image

Wissenschaftliche E-Book-Reihe, Band 16

Originalausgabe

Archiv der Jugendkulturen Verlag KG

Vertrieb: www.shop.jugendkulturen.de

ISBN: 978-3-945398-14-2

Lektorat: Gabriele Vogel

Die Wissenschaftliche Reihe im Archiv der Jugendkulturen

Alljährlich entstehen an Universitäten und Fachhochschulen Hunderte von wissenschaftlichen Arbeiten, die zumeist nur von zwei Gutachtern gelesen werden und dann unbeachtet in den Asservatenkammern der Hochschulen verschwinden. Dabei enthalten viele dieser Arbeiten durchaus neues Wissen, interessante Denkmodelle, genaue Feldstudien. Das Archiv der Jugendkulturen, Fachbibliothek und Forschungsinstitut zugleich zu allen Fragen rund um Jugendkulturen, hat deshalb damit begonnen, wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Jugend zu sammeln und öffentlich zugänglich zu machen. Mehr als 600 solcher Arbeiten enthält die Präsenzbibliothek des Archivs inzwischen – für jedermann kostenlos und frei zugänglich.

In der Wissenschaftlichen Reihe publiziert der Archiv der Jugendkulturen Verlag seit 2007 zudem qualitativ herausragende wissenschaftliche Arbeiten zu jugendkulturellen Zusammenhängen. Die Arbeiten werden von fachkundigen GutachterInnen gelesen und vor der Veröffentlichung professionell lektoriert. Da pro Jahr von 20 - 25 eingereichten Arbeiten nur zwei veröffentlicht werden, kann bereits die Aufnahme in den Verlagskatalog als Auszeichnung verstanden werden. Doch für die AutorInnen lohnt sich die Veröffentlichung auch materiell. Die Archiv der Jugendkulturen Verlag KG verlangt keinerlei Kostenbeteiligungen! Im Gegenteil: AutorInnen, deren Arbeiten wir in unserer Wissenschaftlichen Reihe veröffentlichen, erhalten bereits für die Erstauflage ein Garantiehonorar von 1.000 Euro!

Seit 2011 wird diese Reihe durch eine elektronische Schwester ergänzt. Denn immer wieder mussten wir hervorragende Manuskripte ablehnen, da ein kleiner Verlag wie der unsrige sich nicht mehr als zwei wissenschaftliche Titel mit den gesetzten Qualitätsstandards (großformatige Hardcover, alle Bände sind illustriert, oft in Farbe) und dem bewusst niedrig angesetzten Ladenpreis (um möglichst viele Menschen zu erreichen) leisten kann. Die E-Book-Reihe soll dieses Manko ausgleichen. Was für die Printreihe gilt, gilt auch für unsere E-Books: Sie werden ebenfalls sorgfältig ausgewählt und lektoriert, die AutorInnen erhalten ein kleines Garantiehonorar und werden am Umsatz beteiligt.

Das Archiv der Jugendkulturen e. V.

Das Berliner Archiv der Jugendkulturen e. V. existiert seit 1998 und sammelt – als einzige Einrichtung dieser Art in Europa – authentische Zeugnisse aus den Jugendkulturen selbst (Fanzines, Flyer, Musik etc.), aber auch wissenschaftliche Arbeiten, Medienberichte etc., und stellt diese der Öffentlichkeit in seiner Bibliothek kostenfrei zur Verfügung. Darüber hinaus betreibt das Archiv eine eigene Jugendforschung, berät Kommunen, Vereine etc., bietet jährlich bundesweit rund 80 Schulprojekttage und Fortbildungen für Erwachsene an und publiziert eine Buchreihe sowie eine eigene Zeitschrift – das Journal der Jugendkulturen. Das Archiv der Jugendkulturen e. V. hat derzeit 270 Mitglieder weltweit (darunter viele Institutionen). Die Mehrzahl der MitarbeiterInnen arbeitet ehrenamtlich.

Schon mit einem Jahresbeitrag von 48 Euro können Sie die gemeinnützige Arbeit des Archiv der Jugendkulturen unterstützen, Teil eines kreativen Netzwerkes werden und sich zugleich eine umfassende Bibliothek zum Thema Jugendkulturen aufbauen. Weitere Infos unter www.jugendkulturen.de

AutorInnen einer wissenschaftlichen Arbeit zum Fokus Jugendkulturen können sich um den Respekt!-Preis zur Förderung wissenschaftlicher Arbeiten über Jugendkulturen bewerben: www.respekt-stiftung.de

Bachelorarbeit

zur Erlangung des akademischen Grades „Bachelor of Arts (B.A.)“

im Studiengang Sozialwissenschaften und Philosophie/Kernfach Kulturwissenschaften

an der Universität Leipzig

Frauenbilder im Deutsch-Rap

Zwischen Subversion und Affirmation
männlich geprägter Rollenzuschreibungen

Betreuer der Bachelorarbeit: Dr. Harald Homann

vorgelegt von:

