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LINKIN
PARK

Michael Fuchs-Gamböck · Thorsten Schatz · Georg Rackow

LINKIN
PARK

WHAT THEY´VE DONE

DIE INOFFIZIELLE BIOGRAFIE

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Impressum

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53639 Königswinter
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Titelgestaltung/Satz: A. Mertens
Lektorat: Katrin Beisel

– Alle Rechte vorbehalten –

Print ISBN: 978-3-86852-789-6
E-Book ISBN: 978-3-86852-988-3

Dieses Buch ist ohne Mitwirkung von Linkin Park entstanden.

Bildnachweis

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III: 2012: Lyle A. Waisman/Getty Images

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Inhalt

Bühne frei für Linkin Park!

Step Up: Karrierestart als Xero

Somewhere I Belong: Chester Bennington, ein Sänger mit Dämonen

One Step Closer: Xero wird zu Linkin Park

Hybrid Theory: Das erste Album

Breaking The Habit: Linkin Park sind mehr als nur Rap-Metal

High Voltage: Der schnelle Durchbruch mit „Hybrid Theory“

When They Come For Me: Linkin Park live

Meteora: Das zweite Album

Burn It Down: Mainstream-Kritik an Linkin Park

Not Alone: Linkin Park und ihre Hilfsorganisation „Music For Relief“

Minutes To Midnight: Das dritte Album

A Thousand Suns: Das vierte Album

Living Things: Das fünfte Album

From The Inside: Texte für die Underdogs

In The End: Die Zukunft

Anhang: Diskografie mit Chartplatzierungen, Filmografie, Preise und Auszeichnungen, Quellenangaben, Literatur und Internetseiten

Bühne frei für Linkin Park!

Pünktlich zum Jahrtausendwechsel veröffentlichte eine kalifornische Band namens Linkin Park ihr Debütalbum. 13 Jahre später gehören die sechs Musiker, was die Verkaufszahlen angeht, zur Spitzengruppe der jungen Generation weltweit. Insofern war es keine Überraschung, dass die bislang erschienenen Studioalben Nummer zwei bis Nummer fünf (das Debüt „Hybrid Theory” schaffte es „nur” auf Position zwei) aus dem Stand die Chartspitze stürmten. Dabei widersetzten sich die Erfolgsgaranten um Sänger Chester Bennington mit jedem weiteren Album der Theorie, dass man seinen Platz ganz oben im Rock-Olymp nur dann halten kann, wenn man in der einmal eingeschlagenen Erfolgsschneise bleibt und ein ähnliches musikalisches Muster beibehält.

Eigentlich befinden sich Linkin Park immer wieder hart am Rande dessen, was die Fans von ihnen gewohnt sind. Mal wird mit Electro-Elementen experimentiert, mal mit Hardcore, mal mit Hip-Hop, mal mit Punk – und immer wird der Hörer direkt, puristisch und fokussiert angesprochen. Linkin Park wagen mit jedem weiteren Werk den Sprung ins Ungewisse. Ihre Devise lautet längst: Auf zu neuen Ufern! Sich ständig weiterentwickeln! Auf Entdeckungsreise gehen! Sie sind nach eigenen Angaben schließlich die Ersten, die sich furchtbar langweilen, wenn sie mit jedem weiteren Album einen Aufguss des Alten vorlegen.

Tatsächlich bauten Linkin Park vom ersten Tag an auf den Theorie-Grundsatz, all ihre bevorzugten Musikstile – so ungleich sie innerhalb der Formation auch sein mögen – zusammenzuführen und zu einem ganz eigenen, unverkennbaren Sound zu vereinen. Inzwischen haben die sechs Musiker nicht nur neue Tools entwickelt, um ihre Musikphilosophie in die Realität umzusetzen, sondern fühlen sich auch wohl dabei, alle Phasen ihrer Karriere anzunehmen und zusammenzuführen.

Bis heute konnten die Kalifornier mehr als 60 Millionen Tonträger absetzen. Vermutlich verkauft das Sextett deshalb so viele Platten, weil es sich über diesen Umstand nicht bewusst ist, denn der kommerzielle Aspekt hat für ihr Schaffen keinerlei Bedeutung. Sollten Linkin Park eines Tages anfangen, sich über den materiellen Aspekt ihrer Arbeit Gedanken zu machen, dann werden sie – und das völlig zu Recht – mit ihrer Musik einbrechen. Diese Formation ist ein Megaseller, denn sie denkt niemals über ihren Megaseller-Status nach. Ihre Fans sind sich dessen bewusst. Dafür lieben sie die Gruppe, denn sie geht niemals auch nur den geringsten Kompromiss ein.

Linkin Park – What they’ve done. Die inoffizielle Biografie schildert den Werdegang einer Band, die sich stets jenseits des Mainstreams bewegt und es dennoch geschafft hat, zu einer der erfolgreichsten Formationen des 21. Jahrhunderts zu avancieren. Bühne frei für Linkin Park!

