Badru D. Kateregga und David W. Shenk

Woran ich glaube

Ein Muslim und ein Christ im Gespräch

Mit Vorworten von Martin Affolderbach und Wolf D. Ahmed Aries

Aus dem Englischen übersetzt von Wolfgang Günter

Faridah,

der Frau von Badru D. Kateregga,

und Grace,

der Frau von David W. Shenk,

gewidmet

Zu diesem Buch

Millionen von Muslimen und Christen sind Nachbarn. Dennoch wissen sie oft wenig voneinander. Dieses Buch zeigt, wie es trotz großer Unterschiede gelingen kann, den eigenen Glauben zu bezeugen und respektvoll aufeinander zu hören.

Die Verfasser, ein christlicher und ein muslimischer Theologe, sind enge Freunde.

Der Band enthält im ersten Teil zwölf Kapitel des muslimischen Autors Badru D. Kateregga, jeweils versehen von einem kurzen Kommentar aus christlicher Perspektive. Im zweiten Teil ist es andersherum; der christliche Autor David W. Shenk bezeugt den christlichen Glauben in zwölf Stichworten, Kateregga kommentiert aus muslimischer Sicht.

Die Verfasser

Prof. Badru D. Kateregga studierte u. a. in London und ist Mitgründer der Kampala University, Uganda, sowie der East African University in Nairobi, Kenia. Von 1986 bis 1997 war er Botschafter der Republik Uganda in Saudi-Arabien, den Golfstaaten und Pakistan. Seit 1997 unterrichtet Prof. Kateregga Islam und interreligiösen Dialog an der Makerere University in Kampala, Uganda.

Seine Vision als Vizekanzler besteht darin, dass die Universitäten eine hochwertige Ausbildung auf der Grundlage eines islamischen Weltbildes anbieten, so dass die Absolventen dazu befähigt werden, Gott in der modernen Gesellschaft zu dienen. Prof. Kateregga hat zahlreiche Publikationen über den Islam sowie zum interreligiösen Dialog verfasst.

Dr. David W. Shenk lebt in Mountville, Pennsylvania, USA. Der Theologe und Anthropologe promovierte an der Universität von New York und lebte mit seiner Familie jahrzehntelang in Tansania, Somalia und Kenia. Im Rahmen seiner Lehrtätigkeit und seines Engagements im Dialog mit Muslimen war er bereits in über 100 Ländern. Er ist weltweit als Redner sowohl im christlichen wie auch im muslimischen Kontext gefragt. Als Mitglied der mennonitischen Glaubensgemeinschaft liegt ihm besonders daran, Christen und Kirchen dabei zu begleiten, in unserer pluralistischen Welt Friedenstifter im Sinne von Jesus zu sein.

David W. Shenk verfasste (zum Teil als Co-Autor) 15 Bücher und zahlreiche Broschüren sowie Kursmaterial. Auf Deutsch erschien u. a. Christen begegnen Muslimen – Wege zu echter Freundschaft (Neufeld Verlag, Schwarzenfeld 32016).

Kateregga und Shenk wurden vor mehreren Jahrzehnten enge Freunde, als beide am Kenyatta University College in Nairobi, Kenia, unterrichteten. Dieses Buch vermittelt einen Einblick in ihre gemeinsame Reise als Freunde im Gespräch.

Inhalt

Zu diesem Buch

Die Verfasser

Impressum

Vorwort von Martin Affolderbach

Vorwort von Wolf D. Ahmed Aries

Einleitung

Ein muslimisches Gebet

Ein christliches Gebet

Teil 1: Der muslimische Glaube

1 Es gibt keinen Gott außer Allah: Das muslimische Zeugnis

Gott ist Einer

Gott der Schöpfer

Die Namen Gottes

Gott ist barmherzig

Gott ist allmächtig

Gott ist weise und allwissend

Gott ist ewig

Zusammenfassung

Eine christliche Entgegnung

Anmerkungen

2 Die Schöpfung: Die muslimische Sicht

Der Mensch als Chalifa

Die Rechte der Natur

Zusammenfassung

Eine christliche Entgegnung

Anmerkungen

3 Adam und Hauwa: Die muslimische Glaubensauffassung

Die ersten Muslime

Die Schwachheit der Menschheit

Zusammenfassung

Eine christliche Entgegnung

Eine Klarstellung von muslimischer Seite

Anmerkungen

4 Satan und das Böse: Der Ursprung des Bösen

Zusammenfassung

Eine christliche Entgegnung

Anmerkungen

5 Die Bücher Gottes: Was sind die Schriften des Islam?

Der Koran und die vorhergehenden Schriften

Das Wesen des Heiligen Koran

Die Entstehung des Korans

Hadith

Zusammenfassung

Eine christliche Entgegnung

Eine Klarstellung von muslimischer Seite

Anmerkung

6 Die Propheten Allahs: Die muslimische Auffassung

Das Wesen der Propheten

Die Rolle der Propheten in der Geschichte

Zusammenfassung

Eine christliche Entgegnung

Eine Klarstellung von muslimischer Seite

7 Das Siegel der Propheten: Das muslimische Zeugnis zum Propheten Muhammad (Fsmi)

Die Gesellschaft, in die Muhammad (Fsmi) hinein geboren wurde

Muhammads (Fsmi) Heirat

Muhammads (Fsmi) Prophetenamt (Risalat)

Widerstand und Verfolgung

Der Prophet und die Miradsch

Die Wanderung des Propheten Muhammad (Fsmi)

Muhammad (Fsmi) - das Siegel der Propheten

Eine christliche Entgegnung

Eine Klarstellung von muslimischer Seite

Anmerkungen

8 Die Umma: Die muslimische Gemeinschaft

Muhammad (Fsmi) und die Umma

Probleme der frühen Umma

Die Verbreitung der Umma

Zusammenfassung

Eine christliche Entgegnung

Anmerkungen

9 Göttliche Führung und Frieden: Die muslimische Sicht

Islam ist Frieden

Persönlicher Ibadat

Zusammenfassung

Eine Entgegnung von christlicher Seite

10 Anbetung: Die muslimische Praxis

Die rechte Haltung in der Anbetung (Ibadat)

Die obligatorischen Rituale, Glaubenssätze und Praktiken der ibadah

Eine christliche Entgegnung

Eine Klarstellung von muslimischer Seite

Anmerkungen

11 Das richtige Verhalten: Das muslimische Ideal

Die Scharia: Was ist das?

