cover

Biz Stone

Folge

dem blauen

Vogel

Die Twitter-Story

Bekenntnisse eines Kreativen

Aus dem Amerikanischen von Elisabeth Schmalen

Über den Autor

Aus einfachen Verhältnissen kommend zählt Biz Stone heute zu den einflussreichsten Unternehmerpersönlichkeiten unserer Zeit. Den gewünschten Erfolg brachten ihm sein Selbstvertrauen, seine Kreativität und sein unerschütterlicher Glaube an sich selbst.

Gemeinsam mit einem Kollegen entwickelte er in einem internen Betriebswettbewerb die Idee für einen Kurznachrichtendienst: Im März 2006 war Twitter geboren und wurde in den darauffolgenden Jahren zu einem weltweit genutzten Kommunikationsmedium.

Twitter war immer geprägt von den Vorstellungen, die Stone von einem Unternehmen hat: Für alle Mitarbeiter galt eine Reihe von Regeln, die – anders als bei rein gewinnorientierten Firmen – darauf abzielten, was für alle Beteiligten am besten ist. Jegliche Änderungen und Anpassungen waren auf ihre Interessen ausgerichtet, ein gutes Betriebsklima war ein Muss.

Biz Stone lässt den Leser an seinen Erfahrungen, seinen Erfolgen, aber auch Misserfolgen teilhaben und vermittelt die Botschaft, dass es sich immer lohnt, für seine Träume zu kämpfen.

Ein sehr persönliches Buch mit einem exklusiven Blick hinter die Kulissen von Twitter.

Biz Stone arbeitete zuerst bei Google und half dort unter anderem bei der Entwicklung von Blogs und Podcasts. Im Anschluss daran gründete er mit zwei Freunden Twitter. Er ist gefragter Gastdozent an Universitäten und Keynote-Speaker auf Konferenzen und Firmenveranstaltungen. Zuletzt gründete Biz das Unternehmen Jelly, dessen Geschäftsführer er zugleich ist. Mit seiner Frau und seinem Sohn lebt er in der Nähe von San Francisco.

Die Originalausgabe dieses Buches erschien 2014 unter dem Titel Things a little bird told me. Confessions of the Creative Mind bei Grand Central Publishing, einem Mitglied der Hachette Book Group, Inc.

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen.

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter http://dnb.ddb.de abrufbar.

Aus dem Amerikanischen von Elisabeth Schmalen

© Biz Stone, 2014

This edition published by arrangement with Grand Central Publishing, New York, NY, USA. All rights reserved.

© der deutschsprachigen Ausgabe 2015 Ariston Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH,
Neumarkter Str. 28, 81673 München.

Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung: Hauptmann und Kompanie, Zürich, unter Verwendung eines Motivs von Paige Green und dem Coverdesign von Christopher Silas Neal

