rupert – ungeachtet der Jahre, die wir ›miteinander über die Felder getollt‹ sind – mich fast zehn Jahre lang nicht mehr gesehen hat. Nur das eine oder andere unglückselige Aufeinandertreffen hier und da.«
»Hat er denn Ihre Stimme nicht erkannt?«
»Nein, ich habe meine Stimme verstellt.« Sie hatte zu ihm gesprochen, wie sie sonst mit Augusta redete, mit warmer, tiefer Stimme, anstatt in dem scharfen, gereizten Ton, den sie sonst ihm gegenüber anzuschlagen pflegte. Abgesehen von jenem atemlosen Augenblick … Doch sie glaubte nicht, dass er sie je zuvor atemlos erlebt hatte. Sie konnte sich überhaupt nicht erinnern, jemals so aufgeregt und nervös gewesen zu sein. Mit einem Seufzer ließ sie ihren Kopf in den Nacken sinken, als ihr Haar schließlich frei herabwallte. »Du unterschätzt mich. Ich bin, alles in allem, eine ziemlich gute Schauspielerin.«
Nellie machte pfff, widersprach aber nicht. Sie begann, Alatheas langes Haar zu bürsten.
Alathea schloss die Augen und entspannte sich allmählich. Sie war wirklich ziemlich begabt, was die Schauspielerei anging; sie konnte sich sehr gut in eine Rolle hineindenken, solange sie deren Charakter verstand. In diesem Fall war das einfach gewesen. »Ich bin so weit wie möglich bei der Wahrheit geblieben – er glaubt wirklich, ich sei eine Gräfin.«
Nellie machte wieder pfff. »Ich weiß immer noch nicht, warum Sie ihm nicht einfach einen netten Brief geschrieben und ihn gebeten haben, für Sie einen Blick auf diese Gesellschaft zu werfen.«
»Weil ich ihn mit ›Alathea Morwellan‹ hätte unterschreiben müssen.«
»Er hätte es getan, da bin ich mir sicher.«
»Ach, er hätte sicher nicht direkt abgelehnt, aber er hätte die Angelegenheit seinem Buchhalter, diesem Mr Montague, übertragen. Ohne Rupert mitzuteilen, warum es so unglaublich wichtig ist zu beweisen, dass diese Gesellschaft ein einziger Betrug ist, hätte es nicht wichtig gewirkt – zumindest nicht wichtig genug, um ihn persönlich zum Handeln zu bewegen.«
»Aber ich verstehe noch immer nicht, warum Sie nicht einfach zu ihm hingehen und sagen konnten …«
»Nein!« Alathea schlug die Augen auf und richtete sich gerade. Einen Moment lang war die Grenze zwischen Herrin und Zofe klar gezogen – in dem matriarchalischen Aufblitzen in Alatheas Augen, ihrer unnachgiebigen Miene und dem plötzlich schuldbewussten Ausdruck auf Nellies Gesicht.
Alathea ließ ihre Gesichtszüge wieder weicher werden, sie zögerte, doch Nellie war der einzige Mensch, mit dem sie über ihre Pläne sprechen konnte; die Einzige, die über alles Bescheid wusste; die Einzige, der sie alles anvertraut hatte. Auch wenn sie den Verdacht hegte, dass sie auf diese Weise ihre Pläne der ganzen kleinen Bande im Untergeschoss mitgeteilt hatte, so konnte sie damit leben, da keiner von ihnen es wagen würde, dies auch nur zu erwähnen. Sie musste einfach mit jemandem darüber sprechen. Mit einem tiefen Atemzug lehnte sie sich erneut in ihrem Stuhl zurück. »Ob du es glaubst oder nicht, Nellie, ich habe immer noch meinen Stolz.« Sie schloss die Augen, während Nellie ihr Werk vollendete. »Manchmal denke ich, das ist das Einzige, was mir eigentlich noch geblieben ist. Ich würde meinen Stolz nicht aufs Spiel setzen, sogar ihm gegenüber nicht, indem ich ihm alles erzähle. Niemand weiß, wie dicht wir damals vor dem Ruin standen – und wie tief der Abgrund ist, vor dem wir heute stehen.«
»Ich würde doch annehmen, dass er Mitleid bekäme. Er würde es nicht herumerzählen.«
»Darum geht es nicht. Nicht bei ihm. Ich glaube, Nellie, du kannst dir gar nicht vorstellen, wie reich die Cynsters sind. Sogar ich kann kaum die Summen überblicken, mit denen er normalerweise umgeht.«
»Keine Ahnung, warum das eine Rolle spielen sollte, wenn Sie mich fragen.«
Alathea spürte das vertraute Ziepen, als Nellie begann, ihr das Haar zu flechten. »Lassen wir es einfach dabei bewenden, dass ich es zwar mit betrügerischen Handelsgesellschaften und unmittelbar bevorstehenden Katastrophen aufnehmen, Mitleid aber einfach nicht ertragen kann.«
Sein Mitleid.
Nellie seufzte. »Na ja, dann soll es wohl so sein …«
Alathea fühlte ihr fatalistisches Schulterzucken. Einen Augenblick später fragte Nellie: »Aber wie haben Sie es hinbekommen, dass er zugestimmt hat, ohne dass Sie ihm die ganze Geschichte erzählt haben – dass diese Familie am Ende ist, wenn diese widerliche Gesellschaft ihr Geld verlangt?«
»Das«, Alathea schlug die Augen auf, »war doch das Wichtigste an meiner ganzen Maskerade. Ich habe es ihm gesagt. Alles. Ich konnte doch kaum von ihm erwarten, dass er uns zu Hilfe eilt, ohne die Details zu kennen; und er hätte es ganz bestimmt nicht getan, wenn es da nicht eine reale Familie und eine reale Bedrohung gäbe. Es war noch nie leicht, ihn zum Handeln zu bewegen, aber er ist ein Cynster, und die reagieren zuverlässig auf bestimmte Reize. Er musste davon überzeugt werden, dass beides existiert, die Familie und die Bedrohung, aber so wie ich ihm die Sache geschildert habe, war es die Familie der Gräfin. Meinen Vater habe ich als meinen verstorbenen Mann ausgegeben und behauptet, ich sei seine zweite Frau und alle Kinder seien meine Stiefkinder, nicht meine Stiefschwestern und Stiefbrüder. Serena habe ich als meine Cousine ausgegeben.«
Sie machte eine Pause, hing ihren Erinnerungen nach.
»Was ist passiert?«
Alathea blickte auf und sah in Nellies besorgtes Gesicht.
»Es hat keinen Sinn, mir weismachen zu wollen, dass nichts schief gegangen ist. Ich kenne diesen Gesichtsausdruck.«
»Nichts ist schief gegangen.« Sie würde Nellie auf keinen Fall von diesem Kuss erzählen. »Ich hatte nur nicht darüber nachgedacht, wie die Kinder heißen sollten. Ich habe Charles für Charlie genommen – das ist immerhin ein ziemlich gebräuchlicher Name -, aber ich hatte nicht erwartet, dass Rupert auch nach den anderen fragen würde. Als er es dann doch getan hat – nun, da war ich so tief in meine Rolle als Gräfin verstrickt, dass ich kaum einen klaren Gedanken fassen konnte. Ich musste ihnen in demselben Augenblick Namen geben, in dem ich an sie dachte, sonst hätte er Verdacht geschöpft.«
Nellie ließ den mittlerweile vollendeten Zopf aus und starrte sie an. »Sie haben sie doch wohl nicht etwa bei ihren richtigen Namen genannt?«
Alathea erhob sich und verließ den Frisiertisch: »Nicht ganz.«