Was enthält die Scharia?

Quellen der Scharia (Koran und Hadith)

Zusammenfassung

Eine christliche Entgegnung

Anmerkung

12 Der Auftrag der Umma: Das Wirken der Umma

Der Auftrag des Propheten

Die Verbreitung des Islam

Trachten nach der Sache Gottes (Dschihad)

Islam ist Frieden

Der Auftrag zum Dienst am anderen

Die Umma und die Geschichte

Eine christliche Entgegnung

Teil 2: Der christliche Glaube

13 Gott, der Herr, ist einer: Das christliche Zeugnis

Gott ist Einer

Was Gott nicht ist

Gott ist aktiv

Gott ist Liebe

Gott ist ein Geheimnis

Der Gott des Bundes

Zusammenfassung

Eine muslimische Entgegnung

Eine Klarstellung von christlicher Seite

Anmerkungen

14 Die Schöpfung: Die christliche Sicht

Schöpfung und Entwicklung

Selbstsucht und Stolz

Zusammenfassung

Eine muslimische Entgegnung

Eine Klarstellung von christlicher Seite

Anmerkung

15 Adam und Eva: Die christliche Überzeugung

Bild und Ebenbild Gottes

Die Sünde der Menschheit

Eine muslimische Entgegnung

16 Die Sünde und das Böse: Die christliche Sicht

Zusammenfassung

Eine muslimische Entgegnung

Eine Klarstellung von christlicher Seite

17 Das Wort Gottes: Was sind die christlichen Schriften?

Der Aufbau der Bibel

Das Alte Testament

Das Neue Testament

Manuskripte und Übersetzungen

Zusammenfassung

Eine muslimische Entgegnung

Anmerkungen

18 Die Propheten in der Geschichte: Die christliche Sicht

Eine muslimische Entgegnung

Eine Klarstellung von christlicher Seite

19 Jesus der Messias: Christen bezeugen den Messias

Leben und Lehre Jesu

Widerstand gegen Jesus

Kreuzigung und Auferstehung

Wer ist Jesus der Messias?

Eine muslimische Entgegnung

Eine Klarstellung von christlicher Seite

Anmerkungen

20 Errettung: Die christliche Erfahrung

Eine muslimische Entgegnung

Eine Klarstellung von christlicher Seite

21 Die Kirche: Die christliche Gemeinschaft

Gläubige Menschen bilden die Kirche

Leitung in der Kirche

Kultur und Kirche

Vielfalt und Zusammenarbeit in der Kirche

Eine muslimische Entgegnung

22 Anbetung und Gemeinschaft: Die christliche Praxis

Taufe

Der Sonntagsgottesdienst

Die Eucharistie

Dienst

Eine muslimische Entgegnung

23 Das richtige Verhalten: Das christliche Ideal

Zusammenfassung

Eine muslimische Entgegnung

Anmerkung

24 Der Auftrag der Kirche: Das Wirken der Kirche

Zusammenfassung

Eine muslimische Entgegnung

Ein Wort zum Schluss

Glossar

Islamische Begriffe

Christliche Begriffe

Mehr aus dem Neufeld Verlag: Dem anderen als Mensch begegnen

Vorwort von Martin Affolderbach

Dieses Buch erscheint in seiner deutschen Ausgabe in einer Zeit, in der manche Kritik am Dialog zwischen Christentum und Islam laut wird. Die globalen politischen Konflikte, die Terroranschläge radikaler Gruppen, die innenpolitischen Auseinandersetzungen um Moscheebauten, das Tragen eines Kopftuches im Schuldienst, die Abgrenzung einiger muslimischer Migranten gegenüber der deutschen Gesellschaft und anderes mehr bilden einen Stimmungsrahmen, in dem harsche Formulierungen und kritische Bemerkungen mehr Applaus finden als vorsichtige und bedächtige Worte und Taten.

So steht dieser Band gegen den Trend, wenn er zeigt, dass und wie ein Muslim und ein Christ miteinander über ihren Glauben sprechen können. Dass dieses Gespräch im afrikanischen Kontext stattfindet, ohne dass es auf jeder Seite des Buches mit diesem verzahnt wird, birgt für deutsche Leser die Möglichkeit, ein Gespräch über den Glauben losgelöst von den eigenen alltäglichen Problemkonstellationen mitzuerleben.

Schon im Aufbau der beiden Teile spürt man deutlich, dass Badru Kateregga und David Shenk ihren Glauben so darzustellen bemüht sind, dass die grundlegende Verwandtschaft von Christentum und Islam wie ein roter Faden erscheint. Gleichzeitig werden aber auch die Differenzen herausgearbeitet und sowohl Missverständnisse in Erwiderung und Klarstellung offen gelegt wie auch Spannungen und Unvereinbarkeiten nicht verschwiegen; selbst da nicht, wo sie als belastend oder auch verletzend empfunden werden. Beide Autoren vermitteln ihren jeweiligen Glauben in der Form, wie er auch durch ihre Persönlichkeit geprägt ist. Sie bezeugen sich gegenseitig ihren Glauben und ziehen sich nicht auf eine möglichst objektive, aber distanzierte Beschreibung der jeweiligen Religion zurück.