Illustrationen: Patrick Barth

Satz: EDV-Fotosatz Huber/Verlagsservice G. Pfeifer, Germering

ISBN 978-3-641-15443-1
V002

Für Livia

Inhalt

Über den Autor

Einleitung Auftritt: Das Genie

1 Wie schwer kann es schon sein?

2 Jeder Tag bringt etwas Neues

3 Die Könige des Podcastings danken ab

4 Eine kurze Lektion darin, sich kurz zu fassen

5 Wie die Menschheit lernte, Schwärme zu bilden

6 Glücklich bis ans Lebensende

7 Ein Hoch auf den Fehler-Wal

8 Der Lichtblick

9 Viele kleine Schritte führen zum Ziel

10 500 Millionen Dollar

11 Die Weisheit der Masse

12 Eine Frage der Wahrheit

13 Das Keine-Hausaufgaben-Prinzip

14 Die neuen Regeln

15 25 Dollar können viel ausrichten

16 Eine neue Definition von Kapitalismus

17 Etwas Neues

18 Die wahre Verheißung einer vernetzten Gesellschaft

Schluss

Dank

Einleitung

Auftritt: Das Genie

Am 7. Oktober 2003 ließ ein »Bostoner Blogunternehmen« namens Genius Labs verlauten, es sei von Google aufgekauft worden. Die Presseerklärung wurde von mehreren Nachrichtenmedien aufgegriffen, und schon bald tauchte Genius Labs in der »Liste der Fusionen und Akquisitionen von Google« bei Wikipedia auf. Sobald etwas bei Wikipedia steht, gilt es oft als Tatsache. Und in gewisser Weise stimmte das auch. Genius Labs war ein Unternehmen. Dieses Unternehmen war ich. Die Geschichte, wie ich von Google übernommen – das heißt: eingestellt – wurde, sagt eine ganze Menge über meinen Werdegang aus.

Ein Jahr zuvor hatte es für mich als Unternehmer nicht allzu gut ausgesehen. Mein erstes Start-up, eine Webseite namens Xanga, hervorgegangen aus der nicht ganz ausgereiften Idee von ein paar Freunden und mir, »eine Webfirma zu gründen«, war nicht das, was ich mir erhofft hatte. Da ich es satthatte, ewig pleite in New York zu leben – von allen Orten auf der Welt ist New York wirklich einer der schlimmsten, um pleite zu sein –, kündigte ich. Meine Freundin Livia und ich zogen zurück in meine Heimatstadt Wellesley, Massachusetts, mit Zehntausenden Dollar Kreditkartenschulden im Gepäck. Wir wohnten bei meiner Mutter im Keller. Ich hatte keine Arbeit. Ich versuchte, eine alte Version von Photoshop auf eBay zu verkaufen (was vermutlich illegal ist), aber keiner wollte sie haben. Irgendwann fragte ich sogar, ob ich meinen alten Job im Start-up wiederbekommen könnte – doch meine früheren Kollegen lehnten ab.

Der einzige Lichtblick in meinem sogenannten Berufsleben war das Bloggen. Im Start-up hatten wir die Software eines Unternehmens namens Pyra verwendet, und die Arbeit eines Mitgründers von Pyra, Evan Williams, interessierte mich sehr. Ich fing an, meinen eigenen Blog zu schreiben, und folgte Evans. 1999 gehörte ich zu den Ersten, die ein neues Produkt von Pyra testen durften: einen Bloghosting-Dienst mit dem Namen Blogger. Für mich, wie für viele andere auch, bedeutete das Bloggen eine Offenbarung, sogar eine Revolution – eine ganz neue Dimension der Demokratisierung von Informationen.

Xanga war eine Blogger-Community, doch seit meiner Kündigung bekam ich – der pleite und ohne Ziel vor Augen bei seiner Mutter im Keller festsaß – diese Revolution nur noch am Rande mit. In meinem Blog sah das allerdings ganz anders aus. Mein Blog war mein Alter Ego. Es war eine Fiktion, durchdrungen von absoluter, fast wahnhafter Zuversicht. Das fing schon beim Namen an, der von einem alten Bugs Bunny-Cartoon inspiriert war, in dem Wile E. Coyote einen Gastauftritt hat. In einer Szene sagt der Kojote in untadeliger Manier: »Darf ich mich vorstellen?«, und überreicht Bugs mit einer schwungvollen Geste eine Visitenkarte. Darauf steht: WILE E. COYOTE, GENIE. Indem er sich auf seiner Visitenkarte als Genie bezeichnet, verkörpert Wile E. Coyote genau das, was einen Unternehmer aus dem Silicon Valley ausmacht. Wenn man ein Unternehmen gründet, existiert manchmal nicht mehr als nur eine Idee. Und manchmal hat man noch nicht einmal eine Idee – nur die unerschütterliche Zuversicht, dass man eines Tages eine Idee haben wird. Und da man irgendwo beginnen muss, erklärt man sich selbst zum Unternehmer, so wie Wile E. sich zum Genie erklärt. Dann lässt man eine Visitenkarte drucken und nennt sich selbst Gründer und CEO.