1 Step Up:

Karrierestart als Xero

Die Geschichte von Linkin Park beginnt mit der Begegnung von Mike Shinoda und Brad Delson an der Agoura High School in Süd-Kalifornien, wo sie ihre Begeisterung für die Musik zusammenführte. Beide entwickelten bereits in ihrer Kindheit ein leidenschaftliches Interesse für unterschiedliche Pop- und Rock-Stile und entdeckten ihr musikalisches Talent beim Ausprobieren diverser Instrumente.

Michael „Mike“ Kenji Shinoda, geboren am 11. Februar 1977, wuchs mit seinem Vater Leslie, seiner Mutter Kim und seinem jüngeren Bruder Jason in Agoura Hills, einem Vorort von Los Angeles, auf. Seine Mutter meldete ihn zum Unterricht für klassisches Klavier an, als er sechs Jahre alt war und die Parkman Elementary School besuchte. Während seiner Zeit auf der Lindero Canyon Middle School setzte Mike die Ausbildung eifrig fort. Anschließend besuchte er die Agoura High School und lernte zusätzlich, Gitarre zu spielen.

Mike stieg immer mehr in die Musikwelt ein und hörte als Teenager von 12, 13 Jahren alle möglichen Stile: Rock, Rap, Jazz, Blues und vieles mehr. Er wollte wissen, wie Musik funktioniert und interessierte sich für all ihre Klangfarben, Formen und Inhalte. Allerdings kristallisierten sich trotz dieser allumfassenden Neugier rasch der Hip-Hop und Rap-Ikonen wie Dr. Dre, Public Enemy, Run DMC und Grandmaster Flash als seine Favoriten heraus.

Mike wollte unbedingt alles selbst ausprobieren, was er von seinen Idolen hörte. Er stieg in die Hip-Hop-Kultur ein, sprayte Graffiti-Tags, schulte speziell seine Rap-Skills und programmierte Beats, wie er sie von Dr. Dre gehört hatte. Dafür legte er sich sein allererstes Instrument zu, ein Yamaha-Keyboard für 150 US-Dollar.

Damit begann Mikes Karriere als Musiker – die jedoch ein schnelles Ende hätte nehmen können, als er mit 16 Jahren einen kleinen Brand verursachte, indem er damals einen Beat mit einem sehr volltönenden Bass auf dem Synthesizer produzierte, den er von seinem Kopfhörer aus in Lautsprecherboxen schicken und hören wollte. Er wählte dazu ausgerechnet die alte Anlage seiner Eltern aus, die noch aus den 1970er Jahren stammte. Er ließ seinen Beat über die mächtigen Boxen laufen, das Signal übersteuerte und auf einmal nahm er einen seltsamen Geruch wahr. Die Lautsprecherboxen hatten den Stromstoß nicht ausgehalten und brannten. Zum Glück bemerkte Mike das Feuer rechtzeitig, sodass er es löschen konnte und kein gravierender Schaden entstand. Anschließend ging er zur Schule, als ob nichts gewesen wäre.

In dieser Zeit, Ende der 1980er Jahre, lernte er Brad Delson kennen, der ebenfalls die Agoura High School besuchte. Dort traf Mike auch mit zukünftigen Mitgliedern der erfolgreichen Post-Grunger von Hoobastank zusammen.

Bradford Phillip Delson wurde am 1. Dezember 1977 ebenfalls in Agoura, Kalifornien, in eine sehr wohltätige Familie hineingeboren. Seine Eltern spendierten Bedürftigen z. B. zu Weihnachten immer ein üppiges Essen. Brad half dann bei der Zubereitung, deckte Tische und kellnerte. Später, nachdem Brad und er Freunde wurden, unterstützte auch Mike die Familie. Die beiden durchliefen ihre Zeit an der High School gemeinsam. Sie waren normale Schüler, die bei den Schulkameraden beliebt waren, gut im Unterricht mitkamen und nicht weiter auffielen.

Es gab nur einmal geringfügig Ärger, als Mike einige Karten der „Garbage Pail Kids“ verkaufte, die in Deutschland unter dem Namen „Die total kaputten Kids“ bekannt wurden. Diese Sticker, die seit 1985 zuerst auf dem USA-Markt und später weltweit verbreitet wurden und eine TV-Serie sowie einen Film nach sich zogen, zeigen Kinder in verrückten und grausamen Situationen: z. B. ein Baby, dem der Schnuller hinten am Kopf herauskommt, oder ein Kind, dessen Kopf explodiert und ähnlich Skurriles.

Mike wollte die Karten in seiner Klasse verkaufen bzw. tauschen und suchte sich dummerweise den Unterricht dafür aus und nicht die Pause, in der es erlaubt gewesen wäre. Eine Lehrerin erfuhr davon und ermahnte ihn. Sie konnte nichts unternehmen, da sie keine Karten bei ihm finden konnte.

Brad war ebenfalls ein problemloser Schüler. Nur einmal plauderte er zu viel im Unterricht, sodass er für mehrere Stunden nachsitzen musste. Es war ihm eine Lehre.

