AUFGANG 12 • 2015

AUFGANG

Jahrbuch für Denken, Dichten, Kunst

Band 12

Musik und Spiritualität

Herausgegeben von

José Sánchez de Murillo

Mit Beiträgen von:

Heinrich Beck, Yvonne Bockmaier, Gisela Dischner, Genja Gerber, Rüdiger Haas, Peter Michael Hamel, Stephan Heuberger, Saale Kareda, Jochen Kirchhoff, Natascha Nikeprelevic, Thomas Ogger, Heinrich Poos, José Sánchez de Murillo und Wolfgang-Andreas Schultz

INHALTSVERZEICHNIS

Vorbemerkung

Vorwort: Zur Tagung „Musik und Spiritualität“ in St. Ottilien

Eröffnung

José Sánchez de Murillo

Über Spiritualität – tiefenphänomenologisch

Jochen Kirchhoff

Ohne Musik ist das Leben ein Irrtum (Friedrich Nietzsche)
Ein Gespräch

I. Hauptthema: Musik und Spiritualität

Rüdiger Haas

Begrüßungsworte

Wolfgang-Andreas Schultz

Weltzugewandte Spiritualität. Der Weg der abendländischen Musik

Jochen Kirchhoff

Der Klangraum der Seele
Gedanken zu Philosophie und
Bewusstseinsdimension der klassischen Musik

Peter Michael Hamel

Komm Schöpfer Geist
Musik als Träger spiritueller Erfahrung

Saale Kareda

Über energetische Felder in der Musik und ihre Wirkkraft
Das Phänomen des Tintinnabuli-Stils von Arvo Pärt

Thomas Ogger

Die verborgene Sprache der Musik
Musikauffassung und -ausübung in Orient und Okzident

II. Dem Dichter das Wort

José Sánchez de Murillo

Zu Ute Zydeks Dichtung

III. Zeitgeschehen

Heinrich Beck

Maria als Vermittlerin der „weiblichen Seite“ Gottes
Eine philosophisch-theologische Betrachtung

Yvonne Bockmaier

Die Menschheit in „Geburtswehen“?
Ein Interview mit Heinrich Beck

Heinrich Poos

Kleine Apologie des Notenlesens

Gisela Dischner

Inspiration, Intuition, Muße in der Musik

Genja Gerber

Ich singe, also bin ich – stimmig!
Über die transzendierende Kraft des Gesangs

Stephan Heuberger

Olivier Messiaen –
Schöpfungsspiritualität im Orgelzyklus
„Méditations sur le mystère de la Sainte Trinité”

Natascha Nikeprelevic

Ein Leben zwischen Andacht und Ekstase
Ein Nachruf zum singenden Maler und
malenden Komponisten Michael Vetter

Buchbesprechungen

Otto Speck: Spirituelles Bewusstsein (Rüdiger Haas)

Jörg Blech: Gene sind kein Schicksal (Rüdiger Haas)

Autorenverzeichnis

Vorbemerkung: Aufgang Verlag gegründet

Mit leicht verändertem Untertitel: Jahrbuch für Denken, Dichten, Kunst (bisher: Denken, Dichten, Musik) erscheint nun Band 12 (2015) von AUFGANG im 2014 gegründeten gleichnamigen Verlag mit Sitz in Augsburg. Inhaber und Verleger ist Christoph Rinser.

Aufgewachsen mitten im literarischen Betrieb der Nachkriegszeit verfügt Rinser über fundierte Kenntnisse des deutschen Verlagswesens seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Seine langjährigen Auslandsaufenthalte in verschiedenen europäischen Ländern (Deutschland, Italien, Spanien) haben zudem seinen Blick für internationale Geschäftszusammenhänge geschult. Als Förderer und Mitherausgeber des Jahrbuchs AUFGANG (bisher 12 Bände) hat er an der regen wissenschaftlichen Tätigkeit in den Disziplinen Dichtung und Literatur, Naturwissenschaft, Philosophie und Theologie mitgewirkt, die das Jahrbuch seit 2004 entfaltet.

Die Schwerpunkte des neuen Verlags sind deutsche und romanische (französische, italienische, spanische) Sprache, Literatur und Dichtung, Natur (besonders Aspekte ökologischer Problematik); Gesellschaftskritik; die Zusammenarbeit von klassischer und alternativer Medizin; aktuelle Themen der Weltreligionen.