Ich hatte kein Unternehmen … noch nicht. Doch ganz im Geiste von Wile E. taufte ich meinen Blog Biz Stone, Genie. Ich erstellte auch Visitenkarten mit diesem Wortlaut. Und in meinen Beiträgen gab ich mir alle Mühe, diese Rolle zu verkörpern. Biz, das Genie, behauptete, mit unerschöpflichen Ressourcen und einem Team von Weltklassewissenschaftlern an Erfindungen zu arbeiten, in einem Hauptquartier, das natürlich »Genius Labs«, Genielabor, hieß.

In einem meiner Posts im Juli 2002 war zu lesen: »Das maßstabsgetreue Modell eines japanischen Superjets, der doppelt so schnell wie die Concorde fliegen soll, ist beim Testflug abgestürzt … Eventuell muss ich mit ein paar Unterschriften dafür sorgen, dass weitere Millionen in die Weiterentwicklung von Hybridmotoren für den Luftverkehr fließen können.«

Der echte Biz investierte nicht in Hybridmotoren für den Luftverkehr. Doch ich schaffte es immerhin, eine Stelle als »Webspezialist« am Wellesley College zu ergattern, und auch Livia fand einen Job. Wir mieteten eine Wohnung in der Nähe des Campus, damit ich zu Fuß zur Arbeit gehen konnte. Es war zwar eher ein Dachboden als ein Apartment, aber immerhin nicht der Keller meiner Mutter.

Mein Alter Ego Biz, das Genie, verbreitete in der Zeit weiter Zuversicht und gewann immer mehr Anhänger. Er war Buddy Love, ich Professor Kelp. Doch während ich dieses Spielchen immer weiter trieb, veränderte sich etwas. Meine Beiträge waren nicht mehr einfach nur skurril. Einige der Ideen waren nicht länger die eines durchgeknallten Forschers, sondern meine eigenen. Während ich darüber schrieb, wie sich das Internet weiterentwickeln könnte, kamen mir ein paar Ideen, die später in meine Arbeit einfließen würden. Im September 2003 postete ich:

Mein RSS-Reader [ein Newsfeed-Format] ist auf 255 Zeichen begrenzt. Könnte 255 ein neuer Blog-Standard sein? … Erscheint zwar sehr wenig, aber wenn man täglich viele Blogs auf iPods und Handys liest, ist es vielleicht ein guter Standard.

Ich hatte keine Ahnung, dass Ideen wie diese, die zu der Zeit nebensächlich erschienen, eines Tages die Welt verändern sollten. Und das sage ich mit der ganzen bescheidenen Zurückhaltung eines selbst ernannten Genies.

Google kaufte Evan Williams’ Unternehmen Blogger Anfang 2003 auf. In den vier Jahren, die es gedauert hatte, bis Bloggen von der Freizeitbeschäftigung einiger Nerds zu einem Alltagsbegriff geworden war, hatten Ev und ich uns nie getroffen oder auch nur miteinander telefoniert. Aber ich hatte ihn für ein Onlinemagazin namens Web Review interviewt und hatte noch seine E-Mail-Adresse. Jetzt nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und kontaktierte ihn. Ich gratulierte ihm per Mail zur Übernahme und schrieb: »Ich habe mich immer als das fehlende siebte Mitglied deines Teams betrachtet. Wenn du je mit dem Gedanken spielst, mehr Leute einzustellen, gib mir Bescheid.«

Es stellte sich heraus, dass Ev meinem Blog ebenfalls folgte, ohne dass ich davon wusste. Das machte uns in der Computerwelt praktisch zu Blutsbrüdern. Obwohl er von den besten Entwicklern der Welt umgeben war, brauchte er jemanden, der sich wirklich mit sozialen Medien auskannte – jemanden, der verstand, dass es um die Menschen ging, nicht nur um Technologie – und er meinte, ich sei der Richtige dafür.

Er schrieb mir sofort zurück und fragte: »Willst du hier arbeiten?«

Ich antwortete: »Klar«, und dachte, damit sei alles geritzt. Ich hatte einen neuen Job an der Westküste. Total einfach.