Das Buch kann ein Anstoß und eine Einladung zugleich sein, das Gespräch mit einem Menschen der jeweils anderen Religion zu suchen. Man braucht den Autoren nicht nachzueifern, das Gesamte des Glaubens umfassend in den Blick zu nehmen. Eine Alltagserfahrung aufgreifen oder einen Gedanken, ein Bibel- oder Koranzitat oder eine Frage zum Anlass zu nehmen, kann zu einem sehr lebendigen Dialog führen, bei dem man Neues entdecken und zu Einsichten und Erkenntnissen gelangen kann, die man zuvor nicht erahnt hat. Viele, die sich darauf eingelassen haben, haben die Erfahrung gemacht, dass sie zahlreiche Facetten des eigenen Glaubens neu und intensiver befragt, durchdacht und verstanden haben.

Oberkirchenrat i. R. Dr. Martin Affolderbach war bis 2012 Referent im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland für interreligiösen Dialog und Länder des Nahen

Ostens

Vorwort von Wolf D. Ahmed Aries

Das Gespräch unter Gläubigen verschiedener Religionen unterliegt vielen und recht unterschiedlichen Belastungen: Da ist zum einen die wechselvolle Geschichte, in der wortgewaltige und kriegerische Auseinandersetzungen sich abwechselten, und zum anderen die eigene Verunsicherung, dass ein Fremder mit der gleichen Sicherheit wie man selber Wahrheit im Letzten beansprucht und im Gebet lebt. Hinzu kommt, dass jede Gemeinschaft mit einem gewissen Zögern jene beobachtet, die sich in den Dialog begeben, weil sie befürchten, etwas zu verlieren, was immer es auch sei.

Doch in einer zunehmend kleiner werdenden Welt, in der durch einen Druck auf die Maus eines Rechners der Andere in der eigenen Lebenswelt gegenwärtig wird oder jede Urlaubsreise den Anderen zum Gastgeber werden lässt, kann niemand mehr so tun, als gäbe es die andere Religion nicht. Vielmehr brauchen wir, wenn man die Kriege der Vergangenheit nicht mit den Waffen der Gegenwart wiederholen will, das Gespräch unter- und miteinander. Auf Grund dieser heute allgemein akzeptierten Einsicht haben in den vergangenen Jahren Tagungen und Kongresse, Universitätsseminare und Vorträge zugenommen, in denen über andere Religionen diskutiert und informiert wird. Allein die allermeisten dieser Gesprächsrunden sind letztlich dialogische Monologe, in denen jemand über den eigenen Glauben vor dem Anderen spricht. Hier und dort sind diese Reden nichts anderes als „Binnenwerbung“, die die eigene „Klientel“ meint.

Und dennoch gibt es die von Denkern gleich Martin Buber und Emmanuel Lévinas entworfene Chance zum Gespräch. Sie bietet sich dann an, wenn, wie Urs von Balthasar einst schrieb, die Säle sich geleert haben und Stille eingetreten ist, in der ein Wort stehen kann. Glaubenszeugnisse brauchen diesen Raum, um nicht missbraucht oder argumentativ verbraucht zu werden. Gerade Sätze wie „In Jesus liegt das Heil“ oder „Es gibt keine Gottheit außer Gott“ bedürfen des annehmenden Respektes, um den, der sie ausspricht, nicht schutzlos werden zu lassen. Schließlich handelt es sich im Gespräch der Glaubenden nicht um eine religionswissenschaftliche Untersuchung, in der festgestellt wird, welche Kernaussagen eine bestimmte Religion macht.

In der Rede des Du mit dem Anderen, dem Du, dem ein Ich sich im Wort öffnet, spricht das Du von seinem Letzten. Dahinter kann das Du nicht gehen. In einer solchen Situation vermag nur das andere Du durch seine Haltung der Achtung Schutz zu geben und dadurch die Würde des menschlichen Seins zu sichern. Da dies nur selten geschieht, ist es um so erstaunlicher, dass Badru Kateregga und David Shenk nicht nur ein solches Gespräch wagten, sondern es auch noch schriftlich fixierten, so dass man es in Buchform nachlesen kann.

Jedes Buch muss sich auf dem Büchermarkt bewähren und ist so dem Verbrauch ausgesetzt. Man liest es und kann anderen erzählen, man habe es gelesen. Was einst persönliche Äußerung war, das wird nun verbrauchbar. Das Gespräch unter Glaubenden steht in dieser Spannung, wenn sich beide Partner bewusst sind, es zum Dialog der Religionen werden oder dazu verwenden zu lassen. Es ist und wird wohl stets ein Wagnis bleiben, wenn zwei Partner sich entschließen das eigene Persönliche dem vielfältigen Gebrauch und medialer Nutzung auszusetzen, um der Verständigung zwischen den Vielen zu dienen.

Wenn es aber geschieht, so kann man dem Buche nur zuhörende Lesende wünschen, die sich für das Abenteuer des Dialoges öffnen. Und bei diesem Buche lohnt es sich.

Wolf D. Ahmed Aries ist seit 40 Jahren Dozent und Lehrbeauftragter für Islamfragen

Einleitung

Hunderte von Millionen von Muslimen und Christen leben als Nachbarn zusammen. Die Gläubigen beider Religionen glauben, dass Gott sie berufen hat Zeugen zu sein, und trotzdem hören sie nur selten auf das Zeugnis der jeweils anderen. Die Zusammenstöße im Lauf der Geschichte haben trennende Mauern errichtet. Auch wenn beide Gemeinschaften denselben Gott anbeten, hören sie nur selten aufeinander.

Dieses Buch stellt den Versuch eines Muslimen und eines Christen dar, ihren Glauben zu bezeugen und aufeinander zu hören. Wir, die Verfasser, sind enge Freunde. Wir unterrichteten beide am Fachbereich für Philosophie und Religionswissenschaft am Kenyatta University College in Nairobi, Kenia. Badru D. Kateregga, ein Muslim, lehrte islamische Geschichte und Theologie. David W. Shenk, ein Christ, lehrte Kirchengeschichte und christliche Theologie. Wir haben im Team vergleichende Religionswissenschaft gelehrt, oft in Form eines Dialogs, so dass wir in Anwesenheit der Studenten gegenüber dem Anhänger eines anderes Glaubens Zeugnis von unserem Glauben ablegten.