Die verschiedenen Aspekte des Verlagskonzeptes werden durch einen bestimmenden Faden zusammengebunden: die Ernsthaftigkeit der denkerischen Einstellung. Im Hintergrund wirkt also ein zutiefst philosophisches Anliegen: das Bedürfnis des Menschen, die problematische Befindlichkeit von Natur, Gesellschaft und Politik zu ergründen. Das Interesse des Verlages ist folglich auf die Veröffentlichung von Arbeiten ausgerichtet, die diese Zusammenhänge in einer leserfreundlichen Sprache zu erörtern vermögen.

In diesem Sinne startet der Aufgang Verlag nun mit folgenden Arbeiten:

Literatur

UTE ZYDEK, Hat wohl jemand eine Harfe in den Baum gehängt (Gedichte und kleine Prosa); erschienen, 424 S. ISBN 978-3-945732-014; Paperback € 18,90.

LUISE RINSER / HERMANN HESSE, Auf die Zukunft gespannt. (Arbeitstitel) Briefwechsel (Herbst 2015)

LUISE RINSER, Kleinere Schriften aus dem Nachlass (vorauss. Frühjahr 2016)

Monographien

AUFGANG, Jahrbuch für Denken, Dichten, Kunst. Band 12: Musik und Spiritualität (Sommer 2015)

CARMELO FAILLA, Revolutionäre Gedanken fast vergessener Philosophen. Philosophische Essays eines Künstlers. (Arbeitstitel) Italienisch-Deutsch (Herbst 2015)

JOSÉ SÁNCHEZ DE MURILLO, Die Kraft der Sehnsucht. (Herbst 2015)

Reihe: Gesellschaftskritik

Es werden wichtige, aber kaum beachtete Aspekte, Fakten und Ereignisse des geistigen Lebens (vor allem im deutschen Sprachraum) untersucht, z.B. berufliche Tragödien im Universitätsbetrieb, Willkür der Medien und ähnliches.

Darüber hinaus sollen Probleme ans Licht gebracht werden, die die unmittelbaren Bedürfnisse des Menschen betreffen, wie der kommerzielle Umgang mit Wasser und Strom in europäischen Industrieländern.

Der Herausgeber

Vorwort
Zur Tagung „Musik und Spiritualität“ in St. Ottilien

Im vorliegenden Band werden die Beiträge der Tagung zum Thema Musik und Spiritualität veröffentlicht, die in der Benediktinerabtei St. Ottilien (Bayern) vom 20. bis 22. Juni 2014 stattfand. Einige Informationen zu Konzept und Verlauf der Veranstaltung seien vorausgeschickt:

1. Konzept

Über kulturelle und religiöse Unterschiede hinaus können sich Menschen wohl am natürlichsten in der Musik begegnen. Musik vermag den Menschen schon vor der Geburt zu berühren und im Laufe seines Lebens immer wieder zu sich zu bringen. Was könnte der Grund dafür sein?

Als allgemeine Erfahrung kann gelten: Im Medium des Klanges gehen neue Dimensionen auf. Selbst wenn es sich um alltägliche Situationen handelt, werden sie musikalisch so verwandelt, dass sie den Hörer über das hinausführen, was theoretisch begriffen und in der Sprache ausgesagt werden kann.

Musik

Das Tiefenphänomen der Musik könnte so bezeichnet werden: Das Unaussprechliche wird Wirklichkeit, Unzeitliches wird in der Zeit erfahren. Der Kern der Dinge, die Grunderfahrung von Epochen, Urgefühle des Menschen, die nicht in Begriffe zu fassen sind, werden durch die Musik präsent.

Das Paradoxon: Die individuelle Situation wird transzendiert – der Mensch aber jeweils individuell in seiner Mitte getroffen. Stimmungen werden hervorgerufen, entfaltet, überwältigend zur Gestalt gebracht. Die Seele wird angesprochen, der Leib geht mit. Doch auch die Helle und Schärfe der Erkenntnisorgane werden durch die Musik potenziert. Das Ganze lebt in jedem Teil, wenn es Ton wird.

Im Hören von Musik kann der Mensch zum Erlebnis einer Freiheit gelangen, die ihn ekstatisch verwandelt. Da durch sie der Mensch in der vorbegrifflichen, vorsprachlichen Dimension angetroffen wird, können sowohl behinderte Menschen als auch Kinder und Ungeborene musikalisch erreicht werden.

Musik und Spiritualität

Das menschliche Wesen ist mehrdimensional paradox – dunkel und hell, leidenschaftlich und ruhig, niederträchtig und erhaben. So kann Musik sowohl betroffen machen, anfeuern, umwerfen, als auch besänftigen, anrühren, beglücken. Es gibt einerseits Verzweiflungsmusik, Revolutionsmusik, Kriegsmusik, – andrerseits religiöse, romantische, therapeutische Musik.