Eva Tuchscherer

Matrikelnr.: 1640683

Fockestraße 80
04277 Leipzig

evatuch@web.de

Leipzig, den 14.9.2012

INHALT

1. EINLEITUNG & FORSCHUNGSINTERESSE

2. DAS DISKURSANALYTISCHE VORGEHEN

2.1 BEGRIFFE & BESONDERHEITEN DES MATERIALS

2.2 EINGRENZUNGEN & PRAKTISCHE ÜBERLEGUNGEN

2.3 ERSTELLUNG DES DATENKORPUS

2.4 TEXTANALYSE

3. THEORETISCHE GRUNDLAGEN & WISSENSCHAFTLICHER DISKURS ZUM THEMA RAP

3.1 GESCHICHTLICHER ABRISS DER RAP-KULTUR

3.2 RAP-TYPISCHE SPRECHPRAKTIKEN & VERHALTENSWEISEN

3.3 GESCHLECHTERDISKURS IM RAP

3.3.1 Zur Konstruktion von Geschlecht

3.3.2 Geschlechterverhältnisse im HipHop

3.3.3 „Rap-Models“ von Menrath/Völker

3.3.4 Subversionspotential bei Klein/Friedrich

4. HAUPTTEIL

4.1 ERGEBNISSE DER DISKURSANALYSE

4.1.1 Evaluation des Forschungsprozesses und damit verbundene Ergebnisse

4.1.2 Identifikationsstrategien der einzelnen Rapperinnen

4.1.2.1 Lena Stoehrfaktor

4.1.2.2 Pyranja

4.1.2.3 Kitty Kat

4.1.2.4 Lady Bitch Ray

4.1.2.5 Sookee

4.1.3 Vergleich der fünf Rapperinnen

4.2 FRAUENBILDER ZWISCHEN SUBVERSION & AFFIRMATION

4.2.1 Menrath/Völker's Rap-Models im Vergleich mit eigenen empirischen Ergebnissen

4.2.2 Fünf Frauenbilder & ihr kritisches Potential

4.2.2.1 Die Flowprinzessin (Pyranja)

4.2.2.2 Die rappende Nutte (Lady Bitch Ray)

4.2.2.3 Die Quing (Sookee)

4.2.2.4 Die Mörderpuppe (Kitty Kat)

4.2.2.5 Der Störfaktor Lena (Lena Stoehrfaktor)

4.2.3 Zusammenfassung

5. SCHLUSS

5.1 EVALUATION DES FORSCHUNGSPROZESSES

LITERATURVERZEICHNIS

ANHANG

1. Einleitung & Forschungsinteresse

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit unterschiedlichen Frauenbildern im Deutsch-Rap und deren Strategien der Ausdeutung von Geschlechtsidentität im Hinblick auf die in der Szene vorherrschende Dominanz von Männlichkeit.

Mithilfe einer diskursanalytischen Untersuchung von Liedtexten der Rapperinnen Sookee, Pyranja, Kitty Kat, Lena Stoehrfaktor und Lady Bitch Ray werden die von den Künstlerinnen vertretenen Interpretationen geschlechtlicher Identität ermittelt und im Anschluss daran deren kritisches Potential in Bezug auf die Überrepräsentanz von Männlichkeit im Rap unter Berücksichtigung der theoretischen Ansätze von Menrath/Völker1 und Klein/Friedrich2 untersucht.

Bei HipHop handelt es sich um eine weltweit verbreitete Jugendkultur, die von ihren subkulturellen Ursprüngen zum gesellschaftlichen Mainstream vorgedrungen ist. Kulturelle Aktivität spielt im Kontext von HipHop eine hervorgehobene Rolle. Sie setzt sich aus vier Elementen zusammen: DJ-ing, Breakdance, Rap und Graffiti. Rap-Musik bezeichnet den zur HipHop-Kultur gehörenden Musikstil und wird irrtümlicherweise oft mit HipHop-Kultur gleichgesetzt. „Rap ist das bekannteste und kommerziell erfolgreichste Feld des HipHop, seine Protagonisten sind die berühmtesten Aktivisten und stehen im Rampenlicht der Medien.“3

Im Rap, sowie im HipHop allgemein, steht die Präsentation des Selbst in Verbindung mit dem eigenen Können und dem Status in der HipHop-Szene im Vordergrund. Die Zahl der im Rap aktiven Künstler_innen ist klar von Männern dominiert.4 Das Phänomen des Ungleichgewichts zwischen männlichen und weiblichen Vertreter_innen lässt sich jedoch in allen Bereichen der Rock- und Popmusik beobachten, sodass sich hierin kein Alleinstellungsmerkmal der HipHop-Kultur konstatieren lässt.5

Männlichkeit konstituiert sich im Rap als vorherrschende Norm, sodass Männlichkeit als identitätsstiftendes Moment im Zuge der Selbstinszenierung überrepräsentiert ist.