Wir haben gespürt, dass dieser zeugnishafte Dialog zwischen Muslimen und Christen sehr ernst ist. Es geht um tiefgründige Themen, die an die grundlegenden Fragen menschlicher Existenz rühren. Das bedeutet, es bereitet Schmerz, auf das Zeugnis des anderen zu hören und selbst Zeugnis abzulegen. Vielleicht fürchten beide Seiten diesen Schmerz. Und vielleicht liegt darin der Grund, dass Muslime und Christen selten miteinander über ihren Glauben sprechen.

Trotzdem glauben wir beide, die Verfasser dieses Buches, dass der zeugnishafte Dialog lebenswichtig ist. Wir müssen lernen, aus unser jeweiligen Glaubensgemeinschaft heraus miteinander zu reden. Das ist es, was wir in diesem Buch versuchen. Wir haben kein Blatt vor den Mund genommen. Wir reden freimütig. Wir haben beide versucht, so aufrichtig wie möglich das Zeugnis abzulegen, zu dem Gott uns unserer Überzeugung nach berufen hat.

Dieses Buch gliedert sich in zwei Abschnitte. Der erste wurde von Badru verfasst, der für den muslimischen Glauben Zeugnis ablegt. Der zweite Teil wurde von David verfasst, der für den christlichen Glauben Zeugnis ablegt.

Jeder Abschnitt enthält zwölf Kapitel. Am Schluss jedes Kapitels findet man eine Entgegnung desjenigen, an den das Zeugnis gerichtet ist. Das heißt, am Schluss jedes Kapitels, das von dem muslimischen Zeugen verfasst wurde, findet sich eine christliche Entgegnung; in ähnlicher Weise steht am Ende jedes Kapitels, das von dem christlichen Zeugen verfasst wurde, eine muslimische Entgegnung. In einigen Fällen folgt noch eine weitere Klarstellung auf die Entgegnung.

Wir haben als Einzelpersonen und als Freunde geschrieben. Wir sind persönlich verantwortlich für das, was wir geschrieben haben, denn letzten Endes ist es eine zutiefst persönliche Sache, von seinem Glauben Zeugnis abzulegen. Trotzdem sprechen wir von einer bestimmten Position innerhalb unser jeweiligen Glaubensgemeinschaften. Badru stützt sich in seiner Darstellung hauptsächlich auf den Koran, und David gründet seine Ausführungen vor allem auf die Bibel. Badru spricht aus seiner sunnitischen Erfahrungswelt heraus, David aus seiner protestantisch-evangelikalen. Und doch haben beide versucht, der gesamten Glaubensgemeinschaft, aus der ihr jeweiliges Zeugnis stammt, gegenüber sensibel zu sein.

Die theologischen und praktischen Dimensionen des Glaubens, denen in diesem Buch nachgegangen wird, werden nicht erschöpfend behandelt, sondern sind nur Beispiele für das Wesen der Begegnung zwischen Christen und Muslimen. Das Buch stellt eine vergleichende Theologie dar, von der wir hoffen, dass sie frei von Anschuldigungen und Vorurteilen ist. Wir haben versucht, uns an die selbst auferlegte Regel zu halten: Interpretiere nicht meinen Glauben für mich!

Wir glauben, dass dieses Buch jedem Muslim und jedem Christen konstruktive Einsichten in das Wesen der beiden großen Glaubensgemeinschaften Islam und Christentum liefern wird. Wir hoffen, dass es sich als Grundlage für Diskussion und Dialog zwischen Christen und Muslimen gebrauchen lässt.

Wir glauben außerdem, dass dieses Buch sich als wertvoll für höhere Schulen und an islamischen und christlichen theologischen Fakultäten erweisen könnte sowie als einführendes Werk für Universitätsstudenten.

Muslimen ist in der Regel unbehaglich zumute, wenn Christen über den Islam schreiben. In ähnlicher Weise identifizieren Christen sich nur selten mit muslimischen Interpretationen des Christentums. Dieses Buch, gemeinsam von einem Muslim und einem Christen verfasst, wurde unter dem gleißenden Licht gegenseitiger Anteilnahme geschrieben. Jedes Wort, das wir zu Papier brachten, wurde durch das Wissen geschärft und geschliffen, dass wir zusammen arbeiten. Ehrlichkeit, Freundlichkeit und Sensibilität waren daher unbedingt notwendig.

Badru D. Kateregga und David W. Shenk

Ein muslimisches Gebet

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.

Alles Lob gebührt Allah,

dem Herrn der Welten,

dem Allerbarmer, dem Barmherzigen,

dem Herrscher am Tage des Gerichts!

Dir (allein) dienen wir,

und Dich (allein) bitten wir um Hilfe.

Führe uns den geraden Weg,

den Weg derer,

denen Du Gnade erwiesen hast,

nicht (den Weg) derer,

die (Deinen) Zorn erregt haben,

und nicht (den Weg) der Irregehenden.

(Die Al-Fatiha, die Eröffnungssure des Korans)

Dies ist das Gebet, das von gläubigen Muslimen während der fünf Gebetszeiten mindestens siebzehn Mal am Tag wiederholt wird.

Ein christliches Gebet

Unser Vater im Himmel!

Dein Name werde geheiligt.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

(Matthäus 6,9–13; Luther 1984)

Dies ist ein Gebet, das Jesus Christus (der Messias) seine Jünger lehrte; manchmal wird es das Vaterunser genannt.

Teil 1

Der muslimische Glaube

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.