Die Freundschaft zwischen Brad und Mike gründete allerdings nicht auf dem Besuch derselben Schule. Es war vor allem die Musik, die sie zusammenschweißte. Brad, der sich auch gern Big Bad Brad oder einfach BBB nennt, war von Mikes Rap-Versuchen begeistert. Beide waren fasziniert vom Rap, der in dieser Zeit, d. h. Mitte der 1980er, mit dem Rock zusammenwuchs. Dafür sorgten Bands wie die Beastie Boys und Kollaborationen z. B. von Run DMC mit der Hard-Rock-Legende Aerosmith, die ihre Musikstile in dem bahnbrechenden Track „Walk This Way“ vermischten.

Brad fing ebenfalls früh mit dem Musizieren an. Ihn begeisterte vor allem die Gitarre, weil er spürte, wie elektrisierend der Klang des Saiteninstruments auf Zuhörer wirkte.

Als er die High School wechselte, lernte er Rob Bourdon kennen, einen anderen, jungen Gitarristen. Sie freundeten sich an und bildeten die Formation Relative Degree mit Brad an der Gitarre und Rob am Schlagzeug. Sie schafften es, eine Show auf die Beine zu stellen und lösten sich danach gleich wieder auf. Allerdings brachte Brad den Drummer mit Mike in Kontakt.

Das Duo wurde dadurch zum Trio, in dem jeder seine musikalischen Vorlieben einbrachte: Brad war nicht nur Hip-Hop-, sondern auch ein enthusiastischer Rock-Fan, Mike liebte den Rap und Rob begeisterte sich für Funk vom Kaliber eines James Brown oder Earth, Wind & Fire und mochte auch den Soul von Stevie Wonder. Hinzu kam, dass Mike und Brad die damals sehr populären Electro-Pop-Bands New Order und Depeche Mode hörten und sich für Computer interessierten, weil diese Formationen damit packende Musik machten.

All diese Richtungen flossen mit in die Entwicklung des eigenen Sounds der drei jungen Musiker ein, die ihrer Experimentierfreudigkeit freien Lauf ließen. Es lief schließlich darauf hinaus, dass sie endlich, nachdem sie 1995 das College abgeschlossen hatten, ihre erste Band gründeten. Sie nannten sich zunächst Super Xero und kürzten den Namen recht schnell auf Xero.

Zuerst veranstaltete das Trio nur Jam-Sessions: Brad spielte Gitarre, Rob saß am Schlagzeug und Mike rappte darüber. Doch aus dem Dreiergespann wurde bald ein Quartett, als Mike, der sich über die Musik hinaus für Comics, Computer, das Artwork von CDs und generell für Kunst interessierte, 1995 am Art Center College of Design in Pasadena ein Studium in Grafik-Design und Illustration begann. Dort lernte er einen Studienkollegen kennen, der sich ebenfalls für Rap-Musik begeisterte: Joseph Hahn.

Joe, wie er genannt wird, kam am 15. März 1977 in Dallas, Texas, zur Welt. Er hat koreanische Vorfahren und wuchs mit seinen Eltern und zwei älteren Schwestern in Glendale, Kalifornien, auf. Seinen musikalischen Weg begann er ebenfalls früh, allerdings weit ab vom Rap. Das erste Instrument, das er spielte, war die Violine, wobei sein Vater darauf achtete, dass er stets fleißig übte. Bald darauf griff Joe auch zur Gitarre und kam schließlich während seiner High-School-Zeit zu den Turntables, auf denen er sich das Mischen von Musik beibrachte, was ihm mehr Spaß bereitete als alles andere. Er scratchte und produzierte eigene Mixtapes, die er an Freunde und Bekannte verteilte.

Kurz darauf freundete er sich auf dem College mit Mike Shinoda an, der ihm bei seiner weiteren Entwicklung enorm weiterhalf, indem Mike ihn an das Programmieren und die Produktion von Beats heranführte.

Nach seinem Abschluss an der Herbert Hoover High School in Glendale studierte Joseph ab 1995 in Pasadena. Ursprünglich hatte er vor, sich im Filmgeschäft zu etablieren. Er liebte die Special Effects von Kino-Knallern wie „Star Wars“ und „Die unheimliche Begegnung der dritten Art“. Als „Film-Freak“ interessierte er sich besonders für das Filmen von Videos und wollte weiter in diese Richtung gehen. Deshalb schmiss er nach einem Jahr die Kunstschule, an der er sich eingeschrieben hatte.

Doch es sollte ganz anders kommen, denn Josephs Leidenschaft war auch der Hip-Hop und die damit verbundenen Möglichkeiten eines DJs, verschiedene Stile zusammenzumischen, was er bereits ziemlich gekonnt praktizierte. Deshalb holte Mike ihn in die Band, wo er genau diesen Job übernahm: Joe wurde der DJ von Xero und mischte Sounds auf den Turntables.