Was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste, war, dass Evan hinter den Kulissen einige Hebel in Bewegung setzen musste, um mich einzustellen. Ziemlich große Hebel. Solche, mit denen man extreme Lasten bewegen kann. Google war bekannt dafür, nur Leute mit einem Studienabschluss in Informatik einzustellen, vorzugsweise mit Doktortitel; niemand dort interessierte sich für Studienabbrecher wie mich. Doch letzten Endes ließen sich die Mächtigen bei Google widerstrebend darauf ein, dass Wayne Rosing, damals bei Google für die technische Entwicklung zuständig, mit mir telefonieren sollte.

Am Tag des Anrufs saß ich in meiner Dachwohnung und starrte auf das rechteckige, weiße RadioShack-Telefon, das ich schon seit meiner Kindheit besaß. Es war noch eins mit Schnur und im Grunde ein Sammlerstück. Ich hatte noch nie zuvor ein Bewerbungsgespräch gehabt; keiner hatte mich auf so etwas vorbereitet. Obwohl ich, naiv, wie ich war, davon ausging, dass ich den Job ohnehin schon hatte, verstand ich, dass dieses Telefonat mit Wayne Rosing für jemanden in meiner Position ein ziemlich großes Ding war. Ich hatte Angst, dass ich es versauen könnte, und das mit gutem Grund. Ein paar Tage zuvor hatte mich eine Frau aus der Personalabteilung angerufen und ich hatte mit ihr herumgeflachst. Als sie mich fragte, ob ich einen Studienabschluss hätte, antwortete ich: Nein, aber ich hätte im Fernsehen Werbung dafür gesehen, wo man einen bekommen könnte. Sie lachte nicht. In diesem Bereich war auf meine Instinkte offenbar kein Verlass. Der echte Biz war von Selbstzweifeln geplagt.

Das Telefon klingelte, und während ich den Arm danach ausstreckte, geschah etwas mit mir. In dem Augenblick entschied ich, all meine Misserfolge und die Hoffnungslosigkeit hinter mir zu lassen. Stattdessen würde ich ganz zu meinem Alter Ego werden: dem Typen, der Genius Labs leitete. Biz, das Genie, stand parat.

Wayne erkundigte sich als Erstes nach meiner Erfahrung. Er hatte wohl mit der Frau aus der Personalabteilung gesprochen, denn seine erste Frage lautete, warum ich mein Studium nicht abgeschlossen hätte. Selbstbewusst erklärte ich, dass mir ein Job als Buchumschlaggestalter angeboten worden war, bei dem ich direkt mit einem Artdirector zusammenarbeiten konnte. Ich betrachtete diese Arbeit als eine Art Ausbildung. Im weiteren Verlauf des Gesprächs gab ich zu, dass mein Start-up ein Fehlschlag gewesen war – zumindest für mich –, doch ich machte deutlich, dass ich gekündigt hatte, weil die Firmenkultur dort nicht meiner Persönlichkeit entsprach. Im Silicon Valley war die Erfahrung, mit einem Start-up gescheitert zu sein, durchaus etwas wert. Ich erzählte ihm, dass ich ein Buch über das Bloggen geschrieben hatte.

Dann, zwischen zwei Fragen, meinte ich: »Hey, Wayne, wo wohnen Sie eigentlich?« Das überraschte ihn. Die Frage war ihm wohl nicht ganz geheuer.

»Warum wollen Sie wissen, wo ich wohne?«, fragte er.

»Wenn ich mich dafür entscheide, die Stelle anzunehmen, muss ich mir ja eine gute Gegend aussuchen«, gab ich zurück.

Wenn ich mich dafür entscheide, die Stelle anzunehmen. Mir war nicht einmal klar, wie dreist ich war. Aber irgendwie klappte es. Ich bekam den Job. Ich würde bei Google anfangen. Evan lud mich nach Kalifornien ein, damit ich das Team kennenlernen konnte. Mit den scheinbar grenzenlosen Ressourcen, den unzähligen Forschern und Geheimprojekten war Google der Ort auf der Welt, der am ehesten meinem imaginären Genielabor ähnelte.