In diesem Kontext ergab sich die Frage nach aktiven Frauen im HipHop und darauffolgend das Forschungsinteresse an Frauenbildern im Rap. Die grundsätzliche Frage war: Wie verhalten sich Frauen im Rap im Hinblick auf die dargelegte Überrepräsentanz von Männlichkeit? Damit einher ging die Frage nach der Relevanz von Weiblichkeit als identitärem Bezugspunkt für die Selbstdarstellung der Künstlerinnen und die Art und Weise der Bezugnahme auf Weiblichkeit durch die aktiven Rapperinnen. Ziel war es, unter der Annahme der Existenz von variierenden Frauenbildern Umgangsstrategien herauszuarbeiten und diese mit wissenschaftlichen Ansätzen zum Thema „Frauenbilder im HipHop“ zu vergleichen. Inwiefern ergeben sich dabei Besonderheiten für Frauenbilder im deutschsprachigen Rap-Kontext? Als Grundlage hierfür dienen einerseits die Rap-Models von Menrath/Völker und andererseits die Thesen zum Subversionspotential von Frauenbildern im Musikgeschäft von Klein/Friedrich. In Bezug auf die idealtypischen Frauenbilder von Menrath/Völker gilt es zu überprüfen, ob diese auf die Selbstdarstellungen der untersuchten Rapperinnen anwendbar sind, um zu ermitteln, ob die Thesen im deutschsprachigen Kontext eine Entsprechung finden. Die Frage, inwiefern Frauenbilder in der Lage sind, die Überrepräsentanz von Männlichkeit infrage zu stellen, soll mithilfe der von Klein/Friedrich vorgestellten Ansätze von Bordieu und Butler untersucht werden.

Ziel der Arbeit ist es, die Positionen und Strategien der aktiven Rapperinnen herauszustellen und ihre selbst produzierten Frauenbilder als autonome Perspektive festzuhalten und zu konstituieren.

Vor dem Hintergrund dieser Fragestellungen und Interessenschwerpunkte entwickelt sich der Prozess meiner Arbeit.

Nach der Klärung des Forschungsinteresses werden der Prozess der Recherche und Akteurinnenwahl, die Zusammenstellung des Datenkorpus, theoretische und praktische Eingrenzungen sowie Probleme und Erwartungen bei der Auswertung der Texte beschrieben. Es folgt ein Theorieteil, in dem die Geschichte der HipHop- bzw. Rap-Kultur von ihren Ursprüngen in den USA bis zu ihren Ausdifferenzierungen in Deutschland entlang der darin aktiven Künstlerinnen nachgezeichnet wird, auf Charakteristika der Rap-typischen Sprachpraktiken und Verhaltensweisen eingegangen wird und die für die Analyse relevanten Theorien in Bezug auf Geschlechtskonstruktion und Geschlechtsidentität, Geschlechterverhältnisse im HipHop, vorherrschende weibliche Inszenierungen nach Menrath/Völker und die Theorien von Klein/Friedrich zur Möglichkeit der Subversion „männlicher Herrschaft“6 im Rap dargelegt werden.

Anschließend werden im Hauptteil die Ergebnisse der Untersuchung der Rap-Texte im Hinblick auf die Relevanz von Weiblichkeit für die darin enthaltenen Selbstdarstellungen einzeln dargestellt. Dabei werden die Verortung der Rapperinnen in Subgenres und deren Reflexionen in Bezug auf gesellschaftliche Rollenerwartungen berücksichtigt. Die Ergebnisse werden zu Anfang mit den der Analyse vorausgegangenen Erwartungen abgeglichen und schließlich miteinander verglichen. Im zweiten Schritt des Hauptteils werden die ermittelten Frauenbilder von Lena Stoehrfaktor, Sookee, Lady Bitch Ray, Pyranja und Kitty Kat mit theoretischen Ansätzen in einen Kontext gestellt. Dabei kommt es zum Vergleich mit den in Female HipHop (2007) aufgestellten typischen Rap-Models der „Queen-Bitch“, der „Conscious Sista“, der „Crew-Sahnehaube“, der „Gangsterrapperin“ und der „True-School-MC“ und zu einer darauffolgenden Bewertung der Anwendbarkeit dieser Kategorien auf den deutschen Rap-Kontext. Daraufhin werden die einzelnen Selbstdarstellungen mit den darin enthaltenen Weiblichkeitskonstruktionen auf ihre Möglichkeiten der Subversion männlich geprägter Geschlechternormen im Rap hin analysiert und bewertet.