Die Band bestand nun aus vier Mitgliedern. Als nächstes kam Dave „Phoenix“ Farrell hinzu, ein Studienkollege von Gitarrist Brad Delson. Er hatte sich 1995 an der University of California in Los Angeles eingeschrieben, um Kommunikationswissenschaften mit der Spezialisierung auf Business und Verwaltung zu studieren und mit einem Bachelor of Arts abzuschließen.

Er teilte sich ein Zimmer mit Dave Farrell, der – wie Brad – Mitglied der Phi Beta Kappa Society war, einer US-amerikanischen akademischen Gemeinschaft. Sie gilt als älteste und angesehenste Honor Society (studentische Vereinigung) in den Vereinigten Staaten.

Dave hatte zunächst acht Jahre lang Geige spielen gelernt und sich daneben ein wenig auf dem Cello versucht. Währenddessen entdeckte er den Rock und widmete sich intensiv der Gitarre. Als er an der High School das erste Mal in einer Band spielte, ging er zum Bass über und blieb dabei. Schließlich wurde er Bassist von Xero.

Damit war die Band fast komplett. Es fehlte nur noch ein Element: der Gesang. Die Formation hatte zwar Mike als Rapper, aber sie wollte zusätzlich einen Sänger für die melodischen Refrains der Lieder. Ihre Wahl fiel auf Mark Wakefield, einen Freund von Mike Shinoda, den er bereits seit dem 12. Lebensjahr kannte. Mark kam im Frühjahr 1996 zu Xero.

Nun war die Band vollständig und jammte zunächst einfach drauflos. Sie coverte Songs bekannter Bands und spielte auf Partys mit Freunden vor einem kleinen Publikum. Doch Mike hatte mit Joe bereits im Vorfeld begonnen, eigene Tracks in seinem Schlafzimmer aufzunehmen. Obwohl Joe eine turbulente Zeit erlebte, weil er das College verließ, um in einem Special-Effects-Unternehmen zu arbeiten, konnte er sich die Zeit dafür nehmen. Neben der Arbeit mischte und entwickelte er mit Mike weiterhin Songs und probte mit der Band.

Die Bandmitglieder ließen ihre favorisierte Musik in die Songs mit einfließen: Brad, Dave und Rob vertraten eher die harte, rockige Schiene, während Mike und Joe die Hip-Hop- und die Electro-Pop-Fraktion bildeten. Diese Stile führten sie zusammen – Grenzen existierten nicht.

Für den Aufbau eines musikalischen Konzeptes hatte die Band sich in Los Angeles niedergelassen und war sehr konzentriert bei der Sache. Alle waren für gegenseitige Anregungen offen. Schließlich wollten sie etwas ganz Eigenes erschaffen, das nichts mit den anderen Formationen oder mit den gerade aktuellen Entwicklungen in der Musikszene zu tun hatte. Diese befand sich im Aufbruch, und zwar in eine Richtung, die auch Xero eingeschlagen hatte: Die musikalischen Grenzen lösten sich auf. Korn, Rage Against The Machine oder Nine Inch Nails waren Bands, die Metal-Klänge mit Sprechgesang verknüpften. Eine Melange, die Xero ebenfalls gelingen wollte, obwohl Hip-Hop und Metal bis dahin als Gegenspieler galten, die sich nicht verbrüdern konnten. Mike Shinoda erklärte dazu in einem Interview mit dem Magazin „on3“ (heute unter der Dachmarke „PULS“) vom 21. März 2013, dass sie einen Weg gefunden hätten, sie doch zusammenzufügen, sodass sie zu den Persönlichkeiten der Bandmitglieder passten. Und das sei immer noch so.

Die Experimentierlust brachte schließlich fertige Songs hervor. Also nahm die junge Formation, die endlich weiterkommen wollte, ein Demo auf – es sollte das einzige analoge Demo-Tape der späteren Linkin-Park-Band werden. Danach folgten ausschließlich digitale Aufnahmen.

Die Kassette betitelten sie schlicht mit „Xero“ und nahmen vier Tracks dafür auf: „Rhinestone“, „Fuse“, „Stick N’ Move“ und „Reading My Eyes“, die, so ist es zumindest angegeben, allesamt Rob Bourdon geschrieben hatte.

Darüber hinaus hatten sie etliche Songs für das Demo eingespielt. Einiges von diesem Material der Ur-Linkin-Park-Truppe tauchte später in veränderter Form auf, etwa „Rhinestone“, das sich auf dem Album „Hybrid Theory“ unter dem Namen „Forgotten“ wiederfinden sollte, in dem auch ein Riff von „Stick N’ Move“ neu eingearbeitet wurde. Das Stück „Runaway“ vom Linkin-Park-Erstling stammt ebenfalls aus dieser Zeit, da der damalige Sänger Mark Wakefield als Mitkomponist angegeben ist. Auf das Debüt schaffte es aus der Anfangsphase auch „By Myself“. Und später gelangte auch „A Place For My Head“ auf „Hybrid Theory“. Es war im Grunde ein alter Song mit dem Titel „Esaul“, den die Formation als Xero eingespielt hatte, der aber nicht auf dem Demo-Band erschienen war. Das Tape hatte die Band 1996 aufgenommen und in kleiner Auflage 1997 veröffentlicht. Einerseits wollte der Nachwuchs-Sechser ein Publikum finden und andererseits sollten Plattenfirmen auf sie aufmerksam werden.