Ein paar Jahre später verließen Ev und ich Google, um unser eigenes Unternehmen zu gründen. Ich hatte vor dem Börsengang bei Google angefangen, daher gab ich viele wertvolle Aktien auf. Doch bei meinem Umzug ins Silicon Valley ging es nicht um einen bequemen Job – es ging darum, ein Risiko einzugehen, meine Zukunft selbst in die Hand zu nehmen und mich neu zu erfinden. Mein erstes Start-up war gescheitert. Mein nächstes war Twitter.

Dieses Buch ist mehr als die Geschichte eines Tellerwäschers, der zum Millionär wurde. Es erzählt, wie man etwas aus dem Nichts erschafft, wie man seine Fähigkeiten und seine Ziele miteinander in Einklang bringt und was man lernt, wenn man die Welt als einen Ort der unerschöpflichen Möglichkeiten betrachtet. Einfache, harte Arbeit ist gut und wichtig, doch es sind die Ideen, die uns antreiben, sowohl als Individuen als auch als Unternehmen, Nationen und als globale Gemeinschaft. Was uns einzigartig macht, uns inspiriert und erfüllt, ist Kreativität. Dieses Buch handelt davon, wie man sich die Kreativität in und um uns herum erschließen und wie man sie nutzen kann.

Ich bin kein Genie, doch ich habe immer an mich selbst und – noch wichtiger – an die Menschheit geglaubt. Die bedeutendste Fähigkeit, über die ich verfüge und die ich im Lauf der Jahre ausgebaut habe, besteht darin, Leuten zuhören zu können: den Nerds bei Google, den unzufriedenen Nutzern von Twitter, meinen geschätzten Kollegen und – zu jeder Zeit – meiner wunderbaren Frau. Das lehrte mich in den fünf Jahren, die ich mit der Gründung und Leitung von Twitter verbrachte, und während meiner Zeit bei Start-ups zuvor, dass die Technologie, die unser Leben zu verändern scheint, im Grunde gar kein Wunderwerk der Entwicklung oder Technik ist. Egal, um wie viele Geräte wir das System erweiterten oder wie ausgefeilt die Algorithmen wurden – das, was ich bei Twitter erarbeitete und miterlebte, war und ist kein Triumph der Technologie, sondern der Menschlichkeit. Ich sah, dass es überall gute Menschen gibt. Ich erkannte, dass ein Unternehmen ein Geschäft aufbauen, etwas Gutes für die Gesellschaft tun und Spaß dabei haben kann. Diese drei Ziele können nebeneinander bestehen, ohne dass es nur um die Zahlen unter dem Strich geht. Wenn man Menschen die richtigen Werkzeuge gibt, können sie Erstaunliches leisten. Wir können unser Leben verändern. Wir können die Welt verändern.

Die persönlichen Geschichten in diesem Buch – aus meiner Kindheit, meiner beruflichen Laufbahn und meinem Leben – handeln von Chancen, Kreativität, Scheitern, Mitgefühl, Selbstlosigkeit, Verletzlichkeit, Ehrgeiz, Unwissenheit, Wissen, Beziehungen, Respekt, dem, was ich in der Zwischenzeit gelernt habe, und von meiner heutigen Sicht auf die Menschheit. Die Einsichten, zu denen ich durch diese Erfahrungen gelangt bin, ermöglichen mir einen einzigartigen Blick auf die Branche und auf die Frage, wie man im 21. Jahrhundert Erfolg definiert, auf das Glück und auf das menschliche Dasein. Das mag ziemlich gewagt klingen, doch wenn wir nicht gerade Hybridmotoren für den Luftverkehr entwickeln, streben wir hier bei Genius Labs nach Großem. Ich tue nicht so, als wüsste ich alle Antworten. Nein, streichen Sie das: Genauso gut kann ich so tun, als wüsste ich alle Antworten. Gibt es einen besseren Weg, sich Fragen zu nähern?