1

Es gibt keinen Gott außer Allah

Das muslimische Zeugnis

Islam bedeutet die vollkommene Unterwerfung unter die Befehle und den Willen Allahs1, des einzig wahren Gottes. Die erste und wichtigste Lehre des Islam wird in der Schahada (Bekenntnis) verkündet: La ilaha illa ‘lla Muhammadun rasul Allah. Das bedeutet: Es gibt keinen Gott außer Allah, und Muhammad ist der Gesandte Allahs. Genau dieses Bekenntnis ist es, das – aufrichtig gesprochen und vollständig befolgt – einen Menschen zu einem wirklichen Muslim macht. Es ist diese Schahada, die einen Muslim sein ganzes Leben lang leitet.

Der Islam ist eine streng monotheistische Religion. Die Schlüsselsure (Abschnitt) des Korans bezeugt den Monotheismus des Islam.

Sprich: „Er ist Allah, ein Einziger,

Allah, der Absolute (Ewige Unabhängige, von Dem alles abhängt).

Er zeugt nicht und ist nicht gezeugt worden,

und Ihm ebenbürtig ist keiner.“ (Koran 112)

Ein Muslim muss an einen Gott glauben, Allah. Der Glaube an Allah ist die Grundlage der al-Din (Religion) des Islam. Allah selbst befahl: „Und rufe neben Allah keinen anderen Gott an. Es ist kein Gott außer Ihm“ (Koran 28:88). An anderer Stelle lesen wir: „Gott allein gebührt der reine Glaube“ (Koran 39:3).

Gott ist Einer

Keine menschliche Sprache ist gut genug, um Gott zu beschreiben, denn niemand sonst ist wie Er. Gottes Wesen übersteigt unsere Vorstellungskraft. Dennoch wissen wir, dass Er Einer ist. Allah, der eine wahre Gott, ist uns nicht fern, denn Er ist immer bei uns. Der Koran sagt: „Wir [Gott] sind ihm [dem Menschen] näher als (seine) Halsschlagader“ (Koran 50:16).

Allah ist Einer, und nur Er ist Gott. Er ist der Einzige, der der Anbetung würdig ist. „Und Allah hat gesprochen: ‚Nehmet euch nicht zwei Götter. Er ist der Einzige Gott. So fürchtet Mich allein‘“ (Koran 16:51).

Alle anderen Dinge und Lebewesen, die Menschen kennen oder auch nicht kennen, sind Gottes Geschöpfe, und wir müssen anerkennen, dass alle Formen von Gottes Schöpfung sich in keiner Weise mit Ihm vergleichen lassen. „Sprich: ‚Ich bin nur ein Warner; und es ist kein Gott außer Allah, dem Einzigen, dem Allbezwingenden‘“ (Koran 38:65).

In einem anderen Vers sagt Gott: „Folgt dem, was zu euch von eurem Herrn herabgesandt wurde, und folgt keinen anderen Beschützern außer Ihm“ (Koran 7:3).

Weil Gott also Einer ist, kann niemand anders auch nur ein Atom Anteil an Seiner göttlichen Macht und Autorität haben. Gott allein besitzt göttliche Eigenschaften. Weil Gott Einer und nur Einer ist, ist es eine Sünde und ein Akt des Unglaubens, irgendein anderes Wesen mit Gott gedanklich in Verbindung zu bringen. Der Islam macht deutlich, dass Gott keinen Sohn hat, keinen Vater, Bruder, keine Schwester, Frau oder Töchter. Die vorislamische (Dschahiliya) Vorstellung, Göttinnen als Töchter Allahs zu bezeichnen (al-Manat, al-Lat, al-Uzza) wurde vom Propheten (Friede sei mit ihm) verurteilt, denn Allah braucht keine Töchter. Der eine Gott ist ganz anders als jede Person oder jede Sache, die einem in den Sinn kommen kann. Sein Wesen und seine Eigenschaften sind völlig einzigartig. Keiner ist Ihm gleich.

Gott der Schöpfer

Ein Muslim muss glauben, dass Allah der Schöpfer des Universums ist und all dessen, was es enthält. Der Koran sagt: „Er ist es, Der in Wahrheit die Himmel und die Erde erschuf“ (Koran 6:73). Weiter heißt es:

Seht, euer Herr ist Allah, Der die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschuf, (und) Sich alsdann (Seinem) Reich majestätisch zuwandte: Er lässt die Nacht den Tag verhüllen, der ihr eilends folgt. Und (Er erschuf) die Sonne und den Mond und die Sterne, Seinem Befehl dienstbar. Wahrlich, Sein ist die Schöpfung und der Befehl! Segensreich ist Allah, der Herr der Welten. (Koran 7:54)

Diese Verse erinnern uns daran, dass sich nichts selbst ins Leben rufen kann. Alles, eingeschlossen die Erde, auf der wir leben, und der Himmel, den wir über uns erblicken, wurde vom allmächtigen Gott geschaffen.

Gott erschafft nicht einfach Seine Geschöpfe und überlässt sie dann sich selbst. Er hört nicht auf, neue Formen zu entwickeln. Er erhält alles, was Er schuf, so wie es Seine Art ist. „Er ist Allah, der Schöpfer, der Bildner, der Gestalter. Ihm stehen die schönsten Namen zu“ (Koran 59:24). Er ist der Erhalter des Universums.

Gott hat den Menschen erschaffen und versorgt ihn. Der Koran sagt zur Erschaffung des Menschen:

Er ist es, Der euch aus Erde erschuf, dann aus einem Samentropfen, dann aus einem Blutklumpen, dann lässt Er euch als Kind (daraus) hervorgehen, dann (lässt Er euch wachsen) auf dass ihr eure Vollkraft erreichen möget, dann (lässt Er) euch alt werden – wenngleich einige von euch vorher zum Sterben abberufen werden –, und (Er lässt euch leben) damit ihr auf bestimmte Frist erreicht und damit ihr begreifen lernet. (Koran 40:67)

Gott erschuf alles, was wir sehen und was wir nicht sehen können, durch Seinen göttlichen Befehl „Es sei“. Und „es war“. Durch diesen Befehl schuf der Herr das Universum und alles, was es enthält.