Also schickte die Band ihre Xero-Bänder an etliche Labels – ohne Erfolg. Entweder kam gar keine Reaktion oder sie bekamen eine Absage. Frustration machte sich aufgrund der Nichtbeachtung und Ablehnung breit. Die Musiker zweifelten, ob sie weitermachen sollten, da sich keiner für ihre Lieder zu interessieren schien. Sogar ihre Familien rieten ihnen, sich besser „ordentliche“ Jobs zu suchen.

Doch es gab einen Hoffnungsschimmer. Brad Delson, der Gitarrist der Band, arbeitete im Rahmen seines Studiums der Kommunikationswissenschaften beim Musikunternehmen Zomba in der Publishing-Abteilung in Los Angeles. Die Zomba Label Group war damals ein Plattenriese. Das Unternehmen wurde 1977 von Clive Calder als Musikverlag in den USA gegründet, der zur Bertelsmann Music Group gehörte. Nach der Fusion zwischen Sony Music und BMG im Jahre 2008 wurde das Label ein Teil von Sony Music Entertainment.

Bis 1981 war das Unternehmen ein reiner Buchverlag. Dann stieg Zomba ins Musikgeschäft ein, und zwar sehr erfolgreich. In den 1980er und 1990er Jahren standen einige der damals angesagtesten Hip-Hop-Acts bei Zomba unter Vertrag, z. B. KRS-One, R. Kelly und A Tribe Called Quest. Dazu kamen Altmeister wie Blues-Legende John Lee Hooker, die Heavy-Truppen Iron Maiden und Metallica und so unterschiedliche Hit-Lieferanten wie Popstar Britney Spears, die Boygroup Backstreet Boys sowie die RnB-Sänger Craig David und T-Pain.

Brad Delson hatte also eine direkte Verbindung zum großen Pop-Business, die er auch nutzte. Er steckte seinem Chef Jeff Blue, der damals für den Bereich Artists & Repertoire bei Zomba zuständig war, ein Xero-Demo zu. Damit war er genau an der richtigen Adresse, weil der 1967 geborene Blue auch noch Anwalt, vor allem aber Produzent, Songschreiber und ein Fan moderner Rock- und Popmusik war. Er war immer auf der Suche nach neuen Trends und neuen Bands, die die Musikszene voranbrachten und veränderten.

Während seiner ereignisreichen Karriere hatte Jeff Blue in viele Ecken des Showbusiness hineingeschnuppert. Er war bereits als Musikjournalist für das „Billboard“-Magazin, „HITS“ und „Entertainment Weekly“ tätig und hatte seine eigene Zeitschrift „Crossroads“, die sich unentdeckten Musiktalenten ohne Plattenvertrag widmete. Blue machte darüber hinaus als Drummer in zwei Bands selbst Musik und trat ganz nebenbei als Gelegenheitsschauspieler in TV-Werbe-Spots auf.

Er knüpfte viele Kontakte, hatte Insider-Einblicke in das Entertainment-Geschäft und kam schließlich wegen seiner Erfahrungen zu Zomba Music Publishing. Dort wurde er als Artists And Repertoire Manager, also auch als Talentsucher, angestellt und war dafür verantwortlich, neue Musik-Acts unter Vertrag zu nehmen und damit das Profil des Medienunternehmens zu bestimmen.

Im Laufe seiner Karriere agierte Blue als Förderer neuer Bands und Interpreten, verschaffte z. B. Macy Gray, The Last Goodnight, Limp Bizkit und Korn Label-Verträge und förderte Daniel Powter sowie seit 2012 die Band WERM. Als Songwriter versorgte er außerdem Gruppen wie Syndicate, TLG, Hoobastank oder Macy Gray (sein Titel für sie: der Top-Ten-Erfolg „Still“) mit Hits. Dazu kam seine Arbeit als Produzent für Alben von Musikern (etwa Better Than Ezra, Steadlur) sowie für verschiedene Soundtracks (z. B. „Königin der Verdammten“, ein Vampir-Kultfilm mit der 2001 verstorbenen RnB-Sängerin Aaliyah). Zudem aktivierte er 2009 sein eigenes Indie-Label Rock Shop Music, das Rock, Country, Hard-Rock, Electronic und im Grunde die gesamte Bandbreite der Popmusik umfasste. Anfang des Jahres 2014 ist der umtriebige Musik-Funktionär A&R-Manager für Atlantic Records.

Alles in allem war Jeff Blue durch seine Aktivitäten für den Absatz von 130 Millionen Alben und Singles in aller Welt mitverantwortlich. Und ein Großteil sollte über die Band eingenommen werden, auf die er noch unter ihrem alten Namen Xero durch seinen neuen Mitarbeiter Brad Delson aufmerksam gemacht wurde. Die Rede ist natürlich von Linkin Park.