Unter Spiritualität wird die Beschäftigung mit der Innenseite des Menschen, mit seinem Drang zur Transzendenz, mit dem Reifungsprozess seines Geistes verstanden. Nennt Seele die Stimmungs- und Gefühlswelt des Menschen, so nennt Spiritualität jene Denkrichtung, welche sich mit der seelischen und geistigen Entwicklung befasst.

Musik und Spiritualität treffen sich in der Mitte. Von dieser aus kann eine menschlich fördernde, beruhigende, heilende Wirkung erzielt werden.

Wie kommt dieser transzendierende Grundzug der Musik zustande? Welche Bedeutung kann er haben für das Verständnis des Menschen, für dessen Erziehung und Gesundheit, für seine Hoffnungen und Sehnsüchte, für seine Schöpfungskraft?

2. Tagungsverlauf

Das Thema ergab sich aus Diskussionen bei der Tagung „Der siebte Schöpfungstag“ in Ávila 2010. Es wurde die Frage gestellt, wie sich Musik und Spiritualität verhalten.

Um dies zu erfahren, plante das Edith Stein Institut e.V. München in Zusammenarbeit mit der Luise Rinser-Stiftung eine einschlägige Tagung in der Benediktinerabtei St. Ottilien. Verantwortlich zeichneten Prof. Dr. Dr. José Sánchez de Murillo und Renate Bürckmann. Im Januar 2013 begannen die Vorbereitungen. Zur Sache haben sich dann vom 20. bis 22. Juni 2014 hervorragende Interpreten geäußert. Die Beiträge reichten vom Weg der abendländischen Musik über den Klangraum der Seele, die energetischen Felder in der Musik und ihre Wirkkraft bis hin zur Musik als Träger spiritueller Erfahrung und wurden mit musikalischen Beispielen erläutert. Das Kloster St. Ottilien bot für diese Tagung den idealen Rahmen.

St. Ottilien wurde 1884 vom Beuroner Benediktinerpater Amrhein im oberpfälzischen Reichenbach als Gemeinschaft gegründet, die nach mittelalterlichem Vorbild das traditionelle benediktinische Leben mit der Missionstätigkeit verbinden wollte. Die Gemeinschaft wurde 1887 nach Emming in Oberbayern verlegt. Der alte Weiler besaß eine kleine Kapelle, die der Hl. Ottilia geweiht ist, somit stand der Name des Klosters sofort fest: St. Ottilien. Bis heute ist St. Ottiliens größte Aufgabe die Unterstützung junger Kirchen im Aufbau und die Mithilfe bei der Einpflanzung benediktinischen Klosterlebens in überseeischen Ländern.

1941 hob die Geheime Staatspolizei das Kloster auf; die vertriebenen Mönche konnten erst nach Kriegsende 1945 zurückkehren. Bis 1948 diente ein Teil des Klosters als Hospital für befreite KZ-Häftlinge; ein jüdischer Friedhof ist noch heute vorhanden. Viele berühmte Äbte wie Heinrich Suso Brechter, Viktor-Josef Dammerts, Notker Wolf und Jeremias Schröder haben mitgewirkt, dass heute St. Ottilien ein Klosterdorf geworden ist, mit Gymnasium, Exerzitien- und Gästehäusern, einem Verlag, zahlreichen Werkstätten, einer großen Landwirtschaft und Gartenbau.

Die Herz-Jesu-Kirche, die sich an mittelalterliche Zisterziensermodelle anlehnt, wurde 1897-99 erbaut. Ihr massiver Turm (75m) dominiert das ganze Klostergebäude und ist von weit her sichtbar. Im Untergeschoss der Sakristei ist heute das Missionsmuseum untergebracht.1

In dieser wunderbaren Atmosphäre wurden die Tage vom 20. bis 22. Juni 2014 für die Teilnehmer zu einem ganz besonderen Erlebnis. Das Exerzitienhaus mit seinen gemütlichen Räumen, die gute leibliche Versorgung und der harmonische Geist des Hauses sorgten dafür, dass alle Teilnehmer sich rundum wohl fühlten. So entstand eine Gemeinschaft, die nicht nur von den Vorträgen und dem genialen Orgel-, Klavier- und Santurspiel begeistert war, sondern sich auch menschlich verstand. Zitat aus dem Schreiben einer Teilnehmerin: „Es war wirklich die schönste Tagung, an der ich je teilgenommen habe“.

Die Redaktion

1 Aus Geschichte von St. Ottilien: https://www.erzabtei.de/index.php?q=geschichte

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