Es ist die aufrichtige Überzeugung eines Muslimen, dass Allah nach der Erschaffung des Universums und all seiner Geschöpfe nicht ruhte. Er braucht keine Ruhezeit wie Menschen oder Tiere. Gott ist das absolute Leben und frei von solchen Bedürfnissen. Der Koran sagt: „Allah – kein Gott ist da außer Ihm, dem Ewiglebenden, dem Einzigerhaltenden. Ihn ergreift weder Schlummer noch Schlaf. Ihm gehört, was in den Himmeln und was auf der Erde ist“ (Koran 2:255). Gott ist aktiv als Schöpfer, als der, der Leben schenkt und es wieder nimmt, als der Erhalter und als der, der als einziger Seine gesamte Schöpfung unter Kontrolle hat.

Die Namen Gottes

Gott ist die oberste Realität. Er offenbarte der Menschheit neunundneunzig schöne Namen (al-asma al husna), die auf Seine transzendente Majestät und Einzigartigkeit hinweisen. Der Koran sagt: „Und Allahs sind die Schönsten Namen; so ruft Ihn mit ihnen an. Und lasset jene sein, die hinsichtlich Seiner Namen eine abwegige Haltung einnehmen. Ihnen wird das vergolten werden, was sie getan haben“ (Koran 7:180).

In einem von Abu Huraira überlieferten Hadith2 wird der Prophet (Friede sei mit ihm [Fsmi]) mit den Worten zitiert: „Wahrlich, es gibt neunundneunzig Namen Allahs, und wer sie alle rezitiert, wird Eintritt ins Paradies erhalten.“3

Diese Namen werden nicht benutzt, um Allah zu zerteilen und zu zergliedern, denn Allah kann nicht mehr als Einer sein, sondern um einige Seiner Eigenschaften auszudrücken. Muslime gebrauchen diese Namen, um ihrer Ehrfurcht vor Gott Ausdruck zu verleihen und sie in der Anbetung und im Gebet auszusprechen. Gott darf immer mit einem Namen angerufen werden, der auf die Nöte des Bittstellers eingeht. Wir werden einige dieser Namen näher beschreiben, wie zum Beispiel Rahman (der Gnädige), Rahim (der Barmherzige) oder al-Fialil (der Majestätische).

Gott ist barmherzig

Bis auf eine4 beginnen alle Suren des Korans mit der Basmala5 der Aussage „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“. Die Basmala ist der Satz, den ein Muslim rezitieren muss, bevor er irgendetwas tut. Sie erinnert den Gläubigen ständig an Gottes Barmherzigkeit gegenüber Seiner gesamten Schöpfung. Ein sorgfältiger Blick in den Koran zeigt, dass es eine Reihe von ayat (Versen) gibt, die Gottes Barmherzigkeit und Liebe zur Menschheit schildern.

Allah sagt im heiligen Koran: „Allah ist es, Der für euch die Nacht gemacht hat, auf dass ihr darin ruht, und den helllichten Tag. Wahrlich, Allah ist der Herr der Gnadenfülle gegenüber der Menschheit, jedoch die meisten Menschen danken (Ihm dafür) nicht“ (Koran 40:61).

In einem anderen Vers sagt Gott:

Allah ist es, Der die Erde für euch als festen Grund und den Himmel als Bau geschaffen hat und Der euch Gestalt gegeben und eure Gestalten schön gemacht hat und euch mit guten Dingen versorgt hat. Das ist Allah, euer Herr. Segenreich ist darum Allah, der Herr der Welten. (Koran 40:64)

Die Menschen genießen die Barmherzigkeit Gottes, der freundlich und gut ist. Gottes Barmherzigkeit gilt jedem, sei er gläubig oder ungläubig, gehorsam oder ungehorsam, Muslim oder Nicht-Muslim, schwarz oder weiß.

Der Koran stellt fest: „Allah ist es, der die Himmel und die Erde erschuf und Wasser aus den Wolken niederregnen ließ und damit Früchte zu eurem Unterhalt hervorbrachte; und Er hat euch die Schiffe dienstbar gemacht, damit sie auf dem Meer auf Seinen Befehl fahren, und Er hat euch die Flüsse dienstbar gemacht“ (Koran 14:32). Er fährt fort: „Und Er gab euch alles, was ihr von Ihm begehrtet; und wenn ihr Allahs Wohltaten aufzählen wolltet, würdet ihr sie nicht vollständig erfassen können. Siehe, der Mensch ist wahrlich frevelhaft, undankbar“ (Koran 14:34).

Gottes Barmherzigkeit gegenüber Seiner Schöpfung ist unermesslich. Wir können uns die Güte, die Er der Menschheit erweist, weder vorstellen noch sie messen. Er gibt den Menschen Nahrung und Trank, Bewegungsfähigkeit und alles, was sie zum Leben nötig haben. Er sorgt für sie ungeachtet ihres Verhaltens. Gott schuf die Menschen in der bestmöglichen Form und schenkt ihnen alles, was sie zum geistlichen und körperlichen Wachstum brauchen. Gott gibt ihnen all das aus Seiner Barmherzigkeit heraus. Gott ist der Allerbarmer, und durch Sein Erbarmen finden Menschen Frieden, innere Ruhe, Hoffnung und Zuversicht. Die Barmherzigkeit Gottes ist real und aktiv, sie durchdringt alle Dimensionen menschlicher Erfahrung.

Darüber hinaus hat Gott versprochen seine Liebe auf alle auszuweiten, die Seinem Willen gehorchen. Seine Barmherzigkeit gilt allen Menschen, seine Liebe allen, die sich Seinem Willen unterwerfen. Der Koran sagt: „Sprich (o Muhammad zur Menschheit): ‚Wenn ihr Allah liebt, so folgt mir. Lieben wird euch Allah und euch eure Sünden vergeben; denn Allah ist Allvergebend, Barmherzig‘“ (Koran 3:31).