Blue war – trotz einiger Kritikpunkte – begeistert vom Xero-Demo, das ihm Brad zugesteckt hatte, und sorgte dafür, dass die Band im Vorprogramm der Alternative-Metal-Rocker von System Of A Down auftreten konnte, und zwar vor den Augen einiger Zomba-Chefs.

Ort des Geschehens war der bekannte Klub „Whisky A Go Go“ in West-Hollywood, wo bereits Berühmtheiten wie die Rolling Stones, The Doors, Cream, Nirvana und Alice Cooper die Bühne gerockt hatten.

Es war der erste große Auftritt der Band und die Nerven lagen blank. Doch sie machte ihre Sache gut, und zwar so gut, dass sie einen Publishing-Vertrag mit Zomba abschließen konnte. Es war zwar nur ein Verlags-Deal und kein Plattenvertrag, über den die Band ein Album hätte aufnehmen können, aber es war ein Anfang, ein leiser Karrierestart und die Hoffnung, dass sich die vergangenen Jahre endlich auszahlten, in denen die Bandmitglieder äußerst hart neben ihren Broterwerbs-Jobs und dem College für die Musik gearbeitet hatten.

Xero spielten weitere Showcases, an einem Wochenende sogar insgesamt sechs Gigs, und das, kurz bevor Mike seine Abschlussprüfungen am Art Center College of Design absolvierte, was er trotz der zusätzlichen Belastungen gut bewältigte. Dennoch ging es nur mühsam voran. Und so richtig glücklich mit der Situation war besonders der Sänger Mark Wakefield nicht. Denn Xero hatte eben keinen echten Plattenvertrag und Geld kam dadurch ebenso keines herein.

Dave Farrell war ebenfalls unzufrieden und verließ 1998 die Band. Er spielte lieber für andere Formationen wie z. B. Tasty Snax und konzentrierte sich stärker auf sein Studium. Kurz darauf verschwand auch Wakefield aus dem Line-Up. Es ist nicht sicher, ob er die Band aus eigenem Antrieb verließ oder ob er dazu aufgefordert wurde, heißt es in Neil Daniels „Linkin Park: An Operator’s Manual“. Wakefields Erbe für die Gruppe waren einige Songwriting-Credits als Mitkomponist auf „Hybrid Theory“ („Crawling“, „Runaway“, „A Place For My Head“ und „Forgotten“) und entsprechend auf dem dazugehörigen Remix-Album „Reanimation“.

Nach seiner Xero-Zeit war Mark Wakefield Manager der Nu-Metal-Band Taproot, die 2002 mit einem Album namens „Welcome“ auf Platz 17 der US-Charts kam und daraus den Hit „Poem“ auskoppelte, der es auf Rang fünf der US-Main-Rock-Charts schaffte.

Mit Linkin Park als Band hatte Mark später nichts mehr zu tun. Allerdings ergab sich 2008 eine Kooperation mit einem uns wohlbekannten Freund namens Mike Shinoda aus Kindertagen. Gemeinsam nahmen sie den Song „Barack Your World“ auf, einen Gag-Titel über den US-Präsidenten Barack Obama. Sie veröffentlichten ihn unter dem Bandnamen White Pegacorn, was die einzige Veröffentlichung dieser Formation bleiben sollte.

Mit dem Weggang von Mark und Dave klafften Lücken bei Xero. Die verbliebenen Mitglieder der Gruppe suchten Ersatz und fanden Kyle Christener als neuen Bassisten. Doch was war mit dem Sänger? Ihn zu ersetzen würde viel schwieriger werden, weil der Sänger als Band-Frontmann das Aushängeschild ist, der Weg von außen zum Inneren der Gruppe. Er ist ein entscheidender Faktor für die Akzeptanz beim Publikum, also für den Erfolg – und er ist der sprachliche Vermittler der Song-Botschaften.

Im März 1999 schlug Jeff Blue einen Sänger vor, der ein Glücksfall für die Band werden sollte, ein Mann, der dafür geboren schien, mit der Formation zu einer Einheit zu verschmelzen, die sich bald schon Linkin Park nennen würde. Sein Name lautet Chester Bennington.

2 Somewhere I Belong:

Chester Bennington, ein Sänger mit Dämonen

Jeff Blue besuchte Anfang 1999 das Festival für Film und Musik „South By Southwest“ in Austin, Texas. Die Leute, die der damalige Vize-Präsident von Zomba Records dort traf, machten sich über ihn lustig, weil er weiterhin an Xero festhielt. Jeff antwortete, er brauche nur noch einen guten Sänger, dann würde die Band bestimmt Erfolg haben.

Blue unterhielt sich während des Festivals mit Scott Harrington, einem Plattenfirmen-Anwalt, der für die Kanzlei Manatt Phelps & Phillips arbeitete, die Xero in juristischen Fragen vertrat. Im Laufe des Gesprächs meinte Harrington, er kenne da jemanden in Phoenix, der ebenfalls Kunde seiner Firma war und vielleicht für den Job bei Xero am Mikrofon infrage käme. Gemeint war Chester Charles Bennington.

Chester kam am 20. März 1976 in Phoenix, Arizona, zur Welt und wuchs mit einem älteren Bruder auf, zwei Schwestern, seiner Mutter, einer Krankenschwester, und seinem Vater, der als Polizist für die Aufklärung von Kindesmissbrauchsfällen zuständig war. Er übernahm ständig Doppelschichten und war für seinen Sohn selten erreichbar.

Was sein Vater aufzuklären versuchte, erlebte Chester als Kind leider selbst. Er wurde seit seinem siebten Lebensjahr von einem älteren Freund missbraucht. Der zukünftige Sänger scheute damals lange davor zurück, um Hilfe zu bitten, weil er zum einen fürchtete, man würde ihm nicht glauben und als Lügner hinstellen. Zum anderen sollte man nicht von ihm denken, er sei homosexuell.

Der Missbrauch endete erst, als Chester 13 Jahre alt war. Später offenbarte er seinem Vater, was ihm passiert und wer der Täter war. Aber als Chester erfuhr, dass der Schuldige, der ihm das Leben durch seine sexuellen Übergriffe zur Hölle gemacht hatte, selbst ein Missbrauchsopfer war, unternahm er – vermutlich aus Mitleid – nichts weiter gegen ihn und zeigte ihn nicht an.

Außerdem ließen sich Chesters Eltern scheiden, als der zukünftige Rockstar elf Jahre alt war. Er lebte zunächst bei seinem Vater, doch er litt sehr unter der Trennung der Eltern. Und als wären diese Belastungen noch nicht genug, wurde Chester als Kind und auch als Teenager von seinen Mitschülern drangsaliert und verprügelt, weil er schmächtig war und sich nicht kleidete wie die anderen.

Seine Kindheit und seine Jugendzeit waren also alles andere als schön und unbeschwert. In seiner düsteren Lage flüchtete sich Chester in harte Drogen. Bereits als Teenager wurde er abhängig von Kokain und Crystal Meth, einem zerstörerischen Aufputschmittel. Er betäubte sich zudem mit Marihuana, Opium, Alkohol und schnellem Sex. Um seinen Drogenkonsum zu finanzieren, nahm er z. B. Jobs bei der Fast-Food-Kette Burger King an, wo er auch nach seinem Schulabschluss weiterhin arbeitete.

Mit 17 Jahren zog Chester zu seiner Mutter, die erschrocken über den Zustand ihres Sohnes war. Sie erteilte ihm sogleich Hausarrest, als sie merkte, dass er Drogen nahm. Chester spürte vor allem die langsame Zerstörung seines Körpers, seines Bewusstseins und die Wut über seine grässliche Situation. Später schaffte er den Entzug und wurde nicht müde, als prominenter Sänger vor Drogen zu warnen. Lediglich vom Alkohol kam er lange Zeit nicht vollständig los, bis er 2011 in einem Gespräch mit dem „New Musical Express“ erklärte, dass er das Trinken schließlich doch aufgegeben habe.

Chester, der in seiner Kinder- und Teenagerzeit als hyperaktiv galt, suchte sich bereits in dieser Zeit eigene Rettungspfade abseits der Drogen, über die er seine finsteren Erlebnisse auf besondere Art verarbeitete. Er malte Bilder, schrieb Gedichte, Texte und Lieder – und entdeckte die Musik schließlich als ernsthaften Ausweg für sich. Da er, seit er sich erinnern konnte, sowieso alles mitsang, was im Radio zu hören war, glaubte er, vielleicht als Sänger in einer Band Anerkennung zu finden und seine Gefühle in Songs auszudrücken, um seine Dämonen zu verscheuchen.

Seine frühesten Favoriten, die ihn musikalisch prägten, waren Depeche Mode und die Grunge-Band Stone Temple Pilots, bei denen er schon immer als Bandmitglied aufgenommen werden wollte. Der Frontmann der Pilots, Scott Weiland, ebenso wie Al Jourgensen von der Band Ministry, waren seine großen Vorbilder. Auch die Musik, die Chesters älterer Bruder hörte, beeinflusste ihn. Dabei handelte es sich um den melodischen Rock der 1980er Jahre von Bands wie Loverboy, Rush und Foreigner – eine Prägung, die später in die eingängigen Refrains der Linkin-Park-Songs einfließen sollte.

Sein Weg führte Chester beinahe zwangsläufig auf die Bühne. Das Terrain war ihm bereits vertraut. Als Kind trat er in Theaterproduktionen auf und zog durch das Land. Die meisten Bundesstaaten hatte er bereits gesehen, als er mit 14 Jahren zum ersten Mal als Sänger einer Band zum Mikrophon griff.