Gott ist allmächtig

Nachdem wir gesehen haben, dass Gott vergebend und barmherzig ist, müssen wir auch festhalten, dass Er der einzige Gott ist, der alle Macht besitzt. Niemand außer Allah kann einem Menschen Gutes tun oder ihm schaden. Gott allein kann menschliche Bedürfnisse stillen und Leben schenken und es wieder nehmen. Der Heilige Koran verkündet: „Weißt du denn nicht, dass Allah die Herrschaft über die Himmel und die Erde gehört? Und außer Allah habt ihr weder Freund noch Helfer“ (Koran 2:107). In Gott allein ruht die Autorität, Macht in den Himmeln, auf der Erde und über die gesamte Schöpfung auszuüben.

Nichts und niemand kann Gottes höchste Macht und Autorität in Frage stellen. Er ist der oberste Herr des ganzen Universums sowie Sein Schöpfer. Ein Vers des Koran, der über Gottes souveräne Macht spricht, lautet:

Sprich: „O Allah, Herrscher des Königtums, Du gibst das Königtum, wem Du willst, und nimmst das Königtum, wem Du willst; und Du ehrst, wen Du willst, und erniedrigst, wen Du willst. In Deiner Hand ist das Gute; wahrlich, Du hast Macht über alle Dinge. (Koran 3:26)

Das ist eine ernste Ermahnung Allahs an diejenigen, die auf der Erde Macht ausüben. Sie sollten nicht vergessen, dass Gott Macht verleiht und Herrschern die Macht entzieht, wie es Ihm gefällt. Er ist in der Lage, so zu handeln, weil alle Macht von Ihm ausgeht; Er ist der Herr der Macht.

„Darum ist Allah, der Wahre König, Hoch Erhaben. Es ist kein Gott außer Ihm, dem Herrn des Würdigen Throns. Und wer neben Allah einen anderen Gott anruft, für den er keinen Beweis hat, der wird seinem Herrn Rechenschaft abzulegen haben“ (Koran 23:116–117). Dieser Vers erklärt das Wesen von Gottes Macht. Er ist die hoch erhabene Macht, der Souverän, der Herr. Der feste Glaube an das allmächtige Wesen Gottes kann dem Menschen helfen, die bestmögliche Erklärung für viele rätselhafte Dinge zu liefern, die in unserem Leben geschehen.

Allah ist die unbestrittene Autorität, die allein berechtigt ist, Gehorsam entgegenzunehmen und der man auch tatsächlich Gehorsam entgegen bringt. Er ist der Allerhöchste, und jeder Kopf sollte sich Ihm in Unterwerfung und Anbetung beugen. So mächtig Er ist, Gott bleibt rein und frei von aller Sünde und allem Bösen.

Gott ist weise und allwissend

Der allmächtige, barmherzige, wohlmeinende Allah ist darüber hinaus allweise und allwissend. Der heilige Koran lehrt: „Und ob ihr euer Wort verbergt oder es offen verkündet, Er kennt die innersten Gedanken der Herzen. Kennt Er den denn nicht, den Er erschaffen hat? Und Er ist der Nachsichtige, der Allkundige“ (Koran 67:13–4).

Muslime nehmen diese Eigenschaften der Weisheit Gottes sehr ernst. Zum Beispiel sollte man keine Sünden im Dunkeln begehen, nur weil man glaubt, dass man nicht bemerkt wird, wenn niemand in der Nähe ist. Gottes Wissen erstreckt sich auch auf alles Sichtbare und Unsichtbare, Gesprochenes und Unausgesprochenes. Nichts bleibt vor Ihm verborgen, weder heimliche Wünsche noch versteckte Absichten.

Gottes Weisheit und Wissen werden in einigen Koranversen besonders betont. Zum Beispiel heißt es dort:

Alles Lob gebührt Allah, Dessen ist, was in den Himmeln und was auf Erden ist, und Sein ist alles Lob im Jenseits; und Er ist der Allweise, der Allkundige. … Nicht einmal das Gewicht eines Stäubchens in den Himmeln oder auf Erden ist vor Ihm verborgen; noch gibt es etwas Kleineres oder Größeres als dieses, das nicht in einem deutlichen Buch stünde. (Koran 34:1.3)

Bei Ihm befinden sich die Schlüssel zum Verborgenen; nur Er kennt sie. Und Er weiß, was auf dem Lande ist und was im Meer. Und nicht ein Blatt fällt nieder, ohne dass Er es weiß; und kein Körnchen ist in der Finsternis der Erde und nichts Feuchtes und nichts Trockenes, das nicht in einem deutlichen Buch (verzeichnet) wäre. (Koran 6:59)

Es ist der vollkommene Gott, der weiß, was alles in der Gegenwart geschieht und in Zukunft geschehen wird. Er kennt das, was nah ist und was fern, was im Himmel und auf der Erde vor sich geht. Sein Wissen kennt keine Grenzen. Er unterweist die Menschen durch Seine Boten und die Schriften in Seiner Weisheit. Auch offenbart Er den Menschen die Kenntnis der Naturgesetze und Seiner wunderbaren Zeichen in der Schöpfung und der Ordnung des Universums. All das gehört zu Seiner Weisheit und Seinem Wissen.

Gott ist ewig

Als Muslime wird uns nachdrücklich aufgegeben zu glauben und zu wissen, dass Gott ewig ist. Damit erkennen wir an, das Gott keinen Anfang und kein Ende hat, dass Er schon immer da war und immer sein wird. Niemand war vor Ihm da, niemand wird nach Ihm da sein. Er war, als es noch nichts gab, und Er wird sein, wenn es nichts mehr geben wird. Der Koran sagt: „Er ist der Erste und der Letzte, der Offenbare und der Verborgene, und Er ist der Kenner aller Dinge“ (Koran 57:3).