Neun Jahre lang war Chester der Frontmann diverser Formationen, bis er ab 1993 für die Gruppe Sean Dowdell And His Friends sang. Sean, den Namensgeber der Band, hatte Chester auf der High School kennengelernt. Die beiden verband nicht nur die Leidenschaft für Rockmusik, sondern auch für Tattoos. Sean eröffnete das Tätowierstudio „Club Tattoo“ in Arizona, wofür sein Kumpel Chester Jahre später als international gefeierter Rockstar Werbung machte.

Chester zeigte seine Tätowierungen, von denen er sich über ein Dutzend stechen ließ, gerne in der Öffentlichkeit, vor allem, wenn es um einen guten Zweck ging. Er ließ sich z. B. mit nacktem Oberkörper ablichten und präsentierte seine Tattoos, um sich für die Anti-Pelz-Kampagne „Ink, Not Mink“ (dt.: Tinte, nicht Nerz) der Tierrechtsorganisation PETA einzusetzen. Mittlerweile besitzt Chester auch eigene Tattoo-Studios in den USA, die äußerst erfolgreich sind.

Zu High-School-Zeiten ging es Chester und Sean jedoch in erster Linie um die Musik. Die beiden formierten 1994 in Phoenix aus Sean Dowdell And His Friends die neue Band Grey Daze und spielten Rock in bester Grunge-Tradition. Die Gruppe nahm 1994 das Album „Wake Me“ auf und 1997 den Nachfolger „No Sun Today“. Grey Daze hielten einige Jahre zusammen aus, bis Chester 1998 ausstieg, weil die Gruppe schlicht keinen Erfolg hatte. Eine neue Band fand er nicht so schnell und er dachte sogar eine Zeit lang daran, überhaupt keine Musik mehr zu machen.

Sein Geld verdiente er damals, mit 22 Jahren, weiterhin bei Burger King und mit Gelegenheitsjobs, bis er eines Tages einen Anruf bekam. Am Apparat war Jeff Blue.

Blue hatte während des Festivals „South By Southwest“ mit dem Anwalt Scott Harrington einiges an Alkohol getrunken, was sein Interesse an dem möglichen Sängerkandidaten für Xero anscheinend rapide steigerte, denn er rief ihn sofort an.

Chester war gleich am Telefon, sagte allerdings abwehrend, er sei gerade auf seiner eigenen Geburtstagsparty. Er wurde an diesem Tag, dem 20. März 1999, 23 Jahre alt. Blue fragte ihn, ob er vielleicht für ein Bandprojekt vorsingen wollte und, wenn er einige Tapes einer Gruppe namens Xero bekäme, sofort dazu singen könnte. Aber Chesters Interesse hielt sich in Grenzen, denn er wollte seinen Geburtstag weiter feiern. Jeff versuchte, ihn zu überzeugen: Er würde ihm eine Chance geben, Sänger der Band zu werden. Dafür müsste er jedoch schnellst möglich zu den Instrumentals der Band singen. Chester ließ sich überreden, woraufhin Jeff Blue ihm sogleich zwei Tapes schickte: das eine mit der Stimme von Ex-Xero-Sänger Mark Wakefield und das andere mit Instrumentals. Chester sollte seine Vocals zum zweiten Band beisteuern. Er schrieb einige Lyrics zu den Songs und sang sie in einem Studio in Phoenix ein.

Das Ergebnis ließ er Jeff Blue und die Band gleich am nächsten Tag über das Telefon hören und schickte die nun mit seiner Stimme versehenen Bänder sofort zurück. Die Wirkung seiner Aufnahmen war atemberaubend: Die Kraft, die Energie, die seine Stimme ausströmte, faszinierte die Band – Chester war ihre erste Wahl und so wurde er drei Tage später nach Los Angeles für eine persönliche Audition eingeladen, auf Kosten von Jeff Blue, den nichts mehr von Chester abbringen konnte. Er war überzeugt: Das ist der richtige Sänger für Xero.

Die Band ließ Chester kommen und erst einmal drei Tage warten, ehe er vorsingen durfte. Er war gut vorbereitet und hatte alle Sets der Gruppe auswendig gelernt. Chester machte seine Sache sehr gut, die Xero-Bandmitglieder liebten seinen Gesang. Doch Chester musste miterleben, dass die Band noch andere Sänger zum Auswahlverfahren bat. Eigentlich hätte er sich in Ruhe zurücklehnen können, weil er bereits die erste Wahl war. Das war ihm anscheinend noch nicht bewusst, denn er fragte sich, was die Gruppe damit beabsichtigte, ihm die Konkurrenz vorzuführen. Der Grund war, dass die anderen Kandidaten vorher bereits Termine bekommen hatten, und die Band wollte ihnen gegenüber fair sein und nicht sofort wieder absagen. Sie bekamen ihre Gelegenheit, aber eine wirkliche Chance hatten sie nicht. Einer von Chesters Mitbewerbern, der ihn singen hörte, brachte es auf den Punkt. Er erzählte, dass er sofort aufgeben wollte, weil er meinte, der Mann aus Phoenix sei einfach zu gut. Wenn die Band ihn nicht engagieren würde, sei sie verrückt.