Der ewige Gott wird nicht durch Zeit, Raum, Ort oder Umstände begrenzt. Weil Er außerhalb der Zeit existiert, altert Er nicht. Gott ist präexistent und ewig, während anderen Existenzformen einmal ein Ende gesetzt ist. Alles was existiert, wird vergehen – außer Gott. Der Koran lehrt: „Alles, was auf (Erden) ist, wird vergehen. Aber das Angesicht deines Herrn bleibt bestehen – des Herrn der Majestät und der Ehre“ (Koran 55:26–27). Diese Lehre ist wichtig, weil sie die Gläubigen daran erinnert, dass wir als Menschen lediglich Gäste auf dieser Erde sind. Gott allein lebt ewig, alles andere hat ein vergängliches Wesen.

Die großartigsten menschlichen Leistungen wie etwa Raumschiffe oder Wolkenkratzer sind in Gottes Augen ein Nichts. Die großen Reiche, die außergewöhnlichen Leistungen in Wissenschaft, Kunst und anderen Bereichen menschlicher Schaffenskraft werden vergehen. Die großen Naturwunder wie die Berge, Täler, Meere, Sterne, die Sonne und der Mond werden gleichermaßen zu der Zeit vergehen, die Gott will. Allein Gott, der höchste Herr des ganzen Universums und der Schöpfer aller Dinge, wird bleiben.

Zusammenfassung

Wenn wir das Wesen und die Werke Gottes zu verstehen versuchen, erfahren wir, dass Gott Einer ist, ohne Partner oder Sohn. Er ist der Schöpfer des Universums und all dessen, was sich darin befindet. Er ist der Erbarmer, dessen Mitgefühl sich auf alle Geschöpfe erstreckt. Er ist gerecht. Er führt und leitet alles. Er ist präexistent und ewig. Er ist allwissend und allweise. Er liebt die Menschen und sorgt für sie, und Seine Barmherzigkeit Seinen Geschöpfen gegenüber kennt keine Grenzen. Er ist heilig und kann weder Sünden begehen noch Schlechtes tun. Er ist unabhängig und einzigartig.

Weil Er einzigartig ist, können die Menschen nicht alles über Gott wissen, und selbst die neunundneunzig Namen Gottes sind bei weitem nicht erschöpfend. Trotzdem kann der Muslim Gott anerkennen, durch Nachdenken, Meditation, das entschiedene Annehmen des Glaubensbekenntnisses La ilaha illa ’lla und die vollkommene friedliche Hingabe an seine Befehle und seinen Willen.

Eine christliche Entgegnung

Christen und Muslime beten denselben Gott an. Beide bezeugen, dass es nur einen wahren Gott gibt, den gerechten und transzendenten Schöpfer aller Dinge im Himmel und auf Erden. Darüber hinaus nehmen Christen in Dankbarkeit die neunundneunzig Namen Gottes an, die Muslime im Gebet und in der Anbetung wiederholen. Selbst die Bezeichnung „Allah“ wird von Christen als ein Name Gottes bestätigt. Der Prophet Abraham kannte Gott als El oder Elohim, die hebräische Form des arabischen Allah. Es ist kein Wunder, wenn der Koran bekräftigt, dass die Christen den Muslimen am nächsten stehen. Die tiefe muslimische Akzeptanz der Souveränität und Transzendenz Gottes ist ein Zeugnis, auf das Christen hören sollten.

Trotzdem gibt es innerhalb des gemeinsamen Rahmens des Glaubens an einen Gott Unterschiede zwischen Muslimen und Christen. Diese Unterschiede wurzeln in einem unterschiedlichen Verständnis der Beziehung Gottes zu den Menschen. Der Koran betont die Offenbarung der Anweisungen Gottes und seiner Namen. In der Bibel nehmen wir Gott als denjenigen wahr, der sich selbst der Menschheit offenbart.

Das biblische Zeugnis lautet, dass Gott sich entschloss, sich in der persönlichen Begegnung der Menschheit zu offenbaren. Gott als der Eine, der dem Menschen persönlich begegnet, ist unter dem Nahmen Jahwe bekannt, dem Gott des Bundes, der „Ich bin“, der immer gegenwärtig ist und sein Volk in eine Bundesbeziehung zu sich ruft. Jahwe offenbart der Menschheit nicht nur seinen Willen, seine Anordnungen und seine Namen, sondern auch sich selbst in der persönlichen Begegnung.

Die Bibel offenbart, dass Jahwe uns in dieser Selbstenthüllung zeigt, dass er der Eine ist, der uns vollkommen liebt. Das biblische Zeugnis sagt uns sogar, dass Gott Jahwe sich selbst aus Liebe hingab, für uns litt und uns erlöste. Aus seiner Liebe heraus ist er betrübt, wenn wir betrübt sind, leidet er, wenn wir leiden, unsere Sünden bereiten ihm Schmerzen. Gott liebt uns ganz und gar.

Das christliche Zeugnis sagt, dass Gott uns in eine Bundesbeziehung mit ihm einlädt; er lädt uns ein, den Einen kennenzulernen und Gemeinschaft mit ihm zu erleben, den der Islam durch die ehrfürchtige Wiederholung seiner neunundneunzig wunderbaren Namen preist.

Anmerkungen

1

Der Begriff Allah stammt aus dem Arabischen und ist schwer zu übersetzen. Das Wort beschreibt die Einzigartigkeit Gottes, der alle Eigenschaften der Vollkommenheit und der Schönheit in unbegrenztem Maß besitzt. Muslime empfinden, dass das deutsche Wort Gott nicht die wahre Bedeutung des Begriffs Allah wiedergibt. In diesem Buch werden die Begriffe Allah und Gott dennoch gleichwertig gebraucht.

2

Hadith bedeutet prophetische Tradition.

3

Überliefert von Abu Huraira, Sahih Muslim, Band IV (Lahore: M. Ashraf-by Siddiqi, 1975), S. 1409.

4

Sure 9 (At-Taubah).

5

Im Arabischen lautet die Basmala „… Bis-mi-llahi ar-Rahmani ar-Rahim“.